Jakob Lorber

(Lebensbeschreibung)

DIE HAUSHALTUNG GOTTES

Band 1 (HGt)

Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber.

Nach der 5. Auflage.

Lorber-Verlag - Hindenburgstraße 5 - D-74321 Bietigheim-Bissingen.

Alle Rechte vorbehalten.

Copyright © 2000 by Lorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen.

Vorrede des Herrn.

[HGt.01_000,01] Der Schreiber des vorliegenden Werkes suchte ernstlich, und er fand, was er suchte. Er bat, und es ward ihm gegeben; und da er an die rechte Tür pochte, so ward sie ihm aufgetan und durch ihn auch allen jenen, die eines guten Herzens und Willens sind. Denen aber, die da nicht mit dem Herzen, sondern allezeit nur mit ihrem vermeintlich reinen Weltverstande suchen und prüfen und kritisieren und statt an den lebendigen Namen des ewigen Gebers aller guten Gaben nur an die harte und tote Schale der Materie klopfen, wird nicht gegeben und aufgetan werden. Denn der Geist des Herrn offenbart sich nie durch den Verstand der Verständigen der Welt, sondern nur in und durch die Einfalt des Herzens denjenigen, die vor der Welt der Verständigen als Toren gelten und bekannt werden; aber der Verstand der Weisen der Welt wird in kurzer Zeit dennoch zunichte vor der Einfalt der Toren.

[HGt.01_000,02] Wer das vorliegende Werk lesen wird mit einem demütigen und dankbar gläubigen Herzen, dem wird daraus allerlei Gnade und Segen zuteil werden, und er wird im Werke den rechten Autor nicht verkennen. Der puren Verstandeskaste ist's aber ohnehin einerlei, ob sie einen Daniel, oder einen Sir Walter Scott, oder einen Rousseau, oder Hegel liest; denn der Weltverstand nimmt alles weltlich und nimmt eine höherstehende Mitteilung von oben her als ein loses Hirngespinst ungelehrter, aber von Natur phantasiereicher Menschen an, die durch ihre Mystifikationen etwas gelten und erreichen möchten, weil sie auf dem reinen Verstandeswege nichts erreichen können, da ihnen dieser notwendig mangelt!

[HGt.01_000,03] Aber das führe ja niemand irre! Wie oft sind die vier Evangelien schon verdächtigt worden; gelten sie darum in den Herzen der wahren Bekenner Gottes weniger?! Wie oft bin Ich, der Herr und Geber des Lebens und jeglicher demselben wahrhaft ersprießlichen Gabe, schon als ein purer Mensch, als ein Magnetiseur, auch als ein Betrüger und auch schon als eine rein erdichtete Person von den Weltweisen deklariert worden und werde zur Stunde von Millionen also deklariert! Aber das macht dennoch andere Millionen nicht irre. Diese als Täter und nicht als alleinige Hörer Meines Wortes sahen es in der Einfalt ihres Herzens, daß der Jesus von Nazareth mehr war, als für was Ihn die vielen Gelehrten der Welt halten oder gar nicht halten. Halte sich daher bei diesem vorliegenden Werke niemand an das Urteil der Welt, die nur das erhebt, was ihrer Art ist, sondern allein an die Stimme des Herzens der Einfältigen! Diese werden jedermann vor den Augen des guten Gebers ein richtiges Urteil abgeben. Der Verstand der Weltweisen aber wird sich daran vielfach zu stoßen die beste Gelegenheit finden. Wohl ihm, so er dabei nicht völligen Schiffbruch erleiden wird!

[HGt.01_000,04] Wer dies Werk liest und es wohl als eine geistige Eingebung betrachtet, aber im unklaren ist, ,ob es von einem Geiste niederer oder höherer Art herkomme`, der ist noch stark blind, und die Decke des Weltverstandes verhüllt noch mächtig die Sehe seines Herzens.

[HGt.01_000,05] Wer an Mich lebendig glaubt, dem ist Meine Stärke, Güte und vollste Weisheit sicher nicht fremd, und er wird und er muß es einsehen, daß Ich wohl Kraft und Weisheit in ewiger Übergenüge besitze und da, wo Ich ein Feld bebaue, den Feind aus dem Felde sicher für ewig zu verdrängen vermögen werde; denn Ich und der Satan haben noch nie in einer Furche den Pflug geleitet! Im Verstande der eigennützigen Welt leider wohl, die, da sie selbst finster ist, überall nichts als Finsternis erschaut; aber in den Augen derjenigen, die vom Vater gelehrt und gezogen sind, erscheint alles ganz anders, denn den wahrhaft Reinen und Erleuchteten ist alles rein und wohlbeleuchtet.

[HGt.01_000,06] Denen aber, die da sagen, diesem Werke, um als ein von oben her gegebenes zu gelten, fehle die Einfalt, die Ruhe und Umsicht und die gewisse Tiefe in der ganzen Weltanschauung, sei ganz kurz bloß das gesagt: daß sie sich wohl vorher in ihrem Herzen genau prüfen möchten, ob ihnen vielleicht nicht eben das mangelt, was sie in dem Worte vermissen. Im übrigen haben sie da ein Urteil abgegeben, damit sie als europäische Gelehrte über dieses Werk doch auch etwas gesagt haben, ohne in die volle Tiefe des Werkes eingedrungen zu sein; denn dazu gehört doch offenbar mehr als ein kaum einmaliges flüchtiges Durchlesen einer Abteilung dieses Werkes.

[HGt.01_000,07] Was verstehen denn solche Leser unter der Einfalt?! Ich meine aber, eine Schrift, die trotz der ganz notwendigen, für die beschränkte menschliche Sehe mysteriösen Fülle und Tiefe dessen, was sie gibt, also verfaßt ist, daß sogar Kinder sie recht wohl verstehen können, wenn sie nur des Lesens einigermaßen kundig sind und ein wenig übers Abc und übers Einmaleins hinaus zu denken vermögen, sollte doch Rechtens keinen Mangel an der gewissen Einfalt haben. Bilder und Sprache aber bedingen ewig nie die Einfalt einer Schrift, sondern lediglich nur das leichte Verständnis eines noch so einfältigen Herzens und das Sich-leicht-Zurechtfinden in solch einer Schrift; alles andere aber - als: eine alte, unbehilfliche Sprache und mehrere Tausende von Jahren alte entsprechende Gleichnisbilder - ist ebensowenig Einfalt wie der Weltverstand der Weltweisen. Was aber da von der erforderlichen Ruhe und Umsicht und von der geforderten Tiefe in der ganzen Weltanschauung bemerkt ist, so ist alles das in dem vorliegenden Werke um so mehr vorhanden, je mehr der krittelnde Weltverstand solches zu vermissen wähnt; denn was dem Herzen die Ruhe gibt, das muß doch selbst Ruhe haben in Fülle. Dem Verstande aber kann es freilich keine Ruhe geben, weil dieser für die Ruhe nicht aufnahmefähig ist und daher in einer Schrift ebensowenig irgendeine Ruhe finden kann wie irgendein Strom, bevor er nicht des Meeres tiefste Tiefe erreicht hat. Wenn der Verstand der Weltweisen sich aber demütigen und von seiner vermeinten Höhe in das einfaltsvolle Lebenskämmerlein des Herzens hinabsteigen könnte, so würde er dann aus dieser Ruhe heraus schon auch im vorliegenden Werke die vermißte Ruhe und eine vollste Umsicht in eben dieser Ruhe finden. Aber solange der Verstand gleich einem Wetterhahn auf der Turmspitze irdischer Weisheit ohne Unterlaß von allerlei Zweifelswinden nach allen Richtungen hin und her gedreht wird, da kann er wahrscheinlich nirgends seine Ruhe finden, die er selbst nicht hat, und also auch die angewohnte Umsicht nicht, die er auf seiner windigen Höhe genießt.

[HGt.01_000,08] So aber jemand in diesem Werke die gewisse Tiefe der ganzen Weltanschauung vermißt, dem sei es vorerst gesagt, daß es dem Geber dieser Schrift auch gar nicht darum zu tun war, durch vorliegende Schrift bei denen, die sie als das, was sie eigentlich ist, in der wahren Ruhe und Einfalt ihres Herzens lesen werden, eine solche Anschauung, die leider nun schon unter den Menschen zu sehr verbreitet ist, zu entwickeln, sondern lediglich, um einen frommen und dankbaren Sinn zu erwecken, und um aus diesem heraus einen lebendigen Glauben und die rechte Liebe zu Gott und dem Nächsten zu erwecken und für dauernd zu beleben.

[HGt.01_000,09] Fürs zweite aber werden jene, die aus dem rechten Sinne heraus diese Schrift lesen, dennoch zu einer hinreichenden Tiefe der besseren Weltanschauung gelangen ohne Zutat der Gelehrten, die auf dem Wege ihrer eitlen Verstandesprüfungen wohl ewig nie in jene rechten Tiefen der totalen Welt- und Weltenanschauung gelangen werden, wie sie bloß nur im vorliegenden Werke für die rechten Leser zu erschauen ist, - anderer und späterer Werke gar nicht zu gedenken, in denen sozusagen die Sonne und mit ihr materiell und hauptsächlich geistig alle Planeten-, Sonnen- und Zentralsonnensysteme verständlich genug und ausführlich entwickelt und enthüllt werden.

[HGt.01_000,10] So aber in einem Werke vom Urbeginn aller geschaffenen Dinge an - also eine beinahe schon ewig dauernde Zeiten- und Zustandsfolge hindurch - sowohl die materielle, als ganz besonders die geistige Entwicklung derselben genügend klar dargestellt wird, und es findet jemand dennoch zu wenig Tiefe in der mangeln sollenden Weltanschauung, - wahrlich, da gibt es denn wohl auch in allen Himmeln kaum irgendeine Augensalbe mehr, mittels welcher solche Forscher um ihre sehr bedauerliche Kurzsichtigkeit kommen könnten!

[HGt.01_000,11] ,Wir einfältigen und verstandesschwachen Liebhaber Gottes", so können mit vollem Rechte die rechten Leser dieses Werkes sagen, ,die wir zwar außer der Universität Gottes in unserem Herzen nie eine andere, weder zu Paris noch zu Jena und Göttingen, besucht haben, wollen aber mit aller eurer hochberühmten Weltweisheit dennoch nicht tauschen; denn unser inständiges Schauen in den Tiefen der großen Schöpfungen unseres heiligen Vaters ist uns lieber als euer tausendjähriges Forschen mit verdeckter Sehe. Wie weit eure Ferngläser und eure mathematischen Linien reichen, können wir aus eurem Kalender sehen, und eure Wege sind uns nicht fremd; aber wie weit die helle Sehe unseres in Gott ruhenden Herzens reicht, das zu bemessen dürften eure Tubusse und mathematischen Linien wohl sehr bedeutend zu kurz werden und zu wenig mathematisch sein!"

[HGt.01_000,12] Wer also dieses Werk mit wahrem Nutzen für seine Seele lesen will, der lese es in aller Einfalt seines gottergebenen Herzens und mache darüber nicht einen Zensor nach weltmenschlicher Weise, sondern stets nur einen sehr sorgsamen Hauswirt seines Herzens, so wird er in vorliegendem Werke alles in Hülle und Fülle finden, was einige wenige hochgelehrte Leser leider nicht gefunden haben.

[HGt.01_000,13] Und nun denn allen Segen und jegliche Gnade den rechten Lesern, die eines reinen Herzens und eines guten Willens sind. Amen

 

1. Kapitel

[HGt.01_001,00] So sprach der Herr zu und in mir (Jakob Lorber) für jedermann, und das ist wahr, getreu und gewiß:

[HGt.01_001,01] Wer mit Mir reden will, der komme zu Mir, und Ich werde ihm die Antwort in sein Herz legen; jedoch die Reinen nur, deren Herz voll Demut ist, sollen den Ton Meiner Stimme vernehmen.

[HGt.01_001,02] Und wer Mich aller Welt vorzieht, Mich liebt wie eine zarte Braut ihren Bräutigam, mit dem will Ich Arm in Arm wandeln. Er wird Mich allezeit schauen wie ein Bruder den andern Bruder, und wie Ich ihn schaute schon von Ewigkeit her, ehe er noch war.

[HGt.01_001,03] Den Kranken aber sage: sie sollen sich in ihrer Krankheit nicht betrüben, sondern sollen sich ernstlich an Mich wenden und sollen Mir ja ganz trauen. Ich werde sie trösten, und ein Strom des köstlichsten Balsams wird sich in ihr Herz ergießen, und des ewigen Lebens Quelle wird unversiegbar in ihnen offenbar werden; sie werden genesen und werden erquickt werden wie das Gras nach einem Gewitterregen.

[HGt.01_001,04] Die Mich suchen, denen sage: Ich bin der wahre Überall und Nirgends. Überall bin Ich, wo man Mich liebt und Meine Gebote hält, - nirgends aber, wo man Mich nur anbetet und verehrt. Ist denn die Liebe nicht mehr denn das Gebet, und die Haltung der Gebote nicht mehr denn die Verehrung?! Wahrlich, wahrlich sage Ich dir: Wer Mich liebt, der betet Mich im Geiste an, und wer Meine Gebote hält, der ist's, der Mich in der Wahrheit verehrt! Meine Gebote aber kann niemand halten als nur derjenige, der Mich liebt; der Mich aber liebt, hat kein Gebot mehr als dieses, daß er Mich liebt und Mein lebendiges Wort, welches das wahre, ewige Leben ist.

[HGt.01_001,05] Den Schwachen tue kund aus Meinem Mund: Ich bin ein starker Gott. Sie sollen sich alle an Mich wenden; Ich werde sie vollenden. Aus dem Mückenfänger will Ich einen Löwenbändiger machen, und die Furchtsamen sollen die Welt zerstören, und die Starken der Erde sollen zerstreut werden wie Spreu.

[HGt.01_001,06] Den Tänzern und Tänzerinnen sage ohne Scheu, daß sie allesamt vom Satan übel hergenommen sind. Er faßt sie nämlich allesamt bei den Füßen und dreht sich mit ihnen schnell in einem Wirbelkreis herum, damit sie dadurch ganz durch und durch schwindelig werden und weder stehen, noch gehen, noch sitzen, noch schlafen, noch rasten, noch sehen, noch hören, noch fühlen, noch riechen, noch schmecken, noch empfinden können; denn sie sind wie Tote, - daher kann ihnen weder geraten noch geholfen werden. Und wollten sie noch zu Mir sich wenden, so würde es ihnen ergehen wie einem, den ein Starker bei den Füßen nähme und ihn schnell in einem Kreise um sich herumtriebe; würde dieser auch zum Himmel emporblicken, so würde er keine Sonne, sondern nur einen lichten Streifen erblicken, der ihn erblinden würde, damit er dann seine Augen schließen und gar nichts mehr sehen möchte.

[HGt.01_001,07] Wessen leiblich Auge blind ist, dem steht noch die Sehe des Geistes offen; wer aber erblindet am Geiste, der bleibt blind ewiglich.

[HGt.01_001,08] Den Spielern sage, daß sie zuerst ihr Leben und hernach aber alles, was ihnen zu diesem gegeben wurde, verspielen. Denn das Spiel ist ein Brunnen voll giftigen Unrats; die Spieler glauben aber, es sei eine verborgene Goldquelle. Daher wühlen sie täglich in demselben, schlürfen den Pesthauch in die Nüstern, vergiften sich durch und durch und finden statt des vermeintlichen Goldes des Geistes ewigen Tod.

[HGt.01_001,09] Diejenigen, welche die Schrift besitzen und sie nicht lesen, gleichen einem Durstigen am Brunnen, wo reines Wasser ist, das sie aber nicht trinken wollen, entweder aus einer gewissen geistigen Wasserscheu gleich tollen Hunden, welche, statt ihre Schnauze ins Wasser zu stecken und zu genesen, in die härtesten Steine beißen, um sich den brennenden Durst zu stillen, oder auch wohl meistens aus einer gewissen lauen Trägheit, und lassen sich daher lieber von einigen gewissen faulen Dienern aus der nächsten Pfütze stinkenden Schlamm zur Stillung ihres Durstes reichen, damit sie dann allesamt übel umkommen.

[HGt.01_001,10] Den Buhlern und Buhlerinnen aber sage: Wer im Fleische wandelt, der wandelt im Tode, und seine Lust wird bald zur Speise der Würmer umgestaltet werden. Nur wer im Geiste wandelt, kommt zum Lichte, der Urquelle alles Lebens; sein Anteil wird ewig bestehen und sich vermehren.

[HGt.01_001,11] Den Kleiderpracht- und Modesüchtigen sage ernstlich, daß sie nackt vor ihrem gerechtesten Richter stehen. Ihre Pracht wird vergehen wie ein Schaum; ihre Herrschsucht und Pracht wird in die niedrigste Sklaverei verwandelt werden, und sie werden sich ewig ihrer Torheit schämen müssen. Ist denn nicht ein großer Tor der, welcher sich vornimmt, einen Schmeißhaufen vergolden zu wollen, und die Edelsteine aber, statt in Gold, in den schmutzigsten Kot fassen läßt?! Oh, daß es der Irrsinnigen jetzt in der Welt doch gar so viele gibt! Das Licht halten sie für Finsternis, und die Finsternis fürs Licht!

[HGt.01_001,12] Schon steht im Osten ein Stern, welcher dem Orion die Bahn brechen wird, und das Feuer des großen Hundes wird sie alle verzehren; und Ich will der Sterne in großer Menge vom Himmel auf die Erde schleudern, damit die Bösewichte alle umkommen und Mein Licht leuchte allerorten.

[HGt.01_001,13] Ich, Jehova, Gott von Ewigkeit, der Wahrhaftige und Getreue zur letzten Warnung. Amen.

[HGt.01_001,14] Du, der du dieses schlecht niedergeschrieben, dir gilt dieses zunächst, hernach aber allen übrigen. Amen. Dieses sagt der Erste und der Letzte. Amen.

 

2. Kapitel

[HGt.01_002,00] So sprach der Herr zu und in mir für jedermann; und das ist wahr, getreu und gewiß:

[HGt.01_002,01] Du bist der Lot von Sodom; aber siehe zu, daß du nicht erstickest in der Unzucht und das Erbe der Hure dein Anteil wird; denn du bist wie keiner vor dir und nach dir. Du bist als Mensch ganz im Fleische und dessen Lust und bist als Geist ganz frei mit offenen Augen und offenen Ohren. Deinen Leib beschmierst du mit Kot, und über deinen Geist werden Ströme des Lichtes ausgegossen; dein Leib ißt mit den Säuen, da dein Geist von tausend Engeln umgeben ist. Dein irdisch Herz hast du angefüllt mit Mist und Kot, und Ich habe Mir in deines Geistes Herzen eine Wohnung errichtet. Du unterhältst dich mit Huren, während Ich mit dir wie ein Bruder zum Bruder spreche; du stinkst wie ein Pfuhl, und dein Geist atmet des höchsten Himmels Wohlgerüche; du bist ein Scheusal, und dein Auge überstrahlt die Sonnen. Daher reinige dein Fleisch und werde eins mit Mir, damit Ich eins mit dir werde!

[HGt.01_002,02] Sage den ängstlichen Müttern: sie sollen ihre Töchter nicht in der Furcht vor den Männern und der Welt erziehen - denn was man fürchtet, dem gehorcht man blindlings in der Versuchung, und dem Gefürchteten wird der Sieg leicht werden -, sondern sie sollen sie lieber in Meiner Furcht und Liebe erziehen, damit Ich Sieger werde, damit sie die Welt verachten und in Meiner unbegrenzten Liebe schwelgen. Sie sollen sie der Gewinnung eines Ehegatten willen nicht auf öffentliche Örter führen, sondern zu Mir, zu Mir sollen sie sie bringen, und Ich sage dir: Nicht eine ihrer Begierden soll ungesegnet und unbefriedigt bleiben; denn Ich bin ein reicher Gott, der an allem den unendlichsten Überfluß hat, der alles im höchsten Übermaße geben kann und auch geben will.

[HGt.01_002,03] Die Armen sollen nicht betteln vor der Türe des Reichen, wo sie das Los der fremden Hunde erfahren und ihr Herz in Trauer und Bitterkeit verkehrt wird, - sondern sie sollen nur festen Vertrauens zu Mir kommen, und Ich werde sie allesamt erquicken. Den Hungrigen will Ich speisen, den Durstigen tränken, den Nackten bekleiden, den Kranken heilen; der Lahme soll springen wie ein Hirsch, der Aussätzige wird gereinigt, der Blinde wird sehen, der Taube hören, und den Schwachen will Ich stärker machen denn einen Löwen; der Furchtsame wird mutiger denn ein männlich Füllen, und der Alte soll Ruhe finden. Der Arme ist Mein nächster Bruder; Ich sorge für ihn. Daher soll er sich nicht von den Hunden entheiligen lassen; denn die Reichen der Welt sind Brüder des Satans und Kinder des Teufels aus der Hölle.

[HGt.01_002,04] Meinen Freunden und Freundinnen sage: sie sollen Meine Diener und Knechte nicht mehr lieben als Mich! Ihr Heil sollen sie nicht so sehr in ihre, sondern vielmehr ganz in Meine Hände legen und sich ganz Mir anvertrauen. Denn der Diener muß handeln nach dem Gebote streng, will er nicht für unwürdig befunden werden; allein der Geber des Gesetzes steht über demselben und kann auch über dasselbe stellen, wen er will. Solange sie aber stehen unter dem Joche, werden sie gerichtet; wer aber zu Mir kommt, dem kann Ich das Gericht erlassen.

[HGt.01_002,05] Meine Kirche auf Erden ist ein Reinigungsbad; wer sich gewaschen hat, der komme zu Mir, damit Ich ihn abtrockne mit der Wärme Meiner Liebe und ihn behalte. Wer aber nur Freude an dem Pritscheln und Wascheln hat, dem geht es wie den Mühlrädern, die nie aus dem Wasser kommen.

[HGt.01_002,06] So jemand die Werke der wahren Buße gewirkt hat, der komme zu Mir, damit Ich ihn aufnehme wie einen verlorenen Sohn und ihn behalte in Meiner Kraft. Denn der Knecht kann raten, Ich aber kann es tun; der Diener kann belehren, allein die Erlösung ist nur Mein Werk; der Knecht kann beten, aber nur Ich kann segnen. Mein Diener muß richten gerecht; aber das Recht der Gnade hat nur der Herr. Daher sollen sie über den Dienern und Knechten des Herrn nicht vergessen!

[HGt.01_002,07] Dieses sage ihnen von Wort zu Wort getreu ganz ohne Scheu; denn du darfst die Welt nicht fürchten, wenn du Mich lieben willst, - denn Ich bin mehr als alle Welt.

[HGt.01_002,08] Ich bin der Welt ein gar kleiner Held, den man für gar nichts hält. Die Gelehrten sehen Mich kaum noch über die Achseln an und lassen Mir mit genauer Not kaum noch den Namen eines ehrlichen Mannes. Einige aber haben Mich schon ganz und gar verabschiedet; für diese also bin Ich gar nicht mehr vorhanden. Einige lassen Mir wohl noch irgendeinen göttlichen Zug gelten, jedoch nur auf eine kurze Zeit; dann aber lassen sie sich von den Weltweisen über ein Besseres belehren. Ich werde dann gleich infam kassiert und gelte höchstens noch als ein alter Weibergott. Bei einigen Meiner groß sein wollenden Diener und Knechte diene Ich bloß nur noch als ein öffentliches Amtssiegel und als äußere, göttlichartige Umfassung ihres schwarzen Unsinns und ihrer groben, finsteren Dumm- und Narrheit. Die einen aber lassen Mich zwar wohl noch in Meiner Göttlichkeit stecken; aber dafür muß Ich für ihre zeitlichen Vorteile aus Mir machen lassen, was sie wollen, und zwar, was das Allerärgste ist: Ich muß ein bares Unding sein! Liebe und Barmherzigkeit darf Ich nur so lange haben, als es ihnen gefällig ist; dann aber muß Ich unerbittlicher werden als ein Stein und muß Mich zu dem schändlichsten Tyrannen umgestalten lassen! Ich muß von einem Richterstuhl auf den andern springen und ein Verdammungsurteil über das andere aussprechen; Meine Liebe muß also nur zeitlich, aber Meine Tyrannei und das damit verbundene allerschärfste Richteramt soll ewig währen! O der ungeheuren Narren! Meine unbegrenzte Langmut, Sanftmut, Demut und ewige Liebe zu Meinen Geschöpfen taugt freilich nicht in ihren habsüchtigen Kram; aber es soll ihnen bald ein Strich durch alle ihre Rechnungen gemacht werden! Ihre Rechnungen liegen vor Mir, und das Maß ihrer Taten ist voll geworden bis auf eins, und der Lohn harret ihrer.

[HGt.01_002,09] Wer Mich nicht kennt, wie Ich bin, und wer Ich bin, dem wäre es besser, daß er von Mir gar nichts wüßte, - denn dann könnte Ich ihn noch lebendig machen dort im Reiche der Geister; so aber machen sie sich Meiner Hilfe unfähig, denn sie töten dadurch das Leben in sich, daß sie Mich in sich zerstören und somit auch töten, und sind die vom Weinstocke getrennten Reben.

[HGt.01_002,10] Dieses aber sage Ich jetzt: daß Ich bin der alleinige, ewige Gott in Meiner dreieinigen Natur als Vater Meinem Göttlichen nach, als Sohn Meinem vollkommen Menschlichen nach und als Geist allem Leben, Wirken und Erkennen nach. Ich bin von Ewigkeit die Liebe und die Weisheit Selbst. Nie habe Ich von jemandem etwas empfangen. Alles, was da ist, ist von Mir, und wer etwas hat, der hat es von Mir. Wie bin Ich denn ein Tyrann und ein Verdammungsurteilsprecher?! O ihr Toren! Ich liebe euch; ihr verachtet Mich. Ich bin euer Vater; ihr machet Mich zum Scharfrichter. Wo Ich segne, da fluchet ihr; wo Ich baue, da zerstöret ihr; was Ich aufrichte, das beuget ihr nieder; wo Ich säe, da leitet ihr erstickende Fluten darüber; ihr seid in allem wider Mich. Wäre Ich, wie ihr saget, daß Ich sei, - wahrlich, sage Ich euch, die Erde bestände schon lange nicht mehr, ja sie wäre sogar nie erschaffen worden! Weil Ich aber bin, wie Ich bin, so besteht noch alles, wie es war, und wie es sein wird ewig; und auch ihr werdet sein, wie ihr sein wollet, ohne Mein Verdammungsurteil, - denn ihr werdet sein, wozu ihr euch selbst werdet gemacht haben. Die aber Mich nehmen, wie Ich bin, und Mich lieben, wie Ich sie liebe, aus denen werde Ich machen, was sie wollen, damit ihre Freiheit und Freude vollkommen sei ewiglich.

[HGt.01_002,11] Meinen Dienern und Knechten sage: Meine Ämter sind keine Wechselbanken und keine Geldbutiken! Denn wer Mir des Geldes wegen dient, der dient Mir nicht aus Liebe; wer Mir aber nicht aus Liebe dient, dessen Dienst ist Mir fremd, wie Ich ihm ganz fremd sein muß, da er Mir nicht aus Liebe dient; mit ihm habe Ich die Rechnung schon geschlossen. Wie ist der aber ein treuer Knecht, der die Schätze des Herrn ohne Befugnis gleich einem Diebe um die schändlichsten Preise verkaufte?! - Ischariot verkaufte Mich doch noch wenigstens um dreißig Silberlinge, ohne daß er vorauswußte, was mit Mir geschehen werde; denn er war verblendet und ging verloren. - Jetzt aber bin Ich schon als gemartert, getötet und wieder auferstanden um die schändlichsten Spottpreise zu jeder Minute zu haben. O ihr schändlichen Diebe, ihr Mörder, womit soll Ich euch denn vergleichen? Ihr Kinder des Drachen, ihr Otterngezüchte, ihr Schlangenbrut! So dienet ihr Mir, so muß Ich euch finden?! Ich ließ ja durch Meinen lieben Paulus sagen, daß der, der dem Altare dient, auch vom Altare leben soll, aber nur aus den Werken der Liebe, die alles Gute wirkt; ihr aber habt keine Werke der Liebe, - daher seid ihr Räuber und Diebe und Meuchelmörder des Evangeliums und aller Wahrheit. Wißt ihr: Wie die Arbeit, so der Lohn! Liebe ist nicht ums Geld, sondern nur wieder um Liebe zu haben. Ich bin die Liebe Selbst und bin durchgehends um keinen andern Preis als nur wieder um Liebe zu haben. Durch Liebe habe Ich euch alle erkauft; daher fordere Ich von euch allen wieder Liebe. Wer Mir daher dienen will, der diene Mir in der Liebe, in der Ich für ihn am Kreuze gestorben bin; und wer zu Mir kommen will, der komme in der Liebe zu Mir, die am Kreuze für ihn blutete.

[HGt.01_002,12] Den Beamten und Herren der Welt sage ohne Scheu ganz wortgetreu, daß ihre Ämter nicht höher stehen als die Ämter Meines Reiches. Jedes Amt aber, das wider Mein Amt ist, will Ich zerstören in der Bälde; wehe seinen Dienern! Denn Ich bin der Allerhöchste; Mein Gesetz ist ewig, wie Ich es bin, und wird bleiben wie Ich ewig. Die Motten, die Mein Gesetz benagen wollen und wieder Gesetze aus ihrem Kote machen, um Mein Gebot zu vertilgen, auf diese wird es sich mit größter Last und Schwere hinwälzen und sie vernichten, als wären sie nie gewesen. Jedem, der sich an Meinen Geboten versündigt, kann vergeben werden, wenn er sich bessert, seinen Fehler einsieht und bereut, sich dann zu Mir wendet und in Mir verbleibet und Ich in ihm; aber wer Mein Gesetz untergraben will, den wird es erdrücken, und er wird fürder nicht mehr sein ewiglich. Alle Weltgesetze untergraben Mein Gebot, wenn sie nicht aus Meiner Liebe von Männern gegeben sind, die durch Meinen Geist unterrichtet sind. Wehe den Tyrannen, wehe den Despoten, die herrschen des Thrones wegen und der Macht und des Ansehens; denn zu ihrer Zeit fehlt nicht mehr denn eins, und sie werden erfahren die Macht der Schwachen! Der Boden ist Mein, und das Feld ist Mein; dies sagt der Wahrhaftige, der ewige Gott der Liebe und Weisheit, und gibt es kund einem Narren für die Weisen der Welt. Amen. Ich, Jehova, Amen.

 

3. Kapitel

[HGt.01_003,00] So sprach der Herr zu und in mir für jedermann, und das ist wahr, getreu und gewiß:

[HGt.01_003,01] Ich bin ein guter Wirt; auch nicht ein Brosame geht verloren. Wer sein Kapital bei Mir anlegt, dem wird es hohe Zinsen bringen, und es wird in Meinem Herzen intabuliert bleiben, und die Zinsen werden wachsen in alle Ewigkeiten der Ewigkeiten. Blick' empor, du Tor, und schaue den Sternenhimmel an! Wer hat je die Sonnen gezählt, deren Zahl kein Ende hat, und die Erden alle, die Ich um sie zu Tausenden bei jeder einzelnen geschaffen habe?! Und Ich sage dir, der Ich wahrhaftig und getreu bin in jeglichem Meiner Worte: Um einen Pfennig gebe Ich eine Erde und um einen Trunk frischen Wassers eine Sonne. Wahrlich, Ich sage dir: Der geringste Dienst der Nächstenliebe wird auf das ungeheuerste, unaussprechlichste belohnt werden!

[HGt.01_003,02] Du fragst Mich, ob wohl überall auch Menschen seien, wie hier auf der Erde, die du bewohnst, und Ich sage dir: Ja, es gibt überall Menschen, die aus Meinen Eingeweiden hervorgehen und Mich erkennen nach der Art der Eingeweide; und die aus Meinen Händen hervorgehen und Mich erkennen an Meinen Händen; und die aus Meinen Füßen hervorgehen und Mich erkennen nach Meinen Füßen; und die aus Meinem Kopfe hervorgehen und Mich erkennen nach Meinem Kopfe; und die aus Meinen Haaren hervorgehen und Mich erkennen nach Meinen Haaren; und die aus Meinen Lenden hervorgehen und Mich erkennen nach Meinen Lenden; und überhaupt die aus allen und jeden Einzelteilen Meines Leibeswesens hervorgehen und Mich danach erkennen. Und ihr Leben und ihre Seligkeit entspricht dem Teile, aus dem sie hervorgegangen, und sie sind alle Meine Geschöpfe, die Mir lieb sind; denn Ich bin ganz Liebe und bin überall die Liebe Selbst.

[HGt.01_003,03] Aber die Menschen dieser Erde rief Ich aus dem Zentrum Meines Herzens hervor und schuf sie vollkommen nach Meinem Ebenbilde, und sie sollten nicht nur Meine Geschöpfe, sondern Meine lieben Kinder sein, die Mich nicht als Gott und Schöpfer, sondern nur als ihren guten Vater erkennen sollen, der sie nach kurzer Prüfungszeit wieder ganz zu Sich nehmen will, damit sie da alles haben sollen, was Er Selber hat, und bei Ihm wohnen möchten ewiglich und mit Ihm herrschen und richten möchten das All. Aber siehe, alle Meine Geschöpfe lieben Mich als ihren Schöpfer in dankbarer Freude ihres Daseins; aber Meine Kinder wollen ihren Vater nicht und verschmähen Seine Liebe!

[HGt.01_003,04] Siehe, Ich bin traurig, wenn Ich sehe, wie stündlich Tausende und tausendmal Tausende dahinwelken und sterben! Oh, wenn Ich ihnen doch nur helfen könnte! Ist es nicht traurig, wenn der Allmächtige nicht helfen kann?!

[HGt.01_003,05] Du fragst Mich schon wieder, wie denn das möglich sei? O ja, sage Ich dir, das ist sehr möglich! Siehe, alle Meine Geschöpfe hängen an Meiner Macht, aber Meine Kinder hängen an Meiner Liebe! - Meine Macht gebietet, und es geschieht; aber Meine Liebe wünscht nur und gebietet in aller Sanftmut den freien Kindern, und die freien Kinder verstopfen ihre Ohren und wollen nicht das Angesicht ihres Vaters schauen. Daher, weil sie frei sind, wie Ich es bin, kann Ich ihnen nicht helfen, wenn sie es nicht wollen. Denn Meine Macht geht über alles; aber Mein Wille ist Meinen Kindern untertan. Dieses aber soll sich jeder hinter die Ohren schreiben: Ich bin euer Vater, bin aber auch euer Gott, und außer Mir ist keiner mehr. Wollet ihr Mich als Vater - oder als Gott? Eure Taten werden Mir die entscheidende Antwort geben.

[HGt.01_003,06] So merket es denn: Die Liebe wohnt nur im Vater und heißt der Sohn. Wer diese verschmäht, der wird der mächtigen Gottheit anheimfallen und wird seiner Freiheit auf ewig beraubt werden, und der Tod wird sein Anteil sein; denn die Gottheit wohnt auch in der Hölle, aber der Vater wohnt nur im Himmel. Gott richtet alles nach Seiner Macht; aber die Gnade und das ewige Leben ist nur im Vater und heißt der Sohn. Die Gottheit tötet alles; aber der Sohn oder die Liebe in Mir hat Leben, gibt Leben und macht lebendig.

[HGt.01_003,07] Dieses alles sagt der gute Wirt und der sparsame Vater allen Seinen Kindern, damit sie sich bessern sollen, um einst das Erbe zu nehmen, das Ich ihnen von Ewigkeit so treulich bereitet und aufbewahrt habe.

[HGt.01_003,08] Deinen Freunden und Brüdern sage ja in aller Liebe: Ich, ihr liebevollster Vater, habe schon Meine beiden Arme ausgestreckt, um sie allesamt an Mein Herz ewig, ewig zu drücken. Sie sollen sich ja nicht mehr von Mir wenden, sondern unverwandt sollen sie in Mein Angesicht schauen, und Mein Auge wird es ihnen sagen, ja laut verkünden wird es ihnen, wie sehr Ich sie liebe, und wie aufrichtig Ich es mit ihnen meine.

[HGt.01_003,09] Sage ihnen: Ich habe ihre Sünden von Meinen Augen hinweggetan und habe sie gewaschen so weiß wie der Schnee; es ist nun kein Hindernis mehr. Ich will ihnen kein unsichtbarer Vater mehr sein; sie sollen Mich allzeit schauen und mit Mir tändeln und schäkern und sich freuen; alle ihre Sorgen sollen sie nun Mir übertragen.

[HGt.01_003,10] Oh, mit welcher Freude will Ich fernerhin sorgen für sie! Oh, was sind alle Freuden und Seligkeiten Meiner Himmel für Mich, den Vater, gegen die, von Meinen lieben Kindern als einziger, wahrer Vater geliebt zu sein!

[HGt.01_003,11] Siehe, alle Seligkeiten gebe Ich euch für diese einzige, die Ich nur für Mich bestimmt habe, und darum sollen Meine Kinder auch niemanden als Mich, Mich nur ganz allein, ihren Vater nennen; denn Ich bin es auch und bin es auch mit allem Rechte, und niemand kann Mir das Recht nehmen, da Ich der Einzige, Alleinige bin und außer Mir keiner mehr ist.

[HGt.01_003,12] Siehe, Ich will sie dir alle beim Namen: H1 L V1 T S S A A S S nennen. Sie sollen alle Meinen Vatergruß empfangen und heute noch, wenn sie wollen, sollen ihnen die Pforten der Himmel geöffnet werden, das die Augen ihres Geistes sind, und Ich will noch heute wohnen in ihren Herzen. Nur eines noch sollen sie mit Beharrlichkeit tun, nämlich ihr Fleisch sollen sie rein waschen aus dem Brunnen, da lebendiges Wasser innen ist, und einen Stab sollen sie nehmen, der zur Hälfte schwarz und zur Hälfte weiß ist; den sollen sie zur Hälfte abbrechen, und den schwarzen Teil sollen sie der Welt unter die Füße werfen und den weißen Teil für sich behalten zum Zeichen, daß sie mit der Welt und mit ihrem Fleische auf immer gebrochen haben.

[HGt.01_003,13] Das ist aber so viel, daß sie ernstlich in sich gehen sollen, sich ganz erkennen und Mir dann ihre vorgefundenen Gebrechen in ihrem Herzen treu und wahr vortragen. Ich werde den Unrat aus ihren Herzen vertilgen und werde sie mit dem Feuer Meiner göttlich-väterlichen Liebe erfüllen. Und so gereinigt sollen sie sich dann dem Priester zeigen durch und in der Beichte; und sodann werde Ich kommen und mit ihnen am Altare das Freudenmahl halten.

[HGt.01_003,14] Sage ihnen noch hinzu, daß sie sich ja nicht in und an der Kirche stoßen sollen; denn eine jede Speise, die Ich anempfehle, reinige Ich für den, der sie im Geiste und in der Wahrheit genießen will, und dann soll er sie genießen ohne Sorge. Was Ich Meinen Kindern gebe, das ist rein und wird durch die äußere Form nicht entheiliget für jene, für die Ich es gesegnet habe. Den Tempel werde Ich segnen, und die Stätte wird heilig sein, wo sie sich befinden werden; denn Ich, ihr heiliger Vater, werde da sein mitten unter ihnen, wo sie hingehen werden, und kein Haar soll an ihnen gekrümmt werden.

[HGt.01_003,15] Sage ihnen ja ganz bestimmt und gewiß: Meine Liebe harret ihrer, und Meine Arme will Ich nicht eher schließen, als bis sie allesamt in Meinen Armen ruhen werden, wo sie ihren liebevollsten, heiligen Vater von Angesicht zu Angesicht schauen werden und ihrer Freuden nimmer ein Ende sein wird. Amen!

[HGt.01_003,16] Sage allen, die Mich suchen, daß Ich stets zu Hause bin, niemals ausgehe, und daß Ich nicht nur gewisse Stunden oder Zeiten bestimmt habe, in welchen man zu Mir kommen kann wie zu den Königen der Erde und allen Großen der Welt. Also nicht nur am Sabbate oder Feiertage, sondern zu jeder Minute ist Mir ein liebendes Herz angenehm, und in der Nacht selbst habe Ich noch nie vor jemandem die Türe verriegelt; wann immer ihr also klopfen werdet, will Ich ,Herein!" sagen.

[HGt.01_003,17] Du mußt und kannst es nun schon frei heraussagen, ob Ich dich je zu etwas zu einer bestimmten Zeit genötigt habe, oder ob es nicht allezeit deinem freien Willen überlassen war, dich zu Mir zu begeben und um irgend etwas zu fragen, das du hast wissen wollen, und ob Ich dir je eine Frage schuldig bin geblieben! Und hast du Mich aus der Hölle gefragt, so antwortete Ich dir; und warst du auf der Erde, so sprach Ich mit dir; und in den Himmeln sprach Ich mit dir. Bei Tag und bei Nacht ist dir Mein Ohr beständig zugekehrt. Was du hier schreibst, schreibst du ja nur nach deiner Zeit und Muße, und Mir ist es allezeit ganz recht, und solange du es willst, und wieviel du willst, und siehe, Mir ist es recht! Daher sage ihnen ganz getreu: Mir sei es ganz einerlei; wann jemand zu Mir kommt, wird er angehört und angenommen!

[HGt.01_003,18] Sage den Kindern, daß sie ja nicht Spott mit Mir treiben sollen, sondern daß sie das ernstlich nehmen sollen! Sage ihnen, daß Ich durchgehends kein Spaßmacher bin, noch irgendeinen Spaß verstehe; denn Ich meine es ernst mit allen, mit Großen und Kleinen, mit Jungen und Alten, mit Männlich und Weiblich. Ausnahmen finden bei Mir gar keine statt.

[HGt.01_003,19] Denn siehe, Meine Geschöpfe, die nichts taugen, zerstöre Ich augenblicklich und vernichte sie auf ewig; aber für Meine Kinder habe Ich auch Strafen in Menge und will die Ungehorsamen züchtigen bis auf den letzten Tropfen ihres Blutes, und sie werden dann gewiß erkennen, daß Ich wenigstens der Herr im Hause bin, wenn sie Mich schon als liebenden, heiligen Vater nicht erkennen wollen.

[HGt.01_003,20] Wehe aber denen, die Meine väterlichen Züchtigungen verkennen und mißdeuten! Ich sage noch einmal: Wehe ihnen! Diese wird der Vater verstoßen, und sie werden dann mit ihrem ewig unerbittlichen Gott zu tun haben. Das sage Ich dir als einem schlechten, faulen Knechte. Amen. Ich, Jehova, Amen.

 

4. Kapitel

[HGt.01_004,00] So sprach der Herr zu mir und in mir für jedermann, und das ist wahr, gewiß und getreu:

[HGt.01_004,01] Meine Gnade ist ein reicher Schatz; wem sie zuteil wird, der wird keinen Mangel haben an allem jemals, zeitlich und ewig. Daher soll sich jeder bemühen, sich diese ja sogleich zu eigen zu machen; denn Ich gebe sie jedem, der sie nur immer haben will.

[HGt.01_004,02] Denn siehe, wollet ihr Vergebung eurer Sünden, so werden sie euch vergeben, so ihr wahre Buße wirket durch Jesum, welcher ist Mein lebendiges Wort und die Liebe in Mir, und die Pforten des Himmels stehen euch offen, und so ihr hinein wollet, könnet ihr hinein und da schauen das Angesicht eures heiligen Vaters, der Ich es bin, der ewige Gott Jehova.

[HGt.01_004,03] Das könnet ihr tun vermöge des lebendigen Wortes, welches ist Jesus Christus oder die ewige Liebe und Weisheit in Mir, woraus alles Gute und Wahre fließt. Die Liebe ist euch gegeben von Anbeginn; denn sie ist das eigenste Leben in euch, so wie die Macht in Meinen Geschöpfen, die zwar auch aus Meiner Liebe hervorgeht, aber doch nicht die Liebe selbst ist, da in ihr keine Freiheit ist, sondern nur die Wirkung der Liebe, welche aber an und für sich ist ohne Leben, - daher auch alles, was hervorgeht aus der Macht, an und für sich ist tote Materie, deren Leben nur scheinbar ist, - in der Wirklichkeit aber ist es der Tod.

[HGt.01_004,04] Daher, so jemand seine Liebe an die materielle Welt heftet, so wird seine Liebe an sich durch die Macht des Todes erdrückt, und die Folge ist dann das Los der Materie oder der Tod.

[HGt.01_004,05] Wer aber seine Liebe zu Mir richtet und an Mich heftet, der verbindet seine Liebe wieder mit der Liebe oder mit dem Leben alles Lebens; der wird dann lebendig durch und durch.

[HGt.01_004,06] Nun aber siehe: Die Liebe an und für sich ist blind und finster und eben dadurch frei und unabhängig, - aber auch eben dadurch in großer Gefahr, sich zu verlieren und zugrunde zu gehen.

[HGt.01_004,07] Darum gebe Ich aller Liebe zu Mir nach dem Grade ihrer Größe auch alsogleich den gerechten Anteil des Lichtes hinzu, und das ist ein Geschenk und heißt die Gnade; mit dieser fließe Ich bei jedem Menschen ein nach dem Grade seiner Liebe.

[HGt.01_004,08] Daher, so jemand die Liebe hat, da er Mein Gesetz in sich lebendig macht, welches die höchste Liebe ist, über den werden Ströme des Lichtes ausgegossen werden, und sein Auge wird durchdringen die Erde und wird schauen die Tiefen der Himmel.

[HGt.01_004,09] Sage es den Kindern, und sage es allen, sie mögen sein, welcher Religion sie wollen - ob Römische, ob Protestanten, ob Juden, ob Türken, ob Brahmi, ob finstere Heiden -, kurz für alle soll es gesagt sein: Auf der Erde gibt es nur eine wahre Kirche, und diese ist die Liebe zu Mir in Meinem Sohne, welche aber ist der heilige Geist in euch und gibt sich euch kund durch Mein lebendiges Wort, und dieses Wort ist der Sohn, und der Sohn ist Meine Liebe und ist in Mir und Ich durchdringe Ihn ganz, und Wir sind eins, und so bin Ich in euch, und eure Seele, deren Herz Meine Wohnstätte ist, ist die alleinige wahre Kirche auf der Erde. In ihr allein ist ewiges Leben, und sie ist die alleinseligmachende.

[HGt.01_004,10] Denn siehe, Ich bin der Herr über alles, was da ist! Ich bin Gott, der ewige und mächtige, und als solcher bin Ich auch euer Vater, der heilige und liebevollste. Und dieses alles bin Ich im Worte; das Wort aber ist im Sohne, und der Sohn ist in der Liebe, und die Liebe ist im Gesetze, und das Gesetz ist euch gegeben. So ihr es beachtet und danach tut, so habt ihr es in euch aufgenommen; dann wird es in euch lebendig und erhebt euch selbst und macht euch frei, und ihr seid dann nicht mehr unter dem Gesetze, sondern über demselben in der Gnade und im Lichte, welches alles Meine Weisheit ist.

[HGt.01_004,11] Und das ist die Seligkeit oder das Reich Gottes in euch oder die alleinseligmachende Kirche auf der Erde, und in keiner andern ist das ewige Leben als nur einzig in dieser.

[HGt.01_004,12] Oder meinet ihr denn, Ich wohne in den Mauern, oder in der Zeremonie, oder im Gebete, oder in der Verehrung? O nein, ihr irret euch sehr, denn da bin Ich nirgends, - sondern nur, wo die Liebe ist, da bin Ich auch; denn Ich bin die Liebe oder das Leben Selbst. Ich gebe euch Liebe und Leben und verbinde Mich nur mit Liebe und Leben, aber niemals mit der Materie oder mit dem Tode.

[HGt.01_004,13] Denn darum habe Ich den Tod überwunden und die Gottheit Mir untertan gemacht, damit Ich alle Gewalt habe über alles, was da ist, und Meine Liebe herrsche ewiglich und mache lebendig alles, was ihr untertan ist.

[HGt.01_004,14] Und wie meinet ihr denn, daß Ich eurer im Tode harre, während Ich doch das Leben Selbst bin?! Daher gehet zuvor in die wahre Kirche, da Leben innen ist, - dann erst in die tote, damit sie lebendig wird durch euch!

 

5. Kapitel

[HGt.01_005,01] Wer Ohren hat zu hören, der höre, und wer Augen hat zu sehen, der sehe; denn siehe, Ich will euch ein gar großes Geheimnis enthüllen, damit ihr sehen möget, wie sich euer liebevollster, heiliger Vater euch von Angesicht zu Angesicht zu schauen und zu genießen brüderlich gibt. Denn die Kinder müssen eingeweiht sein in die große Haushaltung ihres Vaters von Ewigkeit her!

[HGt.01_005,02] Die Gottheit war von Ewigkeit her die alle Unendlichkeit der Unendlichkeit durchdringende Kraft und war und ist und wird sein ewig die Unendlichkeit Selbst. In der Mitte Ihrer Tiefe war Ich von Ewigkeit die Liebe und das Leben Selbst in Ihr; aber siehe, Ich war blind wie ein Embryo im Mutterleibe! Die Gottheit aber gefiel Sich in der Liebe und drängte Sich ganz zu Ihrer Liebe. Und der Liebe ward es immer heißer und heißer in Ihrer Mitte, und es drängten sich Massen und Massen der Gottheit dahin, und alle Mächte und Kräfte stürmten auf Dieselbe los.

[HGt.01_005,03] Und siehe, da entstand ein großes Rauschen, Brausen und Toben, und siehe, die Liebe ward geängstigt und gedrückt von allen Seiten, so daß die Liebe bis ins Innerste erbebte! Und die Liebe gewahrte es, und das Rauschen ward zum Tone, der Ton aber ward in der Liebe zum Worte, und das Wort sprach: ,Es werde Licht!" Und da loderte im Herzen die Flamme der entzündeten Liebe auf, und es ward Licht in allen Räumen der Unendlichkeit!

[HGt.01_005,04] Und Gott sah in Sich die große Herrlichkeit Seiner Liebe, und die Liebe ward gestärkt mit der Kraft der Gottheit, und so verband Sich die Gottheit mit der Liebe ewiglich, und das Licht ging aus der Wärme hervor.

[HGt.01_005,05] Und siehe, da sah die Liebe alle Herrlichkeiten, deren Zahl kein Ende ist, in der Gottheit, und die Gottheit sah, wie dieses alles aus der Liebe in Sie überging, und die Liebe sah in der Gottheit Ihre Gedanken und fand großes Wohlgefallen an denselben. Da entzündete Sich die Liebe von neuem, und die Kräfte der Gottheit rauschten um Sie, und siehe: Die Gedanken der Liebe waren selbst Liebe und waren ohne Zahl.

[HGt.01_005,06] Da sah die Gottheit Ihre Herrlichkeit, und die Liebe empfand Ihre Macht. Und da sprach die Liebe in der Gottheit: ,Lasset Uns die Gedanken der Herrlichkeit festhalten und heraustreten, daß sie frei werden und Uns empfinden und sehen, wie Wir sie empfinden und sehen und Wir sie empfanden und sahen, ehe noch das Licht ihre Formen erleuchtete!"

[HGt.01_005,07] Da ging das Wort in die Gottheit über, und Sie ward überall Liebe. Und siehe, da sprach die Gottheit zum ersten Male: ,Es werde!" Und es ward ein Heer der Geister aus Gott frei, deren Zahl kein Ende hat, und die Liebe sah Sich Selbst verunendlichfältigt und sah Ihre unendliche Schönheit vollkommen.

[HGt.01_005,08] Aber alle die Wesen waren noch nicht lebendig und empfanden noch nicht und sahen noch nicht; denn sie waren noch außer der Liebe in der Gottheit fixierte Formen.

[HGt.01_005,09] Und es dauerte die Liebe, und Sie regte Sich, und das Regen stieg in der Gottheit empor, und die Gottheit gab Ihre Gefangenen der Liebe, und Liebe durchdrang alles. Und siehe, da wurden die Formen lebendig und staunten sich an und wärmten sich an den Flammenströmen der göttlichen Liebe und bekamen dadurch selbständige Bewegung und Regsamkeit! Aber sie erkannten sich noch nicht.

[HGt.01_005,10] Da sprach die Liebe abermals: ,Lasset Uns machen, daß sie sich erkennen, damit sie dann Mich und durch Mich auch Dich erkennen mögen!"

[HGt.01_005,11] Da stieg wieder das Wort in der Gottheit empor, und in der Gottheit ertönte das Wort, und das Wort ward zum Gesetze, und das Gesetz war die Liebe und strömte in alle über.

[HGt.01_005,12] Und siehe, da wurden gebildet drei, und aus ihnen gingen hervor sieben! Und die drei waren gleich der Liebe, dem Lichte und der Gottheit; und die sieben waren gleich den sieben Geistern Gottes, und sie heißen und werden ewig heißen: 1. Liebet die Liebe. 2. Fürchtet die Gottheit, welche tötet, - damit ihr nicht getötet werdet. 3. Die Liebe in euch ist heilig; darum achtet euch untereinander, wie euch die Liebe in der Gottheit achtet und Freude hat an euch. 4. Jeder ist sein Eigentum und das Eigentum der Liebe Gottes; daher werde keiner dem andern zum Raube. 5. Keiner verdecke je sein Antlitz vor dem andern, damit der andere nicht wisse, wie die Liebe ist, - damit ihr seid wie die Liebe, die euch werden hieß. 6. Euer Inneres sei auch euer Äußeres, damit keine falsche Regung in euch entstehe und ihr zugrunde gehet. 7. Euer Äußeres sei der getreue Widerschein eures inneren Spiegels, in welchem Sich die Liebe der Gottheit beschaut; sonst wird der innere Spiegel zerbrochen werden und eure Gestalt wird schrecklich werden.

[HGt.01_005,13] Da donnerte die Gottheit in den unendlichen Räumen den Übertretern ein fürchterliches Strafgericht, und so ward die Anbetung der Gottheit in der allerhöchsten Furcht ihnen geboten, und es ward ihnen geboten die Liebe der Liebe. Und sie wurden hinausgestellt in der höchsten Freiheit und konnten tun, was sie wollten, und nichts soll sie hindern in ihrer Freiheit und bis zur Zeit, da sie sich werden erkannt haben in ihrer Freiheit und ihrer Demut, damit das Gesetz ihr eigenes werde und sie dann vollkommen frei würden.

[HGt.01_005,14] Allein nun erkannten sie sich in ihrer großen Macht und alles überstrahlenden Herrlichkeit und Majestät, und der Oberste der drei, gleich dem Lichte der Gottheit, entzündete sich in seiner Begierde, um sich der Gottheit vollends zu bemächtigen. Durch ihn entzündete sich ein großer Teil der Geister, die durch ihn wurden; und durch sie erbrannte auch die Gottheit in Ihrem Grimme gleich den zwei niederen Geistern der drei und schleuderte die böse Rotte in die Tiefe der Tiefe ihres Zornes.

[HGt.01_005,15] Und die zwei und die aus ihnen hervorgingen und die sieben, deren Zahl gerecht war, wurden gefunden in der Treue ihrer Demut und wurden aufgenommen in die Kreise der Macht Gottes; und die Liebe sah, daß sie rein waren befunden, und freute Sich in ihrer Vollendung. Und siehe, die Kraft der Gottheit in der Liebe stieg empor, und die Gottheit bewegte Sich, und die Geschaffenen nahmen wahr die Bewegung der Gottheit, und die Gottheit bewegte Sich zu Ihrer Liebe, und den Geschaffenen wurden die Augen eröffnet, und sie sahen zum ersten Male die ewige Liebe.

[HGt.01_005,16] Da staunten die Heere der Zahllosen, und es entstand ein großer Jubel und eine große Freude unter ihnen; denn sie sahen die Macht Gottes in der Liebe und sahen die Liebe in sich und auch die Kraft, die sie werden hieß, und erkannten sich und erkannten die Liebe und erkannten Gott.

[HGt.01_005,17] Nun bewegte Sich die Gottheit, und die Geschaffenen fürchteten sich vor der Gottheit, und die Liebe sah ihre Furcht und sah, daß ihre Furcht gerecht war, und die Furcht ward ihnen zum Gehorsam, und der Gehorsam war die Demut, und die Demut war ihre Liebe, und die Liebe ward ihr Gesetz, und das Gesetz ihre ewige Freiheit, und die Freiheit ward ihr Leben, und das Leben ihre Seligkeit ewiglich.

[HGt.01_005,18] Nun siehe, die ewige Liebe redete sie an, und sie verstanden das Wort! Da lösten sich ihre Zungen, und das erste Wort, das ihren Lippen entschwamm, war Liebe. Und es gefiel der Gottheit der Ton ihrer Rede; und die Gottheit ward bewegt durch die Liebe, und die Bewegung formte sich in den Geschaffenen, und die Form wurde zum Tone, und der Ton war das zweite Wort und hieß - Gott.

[HGt.01_005,19] Und nun erst waren die Geschaffenen vollendet. Und die Liebe sprach zu den Geschaffenen: ,Der Erste unter euch ging verloren; daher übernehme Ich seine Stelle und werde sein unter euch ewiglich!"

[HGt.01_005,20] Da lösten sich von neuem ihre Zungen, und ihre Knie beugten sich, und sie beteten die Liebe an.

[HGt.01_005,21] Nun sieh weiter, was alles die Liebe tat, und Gott in der Liebe, und die Liebe in Gott! - Und es dauerte die Liebe der Verlorenen; aber die Gottheit erbebte in Ihrem Grimme, und es ward gehört in allen Räumen der Unendlichkeit Gottes ein großer Donner. Und der Donner drang bis zum Innersten der ewigen Liebe, und die Liebe allein verstand den Donner der Gottheit, und der Donner ward in Ihr zum Worte und sprach: ,Alle Macht sei Dir untertan; tue nach Deinem Gefallen und sprich ,Es werde!`, und es wird sein!"

[HGt.01_005,22] Und siehe, die Liebe wurde gerührt bis ins Innerste, und es floß die erste Träne aus dem Auge der ewigen Liebe, und diese Träne floß aus dem Herzen der Gottheit und hieß und heißt und wird ewig heißen die Erbarmung.

[HGt.01_005,23] Diese Träne ward zum großen Gewässer, und das Gewässer ergoß sich in alle Räume der Unendlichkeit und ergoß sich in die Tiefe der Tiefen des Zornes der Gottheit und milderte das Feuer des Grimmes Gottes.

[HGt.01_005,24] Und siehe, der Geist Gottes in Seiner Kraft wehte sanft über den Gewässern der Erbarmung, und die Gewässer teilten sich. Und Gott sprach aus Seiner Liebe, und Seine Liebe war das Wort, und das Wort stieg in die Tiefe der Tiefen und schwebte über den Gewässern, und die Gewässer wurden geschieden wie Tautropfen und wurden verteilt in groß und klein nach der Zahl der Verlorenen, die kein Ende hat, in alle Räume der Unendlichkeit.

[HGt.01_005,25] Und siehe, der letzte Tropfen, der zurückblieb, der war der innerste der Gewässer und war der innerste der Erbarmung; und der wurde nicht verteilt, sondern blieb, wo er übrigblieb, und wurde bestimmt zum Mittelpunkte und zum Schauplatze der größten der Taten der ewigen Liebe.

[HGt.01_005,26] Und nun siehe: Dieser letzte Tropfen ward geschaffen zur Erde, die du und deine Brüder bewohnen! Und die anderen Tropfen wurden geschaffen zu Sonnen, Erden und Monden aller Art, deren Zahl kein Ende hat; und siehe, so entstanden der sichtbare Himmel mit seinen Sternen, der Sonne, dem Monde und die sichtbare Erde mit den Meeren und festem Lande!

[HGt.01_005,27] Und nun siehe und hebe deine Augen empor, und du wirst die Wunder der ewigen Liebe begreifen! Du siehst allezeit den Glanz der Sonne, das Licht des Mondes und den Schimmer und das Geflimmer der Sterne in ihren mannigfaltigsten Stellungen, die ihr Sternbilder nennet; du siehst auch die verschiedenartigsten Formationen in allen drei Reichen der naturmäßigen Erde; allein bis jetzt hat es noch niemand ergründet und recht begriffen, was und woher der Glanz der Sonne, und wie ihr dieser erteilt wurde, und das Leuchten des Mondes, und der Schimmer der Sterne und ihr Geflimmer und ihre mannigfaltigsten Stellungen, und all das Gebilde der Erde.

[HGt.01_005,28] Denn siehe, Meine Kinder müssen in alles eingeweiht werden, was ihr heiliger, liebevollster Vater all für schöne Sachen hat zum Verschenken an Seine Kinder, die Ihn erkennen und über alles ganz allein lieben und sich untereinander aus Liebe ihres Vaters wegen.

[HGt.01_005,29] Nun siehe: Als alle die Sonnen mit ihren Erden durch die Macht der erbarmenden Liebe des ewigen und unendlichen Gottes wurden, da hatten sie noch keinen Glanz, kein Leuchten, keinen Schimmer und kein Geflimmer, denn es war noch große Nacht auf den gewordenen Sonnen und Erden und Monden; aber ins Zentrum der Sonnen senkte die ewige Liebe einen kleinen Funken Ihrer Gnade und dieser Funke durchglänzte schneller denn ein großer Blitz die finsteren Massen, und siehe, sie leuchteten den Erden, und mit großem Glanze, wie sie noch leuchten zur Stunde und leuchten werden, solange der Gnadenfunke ihnen nicht genommen wird.

[HGt.01_005,30] Und siehe, da erglänzten auch die Erden und Monde und wurden verteilt zu den Sonnen in gerechter Anzahl, und die Liebe hauchte sie an durch die Kraft und Macht der Gottheit, und siehe, das Licht zitterte auf den Sonnen, die Meere der Erden wogten und wirbelten in ihren Fluten, und die Lüfte und Winde schwammen und wehten über die Erden gleich dem Geiste Gottes über den Gewässern der Erbarmung! Und die Monde erhoben sich mächtig über ihre Erden, denen sie gegeben waren wie eine Frucht dem Baume, und fingen an, um dieselben zu kreisen in weiten Kreisen als stete Begleiter ihrer Entstehungen; und wo deren viele waren, wurden sie in feste Kreise vereinigt zum Zeichen der Liebe der Kinder, die unverwandt das Angesicht ihres Vaters schauen sollen wie die Monde ihre Erden, damit sie ihrer lockeren Beschaffenheit wegen nicht aus ihren Kreisen gerissen und zerstört würden.

[HGt.01_005,31] Denn siehe, die Monde sind nicht fest, sondern sehr locker und sind gleich dem Schaume des Meeres, wenn er fester und gediegener wird, und sind kahl und ohne Wasser; und die Luft der Erde ist da wie das Wasser der Erden und die Luft gleich dem Äther zwischen Sonnen und Erden. Und sie sind bestimmt, die Weltsüchtigen aufzunehmen, und zu fassen die Geister der Materie, und zu prüfen ihre Beständigkeit und sie reif zu machen zum Empfange der Gnade.

[HGt.01_005,32] Und das Feste der Erden ist der durch die Erbarmung gesänftete Zornteil der Gottheit und umschließt mit festen Banden der Verirrten Geister bis zur bestimmten Zeit ihrer unbewußten Entbindung, wo sie dann in eine zartere, aber doch immer für sie genug feste Materie, und zwar einzeln gebunden, gegeben werden, aus welcher sie erst dann durch die ewige Liebe wieder erweckt hervorgehen können; und die Meere und Gewässer sind ihrer voll, damit sie gedemütigt würden, und die Luft ist ihrer voll, damit sie geläutert würden. Und die ewige Liebe ist in allem die Form; aber der Zorn der Gottheit ist nur gedämpft auf der Erde, aber deswegen nicht aufgehoben.

[HGt.01_005,33] Dieses aber merke dir ganz besonders: In der Mitte der Sonne ruht der Gnadenfunke und gibt durch das Zornfeuer der Gottheit das Licht der Welt. In der Mitte der Erde aber befindet sich ein Zornfunke des Grimmes Gottes gleich einem Feuerdrachen und hält die bösen Rotten gefestet wie Steine, welche erst durch das Wasser der Erbarmung müssen erweicht werden, so einer wieder zu einer zweiten Probe für Freiheit und ewiges Leben soll entbunden werden. Und nun begreife das Geheimnis deines Wesens und staune über die große Liebe der ewigen Macht, wie oft Sie dich schon hat von neuem geboren werden lassen, um dich, der verloren war, fürs ewige Leben, für die Freiheit, fürs Gesetz, für die Liebe und fürs Licht und für die Anschauung Ihres Angesichtes wieder zu gewinnen; und siehe, dieses alles will Ich dir und dadurch auch vielen andern bekannt und zu erkennen geben, damit ihr doch endlich einmal einsehen möchtet, wie überaus gut die ewige Liebe sein muß, da Sie so unermüdet und so Vieles, so Großes und so Wunderbares für euch Ungehorsame tut und duldet!

[HGt.01_005,34] Siehe, so ist die Bewegung den Erden gegeben worden um ihre Sonnen und um ihre Mitte durch den Anhauch der Erbarmung der Liebe, zum Zeichen, daß die Kinder all ihr Tun sollen einrichten nach der Bewegung der Erden um die Sonnen und der Monde um die Erden, und es sollen sein die Schwachen wie die Monde, und sollen sein die Starken wie die Erde, und sollen sein die Wiedergeborenen wie die Sonne. Und sollen schauen die Schwachen die Stärke der Liebe, die sie nie fallen läßt, wenn sie wie die Monde sich unverwandt nach dem Angesichte der Liebe richten und so dieselbe nach allen Seiten umkreisen in kleineren Kreisen, aber doch durch die Kraft derselben ebenfalls in den großen Kreis mitgezogen werden; und sollen sein die Starken gleich der Erde, selbsttätig sich wendend, um sich zum Empfange des Lichtes und der Wärme aus der Gnade der Liebe, welche erleuchtet und erwärmend belebt durch die Kraft, die in ihr ist, beständig bereitzuhalten, damit sie Früchte bringen möchten aller Art aus den Werken der Liebe, an welchen sich sättigen möchten die Schwachen und erquicken möchten die Eingeborenen und ergötzen möchten die Neugeborenen; und die Neugeborenen aus den Gewässern der erbarmenden Liebe, in denen die Gnade ist vollkommen, sollen sein gleich der Sonne, und ihr Licht soll leuchten allerorten, und ihre Wärme soll beleben die Schwachen und soll befruchten die Starken zur Nahrung der Schwachen, damit eine Gemeinschaft sei unter den Kindern eines und desselben Vaters.

[HGt.01_005,35] Und siehe, noch tiefer sollst du blicken, wie und warum Ich alles so bereitet habe! Siehe, der Mond hat Flecken und viel dunkle Stellen, und die Erde hat kalte aber feste Pole, und hat hohe Berge und hat niedere Täler, und hat Quellen, Bäche, Flüsse, Ströme, Seen und kleine und große Meere; und die Sonne hat Flecken, große und kleine. Nun sieh, dieses alles sind Wirkungen der Liebe und der Gnade, oder der entsprechenden Wärme und des Lichtes, welches alles die ewige Liebe und die Macht der Gottheit durch Sie ist. Daher siehe die Schwachen und den Mond, wie sie sich gleichen, und dir wird sein Wesen aufgeschlossen; betrachte die Starken nach allem ihrem Tun, und vor deinen Augen wird die Erde enthüllt liegen; und von einem Pole bis zum andern Pole muß die starre Ruhe des Geistes in der Liebe zur Liebe dasein, damit sich alles, das den Geist umgibt, in einer steten Ordnung bewegen und dadurch für den gemeinsamen Zweck der ewigen Erhaltung tätig sein kann. Denn siehe, von der Ruhe hängt alles ab; ohne diese kann nichts erreicht werden, und wer nicht ist wie die Pole der Erde, der durchdringt nicht sein Innerstes, wie die Linie zwischen den Polen das Zentrum der Erde. Und eure Liebe muß kalt sein wie das Eis der Pole, damit ihr fähig seid, alle Wärme der göttlichen Liebe aufzunehmen. Denn siehe, was warm ist, ist nicht geschickt zur Aufnahme der Wärme; aber was kalt ist in seiner Ruhe, das ist fähig, die Wärme aufzunehmen in der Fülle und ausströmen zu lassen in alle Teile des Lebens. Denn siehe, wer die Wärme aufnimmt, welche die Liebe Gottes ist, behält sie in sich fest und läßt sie nicht weiterströmen, der ist ein Geiziger und wird aufgelöst in sich und wird sich zerstören wie das Eis am Feuer; wer aber sie empfängt wie die Pole und gibt sie alsogleich wieder an alle, die um ihn sind nahe und ferne, bei dem ist die göttliche Liebe am rechten Platze und entspricht ganz dem Willen des großen und heiligen Gebers.

[HGt.01_005,36] Diese Liebe wird viele Früchte bringen und wird sich aufschwingen zum Lichte der Gnade und wird schauen unverwandten Blickes die unermeßlichen Tiefen der Gottheit gleich den Polen, welche in die unendlichen Räume der Schöpfungen der Liebe Gottes hinausblicken, und mit weitgeöffneten Augen die sanften Strahlen aus der Unermeßlichkeit aller unendlichen Räume, in welchen zahllos die Wesen der Erbarmung kreisen, jegliches nach seiner Art, in sich saugen und dadurch vor Entzückung und Wonne in ihrer Liebe zur Liebe und für die Liebe sich entzünden und gleich einer Sonne selbstleuchtend werden gleich dem Lichte der Pole der Erde.

[HGt.01_005,37] Daher, wer beständig bleibt in der Mitte der Liebe der Erkenntnis, was die Gnade ist, dessen Lenden werden glühen vor Liebe aus Gott wie der Gürtel der Erde, und seine Augen werden leuchten vor Erkenntnis wie die Pole, und seine Arme werden sich bewegen wie die Flüsse, Bäche und Quellen, und die Handlungen werden zuströmen den Meeren der göttlichen Erbarmungen, die gesalzen sind mit der Gnade und mit den Erkenntnissen der ewigen Liebe und des ewigen Lebens.

[HGt.01_005,38] Nun, da habt ihr den Schlüssel, um zu eröffnen und zu durchschauen die Erde, die euch trägt.

 

6. Kapitel

[HGt.01_006,01] Nun aber erhebe deinen Blick von der Erde zur Sonne, welche ist ein getreues Bild der Wiedergeborenen! Siehe genau, und du wirst bald gewahr werden, daß sich manchmal Flecken an ihrem Gürtel befinden. Siehe, der Natur nach, wie ihr sagt, sind das Ausbrüche von innen heraus gleich den Feuerspeiern der Erde und sind entsprechende Ausbrüche des Grimmes der Gottheit und kleine Spuren von seiner alles zerstörenden Macht, welche sich der Natur der Welt nach allezeit durch große oder kleine Ungewitter, je nach der Größe der Flecken, auf den Erden teilweise zu erkennen gibt; jedoch wird die Liebe da allezeit um so tätiger und sänftet alles wieder mit dem Wasser der Erbarmung und auf der Sonne mit großen Stromfluten aus dem uferlosen Meere Ihrer erbarmenden Gnade. Und siehe, so wird alles wieder in die größte Ordnung gebracht, und außer dieser Ordnung, in der Ich die ewige Liebe Selbst bin von Ewigkeit der Ewigkeiten her, und aus welcher und in welcher alles, was ist, gemacht wurde, kann nichts bestehen noch entstehen; und wer aus dieser Ordnung seiner Freiheit nach tritt, der handelt wider die Liebe und wider das Leben und wird zugrunde gehen ewiglich.

[HGt.01_006,02] Nun hast du die Sonne geschaut und sie begriffen nach der Natur, die einfach ist und sein muß, damit sie bestehen kann für den Zweck, für den sie da ist und da sein muß aus der Ordnung der Liebe.

[HGt.01_006,03] So ziehe dann deine Augen ab zu der Wiedergeburt des Geistes, und zum Volke Gottes, und zum Gesetze der Liebe, und zum Leben der Freiheit im Lichte der Gnade aus den Gewässern der Erbarmung, und die Sonne wird enthüllt vor deinen Augen schweben, und keine Falte in derselben soll dir verborgen bleiben!

[HGt.01_006,04] Aber siehe, auch die Sonne hat ebenfalls ihre Pole, aus denen all ihr Licht und ihre Wärme aus dem Zentrum der Ruhe der Gnade sich über ihren ganzen Umfang ergießt; und hätte sie die Polruhe nicht, so hätte sie auch kein Licht. Denn siehe, die Ruhe ist zur Aufnahme des Lichtes und der Wärme unumgänglich nötig und muß gleich sein der Ruhe der Liebe in Gott; nur aus Ruhe kommt die Empfänglichkeit fürs Leben und Licht.

[HGt.01_006,05] Und siehe, wenn die Luft ruhig ist, so ist es auch rein und heiter auf der Erde; wehen aber heftige Winde nach verschiedenen Richtungen, so kommen bald schwarze Wolken und verdunkeln das Licht.

[HGt.01_006,06] Eure Begierden sind gleich den Winden, durch welche ihr von Sorgen aller Art umgeben werdet, welche das Licht der Gnade in euch zu fließen verhindern gleich den Wolken, welche von Winden herbeigetrieben werden und die Strahlen der Sonne hindern, auf die Erde zu fallen.

[HGt.01_006,07] Daher sollet ihr euch gar nicht sorgen, sondern alle eure Begierden und daraus entstehenden Sorgen sollet ihr auf Mich richten und Mir übertragen, damit ihr Ruhe habt und Ich beständig in euch fließen kann.

[HGt.01_006,08] Und siehe, wie die Erde sich dreht um ihre Polruhe aus Meiner Ordnung regelmäßig, welche die Macht Meiner Liebe bewirkt, damit keine Seite unbeleuchtet bleibe, so sollen auch alle eure Handlungen hervorgehen aus Meiner Liebe, die in euch ist ursprünglich und nachträglich nach eurer Fähigkeit durch das gegebene Wort der ewigen Liebe im Gesetze der Gnade und der Erbarmung; und wie die Nacht die Erde erquickt, wird euch die Liebe erquicken, und wie der Tag der Erde werdet ihr erleuchtet sein durch das Licht aus der Sonne der Gnade.

[HGt.01_006,09] Ihr sollet sein gleich dem Winter, der kalt ist in der Ruhe, dadurch aber auch am meisten fähig zur Aufnahme der Wärme bis in die tiefsten Tiefen der Erde. Und bei dem der Winter eingetroffen ist, bei dem wird auch der Frühling eintreffen, wie er ist gleich dem ersten Leben der Liebe in euch, und wird eintreffen der Sommer in vollster Tatkraft aus dem Leben der Liebe, die in euch ist stark geworden durch die Gnade, und wird eintreffen der ruhige Herbst mit den Früchten der Werke der Liebe und der Gnade, in welcher ihr dann ganz als Neugeborene in das Leben der Sonne eingehen werdet, zu schauen das Angesicht eures heiligen Vaters und zu leuchten gleich ihr aller Welt durch die große Kraft der Gnade, der Liebe und der Erbarmung eures überaus guten, heiligen Vaters.

[HGt.01_006,10] Aber wer nicht ist gleich dem Monde und nicht wird gleich der Erde, kann auch nicht werden gleich der Sonne, - sondern er ist gleich einem Kometen, der keine Festigkeit hat, auch nicht im geringsten, und all sein Wesen ist ein gestohlenes aus den Gnadenausflüssen der Sonnen, und seine Bahn ist eine unordentliche wie die Wege der Diebe und Räuber, und er wird getrieben von der Furcht des Lichtes von einer Weltentiefe in die andere und wird nie mehr finden eine Ruhe in Ewigkeit; und das Licht wird ihn verfolgen auf allen seinen Wegen und erleuchten seine Nichtigkeit.

[HGt.01_006,11] Und es wird ihm endlich noch ergehen wie den Sternschnuppen, die aus der Gnade geworfen und verstoßen werden ihrer Nichtigkeit wegen und verzehrt werden durch den Raub der Gnade; denn das gestohlene Licht wird sie vernichten ewiglich, und sie werden fürder nicht mehr sein, gleich den Früchten der Bäume, die zu früh ans Licht sprossen, bevor sie noch die Liebe gefestet hat; und da sie keine Festigkeit haben, weil zu wenig Verbindung der Liebe, so werden sie schwächer und schwächer, fallen dann vom Baume und werden zertreten und zugrunde gerichtet.

[HGt.01_006,12] Nun siehe, hier hast du die Sonnen, Erden, Monde, Kometen und die Sternschnuppen ihrem ganzen Wesen nach und ihrer ganzen Bedeutung nach und so auch alles und jedes einzelne der Teile vom größten bis zum kleinsten enthüllt vor dir!

[HGt.01_006,13] Der Geist der Liebe und Gnade ist in euch und ist in aller Weisheit. Wer ihn hört, der wird alles ergründen in der Tiefe der Tiefen; und er wird erforschen die Toten, und sie werden ihm antworten, und er wird durchschauen die Lebendigen, und ihre Liebe wird ihn erquicken und ihr Licht ihn ergötzen; und er wird sein Ohr legen auf die Erde, und das Gras wird ihm erzählen die Geheimnisse der Liebe, und das Erdreich wird ihm enthüllen seine Tiefen, und die Berge werden horchen seiner Stimme, und der Ton seiner Rede wird durchdringen das Mark der Erde; und so er schauen wird das Meer, so werden seiner Augen Strahlen durchleuchten alle Tropfen desselben und durchdringen jegliches Sandkörnchen; und die Geister, so darinnen noch im Gerichte harren, werden dem Lichte seiner Augen zuströmen, gleichwie die Fische und das Gewürm des Meeres und der Gewässer zur Nachtzeit einer über die Oberfläche gehaltenen Fackel, und werden sich fangen lassen für die Erlösung aus den Kerkern der ewigen Nacht und werden erkennen die Liebe und ihren Durst stillen aus den Gewässern der Erbarmung und emporwachsen zur Schwäche, zur Stärke und zur Kraft aus der Liebe des Vaters und des Wortes, welches die Liebe ist im Vater, und des Geistes, welcher die Kraft ist in beiden.

[HGt.01_006,14] Und siehe, dieses alles und noch vieles andere mehr wird euch Mein Geist lehren, so ihr Seine Stimme höret! Aber Seine Stimme ist nicht laut, sondern sehr stille, - aber eben darum alles durchdringend wie die Wärme der Liebe, und wie das Licht der Gnade, und wie die Kraft der erbarmenden Liebe eures heiligen Vaters.

 

7. Kapitel

[HGt.01_007,01] Nun siehe, Ich will euch zeigen die organische Schöpfung vom Ersten bis zum Letzten und vom Kleinsten bis zum Größten, wie Ich es gemacht habe aus Meiner Liebe und aus Meiner Weisheit und aus der ewigen Ordnung aus beiden heraus, welches ist das Wort der ewigen Macht und Kraft in der Tiefe der Gottheit. Und siehe, es ist nichts in allen Räumen der Unendlichkeit, weder Großes noch Kleines, was nicht durch dasselbe wäre gemacht worden!

[HGt.01_007,02] Und siehe und höre: So war nun die Erde da, und war da der Mond, und war da die Sonne, und waren da die Sterne; aber die Erde war noch nackt, und ihre Oberfläche war noch gleich der Oberfläche des Meeres. Und über dem Gewässer lagen dichte Wolken und reichten tief in die toten Räume der Welten hinein, und das Licht der Sonne konnte nicht erleuchten den Tropfen der Erbarmung. Und der Mond war bedeckt vom Dunste des Tropfens, und in diesem Dunste erst ward vollends ausgeboren die Erde und ward genährt der Mond. Und die Sonne lag über beiden mit den Strahlen ihres Lichtes aus der Wärme der Liebe in Gott, wie eine Henne über ihren Küchlein, und machte reif die Erde und trennte den Mond von der Brust seiner Mutter.

[HGt.01_007,03] Da trennte sich das große Gewölk und senkte sich zur Ruhe der Pole, und der Gürtel der Erde ward frei, und die Sonne sah sich in den Gewässern, und die Erde strahlte dankbar das empfangene Licht in den weiten Schoß der Sonne zurück und sah mit weitgeöffneten Augen den Mond sich baden in den Strahlenausflüssen der Gnade der ewigen Liebe aus der Sonne.

[HGt.01_007,04] Und siehe und höre weiter: Es war der Erde wohl; denn sie ward erfüllt mit der Liebe der Erbarmung und sah ihren Liebling, den Mond, munter um sich kreisen. Und die Liebe schwellte ihre weite Brust mit dem Odem der Erbarmung, als wollte sie noch einmal dem Kinde ihre mit der Gnadenmilch vollgefüllte Brust reichen; aber siehe, die Milch gerann durch die Wärme der erbarmenden Liebe und wurde zum festen Lande und ragte über die Meere. Und die Meere sanken zurück in die Tiefen und waren gleich dem Wasser, das sich absondert bei der Gerinnung der Milch, zur Besänftigung des innewohnenden Grimmes durch das Salz der Gnade durch die Erbarmung der Liebe aus Gott in aller Kraft und Macht.

[HGt.01_007,05] Und siehe, da ward es ruhig auf der Erde und in allen Räumen der Unendlichkeit Gottes, und die ewige Liebe senkte Sich zum ersten Male ganz zur Erde hinab und hauchte in Ihrer Allmacht und Kraft über die Fläche der Erde hin, und der Hauch war eine zahllose Fülle der Gedanken in lebendigen Formen aller Art zur künftigen Erlösung der Verlorenen.

[HGt.01_007,06] Und siehe, da keimten aus dem Festen der Erde Kräuter, Pflanzen, Gesträuche und Bäume aller Art, und die Meere, Seen, Ströme, Flüsse, Bäche und Quellen wimmelten von Gewürmen, Fischen und Tieren aller Art; und die Luft war belebt von den Vögeln aller Art. Und die Zahl jeglicher Art sowohl in den Gewässern als auch auf den festen Landen und in den Lüften war gleich der Zahl des Menschen, der aus dieser Zahl gemacht wurde, und war gleich der Zahl der Gnade der Liebe und war gleich der Zahl der künftigen Erlösung und der daraus entstehenden und hervorgehenden Wiedergeburt.

[HGt.01_007,07] Und nun siehe und begreife, was bis jetzt noch von niemandem gesehen und begriffen wurde: Die ewige Liebe nahm die Zahl aus Sich, und die Zahl war die Ordnung und das ewige Gesetz in Ihr, aus und in welcher Sie Selbst ewig bestand, besteht und bestehen wird in aller Macht und Kraft der Heiligkeit Gottes. Und Sie nahm denn Tonerde gleich dem Obers der geronnenen Milch und formte mit der Hand Ihrer Macht und mit der Hand Ihrer Kraft nach der Zahl Ihrer Ordnung den ersten Menschen und blies ihm durch die Nüstern den lebendigen Odem ein. Und der Odem ward in ihm zur lebendigen Seele, und die Seele erfüllte ganz den Menschen, der nun gemacht wurde nach der Zahl der Ordnung, aus welcher gemacht waren die Geister und gemacht wurden die Welten in den Räumen und die Erde und alles, was auf ihr ist, und der Mond und die Sonne.

[HGt.01_007,08] Und nun siehe, dieser erste Mensch auf der Erde, der hervorging aus den Händen der Macht und der Kraft der ewigen Liebe, wurde benannt aus dem Munde der erbarmenden Gnade ,Adam` oder ,Sohn der Erbarmung und der Gnade`.

[HGt.01_007,09] Und nun merke wohl: Dieser Adam war an der Stelle des ersten der gefallenen Geister; es ward ihm nicht zu erkennen gegeben, wer er war, und siehe, da langweilte es ihn, da er sich nicht erkannte und auch nichts finden konnte, was ihm ähnlich wäre.

[HGt.01_007,10] Und siehe, da wehte ihn, unsichtbar seinen noch blinden Augen der Seele, die ewige Liebe an, und er schlief zum ersten Male in der Anmut der erbarmenden Liebe ein. Und die Anmut der erbarmenden Liebe formte im Herzen des Adam, gleichsam wie in einem süßen Traume, eine ihm ähnliche Gestalt von großer Anmut und ebenso großer Schönheit.

[HGt.01_007,11] Und die ewige Liebe sah, daß der Adam große Freude fand in sich durch die innere Anschauung seines zweiten Ichs. Da rührte ihn die erbarmende Liebe an der Seite, da ihm gegeben ward ein Herz gleich dem Herzen der Gottheit zur Aufnahme der Liebe und des Lebens aus der Liebe in Gott, und nahm ihm dadurch die Eigenliebe, um für Sich Selbst eine Wohnstätte zu bereiten durch das künftige Gesetz der erbarmenden Gnade, und stellte die Eigenliebe, an der er großes Wohlgefallen fand in sich, außer seinem Leibe körperlich und hieß sie ,Caiva` oder, wie ihr schon gewohnt seid zu sagen, ,Eva`, das ist soviel als die vorbildende Erlösung von der Selbstsucht und die daraus hervorgehende Wiedergeburt.

[HGt.01_007,12] Und siehe, da rührte ihn die erbarmende Liebe an und weckte ihn zur Anschauung seiner Eigenliebe außer ihm und sah, daß er ein großes Wohlgefallen an der Anschauung seiner Liebe außer ihm hatte und fröhlich war über die Maßen; und die Liebe außer ihm, die nun Eva hieß, ergötzte sich an dem Menschen Adam und neigte sich zu ihm und folgte jeder seiner Bewegung.

[HGt.01_007,13] Und siehe, da sprach die ewige Liebe zum ersten Male den Adam an: ,Adam!" - Und er sprach zum ersten Male: ,Hier bin ich, Herr der Glorie, der Macht und der Kraft!"

[HGt.01_007,14] Und die ewige Liebe sprach abermals: ,Siehe deine Gehilfin!" - Und die Eva antwortete: ,Siehe, Herr, die Magd gehorsam zu den Füßen Deines Sohnes liegen und harren seiner Befehle!"

[HGt.01_007,15] Und siehe, die erbarmende Liebe fand großes Wohlgefallen an den Werken Ihrer Macht und Kraft durch die Gnade Ihrer Erbarmung und sprach ferneres und unterrichtete sie in allem und lehrte sie alle Dinge kennen, benennen und gebrauchen. Und als sie alles verstanden, kannten und gebrauchen konnten, da sprach die erbarmende Liebe wieder zu ihnen: ,Nun sehet, ihr erlerntet nun alles, ihr kennet nun alles und könnet den Gebrauch machen von allem bis auf eines, und dieses Letzte will Ich euch jetzt lehren und die Kraft in euch legen zur Fortzeugung und Fortpflanzung euresgleichen; aber ihr dürfet davon erst dann Gebrauch machen, wenn Ich wiederkommen werde, euch bekleidet werde finden mit dem Kleide des Gehorsams, der Demut, der Treue und der gerechten Unschuld. Wehe aber euch, so Ich euch nackt finde; Ich werde euch verstoßen, und der Tod wird die Folge sein!"

 

8. Kapitel

[HGt.01_008,01] Und siehe, da verdeckte Sich die ewige Liebe das Angesicht und entfernte Sich nach der Zahl der Ordnung auf eine bestimmte Zeit und war blind aus Ihrer Tiefe der Erbarmung und wollte und konnte nicht wissen, was die Neugeschaffenen tun würden im Gerichte der Gottheit für die Probe ihrer Freiheit in der Zeit der Kürze auf der Erde durch die Liebe der Erbarmung. Und der Ort, der ihnen gegeben ward zur Wohnung auf den Festen des Landes, war ein Tal und war ein Garten und ward benannt das Paradies; und das war das Land, das später von Milch und Honig überfloß, und war die Stelle, die in der großen Zeit der Zeiten der größten der Taten der ewigen Liebe ,Bethlehem` hieß und so heißen wird fürder ewiglich, und war der Punkt, da das ewige Wort im Fleische körperlich zum ersten Male erschaute das Licht Seiner Gnade dem Tropfen der Erbarmung leuchten von der weiten Sonne, dem Monde und allen den Sternen.

[HGt.01_008,02] Und siehe, ihre Begierde wuchs im Gerichte der versuchenden Gottheit in Ihrem Grimme. Und es stand ein Baum im Garten, und dieser Baum trug Äpfel der schönsten Art, und der Eva gelüstete nach denselben, und sie sprach zu Adam: ,Siehe, Adam, mich gelüstet stark nach dieser Frucht! So du willst, will ich eine pflücken und verkosten und es dir dann reichen als erste Gabe aus meiner Hand!"

[HGt.01_008,03] Und siehe, der Adam schwieg, nachdenkend über die Rede der Eva. Und eine innere Stimme, die heilig war, da sie aus der Gottheit in ihm kam, sagte ihm: ,So ihr von der Frucht dieses Baumes essen werdet, so werdet ihr sterben!" Und der Adam erschrak darüber sehr, so daß er keine Antwort geben konnte der geliebten Eva.

[HGt.01_008,04] Und die Begierde stieg in der Eva empor und zog sie unter den Baum und hieß sie pflücken einen Apfel vom selben. Und es gewahrte nun der Adam, daß die Eva untreu wurde seinem Herzen, und er ward traurig und sprach:

[HGt.01_008,05] ,Eva, Eva, was tust du? Siehe, wir sind noch nicht gesegnet vom Herrn der Macht und der Kraft und des Lebens! Siehe, du hältst die Frucht des Todes in deiner Hand; wirf sie von dir, damit wir nicht sterben in der Nacktheit vor dem Herrn der Gerechtigkeit!"

[HGt.01_008,06] Und siehe, da erschrak die Eva in ihrer Begierde vor dem Ernste des Adam und ließ die Frucht des Todes fallen auf die Erde. Und ihre Begierde verließ sie, und sie ward frei von ihrer Begierde, und der Adam fand ein großes Wohlgefallen an der Befreiung aus den Schlingen der todbringenden Begierde Evas.

[HGt.01_008,07] Aber siehe, die von der Eva aus ihrem Herzen verbannte Begierde lag nun auf der Erde und formte sich durch die Macht des richtenden Grimmes der Gottheit zur Gestalt einer großen Schlange, nahm die Frucht des Todes in ihren Rachen, kroch auf den Baum und umschlang denselben in allen Ästen und Zweigen von der Wurzel bis zum Scheitel und richtete starre Blicke auf die Eva. Und die Eva gewahrte es und sah die Schlange an, und der Adam gewahrte es auch durch die Eva; aber er sah die Schlange noch nicht.

[HGt.01_008,08] Und siehe, die Eva näherte sich der Schlange und betrachtete mit großer Lust ihre verführerischen Windungen um den Baum und die schillernden Farben ihres kalten Schuppenpanzers.

[HGt.01_008,09] Die Schlange aber bewegte sich und legte den Apfel in den Schoß der nun sitzenden Eva, erhob dann ihren Kopf wieder und redete die Eva mit folgenden Worten an:

[HGt.01_008,10] ,Eva, siehe deine Tochter, verstoßen von dir, umwinden den Baum deiner Lust! Verschmähe nicht die geringe Gabe, die ich dir in deinen Schoß legte, sondern genieße unbesorgt die Frucht deiner Liebe; du wirst nicht nur nicht sterben, sondern wirst dich sättigen für die Erkenntnis alles Lebens über Gott, den du fürchtest, wo Er doch schwächer ist denn du!" Und siehe, da teilte sich die Zunge der Schlange und wurde spitziger denn ein Pfeil, und die Schlange neigte ihren Kopf zu Evas Brust, als wollte sie dieselbe küssen nach kindlicher Art; aber sie stieß nun ihre zwei Giftpfeile in die Brüste Evas, und die Eva erblickte ihre eigene Gestalt in der Schlange.

[HGt.01_008,11] Und nun bemerkte auch der Adam, was da vorging unter dem Baume, und es gefiel ihm überaus die zweite Eva, und er bemerkte nicht, daß es nur eine Schlange war. Und siehe, da entbrannte auch er in seiner Begierde, in der Lust zur zweiten Eva, nahm die Frucht aus dem Schoße der Eva, wurde ungetreu seiner Liebe und genoß von der verbotenen Frucht aus dem Schoße Evas mit wollüstiger Begierde; und in dem Genusse erkannte er sich als den Ersten, der verlorenging durch die große Eitelkeit seiner blinden Selbstsucht im Reiche des Lichtes der ewigen Liebe und gefallen ist ins Zornmeer der ewig unerbittlich tötenden Gottheit.

[HGt.01_008,12] Und nun siehe, wie er sich so erkannte und die verblendete Eva sich durch ihn, da stieg große Reue in ihm aus dem Grunde seines Herzens empor, und die Eva schämte sich ihrer gewahrten Nacktheit und der Nacktheit Adams und ward bestürzt vom Scheitel bis zur Sohle und bedeckte ihre Nacktheit mit Blättern von einem Feigenbaume. Und auch der Adam reckte seine Hände nach den Blättern zur Bedeckung seiner Blößen und verbarg sich in eine Höhle und weinte da Tränen großen Schmerzes; und die Eva verbarg sich hinter einem Dornstrauche und trauerte gewaltig über ihre verführende Schuld.

 

9. Kapitel

[HGt.01_009,01] Und siehe, da zog die ewige Liebe durch die Macht und Kraft Ihrer Erbarmung die Hand der Macht und die Hand der Kraft von Ihren Augen der alles erleuchtenden Gnade, und das Licht der Gnade drang wesenhaft in die Höhle, da Adam weinte, und hinter den Dornbusch, da die Eva trauerte.

[HGt.01_009,02] Und es wurden Adams Tränen aufbewahrt in dem Schoße der Erde und hießen und heißen ,Thummim` oder Steine, aus denen das Licht strahlt der sieben Geister Gottes sinnbildlich, und wurden fest durch das Licht der Gnade aus der Wärme der Liebe, gleich seiner gerechten Reue als bleibendes Denkmal der erleuchtenden Weisheit, und wurden zerstreut über die ganze Erde zu tröstenden Zeichen der künftigen Wiedergeburt, wie sie sein soll gleich diesen Tränen Adams fähig zur Aufnahme und geteilten schönsten Wiedergabe des großen Lichtes aus dem Gnadenmeere der Erbarmungen der ewigen Liebe und soll widerstehen jeglicher Härte der Versuchungen der Welt.

[HGt.01_009,03] Und es wurden aufbewahrt die Zähren der trauernden Eva hinter dem Dornbusche in der Erde und wurden gefärbt gleich ihrer gerechten Schamröte durch den Mißbrauch der geheiligten Liebe Adams in ihr.

[HGt.01_009,04] Und die ewige Liebe sah, daß jegliche dieser Zähren Evas gerecht war vor Adam, dem Sohne der erbarmenden Liebe; und die Wärme der ewigen Liebe festete diese Zähren zu Steinchen, und ihr Name war ,Urim`, zum sinnbildlichen Zeichen der gerechten Trauer Evas. Und sieh, eine Zähre fiel auf den sie schirmenden Dornbusch, und sieh, diese Zähre war eine der verlorenen Unschuld und färbte die sonst weiße Blume des Strauches; und die Blumen wurden gerötet zum Zeichen der verlorenen Unschuld Evas. Und nun siehe, wie die Menschen zwar jetzt schon alle Gewächse der Erde kennen, aber ihre wahre Bedeutung im Geiste und in der Wahrheit kennen sie nicht und werden sie nicht kennen und begreifen bis zur Wiedergeburt, wenn sie sich dieselbe werden erst zugeeignet haben, welches die Erbarmung der ewigen Liebe ist durch die Gnade der Erlösung in sich.

[HGt.01_009,05] Und nun siehe noch ein Geheimnis, das noch begriffen werden muß des frevelnden Hochmutes der Kinder der Welt wegen! Und siehe, zwei Blumen des Strauches wurden befruchtet von der unschuldgerechten Zähre Evas, und verwahrten durch alle Stürme der Zeiten während der großen Kriege Jehovas mit den Völkern der Erde ihren Segen der ewigen Liebe treulich, und machten zur Zeit der Lösung der Gnade von oben das Weib Abrahams lebendig zum Vorbilde des großen Werkes der erbarmenden Liebe, und machten lebendig das Weib des Zacharias zur wirklichen Vollbringung der größten aller Taten der erbarmenden Liebe des ewigen Gottes.

[HGt.01_009,06] Und nun kehre deine Augen wieder zurück zum Adam und zur Eva, und suche sie heim mit Mir, und siehe zu, wie Ich, die ewige Liebe, sie fand, nackt, verlassen, weinend und trauernd in gerechter Reue und gerechter Scham, und rief hervor den Adam und zog hervor die Eva.

[HGt.01_009,07] Und siehe, sie getrauten sich nicht anzuschauen das Angesicht ihres Vaters; denn sie waren erschreckt von einem großen Donner des todbringenden Gerichtes aus der Tiefe des Grimmes der Gottheit.

[HGt.01_009,08] Und die Zornflammen Gottes, des Unendlichen, wälzten sich furchtbar durch alle endlosen Räume zur Erde hinab, auf welcher die große Liebe nun weilte bei Ihren reuigen und trauernden gefallenen Kindern, geschaffen durch Ihre erbarmende Gnade.

[HGt.01_009,09] Und siehe, da gab es einen heißen Kampf zwischen der durch die Reue und Trauer der Geschaffenen Sich wieder erbarmenden ewigen Liebe und zwischen der alles zerstören wollenden, ergrimmten Gottheit zur Sühnung Ihrer unbestechbaren Heiligkeit.

[HGt.01_009,10] Denn siehe, die Zornflammen der ergrimmten Gottheit stürzten schneller denn Blitze zur Erde nieder, drangen bis in die Mitte derselben und entzündeten dieselbe in und an allen Orten und Enden, und es schlugen die verzehrenden Flammen bis an den Mond, bis an die Sonne, - ja sie ergriffen alle Sterne! Und siehe, da war die ganze, unermeßliche Unendlichkeit ein Feuermeer, und furchtbare Donner rollten durch alle endlosen Räume, und es heulte die Erde, und es tobte das Meer, und der Mond weinte, und die Sonne wehklagte, und alle Sterne schrien lauter denn alle Donner, von zu großer Schmerzensangst der ewigen Vernichtung gedrückt, und ihre großen Stimmen widerhallten furchtbar dröhnend aus den endlosen Tiefen des Grimmes der Gottheit, und die Stimmen riefen:

[HGt.01_009,11] ,Großer, erhabener Gott, besänftige Deinen großen Zorn, und lösche die vernichtenden Flammen Deines übergerechten Grimmes, und schone der Schuldlosen in Deiner Heiligkeit; denn Deines Zornes Feuergrimm wird zerstören die Gerechten und wird vernichten die ewige Liebe in Dir und wird Dich Selbst gefangennehmen in Deiner übergroßen Macht und Kraft der Heiligkeit!"

[HGt.01_009,12] Und siehe und höre mit offenen Augen und offenen Ohren, was da die zornergrimmte Gottheit sprach; jedoch die Sprache verstand niemand denn allein die ewige Liebe, die in der Zeit des Zorngrimmausbruches der Gottheit das reuige neugeschaffene Paar schützte auf der heulenden Erde und wehrte ab der großen Zornflamme des Grimmes, zu ergreifen die Reuestätte Adams und die Trauerstätte Evas, durch die große Macht und Kraft Ihrer Barmherzigkeit.

[HGt.01_009,13] Und nun höre und verstehe wohl die Schauerworte des Zornes aus der Tiefe des Grimmes der Gottheit, und sie lauteten:

[HGt.01_009,14] ,Was nützt Mir das Heulen und Toben der Erde, was das Weinen der Monde, was das Wehklagen der Sonnen, und was das Jammergeschrei der Sterne?! Denn Ich bin allein, verlassen von Meiner Liebe, die Mir untreu ist geworden und Sich von Mir entfernt hat hinab zur Erde zum Auswurf der Bosheit zwiefältig! Was soll Ich ohne Sie? Daher will Ich zerstören alle Ihre Werke aus dem Fundamente und vernichten alles, damit nichts da sei, was Meine Liebe von Mir in alle künftigen Ewigkeiten der Ewigkeiten vermögen sollte abzuziehen und zu entfernen! Und Ich will bleiben Gott, der Alleinige, in alle Ewigkeiten der Ewigkeiten, wie Ich war von Ewigkeiten der Ewigkeiten her; und du, morsches Gebäude der Schöpfung Meiner schwach gewordenen Liebe, stürze zusammen in nichtige Trümmer, ins Nichts, damit Ich Meine Liebe wiederfinde und Sie wieder stark mache durch die Macht und durch die Kraft Meiner ewigen Heiligkeit. Amen!"

[HGt.01_009,15] Und siehe, da lösten sich die Bande der Schöpfungen in allen Räumen der Unendlichkeit Gottes, und es stürzten die Trümmer durch die weiten Räume unter großem Krachen, Donnern, Heulen, Toben, Brausen und Sausen in die Tiefen der Tiefen ihrer Vernichtung zu, und diese war die Erde selbst, die ebenfalls zertrümmert lag im weiten Schoße der erbarmenden Liebe.

[HGt.01_009,16] Und die Neugeschaffenen bebten vor Angst ob des fürchterlichen Anblicks dieser großen, vernichtenden Schauderszene, deren Größe kein geschaffener Geist je in ihrer ganzen Fülle ganz erfassen wird; denn sie war unendlich.

[HGt.01_009,17] Und nun siehe und höre weiter, was die erbarmende Liebe da sprach und tat! Vernimm die Worte der Liebe in Ihrer Macht, und schaue die großen Taten der Barmherzigkeit in ihrer Kraft, und höre und verstehe wohl die Worte, welche so lauteten:

[HGt.01_009,18] ,Großer, allmächtiger Gott aller Macht, aller Kraft und aller Heiligkeit! Ziehe zurück Deinen großen Zorn, und lösche aus das Feuer Deines alles zerstörenden Grimmes, und höre in der Ruhe Deiner Heiligkeit die Worte Deiner ewigen Liebe, welche das alleinige Leben ist in Dir, ewig wie Du und mächtig und stark wie Du aus Ihr und Sie aus Dir, und wolle nicht vernichten das Leben in Ihr und Dich durch Sie, sondern lasse Gnade für Recht ergehen, und lasse genugtun die Liebe Dir, und fordere Sühnung für Deine verletzte und gekränkte Heiligkeit, und Deiner Liebe wird kein Opfer zu groß sein, das Du von Ihr fordern möchtest zur ewigen Sühnung Deiner Heiligkeit!"

[HGt.01_009,19] Und nun siehe und höre und verstehe wohl, was darauf geschah und was die Gottheit darauf erwiderte! Es dämpfte sich das Feuer, und aus allen Räumen wehte ein sanfterer Hauch, untermischt mit noch stark rollenden Donnern durch die fliegenden Trümmer der aufgelösten Welten, welche von einer Unermeßlichkeit bis zur andern gleich großen Blitzen noch brennend zuckten. Und die Liebe verstand den Donner Gottes, welcher heftig sprach:

[HGt.01_009,20] ,Ich will alle Schuld auf Dich legen, gleich den Welttrümmern auf die Erde, und Du sollst tilgen die Schmach Meiner Heiligkeit, welche das ewige Band ist zwischen Mir und Dir! Und siehe, Ich verfluche die Erde, damit kein Fleck besudle Meine Heiligkeit und Ich werden würde gleich Dir ein unheiliger Gott; und dieser Fluch sei Deiner Schuld anheimgestellt, die Du auf Dich zu nehmen hast und zu tilgen für Meine Heiligkeit und zu waschen die Erde mit Deinem Blute vom Fluche der Schande durch die Sünde Adams!"

[HGt.01_009,21] Und siehe, höre und verstehe wohl, was darauf die Liebe entgegnete und sprach, wie folgt: ,Großer, überheiliger Gott aller Macht und Kraft! Es geschehe nach Deinen Worten!"

[HGt.01_009,22] Und siehe, da erlosch auf einmal all das Feuer auf der Erde und in allen den Schöpfungsräumen! Und die Trümmer der zerstörten Sonnen, Erden und Monde wurden wieder zusammengefügt durch die Macht und Kraft der von der Gottheit erhörten Liebe und ordneten sich wieder, wie sie geordnet waren im Anfange ihrer Entstehung; sie behielten aber zu ewigen Zeichen die unvertilgbaren Spuren ihrer damaligen gänzlichen Zerstörung gleich den Wundmalen der ewigen Liebe, die später in der großen Zeit der Zeiten für alle am Kreuze blutete.

[HGt.01_009,23] Und es blieben auch noch hier und da anderweltliche Trümmer liegen auf der Oberfläche, in den Tiefen und den Meeren der Erde zu Zeichen der Macht und Kraft Gottes und zugleich aber auch als sprechende Zeugen der übergroßen Taten der erbarmenden Liebe.

[HGt.01_009,24] Und siehe und höre weiter und verstehe es wohl, was nun ferner geschah: Als nun die ewige Liebe die Anforderungen annahm und dadurch schon im voraus der großen Heiligkeit Gottes Genüge tat, da ließ die Gottheit in sanfterem Rauschen und Wehen, abermals nur der Liebe verständlich, Ihren heiligen Willen vernehmen und sprach in der Rede voll sanften Tones, wie folgt:

[HGt.01_009,25] ,Siehe, Deine große Barmherzigkeit ist in Mir aufgestiegen und ist getreten vor Meine allsehenden Augen, und Ich habe erkannt in der Ruhe Meiner Heiligkeit Deine große Aufrichtigkeit und ewige Treue und habe gezählt die Reuetropfen Adams und die Trauertropfen Evas und bin mitleidig geworden durch Deine große Erbarmung durch und durch.

[HGt.01_009,26] Und siehe, daher will Ich Meine Gerichte zurückziehen in dieser Zeit und nach Deinem Verlangen Gnade für Recht ausströmen lassen in großer Fülle und will den Schaden, welchen Meine Gerichte angerichtet haben, wieder gutmachen. Und außer Mir kann niemand etwas gutmachen denn Ich allein, da niemand gut ist denn Ich, der heilige Vater; denn das sei Mein Name fürder ewiglich. Und Du, Meine Liebe, bist Mein Sohn; und die Heiligkeit als das mächtig allwirkende Band der Kraft zwischen Uns und zwischen allem, was von Uns ausgegangen ist, sei der heilige Geist, der erfüllen soll alle Räume der Räume und alle Unendlichkeiten der Unendlichkeiten in alle Ewigkeiten der Ewigkeiten, amen. Und das sagt nun der gute, heilige Vater. Amen.

[HGt.01_009,27] Und nun sage Du, Mein geliebter Sohn, auch dem reuigen und trauernden Paare - und grabe ihnen das Gesagte tief in ihre Herzen -, daß sie die Gebote der Liebe und der Erbarmung bis an ihr Lebensende halten sollen unverbrüchlich, und Ich will ihnen dann einen Mittler zwischen Mir und ihnen zur Zeit, die Ich bestimmt habe, senden, zu tilgen die große Schuld und zu erleichtern die große, schwere Last ihres Ungehorsams.

[HGt.01_009,28] Bis dahin aber sollen sie verharren in aller Geduld und Sanftmut, und das Brot, das Ich ihnen derzeit nur kärglich geben will, sollen sie dankbar im Schweiße ihres Angesichtes genießen und sollen nicht satt werden bis zur Zeit des Mittlers, den Ich erwecken werde aus ihrer Mitte vollkommen und gut, wie Wir vollkommen und gut und heilig sind ewig.

[HGt.01_009,29] Und sage ihnen noch hinzu, daß Ich Meine Gerichte nur eingestellt habe für jene, die Meine strengen Gebote halten werden pünktlich; den Übertretern aber seien sie für alle Ewigkeiten in aller Strenge der ewig heiligen Wahrheit angedroht in der genauesten Erfüllung bei der geringsten Übertretung!

[HGt.01_009,30] Das spricht der heilige und alleinig gute Vater durch Seinen Sohn, der die ewige Liebe in Ihm ist, und durch den heiligen Geist als der wirkenden Gnade aus Uns Beiden zur einstigen Vergebung der Sünde, welche nun ihre Leiber mühselig machen und dann aber allezeit töten soll zeitlich zur Erlangung des Lebens nach dem Tode des Leibes nach der Zeit des versprochenen Mittlers.

[HGt.01_009,31] Das sagt der alleinig heilige und alleinig gute Vater. Amen, amen, amen."

 

10. Kapitel

[HGt.01_010,01] Und siehe und höre und begreife und verstehe wohl, was da die ewige Liebe sprach und tat. - Als der gute, heilige Vater vollendet hatte die Rede großen Ernstes, verkündend Gnade für Recht und androhend das Gericht den Übertretern des Gesetzes der übergroßen Gnade und den Tod der Sünde gebend, da ward gerührt die ewige Liebe bis in die innerste Tiefe Ihres erbarmenden Herzens und weinte zum zweiten Male Tränen des Mitleids und Tränen der innigsten Freude und seligsten Wonne über die große, schonende Gnade des so überguten und überheiligen Vaters und sprach in der tiefsten Ergriffenheit Ihres ganzen Wesens zum Adam und zur Eva:

[HGt.01_010,02] ,Du, Adam, du hast jetzt gesehen die fürchterlichen Gerichte Gottes vor deinen Augen vorüberziehen, und die Eva sah und empfand sie durch dich; nun aber will Ich auch ihr die Augen und die Ohren öffnen, und sie - wie auch alle, die aus ihr hervorgehen werden nach der Zahl der Sterne am Himmel und nach der Zahl des Grases auf der Erde und nach der Zahl des Sandes im Meere, welche unendlich ist soll in aller Zukunft mit eigenen Augen sehen und mit offenen Ohren hören, was die Gottheit tat in Ihrem richtenden Grimme und was darauf die ewige Liebe tat in Ihrer unbegrenzten Erbarmung.

[HGt.01_010,03] Und das Gesetz habe Ich dir in dein Herz gegraben, wie du es auch in das Herz der Eva graben sollst; und zum Zeichen, das euch und alle, die euch folgen werden, mahnen soll der Gerichte Gottes ob eurer Sünde, will Ich hie und da lassen Berge entstehen, die da brennen sollen abwechselnd bis ans Ende der Zeiten, und will euch hinterlassen den Blitz, der euch mahnen soll der einstigen Zerstörung, und den allezeit folgenden Donner, der euch allezeit stark verkünden soll den Namen des großen und starken Gottes, wenn ihr je Seiner vergessen solltet oder könntet.

[HGt.01_010,04] Und die Tränen des Mitleides und die der großen Gnadenfreude aus dem heiligen Vater habe Ich hingestellt zum ewigen Zeichen als eine neue Schöpfung um den weiten Raum des Himmels, und sie sollen euch leuchten in jeder Nacht der Erde und sollen euch erquicken in der Dämmerung des Lebens und sollen euch verkünden den werdenden Tag.

[HGt.01_010,05] Und nun sehet empor zum Himmel; sie leuchten in mannigfaltiger Ordnung und in mannigfaltiger Pracht, die rötlichen Lichtes zum Zeichen Meines Mitleids, und die weißen Lichtes zum Zeichen der Freude ob der großen Gnade des überheiligen und überguten Vaters. Und derjenige weißschimmernde breite Streif über den Sternen des Mitleids und der Freude, bestehend ebenfalls aus Sternen der Vorzeit durch die Träne der Sich damals schon der gefallenen Geister erbarmenden Liebe, welcher mitten durch des Himmels weiten Raum gezogen ist, diene euch zum Zeichen des ewigen, heiligen Bundes zwischen der ewigen Liebe, die euch und alles, was da ist, werden hieß, und zwischen der alles nach Ihrer ewigen Heiligkeit richtenden Gottheit.

[HGt.01_010,06] Und nun siehe her, du Adam, und du auch, Eva, in Mein linkes Auge, das über Meinem Herzen eurem rechten Auge gegenüber mild und gnädig euch entgegenstrahlt, - sehet, noch eine Träne hängt an der Wimper desselben, und sehet, diese Träne ist größer denn alle, die schon aus diesen Augen für euch geflossen sind!

[HGt.01_010,07] Da, wo das große Band am weiten Himmel geteilt erscheint, dorthin blicket gerne und seid allezeit dankbar und tief gerührt, sooft ihr dorthin blicken werdet; denn diese Stelle soll euch und auch der ganzen Schöpfung zum ewig bleibenden Zeichen eures Treubruches mit Mir und Meines damaligen Bruches mit der Heiligkeit Gottes aus Barmherzigkeit mit euch dienen, und das Band soll euch an der Stelle, wo es wieder wie angeknüpft erscheint, erinnern an die große Vermittlung der ewigen Liebe, die Ich bin von Ewigkeit her, zwischen der unantastbaren Heiligkeit Gottes und zwischen euch, die ihr treulos gesündigt habt vor dem Angesichte Seiner unbegrenzten Heiligkeit.

[HGt.01_010,08] Und nun sehet, dorther ist diese Träne, und dort ist der Ort ihrer Entstehung!

[HGt.01_010,09] Und diese Träne wird euch und euren Nachkommen einst aufgehen als ein schöner Morgenstern, welcher erleuchten wird alle Völker der Erde, die euch in den Zeiten der Zeiten folgen werden in euren reuigen und trauernden Fußstapfen, und wird noch zuvor waschen die Erde vom stinkenden Schlamme der Sünde und wird reinigen eure Tränen und Zähren der Reue und der Trauer vom Unrate der Schlange.

[HGt.01_010,10] Und nun sehet noch einmal her: Diese Träne will Ich fallen lassen auf eine noch weiße Blume dieses Strauches zwischen den zwei schon befruchteten Blumen Evas, und aus ihr soll einst emporblühen ein reines Weib, die der Schlange den Kopf zertreten soll. Und die Schlange wird sie zwar auch in die Ferse beißen, aber das Gift wird ihr nicht schaden; und aus ihr wird hervorgehen, das vor euch jetzt ist, ein schöner Morgenstern allen Völkern der Erde, die eines guten Willens sind, und das ewige Gericht allen widerspenstigen Kindern der Schlange!

[HGt.01_010,11] Und die Geister aus dem Schoße der Heiligkeit des Vaters werden zur Erde herabkommen körperlich und werden euren Kindern verkündigen die große Zeit und die Art der Ankunft Dessen, der jetzt vor euch steht, und den ihr jetzt noch höret und sehet und fürder nicht mehr hören und sehen werdet bis zur versprochenen Ankunft nach der Verheißung des heiligen Vaters durch Mich als die ewige Liebe in Ihm.

[HGt.01_010,12] Und nun habet ihr alles vernommen, was euch zu wissen nötig ist zum Empfange Meines Segens!

[HGt.01_010,13] Und so seid denn gesegnet von der Hand der Macht und von der Hand der Kraft der ewigen Liebe des heiligen Vaters und der Kraft des Geistes, die heilig ist aus Uns beiden, und befruchtet und mehret euch und erfüllet die Erde mit der lebendigen Frucht dieses Segens!

[HGt.01_010,14] Und allezeit, sooft ihr euch nahen werdet dieses Segens wegen, so opfert Mir zuvor eure Herzen! So ihr dieses unterlassen werdet, so wird die Schlange, die noch lebt und auch leben wird ewiglich im Grimme der Gottheit, die Frucht in euch verderben, und du, Eva, und alle deines Geschlechtes werden statt einer Frucht des Segens eine Frucht des Verderbens zur Welt bringen. Und diese werden zugrunde richten die Kinder des Segens und Lichtes in großer Anzahl, und ihres Tobens und Wütens wird kein Ende sein; und so werdet ihr die Sünde als Erbe an alle übergehen lassen, und eure Schuld wird sichtbar werden bis zur großen Zeit der Zeiten und auch nach derselben.

[HGt.01_010,15] Und dieses Meines Gnadensegens Opfer eurer Herzen sei euch gegeben als ein heiliger Dienst, den zu verrichten ihr Mir allezeit schuldig seid, sooft ihr euch nähert dieses Meines Segens willen. Dieses neue und leichte Gebot, das ihr soeben empfangen habt aus Meinem Munde, sei die erste Kirche, die Ich gründe vor euch zu Meinem Gedächtnisse, und erinnere euch an die Taten der erbarmenden Liebe dankbar und führe euch zur heiligen Furcht Gottes zurück!

[HGt.01_010,16] Einen sündenlosen Geist als Boten will Ich euch senden von oben mit einem Flammenschwerte in der Hand, damit er euch führe und zeige die ganze Erde von einem Ende derselben bis zum andern; und er wird euch erleuchten die Irrsale der Welt und euch aber auch züchtigen, so ihr abweichen werdet von Meinen Wegen.

[HGt.01_010,17] Dieses alles sagt die ewige Liebe zu euch im Namen des heiligen Vaters, amen."

 

11. Kapitel

[HGt.01_011,01] Und siehe, da verschwand die Liebe vor den Augen der Geschaffenen, zurückkehrend in den heilgen Schoß des Vaters.

[HGt.01_011,02] Und nun siehe, du Mein fauler und sehr schlechter Mietknecht, der du noch sehr harthörig bist; denn Ich muß dir ja wie einem Abcbuben jedes Wort einzeln in die Feder sagen, und noch verstehst du Mich nicht und fragst Mich oft zwei-, drei-, fünf-, oft bis zehnmal, und siehe, Ich wiederhole dir allezeit jedes Wort treulich! Daher sei aufmerksamer, damit es schneller vorwärtsgehe als bis jetzt; denn die Welt bedarf in aller Kürze der Zeit der Vollendung dieses Werkes Meiner großen Gnade! Dieses lasse dir gesagt sein von Mir, eurem heiligen Vater, der ganz Liebe ist in allem Seinem Wesen!

[HGt.01_011,03] Und nun schreibe weiter! - Und nun war das neugeschaffene Paar auf der weiten Erde ganz allein, und der versprochene Engel erschien mit dem flammenden Schwerte in seiner Rechten; und da sie seiner ansichtig wurden, so erschraken sie sehr, so daß sie flohen vor seinen Augen und erbebten vor großer Furcht in allen ihren Eingeweiden.

[HGt.01_011,04] Und nun siehe, die Furcht beschleunigte die Zeit Evas, und sie wurde mit Schmerzen der verbotenen Frucht entledigt, welche die Schlange in der Blindheit Adams in sie gelegt hatte.

[HGt.01_011,05] Und der Adam besah die nackte Frucht und bemerkte, daß die Frucht ihm ähnlich war, und er freute sich sehr darüber; und die Eva erkannte die Freude Adams und drückte in aller Begierde diese Frucht ihrer Liebe an ihre volle Brust.

[HGt.01_011,06] Und siehe, da empfand sie einen ähnlichen Stich in ihrer Brust gleich dem Stiche der Schlange und legte die Frucht zur Erde in der großen Angst und festen Meinung, sie habe schon wieder gesündigt.

[HGt.01_011,07] Aber siehe, da erschien der große Engel sanften Angesichtes vor dem sich ängstigenden und fürchtenden Paare und sprach sie mit fester Stimme an:

[HGt.01_011,08] ,Ängstiget und fürchtet euch nicht vor dem Knechte Jehovas, der zu euch gesandt ist von oben, um euch zu zeigen die Erde und euch zu erleuchten die Irrsale der Welt - und auch zu züchtigen euch und eure Nachkommen, so ihr von den Wegen der ewigen Liebe und der unendlichen Heiligkeit Gottes je abweichen solltet.

[HGt.01_011,09] Sehet, diese Frucht ist für euch keine Sünde mehr; wohl aber ist sie die Folge des dreifachen Ungehorsams gegen Gott und ist der Tod eures Fleisches, den ihr erzeugt habt in eurem Fleische durch eure Begierde in der Selbstsucht. Ihr dürfet diese Frucht nicht wegschleudern von euch, sondern nach dem Willen von oben behaltet sie zum Zeugnisse über euch selbst und eurer Demütigung, damit ihr derzeit erfahren möget, wie durch euch die Sünde und durch die Sünde aber der Tod in die Welt gekommen ist; die Frucht selbst aber sollet ihr ,Cahin`, oder ,Todbringer`, benennen!"

[HGt.01_011,10] Da wurde beruhigt durch die Rede des Boten von oben das Paar in seinen aufgeschreckten Gemütern, und die Eva nahm die zur Erde niedergelegte Frucht wieder in ihre noch zitternden Hände und reichte auf Geheiß des Adam durch den Engel dem Säugling die volle Brust, zu saugen das Leben der Erde aus ihr.

[HGt.01_011,11] Und der Engel trat an die linke Seite des Adam, und die Eva mit der Frucht auf dem rechten Arme stellte sich hin zur rechten Seite Adams, damit ihr Herz frei bliebe von jeglicher Last und zugewendet bleiben möchte dem Menschen fürder auf allen Wegen und Stegen.

[HGt.01_011,12] Und so wandelten sie musterhaft über die ganze Erde, um zu beschauen alle Orte derselben und zu bestellen Wohnungen für ihre einstigen Nachkommen und zu säen das Brot denselben durch die Macht und Kraft, die ihnen verliehen war von der Liebe durch die große Gnade der Erbarmung.

[HGt.01_011,13] Denn die Erde und alles, was auf ihr war, war untertan dem Willen Adams, und das Meer und all das Gewässer gehorchte treulich selbst dem leisesten Winke Adams und war ihm untertan von der Oberfläche bis in den tiefsten Grund und bot ehrfurchtsvoll dem Fuße seines Herrn den Rücken, fest zu wandeln auf demselben nach Belieben; und es waren ihm untertan all die Winde, und es gehorchten seiner Stimme alle Tiere der Gewässer, des festen Landes und der Lüfte.

[HGt.01_011,14] Und der Adam war erstaunt über die ihm innewohnende Kraft und sah und erkannte, über was alles ihm die ewige Liebe solche großen Kräfte verliehen hatte, und ward fröhlich über die Maßen ob so großer Gnade von oben und sagte zur Eva:

[HGt.01_011,15] ,Eva, mein Weib, siehe, der Herr der Macht und Kraft hat uns gesegnet; laß uns Ihm unsere Herzen opfern, damit Sein Segen gedeihe auf der Erde nach Seiner großen Verheißung und durch dich erblicke das Licht der Gnade als neuer Bewohner dieser Stätte!"

[HGt.01_011,16] Und die Eva, voll Demut und innigster Freude, sprach: ,Adam, siehe deine Magd zu deinen Füßen harren des Winkes ihres Herrn der Erde, und es geschehe mir nach deinem Willen; nimm hin mein schuldiges Herz und opfere es dem Herrn!"

[HGt.01_011,17] Und der Adam tat der Eva in aller Ergebung in den Herrn, wie es ihm der Herr befohlen hatte.

[HGt.01_011,18] Und siehe, der Segen wurde sichtbar an der Eva, und der Adam freute sich dessen, und auch die Eva empfand große Lust in sich. Und nun höre, was der Engel Jehovas sprach zum frohen Paare, und seine Worte waren wohlgemessen wie Worte von der Höhe und wie Worte aus der Tiefe, und es war die ewige Liebe Selbst, die durch den Mund des Engels sprach, und diese Worte lauteten aus dem Munde des Engels:

[HGt.01_011,19] ,Adam! Du hast jetzt viel erfahren auf der weiten Reise über die Erde; und ihre Festen und ihre Gewässer sahst du und sahst auch, was auf und in denselben ist, wächst und sich bewegt; und sahst das große Mamelhud und vom selben abwärts alle Tiere bis zum kleinsten der kriechenden Würmchen; und sahst den starken Hai und all das Getier der Gewässer bis zu den kleinen Bewohnern des Tropfens; und sahst auch alles Gevögel der Lüfte, von dem riesigen Aar bis zum Blattvögelein und von diesem bis zur kleinsten Mücke; und hast erprobt alle ihre Kräfte, ihre Tauglichkeit und ihre Nützlichkeit; und ersahst auch daraus, wie reichlich die ewige Liebe für dich gesorgt hat und so durch dich auch für die Eva.

[HGt.01_011,20] Du redetest die Berge an, und sie gaben dir Antwort; und du fragtest das Meer, und es antwortete dir; und du richtetest deine Stimme in die Tiefe der Erde, und die Antwort ist nicht unterwegs geblieben, und du richtetest den Ton deiner Rede an all die Bäume, Gesträuche, Pflanzen, Kräuter und an all das Gras, und sie gaben dir kund ihre Namen und erzählten dir ehrerbietig ihre Tauglichkeit und den daraus hervorgehenden Gebrauch für euch nach deiner freien Willkür; und so auch gab dir all das Getier, das du angesprochen hast mit der Stimme deiner Brust, jegliches nach seiner Art eine vernehmbare und ebenso vollbestimmte Antwort zurück und zeigte dir an, inwieweit es zu deinem Dienste bestimmt ist und untertan ist deinem Willen blindlings; und die Winde lehrten dich, ihrer sich zu gebrauchen nach deinem Willen; und dieses alles sah und hörte und gewahrte auch die Eva.

[HGt.01_011,21] Siehe nun, Adam, und auch du, Eva, dieses alles ist dir von der ewigen Liebe nicht gegeben wie das Leben und die Eva dir, sondern Ihre große Gnade hat es dir zum Geschenke gegeben, und du wirst dies alles nur so lange behalten, als du nach dem Willen des heiligen Vaters einen weisen Gebrauch davon machen wirst; aber eines wird nach dem andern sich entfernen aus dem Gebiete deiner großen Macht, so du dein Gemüt nicht stets ganz rein vor dem Angesichte Jehovas erhältst. Daher sei weise, wie der große, übergute und überheilige Vater dort oben über aller Schöpfung und dort in der Tiefe unter aller Schöpfung es ist!

[HGt.01_011,22] Und so wie du es bist, sein und bleiben sollst fürder nach dem Willen des heiligen Vaters und so nach deinem eigenen Willen, so sollen auch alle deine Nachkommen sein und sollen sein die Nachkommen Evas, wie sie ist vor und unter deinen Augen.

[HGt.01_011,23] Und so aber jemand nicht ist, wie du es jetzt bist, sein und bleiben sollst fürder, so wird er zwar die Gabe behalten auf die Länge einer bestimmten Zeit; aber das Geschenk der Gnade wird ihm genommen, alsobald er nicht mehr ist, wie du jetzt bist, sein und bleiben sollst. Und selbst die Nachkommen Evas werden sich erheben über ihre Häupter und werden ihnen untreu bis in das Mark ihrer Gebeine und werden nachrennen den Hunden und werden sich nähren vom Kote der Schlangen und ihre Kinder säugen mit den Brüsten der Ottern; und deine Nachkommen werden vergiftet werden durch sie und werden sterben eines bitteren Todes leiblich und geistig in ewiger Schande und quälender Schmach.

[HGt.01_011,24] Und nun siehe, du Adam, und höre, du Eva! Noch seid ihr jetzt im Paradiese, da, wohin euch die ewige Liebe gesetzt hat vor und nach eurer Sünde und vor und nach der Zerstörung; aber so ihr euch je vergessen solltet, nicht zu beachten treulich die Gesetze der Liebe und die Gebote der Weisheit des heiligen Vaters, so werdet ihr aus diesem schönen Garten vertrieben werden durch dieses flammende Schwert und werdet nimmer hineingelassen werden durch die ganze Zeit eures Leibeslebens fürder und bis zur Zeit der Verheißung auch keiner von allen euren Nachkommen - als erst nach derselben die Kinder der Erlösung und der daraus hervorgehenden Neuschöpfung der ewigen Liebe.

[HGt.01_011,25] Dies merke dir wohl, du Adam, und bedenke es auch, du Eva! Die Frucht, die hervorgehen wird aus dir, du Eva, diese lebendige Frucht sollst du, Adam, ,Ahbel` nennen und sollst ihn opfern dem Herrn der Herrlichkeit ewig; denn sein Name ist ,Sohn des Segens` und soll sein zum ersten Vorbilde Dessen, der einst in der großen Zeit der Zeiten kommen wird von oben aus dem Schoße der Macht und der Kraft der Heiligkeit Gottes vollkommen.

[HGt.01_011,26] Und nun, da ich euch geführt, gezeigt und gesagt habe alles nach dem Willen der ewigen Liebe vollkommen, so ist meiner Sendung Werk der ewigen Liebe im Vater aller Heiligkeit und Güte vollbracht, und ich muß euch sichtbar verlassen; aber unsichtbar werde ich euch folgen von Tritt zu Tritt und werde zählen jeglichen eurer Schritte nach dem unwandelbaren Willen Jehovas.

[HGt.01_011,27] Und zu sehen werdet ihr mich bekommen allezeit wieder, sooft ihr dem Herrn der Herrlichkeit opfern werdet in aller Ergebung eure Herzen; und ich werde euer Opfer nehmen in ein Gefäß und werde es tragen empor zu Gott und werde es ausschütten vor dem Angesichte des Sohnes, und da wird der große, heilige Vater Wohlgefallen haben an euren Werken.

[HGt.01_011,28] Aber ihr werdet mich auch zu sehen bekommen, so ihr abweichen solltet oder könntet von dem Gesetze der Liebe und von den Geboten des heiligen Vaters, so wie ihr mich jetzt noch sehet mit dem Flammenschwerte in meiner Rechten, um euch zu treiben aus dem Garten und dir, Adam, zu nehmen einen großen Teil der Geschenke der ewigen Liebe aus Ihrer großen Gnade und dich dann zu lassen schwach und furchtsam vor dem geringsten Geräusche des Grases."

[HGt.01_011,29] Und nun siehe, du blinder Schreiber dieses Meines neuen lebendigen Wortes in dir wie auch in euch allen, und betrachte den Adam, wie er nun war im Paradiese ein vollkommener Mensch bis auf eines, mit welchen Fähigkeiten er ausgerüstet war, vollkommen ein Herr der Erde; und alle diese seine Vollkommenheiten waren nur ein Geschenk von Mir, und er behielt sie bis zur Zeit, da er ein einziges Mal Meiner vergaß, nachdem der Engel unsichtbar wurde seinen Augen.

[HGt.01_011,30] Und nun siehe, dieses alles, was der Adam besaß als Geschenk, will Ich euch geben als bleibende Gabe und noch zahllos Mehreres und noch unendlich Größeres, das Ich Selber bin, und alles, was Mein ist, soll auch euer sein, so ihr Mich liebet, und sonst nichts als liebet!

[HGt.01_011,31] Aber wo ist eure Liebe, die Ich so teuer erkaufte und ewig Mein nennen möchte?! Oh, dieser gibt es gar so wenig mehr auf der Erde! Sie ist so leicht und so sanft, und ihr wollet sie nicht und suchet sie auch nicht, wo sie eurer harrt, und verschmähet den hohen Preis in ihr!

 

12. Kapitel

[HGt.01_012,01] O ihr Kinder Adams! Warum wollet ihr denn nicht lieber werden Meine Kinder? O welche Mühen und anstrengende Arbeiten kostet es euch, um euch zu erwerben das vom Schweiße eurer Hände triefende Brot Adams, das dazu noch besudelt ist vom Geifer der Schlangen und getränkt vom Gifte der Nattern, und damit ihr euch in eurem Unmaße den Tod zeitlich und dann auch ewig eresset!

[HGt.01_012,02] Und Mein Brot, das bestrichen ist mit dem Honig Meiner Liebe und getränkt ist mit der Milch des ewig freien Lebens aus Mir, und das ihr genießen könntet in der höchsten Fülle alles Übermaßes, und das euch nimmer schaden würde ewig, sondern euch stärken würde und euch ausrüsten mit aller Macht und Kraft aus Mir ewig und auch schon zeitlich, so ihr es nur annehmen möchtet, - sehet, bald nach Meiner allergrößten Tat, welche ist das große Werk der Erlösung für euch, da war dieses Mein Brot sehr teuer noch, und die Menschen konnten sich dasselbe nur in kleiner Gabe nicht anders als nur wieder durch ihr Mir dafür geopfertes Blut und Leibesleben erkaufen, und dieses Mein Brot schmeckte damals bitter im Munde der Käuflinge und war noch nicht bestrichen mit dem Honig der Liebe und getränkt mit der Milch des freien Lebens auch zeitlich schon, sondern sowohl der Honig als auch die Milch wurden den trauernden Käufern erst im Reiche der Geister wohlgewogen hinzugegeben; und siehe, doch gab es der Käufer in die großen Mengen!

[HGt.01_012,03] Jetzt aber, wo Ich es gebe jedem, der es nur immer wünscht, ganz umsonst, bloß für das gewiß sehr kleine Entgelt eurer Liebe, mit Honig und Milch, und nun siehe, nun verachtet man es bitter und verschmäht den großen, freundlichen, gewiß und wahr für euch aller höchsten Liebe vollsten Geber!

[HGt.01_012,04] So merket es denn: Die Pforten Meiner Himmel habe Ich jetzt weit öffnen lassen. Wer immer herein will, der komme und komme bald und komme alsogleich; denn es ist gekommen die große Zeit der Gnade, und das neue Jerusalem kommt zu euch allen hinab zur Erde, damit alle, die Mich lieben, darinnen Wohnung nehmen sollen und sollen darinnen gesättigt werden mit dem Honige und Milchbrote und trinken in vollen Zügen das reine Wasser alles Lebens und sollen es schöpfen im Übermaße aus dem ewigen Brunnen Jakobs!

[HGt.01_012,05] Aber wie auch immer die Niederkunft dieser Meiner großen Stadt wird sein eine unermeßlich große Gnade allen Meinen Kindern, so wird sie aber doch auch erdrücken durch ihre starken Mauern alle Blinden und wird zerquetschen alle Tauben; denn ihre Größe wird einnehmen die ganze Fläche der Erde! Und wer sie nicht sehen wird herniederkommen und nicht vernehmen wird ihr Rauschen durch die reinen Lüfte der Erde, der wird nie mehr einen Platz finden auf Erden, da er sich verbergen soll vor ihr und entweichen ihrer Last.

[HGt.01_012,06] Denn siehe, die Last ihrer Paläste wird zermalmen die Berge und sie gleichmachen den Tälern, und ihre Wohnhäuser will Ich stellen über die Pfützen und Moräste; und all das Geschmeiß, das darinnen haust, wird erdrückt werden im Grund und Boden durch die Grundfesten der Wohnhäuser der großen Stadt Gottes, eures heiligen Vaters im Himmel und auf der Erde.

[HGt.01_012,07] Und es wird rufen der wahre Hirte Seine Schafe, und sie werden Seine Stimme hören und wohl erkennen bis an alle Enden der Erde und werden hinzukommen und sich weiden in aller Lust auf den weiten Weideplätzen der ewigen Liebe des heiligen Vaters, welches sind die großen Gärten der neuen heiligen Stadt des großen Königs aller Völker, die waren, sind und sein werden ewig.

[HGt.01_012,08] Und diese Gärten werden sein das durch Adam verlorene Paradies, welches Ich zuerst wiedergefunden und getreulich aufbewahrt habe für sie zu einer ewigen Wohnung.

[HGt.01_012,09] Aus dem Grunde auch habe Ich euch schon ganz umständlich bis in die kleinsten Teile gezeigt Meine große Haushaltung von Ewigkeit her und habe euch gezeigt die Schöpfung vom Ersten bis zum Letzten und zeigte euch den ersten Menschen in seiner ersten Entstehung, will euch noch fürder ihn zeigen bis zu seinem Ende und will euch zeigen die große Hure und das zerstörte Babylon und euch dann führen in Meine große heilige Stadt und euch darinnen geben eine bleibende Wohnung ewiglich, so ihr Mich liebet, wie Ich euch liebe, über alles!

[HGt.01_012,10] Siehe an die Himmel und siehe an die Erde! Diese werden einst vergehen körperlich und werden nur bestehen geistig; aber jegliches Meiner Worte, das gesprochen wird zu euch, wird bestehen, wie es aus Meinem Munde kommt, körperlich und geistig in aller Macht und aller Kraft der Heiligkeit, ewig, ewig, ewig, amen!

 

13. Kapitel

[HGt.01_013,01] Und nun kehre wieder zurück zum Adam und zur Eva, und siehe, wie ihr fernerer Wandel ihres Leibeslebens und der Wandel ihrer beiden Nachkommen beschaffen war vor den allsehenden Augen der Heiligkeit Jehovas! Und siehe, eine kurze Zeit, die nach eurer Rechnung dreißig Erdkreise um die Sonne betrug, was ihr ,Jahre` nennet, lebte das Paar im Kreise seiner gesegneten Nachkommen, deren Zahl gleich war der Zahl der Jahre, mit Ausnahme des Cahin, welcher nicht gesegnet war.

[HGt.01_013,02] Und nun siehe weiter, was da geschehen ist! Adam ging am Tage des Herrn, der zu einem Ruhetage ihm geboten wurde in seinem Herzen schon von der ewigen Liebe Selbst und vom Engel hernach mehrfältig zum Gedächtnisse der großen Taten der Sich erbarmenden Liebe und zur ehrfurchtsvollsten Betrachtung der unermeßlichen Heiligkeit Gottes, des guten Vaters, allein über eine Strecke Landes, um zu betrachten die Schönheit der Gegend; und es gefiel ihm überaus gut die Welt, so daß er in seinen Gedanken ganz abkam von Gott.

[HGt.01_013,03] Und so in diesen Betrachtungen kam er an das Ufer eines großen Stromes, dessen Namen ,Eheura` hieß oder ,Gedenke der Zeit Jehovas!` - denn das rief der stark rauschende Strom; aber Adam, vertieft in den Gedanken der Welt, merkte und verstand auch nicht den Sinn dieser Rede der rauschenden Fluten des Stromes.

[HGt.01_013,04] Und als er nun sogeartet längs dem Ufer ging, blieb er auf einmal mit dem linken Fuße hängen an einem eine Zeitlang über die Erde und endlich um einen großen Baum sich schlängelnden Gewächse, und er fiel gewaltig zur Erde und empfand einen großen Schmerz an seinem Leibe, und das war für ihn eine neue Empfindung; und er zürnte dem Gewächse und sah es ergrimmt an und stellte es zur Rede, fragend, ob es nicht kenne seinen Herrn.

[HGt.01_013,05] Und das Gewächs antwortete: ,Nein, ich kenne dich nicht!"

[HGt.01_013,06] Da besah der Adam das Gewächs genauer und erkannte das Gewächs nicht. Da fragte er es abermals: ,Wie ist dein Name, und welches ist deine Tauglichkeit?"

[HGt.01_013,07] Und siehe, ein Wind rauschte durch die Blätter, und das Rauschen ward ihm verständlich und lautete: ,Lies die Beeren von meinen Zweigen, und presse den Saft aus, und trinke ihn, und mein Name und meine Tauglichkeit wird dir kundwerden!"

[HGt.01_013,08] Und siehe, der Adam tat in der Blindheit seiner Weltgedanken, was das schlängelnde Gewächs ihm anriet in seiner Vergessenheit am Tage des Herrn, und er nahm einige Beeren und verkostete sie, und sie schmeckten ihm sehr süß; und er freute sich dieser neuen Bekanntschaft und schmollte über den Engel, daß er ihm nicht auch gezeigt habe dieses gar so wohlschmeckende Gewächs.

[HGt.01_013,09] Und er las eine Menge Beeren ab und trug sie nach Hause und kam dahin, als die Sonne gerade unterging.

[HGt.01_013,10] Und die Eva, begleitet von Cahin, kamen ihm entgegen als die einzigen, die sich den ganzen Tag über gesorgt hatten, da sie nicht wußten, wohin der Adam gegangen war - denn alle übrigen wußten es wohl und sorgten sich nicht am Tage des Herrn um Adam, den Vater ihres Leibes, da sie Kinder des Segens waren und an diesem Tage ihre Gedanken vertieft hatten in Gott und Seine ewige Liebe -, und nahmen ihm ab einen großen Teil seiner Bürde. Und er erzählte ihnen von dieser neuen Bekanntschaft; und die Eva war erfreut in hohem Grade dessen und tat mit der Hilfe Cahins mit den Beeren nach der Erzählung Adams.

[HGt.01_013,11] Da nahm der Adam den ausgepreßten Saft und sprach: ,Lasset uns erforschen seinen Namen und seine Tauglichkeit!"

[HGt.01_013,12] Und siehe, da trank er in vollen Zügen vom Safte und gab ihn dann der Eva und dem Cahin und endlich zu verkosten allen bis auf den Ahbel, der noch nicht zugegen war, da das Feuer noch loderte auf dem Altare, den er errichtet hatte, zu opfern der Heiligkeit und der Liebe Jehovas, was dem Herrn wohlgefällig war.

[HGt.01_013,13] Und da wurden berauscht der Adam und die Eva und alle, die vom Safte gekostet hatten; und in diesem Rausche entbrannten Adam und Eva und alle aus Adam und Eva wild in den Begierden des Fleisches und trieben samt Adam und Eva Unzucht und Hurerei, während Ahbel betete am Altare Jehovas.

[HGt.01_013,14] Und als sie da ausgehurt hatten im Rausche der Vergessenheit Gottes und des allezeit vorher anbefohlenen und schuldigen Opfers ihrer Herzen, da erschien der Engel mit dem Flammenschwerte in seiner Rechten zuerst dem Ahbel freundlich und sagte zu ihm:

[HGt.01_013,15] ,Jehova fand großes Wohlgefallen an deinem Opfer, so zwar, daß Er dich zum Retter deiner Eltern und Geschwister erwählt hat, ohne das sie jetzt zugrunde gegangen wären am Tage des Herrn, da sie Seiner vergaßen und ihre Gemüter gesenkt haben zur Erde und nicht teilhaftig werden konnten des Segens, der allezeit an diesem Tage nach der festgesetzten Ordnung ausgeht von oben in alle Räume der Unendlichkeiten!

[HGt.01_013,16] Daher bin ich wiedergekommen sichtbar, zuerst zu sammeln dein Opfer in dieses Gefäß der erbarmenden Gnade, welche ist der ewige Sohn im Vater, und es zu tragen vor Sein allerheiligstes Angesicht, den Augapfel des ewigen Vaters, und zuvor aber noch zu züchtigen die Übertreter des Gesetzes der Liebe und des Gebotes der heiligen Gnade und ihnen zu nehmen einen großen Teil der Geschenke, sie zu schlagen mit Blindheit und sie zu treiben aus dem Paradiese.

[HGt.01_013,17] Und nun verlasse deinen Opferaltar und stelle dich zu meiner Linken, damit die züchtigende Rechte frei bleibe den Übertretern, und folge mir in die Wohnung der Sünde! Und wenn ich die schlafenden Sünder werde geweckt haben aus dem Taumel der Hurerei und sie, von großer Furcht ergriffen, fliehen werden vor dem Schwerte der Gerechtigkeit, so folge ihnen als ein Mitflüchtiger und trage nach den Eltern deines Leibes einen kleinen Teil des verlorenen Geschenkes und übergib es ihnen dann zur Stärkung da, wo sie ermattet und erschöpft weinend zur Erde niederfallen werden in einem Lande weit von hier, welches ,Ehuehil` oder ,Land der Zuflucht` heißt. Und in diesem Lande errichte du eben auch einen Opferaltar gleich diesem hier, der fortan brennen wird, auch unter den Gewässern, die einst über die ganze Erde kommen werden, und werden wird zu einem Berge, unersteiglich für jeden sterblichen Fuß bis zur großen Zeit der Zeiten, wo er sein Haupt neigen wird in die Niederung, die da heißen wird ,Bethlehem` oder die kleine Stadt des großen Königs, die einst zur größten wird auf der Erde; denn ihr Licht wird leuchten mehr denn das Licht aller Sonnen Geister der Geister. Und auf diesem neuen Altare sollst du Dankopfer bringen dem Herrn aus allen Reichen der Erde in diesem Lande der Flucht, damit es genießbar werde den Sündern und stärke die Reuigen und tröste die Trauernden!"

[HGt.01_013,18] Und als der Engel beendet hatte seine Rede zum Ahbel, da erhoben sie sich und gingen ernsten Schrittes zur Wohnung Adams, welche nach seiner Macht und Kraft in runder und sehr weiträumlicher Form aus dicht aneinander frei aus der Erde hoch gewachsenen Zedern - der Gestalt nach ähnlich dem Tempel Salomos - bestand, unfern von der Reuehöhle und dem Dornbusche der Trauer, und zwei Eingänge hatte, einen engen gegen Morgen und einen weiten gegen Abend.

[HGt.01_013,19] Und siehe, es war um die Mitte der Nachtzeit - und es durfte nicht früher sein wegen des Tages des Herrn -, da trat der Engel des Herrn mit dem Ahbel an die Schwelle von Morgen her.

[HGt.01_013,20] Als der Ahbel die Schwelle betrat, da fing er an zu weinen über das große Unglück, das jetzt die Seinen treffen solle und werde.

[HGt.01_013,21] Da sagte der Engel sanften Tones zu ihm: ,Weine nicht, Ahbel, du segenerfüllter Sohn der Gnade, und tue, was ich dir befohlen aus der ewigen Liebe, die durch meinen Mund redet, und erschrick nicht über die Donnerworte, die folgen werden über diese schlafenden Sünder!"

[HGt.01_013,22] Und Ahbel tat, wie ihm der Engel befohlen hatte; und als er vollends bei den Seinigen war, da donnerte der Engel furchtbar ernst Worte des Schreckens und großer Angst über die nun erwachten Sünder und rief mit großer Kraft und Stärke:

[HGt.01_013,23] ,Adam, stehe auf, gedenke deiner Schuld und fliehe von hier; denn für dich ist hier keines Bleibens mehr fürder! Denn du hast verloren das Paradies für dich und alle deine Nachkommen bis zur großen Zeit der Zeiten und einen großen Teil der Geschenke durch deine Schuld, da du vergessen hast des Tages des Herrn und hast dich berauscht vom Safte eines Gewächses, das ein Meisterstück der Schlange war, ausgedacht, zu fangen deine Freiheit, zu umstricken deine Füße und zu verwirren deine Sinne, zu vergessen Gott und dich schlafen zu machen in der groben Sünde.

[HGt.01_013,24] Somit fliehe, wohin du willst, aus dem Angesichte der Liebe! Und überall, wo du hinfliehen wirst, wirst du den gerechten Zorn Gottes treffen in der Fülle; aber der Anteil der Liebe wird dir spärlich zugemessen werden!"

[HGt.01_013,25] Und siehe, da erhob sich der Adam von der Erde mit der Eva und allen den übrigen, die da geschlafen hatten aus dem Tranke der Betäubung vom Gewächs der Schlange und dadurch verloren hatten sämtlich bis auf den Ahbel, welcher nüchtern geblieben war, da er nicht getrunken hatte vom Tranke der Betäubung und eingedenk blieb des Tages des Herrn (NB. wie auch ihr als wahre Kinder eines so heiligen und guten Vaters, wie Ich es bin, beständig eingedenk sein sollet der heiligen Ruhe des Sabbates als des wahren Tages des Herrn, der Ich es bin, und sollet am Sonntage tun, was euch geboten).

[HGt.01_013,26] Und als der Adam ansichtig wurde des Engels, erschrak er über die Maßen samt seinen Angehörigen, so daß er nicht reden konnte auch nur ein Wort zur Entschuldigung und war wie starr vor zu großem Entsetzen; denn nun fing er erst an zu gewahren, was er und alle die Seinen getan hatten vor dem Angesichte Jehovas.

[HGt.01_013,27] Da warf er sich auf sein Angesicht nieder vor dem Engel des Herrn und weinte und flehte überlaut um Erbarmen; denn das flammende Schwert hatte ihm die Augen geöffnet, und er sah in diesem Schauderlichte der strafenden Gerechtigkeit die ganze Schwere und Größe des namenlosen Unglücks, in welches er sich und all die Seinen durch seinen Leichtsinn gestürzt hatte.

[HGt.01_013,28] Aber der Engel stand mit verbundenen Augen und zugestopften Ohren, wie ihm die Liebe des Vaters befohlen hatte, und sprach lauter denn alle Donner aus der Macht und der Kraft Jehovas:

[HGt.01_013,29] ,In der Gerechtigkeit ist keine Gnade und im Gerichte keine Freiheit; darum fliehe, getrieben von der strafenden Gerechtigkeit, damit nicht ereilen deinen säumenden Fuß die Gerichte Jehovas! Denn die Strafe ist der Lohn der Gerechtigkeit. Wer ihn nimmt, wie er ihn verdient hat, der kann noch auf Erbarmung rechnen; wer aber widerstrebt der Gerechtigkeit und ihren Folgen, der ist ein Verräter der unantastbaren Heiligkeit Gottes und wird anheimfallen den Gerichten Dessen, da keine Freiheit mehr ist, sondern die ewige Gefangennehmung in dem Zorne der Gottheit.

[HGt.01_013,30] Darum fliehe und weine und flehe da, wohin dich deine Füße tragen werden; und wo sie dir ihren Dienst versagen werden, da bleibe, weine, flehe und bete, damit du nicht zugrunde gehest und die Eva und alle durch dich!"

[HGt.01_013,31] Und siehe, da erhob sich Adam wieder und wollte fliehen nach dem Befehle Gottes durch den Engel; aber siehe, er konnte nicht, denn seine Füße waren wie gelähmt. Und er fing an zu zittern und zu beben am ganzen Leibe; denn es gemahnte ihn die große Furcht vor dem Gerichte Gottes, das ihm angedroht hatte der Engel des Herrn.

[HGt.01_013,32] Da fiel Adam wieder nieder auf sein Angesicht und weinte und schrie überlaut: ,Herr, Du allmächtiger, großer Gott in Deiner großen Glorie aller Heiligkeit, verschließe nicht ganz das Herz Deiner unbegrenzten Liebe und Barmherzigkeit mir Schwachem vor Dir, und schenke mir nur so viel Kraft, daß Ich Unwürdigster zu fliehen vermag vor Deinen Gerichten nach Deinem allerheiligsten Willen, dem untertan sind alle Deine Geschöpfe, wie ich vom Scheitel bis zur Sohle. Herr, erhöre mein Flehen!"

[HGt.01_013,33] Und siehe, da sprach die ewige Liebe durch den Mund des Engels - wie Ich jetzt durch deinen unreinen - zu Ahbel:

[HGt.01_013,34] ,Ahbel, siehe den Vater deines Leibes; greife ihm unter die Arme! Und siehe sein Weib, die Eva, die Mutter deines Leibes, schmachten auf der Erde, und richte sie auf, damit sie beide und alle übrigen durch dich gestärkt werden zur Flucht und der gute, heilige Vater Freude an dir habe, da du Liebe erzeigst deines Leibes schwachem Vater, wie auch deiner hinfälligen Mutter, und so auch allen deinen Brüdern und Schwestern, ob sie gesegnet oder nicht gesegnet sind; denn deine Kraft wird sie stärken, und die Fülle des Segens in dir wird sie erquicken! Und so mit der Hand der kindlichen Liebe und mit der Hand der brüderlichen Treue führe sie ja mit aller Geduld und Liebe bis zur Stelle, die Ich dir dadurch anzeigen werde, daß sie alle erschöpft niedersinken werden!

[HGt.01_013,35] Da bleibe und lasse ausruhen die Ermüdeten; und du sammle dich da vor Mir, damit Ich dir Kräfte verleihe in der großen Fülle zur Stärkung für deine Eltern nach dem Maße ihrer Benötigung und Annahmefähigkeit und zur Erquickung deiner Brüder und Schwestern nach ihrem Bedarf und nach ihrer Aufnahmefähigkeit. Und nun tue, was Ich dir befohlen habe, aus Liebe für sie und aus Gehorsam gegen Mich!"

[HGt.01_013,36] Und siehe, da wurde der fromme Ahbel von großer Barmliebe durchdrungen, kniete nieder und dankte Gott aus dem innersten Grunde seines Herzens, in Tränen zerfließend, und ergriff dann, gestärkt von oben, die Hände der schwachen Eltern und tat aus großer Liebe, was ihm der Herr befohlen hatte.

[HGt.01_013,37] Und als der Adam gewahrte seinen Sohn ihm helfen und der Mutter auch, wie allen übrigen, da sprach Adam gerührt: ,O du mein lieber Sohn, da du kamst mir zu helfen in dieser unserer großen Not, so nimm denn auch all meinen Segen hin zum Danke und zum Troste deines schwachen Vaters und deiner schwachen Mutter!

[HGt.01_013,38] Und danke du dem Herrn, der du noch würdig bist der Liebe des heiligen Vaters, an meiner und unser aller Statt, die wir uns unwürdig gemacht haben, auszusprechen Seinen allerheiligsten Namen!

[HGt.01_013,39] Und so laß uns denn fliehen nach dem Willen des Herrn!"

[HGt.01_013,40] Und siehe, da schwang der Engel das Schwert der Gerechtigkeit, und sie flohen sämtlich eilenden Schrittes Tage und Nächte fort und fort ohne Ruhe und ohne Rast.

[HGt.01_013,41] Und so gelangten sie in das schon benannte Land, da die Sonne über ihrem Scheitel stand und heftig brannte; und kein Gras war zu sehen auf dem Boden ringsherum bis in die weiten Fernen, und auch kein Baum und kein Gesträuch. Und siehe, da sanken Adam und Eva mit den übrigen ermattet und ganz erschöpft in den heißen Staub zur Erde nieder und schlossen ihre Augen, von der Macht des betäubenden Schlafes gedrückt, und schliefen wie bewußtlos, gefesselt von den Schlingen der Schwäche in der Ungnade.

[HGt.01_013,42] Und siehe, da trat der Engel des Herrn, der sie bisher sichtbar verfolgt hatte, hin zum Ahbel, der da stand in vollster Frische der Macht und Kraft von oben, und sprach:

[HGt.01_013,43] ,Ahbel, siehe, von allen Opfern, die du in aller Reinheit deines Gemütes dem Herrn der Heiligkeit dargebracht hast, war keines größer als dieses und keines ihm so wohlgefällig! Daher nimm nach dem Willen von oben - dieses Schwert der Gerechtigkeit aus der Hand deines Bruders von oben denn siehe, so sind wir Kinder eines und desselben heiligen Vaters -, und walte und schalte damit nach der Macht der Weisheit und nach der Kraft der Liebe zum Besten der Deinigen, und entzünde in ihnen die schwach gewordene Kraft des Lebens, und mache erbrennen die Liebe zur Liebe des heiligen Vaters von neuem, und fache an die Flamme der gerechten Furcht Gottes in ihren Herzen! Ich aber werde dich nicht verlassen, sondern unsichtbar und, wann du willst, auch sichtbar an deiner mir übergeliebten Bruderseite stehen, allezeit bereit, dir zu dienen in dem Willen des Herrn.

[HGt.01_013,44] Denn siehe, die Übergabe des Schwertes aber bedeutet deine vollste Freiheit gleich der meinigen, und so ist der Wille des Herrn der deinige geworden und hat dich gestellt über alles Gesetz und hat die Gebote gemacht zu deinem Eigentume, und nun bist du gleich mir ein unsterblicher Sohn der Liebe des heiligen Vaters im reinen Lichtreiche der freien Geister!

[HGt.01_013,45] Und nun tue nach deiner Liebe und deiner Weisheit deinen Eltern und Geschwistern des Leibes!"

 

14. Kapitel

[HGt.01_014,01] Und siehe, da fiel Ahbel auf seine Knie nieder, durchdrungen von zu großer Freude über die so übergroße Gnade von oben, und sprach: ,O Du großer, überheiliger und überguter lieber Vater, siehe hier Deinen kleinen Diener vor Dir im Staube und im Gefühle der allertiefsten Unwürdigkeit zu Dir Allmächtigem und Allerbarmendem aus der untersten Tiefe empor zu Deiner höchsten Höhe blicken und vernimm das Flehen eines Kindes um Gnade für seine schwachen Eltern und für alle seine Brüder und Schwestern, und nimm die Kraft mir nicht, die aus Dir mir ist ein übergroßes Geschenk, und lasse sie gnädig ausströmen über sie zur Vergebung der Sünde und zur Wiedergewinnung des Lebens aus Dir in erforderlicher Macht und Kraft!

[HGt.01_014,02] Und gestalte barmherzig und gnädig diese Gegend nach Deinem allerhöchsten Wohlgefallen um, damit sie fruchtbar werde und die Schwachen Nahrung fänden zur Stärkung ihrer Glieder und ihren brennenden Durst stillen möchten an einer frischen Wasserquelle und auch Tiere kommen möchten, tauglich, ihnen zu dienen, gehorchend ihrem Willen.

[HGt.01_014,03] O Du großer, überheiliger und überguter lieber Vater, erhöre mein schwaches Flehen, damit Dein heiliger Name verherrlicht werde in den Herzen Deiner Reuigen!"

[HGt.01_014,04] Und nun siehe und höre, was da geschah, als der fromme Ahbel vollendet hatte das Mir wohlgefällige Gebet: Und siehe, da fing ein kühlender Hauch an hinzuwehen über die starre Wüste, und lichte Wolken umhüllten den weiten Raum des Himmels, und es fing an zu regnen über die ganze Wüste, und mitten unter dem Regen fielen Samenkörner aller Art in die vom häufigen, starken Regen Jehovas gemachten kleinen Furchen des sonst wüsten Sandes. Und im Augenblick war die weite Wüste grün geworden von Gras, Pflanzen, Gesträuchen und Bäumen tausendartig, und an der Stelle, da der fromme Ahbel, betend im Geiste und in der Wahrheit zu Mir, kniete, stieg ein großer Baum fast bis zu den Wolken empor mit weiten Ästen und breiten Blättern, voll behangen mit Brotfrüchten lieben und süßlichen Geschmackes, und es ward ihm der Name ,Bahahania` (oder ,Stärkung und Labung den Schwachen`, auch wohl bei euch jetzt noch als ,Brotbaum` bekannt) gegeben.

[HGt.01_014,05] Und aus den segentriefenden lichten Wolken sprach eine sanfte Stimme zum frommen Ahbel: ,Ahbel, du Mein lieber, freigewordener Sohn, schwinge mit der linken Hand das Schwert über die Schlafenden, und erwecke sie zur Reue und zur Besserung ihres Wandels vor Mir in aller Zukunft, und sei ihnen ein wahres Vorbild Dessen, der einst kommen wird in der großen Zeit der Zeiten, und sage ihnen, daß bis dorthin niemand mehr frei wird vom Gesetze, und daß die Gebote alle die werden gefangenhalten bis dahin und auch noch ferner, die sich nicht teilhaftig machen werden der Neugeburt durch den Sohn, welcher sein wird der Weg, das Licht, die Wahrheit und das ewige Leben als alleiniger Überwinder des Todes.

[HGt.01_014,06] Du aber bist frei als ein Engel des Lichtes und wirst aufgenommen werden, nachdem das Bild des großen Kommenden erst in kurzer Zeit ganz wird vollendet werden, dessen du dich aber erst durch deine steigende Demut, Liebe und große Frömmigkeit ganz fähig und tauglich machen mußt trotz aller Verfolgungen und Mißhandlungen, die dich noch treffen werden von deinen Brüdern und Schwestern um der Verherrlichung Meines Namens willen."

[HGt.01_014,07] Und siehe, da erhob sich Ahbel abermals mächtig und durch und durch kräftig von der Erde und schwebte gleichsam zum Zeichen der wahren Freiheit über derselben in der Luft und tat, wie ihm befohlen ward.

[HGt.01_014,08] Und siehe, da strömten neue Kräfte des Lebens in die Schlafenden, und sie erwachten in der Schnelle und richteten sich auf und sahen, tief ergriffen von zu großer Verwunderung ob so großer, wohltuender Veränderung der Wüste, sich nach allen Seiten um und wollten jauchzen vor Freude; aber da erhob sich Adam, und an seiner Seite auch Eva, und sprach zu seinen Kindern:

[HGt.01_014,09] ,Kinder, jauchzet nicht und frohlocket nicht allzufrühe, sondern weinet und bereuet mit mir und der Eva zuerst unsere große Schuld und bedenket, was wir verloren haben! Es liegt nichts an dem irdischen Paradiese und an allen seinen Gütern; denn wie ich und ihr es sehet mit mir, hat uns der Herr in Seiner übergroßen, unbegrenzten Barmherzigkeit so vieles wiedergegeben, daß wir alle den Verlust der überschwenglichen Güter des irdischen Paradieses sehr leicht vergessen könnten über diesem neuen, großen, unübersehbaren Reichtume Seiner zu großen Liebe. Aber sehet da die heraneilenden Tiere der Luft sowohl als auch der festen Erde, sehet das Gras, die Pflanzen, die Gesträuche und all die Bäumchen und großen Bäume und die wehenden Lüfte, und fraget dieses alles, und horchet, ob euch irgendwoher eine Antwort zukommen wird!

[HGt.01_014,10] Ich tat es gleich beim Erwachen und überzeugte mich, daß all die Dinge stumm geworden sind gegen mich und den Ton meiner Rede nimmer verstanden. Das Gezwitscher der Vögel, das Geheul der Tiere, das Gesäusel dieses Quellenbächleins und all das Geräusche des Grases, der Pflanzen, der Gesträuche und all der Bäumchen und Bäume drang zwar alsobald an mein Ohr; aber wie erschrak ich und bin noch erschrocken durch und durch, da ich von allem dem nichts mehr verstand und verstehe!

[HGt.01_014,11] Aber seht, ich erschrak nicht deswegen, daß mir dieser Verstand benommen wurde, sondern ich erschrak vielmehr ob des unendlich größeren Verlustes der Gnade des heiligen Vaters über aller Kreatur und unter aller Kreatur!

[HGt.01_014,12] Alles, seht, was ich verloren habe, das habt auch ihr verloren durch mich, da ihr gesündigt habt durch mich und mit mir bis auf einen, den ich nicht mehr würdig bin meinen Sohn zu nennen, der geblieben ist in der Fülle der Gnade und in der Fülle des Segens in aller Macht und in aller Kraft rein und gerecht vor den allsehenden Augen des überheiligen und überguten Vaters, Seiner Liebe und Seines Geistes.

[HGt.01_014,13] Und das ist mein geliebter Ahbel, den uns aber der übergerechte Herr auch genommen hat, da meine Augen ihn nirgends mehr sehen, sicherlich, damit ich und ihr alle durch mich empfinden sollet, was das heißt, aus der Gnade der ewigen Liebe in die strenge Gerechtigkeit des Herrn durch die Sünde des leichtsinnvollen Ungehorsams gegen Seine so übermilden Gesetze der Liebe und gegen die so leichten Gebote der Gnade gefallen zu sein.

[HGt.01_014,14] O Kinder, beherziget das alles wohl, was ich euch jetzt gesagt habe, und versuchet und überzeuget euch selbst, ob ich die Wahrheit zu euch geredet habe; und dann kommet und urteilet selbst, um welche Zeit es ist, - ob wir aus übergroßer Reue weinen und trauern sollen, oder ob wir wohl noch irgend etwas finden mögen, was unsere Herzen erfreuen könnte!

[HGt.01_014,15] Ja, meine Kinder, nur eine einzige Freude als Geschenk Ihrer großen Gnade hat uns die ewige Liebe des heiligen Vaters gelassen - und dessen können und sollen wir uns freuen -, und das ist die große Gnade der Reue und der Trauer selbst!

[HGt.01_014,16] Seht, dies einzige hat uns der Herr noch gelassen: die Tränen der Reue und die Zähren der Trauer! Danken wir Ihm dessen aus aller Tiefe unserer Herzen!

[HGt.01_014,17] O wie überglücklich sind wir noch, da uns der Herr noch so reichlich beschenkt hat! Was wären wir ohne diese Gnade?!

[HGt.01_014,18] Laßt uns daher im tiefsten Gefühle unserer gänzlichen Verworfenheit niederfallen zur Erde und weinen und trauern so lange, bis keine Träne und Zähre mehr fließen wird aus unseren Augen und wir dem Herrn zurückgegeben haben, was Sein ist, dessen wir gänzlich unwürdig sind, und Er dann mit uns machen möge nach Seiner allerheiligsten Gerechtigkeit, was Sein heiliger und allezeit guter Wille ist und war von Ewigkeit her!"

[HGt.01_014,19] Und siehe, da fiel der Adam mit all den Seinigen zur Erde nieder und tat, wie er es erkannt hatte durch den geringen noch zurückbehaltenen Teil der Gnade durch die stille und geheime Erbarmung der ewigen Liebe im Vater, und weinte und klagte bitterlich samt allen den Seinigen bis auf den Cahin. Der fiel zwar auch zur Erde nieder wie die andern, aber sein Auge blieb trocken, und es ärgerte ihn, daß er nicht auch weinen konnte gleich den übrigen, und er stand auf und ging davon. Und als er so vor sich hinging und auf den grünen Boden starrte, siehe, da bemerkte er auf einmal eine Schlange auf dem Boden hinkriechen; da bückte er sich nieder und ergriff dieselbe, zerriß sie in Stücke und verzehrte, von Wut und Grimm ergriffen, ihr Fleisch und machte es zu dem seinigen.

 

15. Kapitel

[HGt.01_015,01] Und siehe, als der Cahin nun dieses getan hatte, da kam ihm der fromme Bruder Ahbel nach und redete ihn im Namen der ewigen Liebe folgendermaßen an:

[HGt.01_015,02] ,O Bruder, warum issest du das Fleisch der Schlange, da doch der Früchte in großer Menge bereitet sind, zu stillen deinen Hunger?! Siehe, unser Vater Adam trank vom Gewächse, das er nicht kannte, wie es die Schlange schlau und listig in aller Meisterschaft ihrer grenzenlosen Bosheit zubereitet hat zu seinem und aller Nachkommen Verderben, und sündigte dadurch vor dem Herrn aller Gerechtigkeit und ihr alle durch ihn; und ich selbst war belastet worden mit der Schwere der Schuld vor Gott und mußte büßen gleich euch, die ihr alle getrunken habt vom Safte des Verderbens, und mußte verlassen gleich euch das Paradies und mußte auf mich nehmen eure Last körperlich und all euren Segen geistig und war belastet doppelt euretwegen.

[HGt.01_015,03] Und siehe, du issest gar das Fleisch der lebendigen Schlange samt ihrem Blute! Cahin, warum tatest du das?"

[HGt.01_015,04] Und siehe, da erholte sich Cahin von seinem Ärger, von seiner Wut und von seinem Grimme und sah den Ahbel an und sprach: ,Siehe, was ich tat, das tat ich aus Rache, zu verderben der Schlange ihr Geschlecht und zu verderben mich, da ich nicht würdig ward befunden je des Segens vom Herrn, da ich doch wurde, wie ich bin, ohne meine Schuld, sondern durch die Schuld der Eltern, die vor mir waren, da ich noch nicht war, und da entstand, da sie gesündigt haben vor den Augen Jehovas.

[HGt.01_015,05] Warum muß und soll ich denn büßen meine Schuld, zu deren Entstehung ich nie etwas beitragen konnte, da ich nur die Frucht der Sünde, nicht aber die Ursache derselben bin und mußte deswegen des Segens entbehren, der euch allen zuteil ward in der Fülle, und mich mühsam schleppen, da ihr spranget wie Hirsche, belastet vom unverdienten Fluche Jehovas?!

[HGt.01_015,06] Und nun siehe die Ursache meiner Tat; denn die Schlange im Grase redete mich an und sprach: ,Verzehre mich, und sättige dich an meinem Fleische, und stille deinen Durst mit meinem Blute, und du wirst werden ein Herr der Erde, und alle deine Nachkommen werden herrschen auf derselben, und ihre Kraft und Macht wird stärker sein denn die aller der Gesegneten; und ich gebe dir kein Gebot, sondern die Macht, zu herrschen, und die Kraft, dir zu unterjochen alles!`

[HGt.01_015,07] Und siehe, so sprach die Schlange weiter: ,Mein Fleisch wird dich vernichten in deiner ungerechten Schuld vor Gott, und mein Blut wird dir geben eine neue Wesenheit ohne Schuld, ausgerüstet mit aller Macht und Kraft!` Da verstummte die Schlange, und ich ergriff sie, zerriß sie und verzehrte sie, wie du soeben sahst!"

[HGt.01_015,08] Und siehe, da wurde Ahbel ergriffen und schwang mit der rechten Hand das Schwert der Gerechtigkeit über das Haupt Cahins; und dem Cahin wurden die Augen geöffnet, und er sah sein großes Unrecht ein, da er beschuldigt hatte Gott und seine Eltern, und sah die ganze Schuld in sich und sah die unerforschlichen Wege der ewigen Liebe in Ihrer geheimen und unbegrenzten Weisheit und sah, wie er die eigentliche verführende Schlange selbst war, welche durch die unbegrenzte Erbarmung der ewigen Liebe zum Menschen wurde durch ihn, damit sie, freilich durch eine größere Prüfung, in ihrer einstweiligen segenlosen Schwäche sich dieser Schwäche bewußt werde und sich in dieser ihrer bewußten Schwäche dann endlich, selbst bestimmend in aller Freiheit ihres Wesens, zum Herrn aller Macht und Kraft hätte wenden können und sollen, woher ihr dann auch, gleich den schon Gesegneten, der Segen und dadurch die Wiederaufnahme in die große Gnade der allerbarmenden Liebe in allergrößter Fülle der Macht und der Kraft zugekommen wäre.

[HGt.01_015,09] Und er sah, daß diese Schlange, die er soeben verzehrte, er selbst war in seinem noch bösen Teile, und sah, daß er nur durch seinen Ärger dieselbe in ihrer wieder zurückgekehrten Wesenheit auf die Erde hingehaucht habe, und daß die Worte der Schlange seine eigenen waren aus dem noch innersten Fundamente seines Urwesens vor aller Schöpfung der sichtbaren Welt der Materie.

[HGt.01_015,10] Und er sah noch, wie er dadurch die Schlange wieder in sich aufnahm, oder wie er sich eigentlich selbst von neuem bestärkt hatte in allem Bösen und dem daraus hervorgehenden Falschen, und sah, wie tief er nun neuerdings gefallen war in den Tod.

[HGt.01_015,11] Da fiel er, von großer Reue ergriffen, zur Erde nieder und weinte und schrie überlaut: ,Großer, übermächtiger, überstarker und überheiliger Gott! Nun erkenne ich erst meine unendliche Schuld und Schwäche vor Dir, Deine Gerechtigkeit, aber auch Deine unbegrenzte Liebe!

[HGt.01_015,12] Siehe, ich bin nicht wert des Daseins; daher vernichte mich vom Grund aus ewig, damit ich fürder nicht mehr sei ewig und meine größte, alleinige Schuld damit ausgelöscht werde für alle einstigen gesegneten Nachkommen Adams und der Eva!"

[HGt.01_015,13] Und sieh, da nahm sein Bruder das Schwert wieder in die linke Hand und schwang es abermals, - aber über die Brust Cahins.

[HGt.01_015,14] Und siehe, da durchströmte neues Leben den Cahin, und der Todhunger verließ ihn; aber dafür wurde in ihm der Hunger nach Leben desto größer. Aber er konnte nicht finden, was ihn alsogleich hätte sättigen können. Und da er nichts fand, so wendete er sich abermals zu Ahbel und sprach:

[HGt.01_015,15] ,Siehe, Bruder, mich hungert stark nach einer Speise des Lebens, die Leben in sich hat und nicht den Tod, so wie das Fleisch der Schlange und ihr kaltes Blut! Denn siehe, Bruder, da mir nun die Erkenntnis kam vom Grunde meines Seins, wie ich war ehedem, und wie ich jetzt bin, so empfinde ich starke Reue und einen großen Hunger und einen brennenden Durst nach der göttlichen Liebe und nach ihrer großen Barmherzigkeit! Denn siehe, ich weine ohne Stimme, und die Reue ist ohne Tränen bei mir; daher sättige mich mit der Stimme der Liebe, und lösche meinen großen Durst mit den Tränen der Reue!

[HGt.01_015,16] Denn höre und vernimm: Ich, der Größte, wurde kleiner denn der Staub; ich, der Stärkste, bin geworden schwächer denn eine Mücke; und ich, der Leuchtendste, wurde schwärzer denn der Mittelpunkt der Erde!

[HGt.01_015,17] Und so bin ich jetzt vor dir, der aus mir ward ein kleiner Geist und jetzt schon größer ist in allem, wie ich es war damals, als noch nicht war die Welt, da ich mich habe selbst gefangen in meiner allzu großen Stärke und wurde daher der Schwächste unter allen; denn da verloren, die viel hatten, vieles, die wenig hatten, weniges, und ich, der alles hatte, verlor auch alles, und alles durch meine Schuld, und die andern ihr vieles und weniges auch nur durch meine brennende Schuld.

[HGt.01_015,18] O Bruder Ahbel, zaudre deshalb nicht, und reiche mir ein Gericht von einer Lebensspeise zur Erlangung der Stimme zum Weinen, und reiche mir Segenlosem einen Trank, damit ich nicht verschmachte in der Reue ohne Tränen!"

[HGt.01_015,19] Da betrat Ahbel wieder die Feste der Erde und ging vollends hin zum Cahin körperlich und sprach zu ihm: ,Cahin, du schwacher Bruder meines Leibes und Sohn Adams und Evas, stehe auf und folge mir! Ich will dich wieder zurückführen zu den Eltern und all den Geschwistern; da wirst du finden in der Fülle, woran dir so sehr gebricht, und sollst gesättigt werden und stillen allen deinen Durst.

[HGt.01_015,20] Aber so du satt wirst geworden sein und gelöscht wird sein dein brennender Durst, dann gedenke des Herrn in Seiner Liebe und Seiner erbarmenden Gnade, und bedenke, daß das Erste das Letzte und das Letzte das Erste ist!

[HGt.01_015,21] Und nun folge mir in aller Geduld und Sanftmut - und alle deine Stärke sei künftighin Geduld, und alle deine Kraft sei künftighin die Sanftmut; und so wirst auch du noch Gnade finden vor Dem, dessen Liebe unendlich ist und keine Grenzen hat in alle Ewigkeiten der Ewigkeiten."

 

16. Kapitel

[HGt.01_016,01] Und siehe, da erhoben sie sich und gingen hin, da der große Baum stand zwischen Morgen und Mittag von der Stelle aus, da sich Cahin befand, die zwischen Abend und Mitternacht war, und kamen zurück zu den Ihrigen, die noch sämtlich trauerten und weinten, auf der Erde liegend.

[HGt.01_016,02] Und als sie nun vollends bei ihnen waren, da sprach Ahbel zu Cahin: ,Siehe hier der Früchte in Menge, welche sind die wahren Früchte der Reue und Trauer; bücke dich daher nieder zu ihnen, und sättige dich, und lösche deinen Durst!"

[HGt.01_016,03] Und als der Cahin nun willig tat, was ihm sein Bruder angeraten hatte durch Mich, siehe, da fing er an zu heulen mit großer Klagestimme, und aus seinen Augen stürzten Ströme von Tränen großer Reue.

[HGt.01_016,04] Und siehe, es gefiel der ewigen Liebe wohl die Reue und die Trauer; und Sie sprach durch den Mund des Engels zum frommen Ahbel, der ebenfalls zerfloß von Tränen des Mitleids, an welchem die Liebe Wohlgefallen hatte in vollem Maße, sagend:

[HGt.01_016,05] ,Ahbel, du segenerfüllter Sohn der Liebe, tritt hin zum Adam und zur Eva, den Eltern deines Leibes, und richte sie auf, und zeige ihnen den Baum des Lebens, den Ich gesegnet habe für euch alle zur Nahrung des Leibes einstweilen und auch zur Stärkung eurer Liebe derzeit!

[HGt.01_016,06] Und sage dem Adam, daß er neugestärkt aufrichten soll seine Kinder und geben soll seinen Kindern das Brot vom Baume des Lebens zu essen zur Stärkung ihres Leibes und ihrer Liebe; und sage zur Eva, daß sie hingehen soll zum Cahin und soll ihn aufrichten und ihn hinführen zum Adam; und der Adam solle ihm reichen die linke Hand, erfassend seine Rechte, und solle sodann seine Rechte auflegen auf das Haupt Cahins und solle ihn anhauchen dreimal und solle ihn aufheben siebenmal von der Erde; und so wird Cahin nach seiner Treue fähig gemacht zur allmählichen Aufnahme des Segens aus Mir.

[HGt.01_016,07] Und du, Ahbel, aber nimm das Schwert in deine Rechte, und folge Mir recht weit von hier gegen Morgen auf einen hohen Berg in einer großen Wüste! Da wirst du eine Öffnung finden; dahinein stecke das Schwert mit dem Hefte, so daß seine Spitze wird zugekehrt sein dem Himmel, und daß seine beiden flammenden Schneiden zugekehrt werden die eine dem Mittag und die andere der Mitternacht.

[HGt.01_016,08] Nach dem aber knie nieder, danke Gott, bis die Flamme des Schwertes erlöschen wird, und aus dem Schwerte wird ein Dornbusch werden und wird haben Beeren, rote und weiße; und lies sodann vom Busche drei weiße und sieben rote, und kehre dann wieder zu den Deinigen zurück! Und wenn du wieder wirst heimgekommen sein nach vierzig Tagen, da errichte Mir dann, wie du es im Paradiese unaufgefordert freiwillig getan hast, einen Opferaltar; da lege aber Garben und Früchte darauf, und zünde es an mit dem Feuer der Liebe, das Ich dir schicken werde von oben durch einen großen Blitz.

[HGt.01_016,09] Dann aber nimm einen Lehm von der Erde, knete ihn gut ab, und mache daraus ein Gefäß, das oben weit ist und unten enge, gleich dem Herzen in dir. Dieses Gefäß fülle voll an mit reinem Wasser, und setze es dann auf den Herd Jehovas zu der Opferflamme der Liebe. Und wenn das Wasser heiß wird und zu sieden wird anfangen, so nimm zuerst die weißen Beeren und wirf sie in das siedende Wasser; dann aber nach einer kleinen Weile tue dasselbe auch mit den sieben roten. Und wenn du sehen wirst, daß die Beeren sämtlich weich werden, so nimm dann das Gefäß vom Feuer, nimm die weichen Beeren nach der Ordnung, in der sie hineingetan wurden, wieder heraus mit der rechten Hand, und gib sie in die linke, lasse sie da kühl werden, und verzehre sie dann nach der bekannten Ordnung; dann aber nimm das Gefäß mit dem Wasser, darinnen gekocht haben die Beeren des Schwertes, und schütte es auf den Herd Jehovas, und überreiche dann dieses leere Gefäß dem Vater deines Leibes.

[HGt.01_016,10] Und die Beeren werden dich stärken in der Weisheit und in der Liebe, und das Wasser wird sanft machen das Feuer der Liebe; und das Gefäß aber soll sein ein sicheres Zeichen dem Adam und allen seinen Nachkommen, wie ihre Herzen beschaffen sein sollen, ausgekocht vom Wasser der Erbarmung, in welchem Früchte der Gerechtigkeit weich geworden sind durch das Feuer der Liebe zur Nahrung den Kindern der Segenliebe und dann frei geworden sind zur Aufnahme des Geistes der Heiligkeit Gottes.

[HGt.01_016,11] Und nun gehe und erfülle genau, was Ich, die ewige Liebe, dir befohlen habe! Und nachdem dieses alles wird vollbracht sein, so werde Ich wieder zu dir und dann zu den Deinigen reden durch den Mund Meines Engels, der ein Cherub ist oder der Mund der Weisheit und Liebe des heiligen Vaters. Und nun gehe und handle!"

[HGt.01_016,12] Und nun siehe, da tat der Ahbel, was ihm geboten wurde, und entfernte sich von den Seinen, nachdem er zuvor dem Vater seines Leibes den Segen übergeben hatte nach Meinem geheimen Willen, der ihm kundwurde in seinem Herzen.

[HGt.01_016,13] Und der Adam umarmte ihn weinend, und die Eva drückte ihn an ihr Herz trauernd, und alle seine Geschwister reichten ihm gar freundlich ihre Hände zum kurzen Abschied im Geschäfte Jehovas, und auch der Cahin kam hinzu und reichte ihm seine Rechte und verneigte sich vor ihm bis zur Erde; und so schied dann Ahbel unter beiderseitigen Segnungen und unter der großen Segnung von oben, begleitet von dem Engel des Herrn.

 

17. Kapitel

[HGt.01_017,01] Und als er nun so verrichtet hatte das Wort Gottes genau und von da wieder zurückkam zu den Seinen, die ihn mit aller Sehnsucht ihrer Herzen erwartet hatten, und auch da verrichtet hatte das Opfer nach der Weisung der ewigen Liebe und dem Adam nun übergeben hatte das leere Gefäß in der Art und Bedeutung, wie es ihm anbefohlen war, da öffnete die ewige Liebe wieder den Mund des Engels und sprach:

[HGt.01_017,02] ,Ahbel, du sehr gehorsamer Sohn Meiner segnenden Barmliebe, dich ernenne Ich jetzt zum Priester und Lehrer aller deiner Geschwister und zum Tröster deiner Eltern. Und so sollst du an jedem Sabbat morgens, so die Sonne aufgeht, ein Opfer bringen von den schönsten und reinsten Früchten, die Ich später noch genauer bezeichnen werde, und sollst sie des Abends, da die Sonne untergeht, anzünden mit dem Feuer der Liebe, das Ich dir zeigen werde, wie es verborgen ist natürlich in einem Steine, und wie man es bekommen kann allezeit aus demselben! Und dein Haupt sollst du nicht bedecken von der Mitternacht an bis wieder zur nächsten Mitternacht, damit dein Haupt frei sein möge zum Empfange Meiner großen Gnade; alle deine Brüder aber sollen ihr Haupt erst entblößen am Morgen und sollen es wieder bedecken am Abend. Die Schwestern deines Leibes aber sollen ihr Angesicht und ihren Kopf verhüllen den ganzen heiligen Tag über; nur die Eva darf blicken um die Mitte der Tageszeit dreimal nach dem Altare Gottes.

[HGt.01_017,03] Der Adam aber soll sein Haupt nimmer bedecken die ganze Zeit seines Seins zum Zeichen, daß er der Vater ist eures Fleisches, und daß ihr ihn allzeit erkennen sollet an seinem Haupte und ihm Ehrerbietigkeit und Liebe bezeigen sollet allenthalben.

[HGt.01_017,04] Wehe dem, der seinem Vater je in etwas in den Weg zu treten sich unterfangen würde! Den will Ich mit zornigen Augen anblicken; denn das Haupt des Vaters ist gleich der Heiligkeit Gottes. Jeder kann erhört werden, wenn er Reue tut im Herzen; aber wer antastet den geringsten Teil Meiner Heiligkeit, den wird das unauslöschbare Feuer derselben ergreifen und verzehren jeden Tropfen der Reuetränen in ihm, und er wird zerstört werden fürder ewiglich!

[HGt.01_017,05] Und wer aber antastet seine Mutter argen Herzens und ist entgegen ihrer Liebe, den will Ich nicht mehr ansehen in aller seiner Not. Denn die Mutter ist gleich der Liebe in Mir; wer diese verschmäht, der wird hart wandeln auf den heißen Wegen Jehovas.

[HGt.01_017,06] Desgleichen auch, so ein Bruder wider den andern ist, der wird verlieren Meine Gnade, und Meine Erbarmung wird ihm ferne sein; und so jemand mißachtet seine Schwester, vor dem soll Mein Herz verschlossen werden.

[HGt.01_017,07] Denn eure Brüder sind auch Brüder Meiner Liebe, und eure Schwestern sind die Augenweide Meiner Liebe.

[HGt.01_017,08] Daher ehret den Vater, und liebet die Mutter, und seid einander gegenseitig untertan in aller Liebe, damit ihr fürchten könnet Meinen Namen Jehova, und damit ihr lieben könnet Meine Liebe und euch geleiten lassen könnet von der großen Heiligkeit Meines Geistes am Tage Meiner großen Heiligkeit dreifältig zur Erlangung der Weisheit siebenfältig für die sechs Tage der Liebe, zu handeln gerecht vor Meinen Augen.

[HGt.01_017,09] Und nun sollst du, Ahbel, auch lehren alle deine Brüder verschiedene Arbeiten, und jeglichen eine andere, damit sie einander dienen können in der Liebe und Rat geben in mannigfacher Weisheit.

[HGt.01_017,10] Und du sollst lehren deine Schwestern, zu bereiten Fäden aus dem Grase und den Pflanzen, und sollst sie auch lehren, zu flechten dieselben in breiten Streifen und zu bereiten daraus Kleider für ihre Brüder und dann auch für sich, damit die Liebe in ihrer Ordnung erhalten werde aufrecht.

[HGt.01_017,11] Dem Adam, der Eva und dir aber will Ich Kleider geben von oben, unterschieden in der Farbe, - dem Adam weiß, der Eva rot und dir blau mit gelben Enden. Diese Farben aber soll niemand nehmen für sein Kleid, sondern soll färben sein Kleid bunt; aber es soll kein schwarzer Fleck darunter sein und auch kein Riß, - außer, wer da gesündigt hätte, der soll in der Reue sein Kleid zerreißen und soll es bestreichen mit Kohlen und sein Haupt bestreuen mit Asche zum Zeichen, daß er ein Sünder ist vor Mir und zerrissen hat das Kleid der Gnade, da er sich beschmiert hat mit der Farbe des Ungehorsams und der Tod gekommen ist über ihn!

[HGt.01_017,12] Der Cahin aber soll begehren die schönste Schwester, die da heißet ,Ahar` oder ,die Schönheit Evas`, und soll mit ihr ziehen hinaus auf die Felder und soll machen Furchen in die Erde mit dem Werkzeug, das er da schon bereitet finden wird; er soll da streuen Körner in dieselben, die er da finden wird in Menge, und soll die Frucht den ,Weizen` nennen; und wenn dieser wird reif geworden sein, da der Kern wird fest geworden sein und braun die Ähren, so soll er die Körner sorgfältig auslesen von den Ähren und soll sie zerreiben zwischen Steinen, und das Mehl soll er befeuchten recht mit Wasser und soll daraus kneten einen Teig; und den Teig soll er hernach legen auf einen platten Stein, der da heiß geworden ist von der Sonne, und soll ihn darauf liegenlassen den dritten Teil des Tages, und dann soll er ihn von da nehmen und ihm den Namen ,Brot` geben; dann aber soll er dieses Brot nehmen, es brechen, Gott dafür danken und es dann genießen mit seinem Weibe Ahar.

[HGt.01_017,13] Und sooft er eine Ernte machen wird von seinen Äckern, so soll er auch Mir die ersten zehn Garben opfern.

[HGt.01_017,14] Wenn er Mir getreu bleiben wird, werde Ich allezeit wohlgefällig sein Opfer annehmen von der Erde; wenn er aber Meiner vergessen hat, so wird sein Opfer nicht angenommen werden und emporsteigen zum Himmel, sondern wird bleiben auf der Erde zu seinen Füßen.

[HGt.01_017,15] Und so soll er leben und mehren sein Geschlecht; jedoch soll er Mir sein Herz zuvor dreimal und das Herz Ahars siebenmal opfern. So er das unterlassen wird, dann wird seine Untreue am Tage sein, und er wird werden ein Böser, und die Schlange wird leben durch ihn und wird leben fort und fort hernach in allen seinen Töchtern, die dadurch schön werden von außen, aber desto häßlicher von innen, und werden verderben alle seine Söhne und werden anstecken mit ihrem Gifte die Kinder Meiner Liebe und Mir abwendig machen Meine Söhne.

[HGt.01_017,16] Und Ich werde einst sein Geschlecht ganz vertilgen von der Erde! Das alles sage du ihm fest, und erinnere ihn dabei Meines heiligen Namens Jehova und Meines Tages des Sabbats!

[HGt.01_017,17] Dir, du Mein frommer Ahbel, aber will Ich eine Herde zeigen von sanften Tieren und sie dir geben zum Weiden. Und der Name, den du ihnen geben wirst, wird ihr rechter Name sein; und wenn du sie rufen wirst bei ihrem Namen, so werden sie dich als den Hirten erkennen und werden deiner Stimme folgen allenthalben.

[HGt.01_017,18] Und du sollst Mir also künftighin nicht mehr Früchte, wie nach der Rückkunft vom Berge Jehovas, sondern die Erstlinge deiner Herde opfern, welche sind die schönsten und reinsten Früchte, deren Ich dir schon vorher erwähnt habe.

[HGt.01_017,19] Und zwar sollst du zuvor legen dürres Holz quer über den Herd, dann das blutige Opfer darauflegen, sodann Mir danken und es dann anzünden mit dem Feuer, das Ich dir gezeigt habe, wie es im Steine ist und du es nehmen sollst aus demselben nach Meinem Rate.

[HGt.01_017,20] Und zum Zeichen, daß Mir dein Opfer wohlgefällig ist, wird der Rauch desselben allezeit gen Himmel steigen schnell, als wenn er große Eile hätte. Die Asche aber, welche du mit einem Steine zudecken sollst, sollst du auf dem Altare liegenlassen drei Tage lang; am dritten Tage aber sollst du hinzugehen und den Stein von der Asche tun, und siehe, ein schöner Vogel mit glänzendem Gefieder wird sich erheben aus der Asche und wird fliegen gen Himmel. Und dann wird kommen ein Wind und wird verwehen die Asche nach allen Gegenden der Erde zur einstigen Auferstehung alles Fleisches, welches sind die Werke der wahren Liebe durch die Weisheit des heiligen Geistes, welcher gegeben wird den Kindern in der großen Zeit der Zeiten und allen Fremden, die danach dürsten werden.

[HGt.01_017,21] Essen sollet ihr gemeinschaftlich am Morgen, um die Mitte des Tages und am Abend, - aber allezeit sehr mäßig und stets in großer Furcht des Herrn, nachdem ihr Ihm allezeit vorher und nachher gedankt habt, damit die Speise gesegnet und ihr dadurch der Tod genommen werde.

[HGt.01_017,22] So jemand dieses je unterlassen wird, der wird alsobald der üblen Folgen gewahr werden. Wer es vergessen wird dreimal, den will Ich strafen mit einem langen Schlafe; wer es aber unterlassen wird aus einer trägen Faulheit, der soll dick werden wie ein Ochse und fett wie ein Schwein und dumm wie ein Esel, und die Kinder sollen seiner spotten und lachen aus vollem Halse über das Ekelhafte seiner Gestalt. Und so er wird wieder werden wollen gleich den allezeit Gehorsamen, so wird er müssen viel fasten und essen trocknes Brot.

[HGt.01_017,23] Wer es aber unterlassen wird aus starrem Ungehorsam und aus Geringachtung dieses Meines leichten Gebotes aus Liebe zu euch, über den wird kommen die Begierde der Unzucht und aller Hurerei, da er leicht fallen wird in die Sünde und durch diese in den Tod und zu bestehen haben wird einen großen Kampf, zu bekämpfen die starke Schlange der Verführung Evas, und Ich werde ihn nicht ansehen früher, als bis er in großer Reue gesiegt hat über sein Fleisch.

[HGt.01_017,24] Am Morgen aber sollet ihr essen Früchte der Bäume; um die Mitte des Tages aber sollet ihr essen vom Baume des Lebens; und am Abend aber sollet ihr trinken Milch und Honig, den Ich für euch werde sammeln lassen auf den Ästen der Bäume von vielen Tierchen der Luft des Himmels, die ihr ,Celie` benamsen sollet (was ihr heutzutage ,Bienen` nennet). Der Name ,Celie` aber heißt soviel als ,die Sorge des Himmels`. Und am dritten Tage vor dem Sabbat sollet ihr schlachten ein Schaf, es reinigen vom Blute, es dann braten am Tage beim Feuer aus dem Steine und es essen am Abende fröhlich.

[HGt.01_017,25] Und es soll auch der Cahin und sein Weib Ahar kommen zu euch und essen mit euch das Fleisch des sanften Tieres; aber sonst soll er bleiben auf dem Felde und essen sein Brot mit den Früchten alldort.

[HGt.01_017,26] Und nun wißt ihr alles, was euch dermalen not tut. Und wenn da kommen wird eine kalte Zeit über die Erde zur Stärkung derselben, dann werde Ich von oben euch schicken Kleider aus Schafsfellen für Adam, Eva und dich; die Felle aber von den fürs Abendmahl geschlachteten Schafen sollen sammeln deine Brüder und sie trocken werden lassen an der Sonne und sie aufbewahren zur Bedeckung ihrer Leiber zur kalten Zeit nach dem Beispiel, das Ich dir geben werde von oben. Und wenn die Felle werden trocken, so sollen sie dieselben waschen im frischen Wasser siebenmal, worauf die Felle dann weich und rein werden, ganz tauglich zu ihrem guten Gebrauche."

 

18. Kapitel

[HGt.01_018,01] Und nun siehe, da trat der Engel hin zum Ahbel und küßte ihn brüderlich und empfahl allen, besonders aber dem Cahin, nachdrücklich den strengsten Gehorsam zur einstigen Gewinnung der vollen Freiheit und der daraus hervorgehenden Kraft und Stärke, welche ist die große Macht der Gnade der Erbarmung der Liebe, um zu verwandeln in sich die Schlange zum Ebenbilde der Liebe und daraus zu zeugen Früchte des Segens und ja nimmer des Zornes der Gottheit.

[HGt.01_018,02] Und nun siehe, du Mein dummer Schreiber und noch immer sehr alberner, träger und fauler Knecht, und höre mit beiden Ohren, was da ferner geschah. - Und siehe, da gingen alle an ihre Bestimmung und taten, wie ihnen in der allerhöchsten Liebe aus Mir geboten war, und lebten so in guter Ordnung zehn Erdkreise um die Sonne.

[HGt.01_018,03] Aber siehe, da war einmal ein sehr heißer Tag, und die Sonne brannte stärker denn sonst über den Häuptern der Kinder und über dem Körper Cahins so, daß dieser ärgerlich wurde über die große Hitze und fluchte der Sonne; aber die Kinder waren geduldig und wuschen sich mit frischem Wasser, welches sie stärkte und kräftete, und tranken auch dasselbe und löschten sich damit den brennenden Durst und lobten und priesen Gott für die so große Gnade, daß Er ihnen gelassen hatte das Bächlein für solche Zeiten der prüfenden Not aus Seiner ewigen Liebe.

[HGt.01_018,04] Und siehe, unweit der Hütte Cahins, die er errichtet hatte nach seiner Erkenntnis aus den Ästen der Bäume und bedeckt hatte mit dem Stroh des Weizens, floß ein gewaltiger Strom, den Ich hervorgerufen hatte aus den Tiefen der Berge, welche gleich sind den Bergen des Mondes, die da sind in der Mitte des großen Landes Ahalas (oder die Wiege der Kinder der Schwachen und der Nachkommen Adams - und ist das alte Land, das ihr noch heutzutage ,Afrika` nennet).

[HGt.01_018,05] Und siehe, Cahin wollte nicht gebrauchen das Wasser und wurde faul und träge in der großen Hitze und wußte nicht, was er tun sollte, und wendete sich auch nicht zu Mir um Rat, und noch weniger an seinen Bruder Ahbel.

[HGt.01_018,06] Und siehe, da kam der Sabbat des Herrn, und somit auch die Zeit der Opferung. Da nahm Cahin zehn Garben, darinnen keine Frucht mehr war, aus ärgerlicher Trägheit wegen der großen Hitze, weil ihm die vollen zu schwer waren zu tragen zu seinem Opferaltare und es ihm leid geworden war um die Frucht, daß sie umsonst verbrennen sollte, woraus er dreimal Brot bereiten konnte für sich. Und so ward er argen Sinnes und legte das leere Stroh auf den Altar und zündete es an; aber siehe, der Rauch stieg nicht zum Himmel, sondern fiel zur Erde nieder, worüber der Cahin noch ärgerlicher wurde in seinem Herzen.

[HGt.01_018,07] Zugleich aber zündete auch der fromme Ahbel sein Opfer vor den Augen des Herrn an und sprach, ganz durch und durch ergriffen: ,O Du guter, heiliger Vater, der Du mich Schwachen mit aller Deiner Kraft Deiner heißen Liebe durch das große Auge Deiner Sonne so gnädig anschaust! Deine große Liebe brennt zwar meine Haut, aber mein Herz schlägt Dir in dieser großen Wärme Deiner unermeßlichen Liebe zu uns Sündern desto heftiger entgegen.

[HGt.01_018,08] Ach, einst brannte die Erde Dein Zorn, o Jehova; aber jetzt brennt die Liebe aus Dir, o Du heiliger Vater!

[HGt.01_018,09] O wie süß ist dieses Brennen des reinen Feuers des Lebens aus Dir; es ist eine heilige Vorschule, die mich erst fähig machen soll zur einstigen Aufnahme des reinsten Lebens aus Dir! Oh, wie unermeßlich gut mußt Du, heiligster Vater, sein, da Du uns schon hier auf dieser Erde so stark empfinden läßt die unbegreifliche Größe Deiner großen Gnade!

[HGt.01_018,10] Ja, dieses Feuer, das ich Dir angezündet habe aus meiner schwachen Liebe, wie kalt ist es gegen das Deinige und wie klein und wie dunkel gegen das, das auf uns Unwürdige herabstrahlt aus Deiner weiten Sonne, die da ist ein kleiner Tropfen aus dem unermeßlichen Meere Deiner unbegrenzten Erbarmung!

[HGt.01_018,11] Daher nimm aber doch gnädig auf auch dieses mein kleines Opfer von mir für uns alle als ein geringes Pfand unserer heißgemachten Liebe zu Dir, Du allerbester, allerheiligster Vater, und behalte uns beständig in dieser Deiner heißen Liebe, die Du uns jetzt alle so gnädig empfinden lässest aus Deiner Sonne, amen.

[HGt.01_018,12] Und Dein sei alle Macht und Kraft über alles, was da ist auf der Erde vor Dir; und nur Du allein bist würdig, allen Preis, alle Ehre und allen Ruhm zu nehmen von uns, die wir durch Deine große erbarmende Gnade uns nennen dürfen Deine gesegneten Kinder, amen."

 

19. Kapitel

[HGt.01_019,01] Und siehe und höre weiter! - Es standen aber die beiden Opferherde Ahbels und Cahins nicht ferne voneinander, und es war die ganze Entfernung siebenmal zehn Schritte, und war der Herd Ahbels gelegen gegen Morgen und der des Cahins gegen Abend.

[HGt.01_019,02] Und siehe, als nun der Cahin bemerkte, daß der Rauch des Ahbels emporstieg zum Himmel und der seine aber niederfiel zur Erde, da ergrimmte Cahin in seinem Herzen; aber sein Gesicht machte er glatt, daß man nicht merken sollte seinen Grimm, während Ahbel betete für Cahin, da er merkte dessen Schalkheit.

[HGt.01_019,03] Und der Herr vernahm das Flehen Ahbels und ließ nach dessen frommem Wunsche Seine Stimme hören den ergrimmten Cahin und sprach mit starker Stimme:

[HGt.01_019,04] ,Cahin, warum bist du Mir ungetreu geworden und ließest einnehmen vom Grimme dein Herz, und warum verstellst du deine Gebärde und lügst mit deinen Augen? Du führst Böses im Sinne gegen Ahbel! Ist es nicht also? - Verneine es, wenn du es kannst!

[HGt.01_019,05] Ich habe vernommen, da du fluchtest Meiner Sonne, und sah die leeren Garben, mit denen du Mich abgespeist hast in deiner Trägheit und in deinem Geize, und habe dich auch mehrere Male sehen Hurerei treiben in deiner großen Faulheit, da du fast allezeit hast unterlassen, was dir geboten war zu tun, bevor du beschlafen möchtest dein Weib. Und sage, ist es nicht also?

[HGt.01_019,06] Und siehe, Ich habe dir geduldig zugesehen und ließ nicht auf dein Haupt fallen Meine strafende Rechte und ergrimmte nicht über dich in Meiner Heiligkeit! Daher erwäge Meine Worte, und werde fromm in deinem Herzen, und du sollst Mir angenehm sein, und dein Opfer wird wieder aufgenommen werden; wogegen du aber verharrst in der geheimen Bosheit deines Herzens, so hat die Sünde vor deiner Türe eine Ruhestätte sich bereitet und wird herrschen über dich, und du und alle deine Nachkommen werden Sklaven und Knechte werden derselben, und der Tod wird kommen über euch alle.

[HGt.01_019,07] Daher lasse ihr jetzt nicht ihren Willen, daß sie herrsche über dich, sondern brich kräftig denselben, und mache ihn dir untertan, damit du frei werdest, - ein Herr deines Willens, der böse ist vom Grunde aus, da er aus dir ist und nicht aus Mir!"

[HGt.01_019,08] Und siehe, da bückte sich Cahin nieder zur Erde, als wollte er bereuen seine Schuld. Aber siehe, da gewahrte er zu seinen Füßen eine Schlange und erschrak heftig vor derselben und erhob sich schnell wieder von der Erde und wollte hinfliehen zum Ahbel; aber siehe, da umschlang die Schlange seine Füße, daß er nicht konnte verlassen die Stelle.

[HGt.01_019,09] Und die Schlange erhob ihren Kopf und öffnete ihr Maul und bewegte ihre Doppelzunge und sagte zu Cahin: ,Warum willst du fliehen vor mir? Was habe ich dir getan?! Siehe, ich bin ein Wesen gleich dir und muß kriechen in dieser elenden Gestalt; erlöse mich, und ich werde sein gleich dir und schöner denn dein Weib Ahar, und du wirst werden gleich Gott, stark und mächtig über alles, was ist auf der Erde!"

[HGt.01_019,10] Und siehe, da sprach der Cahin zur Schlange: ,Siehe, du lügst; denn als ich dich im Grase fand, zerriß und verzehrte, hast du mich betrogen! Und wie soll ich nun deinen Worten trauen?! Denn ich mußte damals viel leiden deinetwegen; daher kenne ich deine Lüge und kann nimmer trauen deiner Stimme. Und hast du nicht auch vorher vernommen die Worte Jehovas von oben?!

[HGt.01_019,11] Daher, so in dir irgend eine Erkenntnis der Wahrheit ist, so deute mit deiner Stimme mir das alles, und überzeuge mich vom Gegenteile, so will ich dir glauben und tun nach deinem Verlangen!"

[HGt.01_019,12] Und siehe, da sprach abermals die Schlange, sagend: ,Siehe, an allem dem ist dein Bruder Ahbel schuld! Er will an sich reißen die Gewalt zu herrschen, um dich als den Erstgebornen deines Rechtes zu berauben; und alles dieses stellt er so listig an, daß er sogar die Liebe der Gottheit blendet und fromm tut vor Deren Augen, damit Sie ihn ja möge herrschen lassen über alles, was da ist auf der Erde, und er dich aber trete spottend mit seinen Füßen. Denn damals, als du mich im Grase fandest und getan hast, was ich dir anriet, wärest du ein Herr geworden über alles, wenn es die tückische Schlauheit deines feinen Bruders nicht zuvor entdeckt hätte, was mit dir hatte vorgehen sollen, - der dann gleich zu dir kam aus erheuchelter Bruderliebe, gleichsam als wollte er dir helfen; ja, er hat dir auch geholfen, aber nicht auf den Thron, der dir allein gebührt, sondern ins Elend und in eine gänzliche Nichtigkeit deines erhabenen Wesens, was du doch bei dir schon lange hättest verspüren sollen.

[HGt.01_019,13] Siehe, sogar um diese Kleinigkeit war er dir neidig, da der Herr dein Opfer aufgenommen hatte wie das seinige, und wußte durch seine schändlichen Schmeichelkünste dahin zu lenken den ohnehin schwachen Willen des Jehova, daß Er dein Opfer verstieß und dir obendarauf noch eine recht derbe Zurechtweisung hat müssen über den Hals kommen lassen.

[HGt.01_019,14] Und siehe, es war ihm schon nicht recht, daß der Herr dich nicht alsogleich vernichtet hat. Daher sieh nur hin, wie er, noch arglistig betend, den Herrn bereden will, daß Er an dir das vollziehen soll, was Er jetzt gnädig noch unterlassen hat.

[HGt.01_019,15] Und nun siehe, das ist aber die große Tücke Ahbels, daß er durch seine allerschändlichste, gleisnerische Heuchelei den Herrn dahin zu bringen willens ist, daß Er ihm am Ende alle Seine Macht in Seiner Verblendung übergebe, worauf dann dieser Ahbel Ihn vom Throne stürzen wird. Und so wird dann Gott schmachten auf der Erde; er aber wird ein herrschender Gott sein auf dem Throne Jehovas ewig.

[HGt.01_019,16] Daher mache dich jetzt auf; es ist das letzte Mal, daß ich noch imstande bin, dich zu versehen mit der nötigen Kraft, zu retten Gott und dich! Daher gehe schnell hin zu ihm und rede ihn mit süßen Worten an, damit er dir folge hierher willig! Da aber will ich ihn festnehmen bei den Füßen und Händen; du aber nimm dann einen Stein, schlage ihn stark aufs Haupt, und so wirst du ihm den Tod geben, den er durch den Jehova dir hat androhen lassen! Und so wirst du dich befreien von dem sonst sicheren Tode und wirst die Augen öffnen der blinden Liebe des betrogenen Gottes, der dich dann machen wird zum Herrn auf der Erde und wird dir untertan machen den Tod der Sünde."

[HGt.01_019,17] Und nun, so überredet in der Bosheit seines Herzens, verließ Cahin diese Stelle und ging hin zum Ahbel und sagte mit süßer Stimme zu ihm: ,Bruder, Bruder, komme doch her zu mir, und befreie mich von der Schlange, die mich abermals zugrunde richten will!"

[HGt.01_019,18] Und der Ahbel aber erwiderte ihm: ,Das, was du glaubst, daß es erst geschehen möchte, ist schon geschehen; was du aber verlangst in deiner Verdorbenheit von mir, will ich dir tun in meiner Liebe. Der Tod, den du mir zu geben gedenkst, wird kommen über dich; und mein Blut, mit dem du die Erde tränken wirst, wird schreien zu Gott und wird kommen über dein Haupt und über alle deine Kinder; und der Stein, mit dem du deinen Bruder erschlagen wirst, wird ein Stein des Anstoßes werden, und es werden zerschellen an ihm alle deine Kinder; und die Schlange aber wird verderben alles Blut der Erde, und die Kinder des Segens werden Rache schreien über dein Blut; und dann wird kommen über euch eine große Finsternis, und niemand wird verstehen die Stimme seines Bruders, wie du die meinige jetzt schon nicht mehr verstehst, da du dich hast blenden lassen von deiner eigenen großen Bosheit durch die Gestalt der Schlange in dir und außer dir, welche war, ist und sein wird ewig der wahre Fluch des gerechten Gerichtes Gottes!

[HGt.01_019,19] Und siehe, wie mir gezeigt hat der Herr den Plan aller deiner geheimen Bosheit und mich hat wissen lassen deinen großen Grimm, so weiß ich, was du machen willst und wirst mit mir und warum!

[HGt.01_019,20] O du, dessen Blindheit dauern wird bis ans Ende aller Zeiten der Zeiten, führe mich denn hin als schuldloses Opfer, und tue mir nach deiner Bosheit in und außer dir, damit deine Schlange zum ewigen Lügner gestraft werde und du erfahren mögest hernach an dir, wer von uns beiden der Betrogene ist!

[HGt.01_019,21] Und die Schande, die du angetan hast dem Herrn, wird dich gefangennehmen, und nach der Tat werden dir deine Augen und deine Ohren aufgetan werden, damit du sehen mögest, wie mich der Herr aufnehmen wird zu Sich als das letzte Ihm wohlgefällige Opfer aus deiner Hand; denn fürder wird kein Opfer, sondern der Tod dir gegeben werden, durch den du deinen Bruder geopfert hast.

[HGt.01_019,22] Und siehe, ich habe alle Macht über dich, und es wäre mir ein leichtes, dich zu vernichten so wie jenen Berg dort jenseits des Stromes gegen Mitternacht!

[HGt.01_019,23] Und siehe, ich werde den Berg anrufen und sagen: ,Hier bin ich, Ahbel, der Gesegnete des Herrn, voll der Macht und der Kraft des heiligen Geistes; darum verschwinde und werde zunichte, damit Cahin erfahre, wie groß seine Lüge ist!`

[HGt.01_019,24] Und nun siehst du, Cahin, wie der mächtige Berg verschwunden ist aus dem Dasein durch die mir innewohnende Kraft des Geistes der Liebe. Und siehe, ein ebenso leichtes wäre es mir, zu vernichten dich! Aber damit du sehest, daß in Gott keine Schwäche und in deinem Bruder keine schändliche Herrschsucht ist, so folge ich dir wie ein Lamm willig zur Schlachtung."

[HGt.01_019,25] Und siehe, da nahm Cahin den Ahbel gar freundlich beim Arm und sagte: ,Ahbel, was denkst du von mir?! Ich suche deine Hilfe, und du willst mich schon im voraus beschuldigen des Todes an dir; so komm, und folge mir hin zur Stelle, da die Schlange deiner harrt, und vernichte sie wie den Berg, und mache mich frei und dich los vom Vorwurf der Schlange!"

[HGt.01_019,26] Und der Ahbel erwiderte ihm kurz: ,Welches ist der Unterschied zwischen dir und der Schlange?! - Meinest du Blinder, daß auch ich ein Brudermörder sei?! - Darum folge ich dir und sterbe fürs Leben und du leben bleibest für den Tod!"

[HGt.01_019,27] Und siehe, das waren Ahbels letzte Worte an den Cahin, und von den Lippen Ahbels kam kein Laut mehr zu den Ohren Cahins; und so folgte er willig, wohin Cahin ihn führte.

[HGt.01_019,28] Und als sie nun vollends an die Stelle gelangten, wo die Schlange des Cahin harrte, da war die Stelle, da Cahins Tücke offenbar wurde und umschlang die Füße Ahbels und dessen Hände und warf ihn zur Erde nieder, nahm einen großen Stein und zerschmetterte damit den Kopf Ahbels, daß sein Blut und sein Mark weit herum bespritzte die Erde.

[HGt.01_019,29] Und die Schlange löste sich von den Füßen Ahbels, nahm den Stein in ihren Rachen und trug ihn vor die Türe Cahins und verbarg sich in den Sand unter dem Dorngestrüppe, frei.

 

20. Kapitel

[HGt.01_020,01] Und siehe, da zogen von allen Seiten her schwarze Wolken über dem Haupte Cahins zusammen, und große Blitze zuckten nach allen Richtungen, begleitet von starken Donnern; und es fingen an zu toben von allen Seiten her heftige Windsbräute und schleuderten große Massen von Hagel über die fruchtbeladenen Felder und zerstörten sie bis in den Grund. Und das war der erste Hagel, der geworfen wurde herab von den Himmeln, und der Hagel war ein Zeichen der Liebe ohne Erbarmung, da die Gottheit in Ihr beleidigt wurde von neuem durch die Untat Cahins an seinem Bruder Ahbel.

[HGt.01_020,02] Und siehe, der böse Cahin floh in seine Hütte und fand sein Weib zitternd am Boden liegen und einige seiner meistens ungesegneten Kinder wie Tote neben ihr. Da schauderte er zusammen und fluchte der Schlange und ging aus der Hütte und fand den Stein, welchen die fliehende Schlange vor seine Türe gelegt hatte, daselbst, da er über denselben hinglitt und gewaltig zur Erde niederfiel und abermals fluchte der Bosheit der Schlange und dem todbringenden Steine.

[HGt.01_020,03] Und da er sich wieder aufgerichtet hatte mit seinem schmerzerfüllten Leibe, so ging er an das Ufer des sehr nahen Stromes, um aufzusuchen die verfluchte Schlange und sie zu zerstören und zu vernichten.

[HGt.01_020,04] Aber siehe, als er nun vollends ans Ufer kam, da sah er ein gräßlich Ungeheuer, sechshundertundsechsundsechzig Ellen lang, sieben Ellen breit und dick, versehen mit zehn Köpfen, ihm entgegen stromaufwärts schwimmen und sah noch, wie auf jedem Kopfe zehn Hörner gleich einer Krone herauswuchsen.

[HGt.01_020,05] Und siehe, als diese ungeheure Schlange nun vollends in seiner Nähe war, da redete sie ihn aus allen ihren Köpfen zugleich an und sagte: ,Nun, du starker Cahin, Mörder deines Bruders Ahbel, hast du Lust, mit mir es aufzunehmen, so beginne dein Zerstörungswerk!

[HGt.01_020,06] Einst im Grase, da ich noch schwach war, konntest du mich wohl zerreißen und verzehren mein Fleisch und Blut; allein jetzt dürfte dir ein ähnliches Werk an mir wohl nicht gelingen, denn die gute Kost, die du mir bereitet hast vom Blute deines Bruders, hat mich groß und stark gemacht. Und nun, so du noch willens bist, mich zu zerstören, so fange an, deine Rache zu tränken mit meinem Blute. Da du aber nur zehn Finger und nicht zehn Hände hast und daher nicht ergreifen kannst jeglichen der Köpfe zugleich, so werden dich die übrigen acht zerstoßen mit ihren Hörnern und dich verzehren mit ihren acht Mäulern!"

[HGt.01_020,07] Da erschrak der Cahin heftig und floh aus dem Gesichte der Schlange und fluchte abermals der Schlange und sah, wie gewaltig er betrogen worden war von der Schlange. Da dachte er: ,Wer wird mich jetzt versöhnen mit dem ewig gerechten Gott, da mein Bruder Ahbel nicht mehr ist?! O du dreimal verfluchte Schlange, - du bist der Mörder meines Bruders und wolltest nun der meine werden! Oh, wenn ich wüßte, daß du zugrunde gehen müßtest, wenn ich zugrunde ginge, siebenmal würde ich seinen Tod an mir selbst rächen!`

[HGt.01_020,08] Und siehe, da stand die Schlange hinter ihm in Gestalt eines überaus reizenden Fräuleins und sprach zu ihm: ,Cahin, tue das, und ich werde dein Fleisch aufzehren und dein Blut trinken, und so werden wir dann wieder vollkommen eins sein und beherrschen alle Welt."

[HGt.01_020,09] Und Cahin blickte das schmucke Fräulein an und sagte: ,Ja, das ist deine wahre Gestalt; so bist du am fürchterlichsten! Wer dich sehen wird mit deinen zehn Köpfen, der wird dich fliehen wie ein Gericht der Gottheit; zu dem du aber kommen wirst in dieser Gestalt, der wird dir nachlaufen, dich fangen, dich lieben mehr denn Gott und sich für den Glücklichsten halten, so du ihn ergreifen wirst mit deinen allezeit todbringenden Händen, und die Menschen werden dir errichten Tempel und Altäre und lecken deinen Speichel und essen deinen Kot.

[HGt.01_020,10] Und hätte ich dich nicht gesehen mit den zehn Köpfen, so wäre auch ich dein Sklave geworden; aber nun kenne ich dich ganz und verabscheue dich in dieser Gestalt mehr denn in der früheren zehnköpfigen."

[HGt.01_020,11] Da sprach das schöne Fräulein wieder: ,Aber Cahin, wie magst du wohl fürchten diese zarten Glieder an mir und diese meine weiche Brust?"

[HGt.01_020,12] ,O schweige", sprach da Cahin, ,deine zarten Glieder sind ebenso viele Schlangen voll bitteren Giftes, und unter deiner weichen, aufgedunsenen Brust ruht ein undurchdringlicher Panzer, mit welchem und an welchem deine Schlangenarme erdrücken werden mein armes und schwaches Geschlecht! Denn sogestaltet wirst du dir selbst den Riesen Leviathan zu deinem allergehorsamsten Diener machen!"

[HGt.01_020,13] Und nun siehe, da entzündete sich das Schlangenweib aus seinem inneren Grimm, so daß sein ganzes Wesen strahlte gleich der Sonne, und nahm an die Gestalt Ahbels gar freundlichen Gesichtes und sprach abermals zum Cahin:

[HGt.01_020,14] ,Cahin, du blinder Tor, mein böser Bruder, siehe, den du hast erschlagen mit einem Steine, der steht nun verklärt vor dir und bietet dir seine Hand, dich auszusöhnen mit ihm, und fürchte nicht die Gestalt der Schlange, die du selber bist! Wer war's denn, du oder die Schlange, der untreu wurde dem Herrn? Beschliefst du oder die Schlange dein Weib gleich den Hunden ohne die vorher allezeit gebotene Opferung? Warst du's oder die Schlange, der da fluchte der Hitze und in der größten Trägheit dem Herrn leeres Stroh opferte? Sage, ergrimmte die Schlange oder du in der bösen Eifersucht wider deinen Bruder? Und war die Schlange nicht vielmehr eine äußere Erscheinlichkeit deines eigenen Bösen in dir, durch welches du dich selbst beredet hast in deinem großen Wahne, zu töten deinen Bruder?

[HGt.01_020,15] Und wie fluchst du da nun der Schlange, die du doch selber bist, und hältst noch am Ende deinen eigenen Bruder für die personifizierte Schlange?! Und sagte dir nicht dein eigener Bruder, da er noch lebte körperlich - als du hingingst ihn zu holen zum Tode, vorgebend in deiner großen Schalkheit, daß er dich befreien möchte von der Schlange -, ob du meintest, daß auch er ein Brudermörder wäre?!

[HGt.01_020,16] Sage und antworte, ob es nicht so ist; und ist es anders, so fluche erst der Schlange, und halte nicht mich, der daherkam von oben dir zu helfen als verklärter Bruder, für die Schlange, sondern dich selbst, und reiche mir deine noch vom Bruderblute befleckte Hand, damit sie von meiner Bruderliebe gereinigt werde von ihrer großen Schuld und du dann wieder Gnade finden könntest vor den Augen des Herrn!"

[HGt.01_020,17] Und siehe, da wurde Cahin gefangen in seiner Blindheit vom Satan und wollte schon reichen dem Verführer die Hand. Aber siehe, da schlug ein gewaltiger Blitz vom Himmel zwischen den Lügner und den Cahin, und der vorgebliche Ahbel lag als Schlange am Boden, und der Cahin zitterte am ganzen Leibe, erwartend das sichere Gericht von oben.

[HGt.01_020,18] Und siehe, da sprach Jehova aus den Wolken: ,Cahin! Wo ist dein Bruder Ahbel, - wo hast du ihn hingetan?"

[HGt.01_020,19] Cahin aber ermannte sich bald durch den Anblick der Schlange am Boden und sagte: ,Wie fragst Du mich darob? Bin ich ein Hüter dessen?"

[HGt.01_020,20] Und die Stimme Jehovas sprach heftiger denn früher: ,Das Blut deines Bruders, damit du die Erde hast getränkt, schreit zu Mir! Ich habe deine Tat gesehen; wo ist Ahbel, dein Bruder?"

[HGt.01_020,21] Und Cahin aber sprach: ,Herr, meine Sünde ist so groß, daß sie mir nie mehr vergeben werden kann!"

[HGt.01_020,22] ,Ja", sprach Jehova, ,daher sei verflucht auf der Erde, die Ahbels Blut verschlang; und wenn du auf derselben künftighin einen Acker machen wirst, so wird er dir kein Brot mehr geben, und du sollst fürder unstet und flüchtig herumirren auf derselben ohne Dach, wie ein reißendes Tier, und sollst dich ernähren von Dornen und Disteln!"

[HGt.01_020,23] Da erschrak der Cahin gewaltig und sagte mit bebender Stimme: ,Herr, Du Allgerechter, siehe, Du treibst mich heute aus diesem Lande, und ich muß fliehen vor Deinem Angesichte und unstet und flüchtig sein auf der Erde. Und mir Armem wird's dann ergehen, daß mich totschlagen wird, wer mich findet; daher sei gnädig mir der Meinen wegen!"

[HGt.01_020,24] Und siehe, da sprach Jehova: ,Nein, es soll niemand totschlagen den Cahin, - sondern wer den Cahin töten würde, der soll getötet werden siebenmal! Damit sich aber niemand an dir vergreife, so will Ich dich bezeichnen an der Stirne mit einem schwarzen Flecke, damit dich niemand mehr erkennen und erschlagen soll."

[HGt.01_020,25] Und nun siehe, da floh Cahin mit den Seinen aus Meinem Angesichte weit jenseits Heden in ein tiefgelegenes Land Nhod. Heden aber war ein schönes Kleinhügelland, voll von den besten Früchten; da gefiel es Cahin, und er wollte sich niederlassen daselbst. Als er aber auf zu den Hügeln geblickt hatte, da sah er überall einen Mann stehen, grimmen Gesichtes, bewaffnet mit einem Steine in der Hand, als wartete er auf den Cahin, zu rächen seine Untat; und diese Erscheinung war ein Werk der großen Furcht in ihm. Und er sah, daß hier keines Bleibens war für ihn.

[HGt.01_020,26] Da floh er weiter und weiter gegen Morgen und gelangte in eine große Niederung; da fiel er ermattet nieder und schlief drei Tage und drei Nächte. Dann aber kam ein mächtiger Wind von den Bergen herab, erweckte die Schlafenden und sauste und brauste dann über die weiten Ebenen dahin und legte sich endlich in den Tiefen des Landes, das da hieß ,Nhod` oder ,trockener Grund des Meeres`.

[HGt.01_020,27] Und der Cahin blickte wieder empor zu den hohen Zinnen der Berge, und er entdeckte keine Männer mehr; da wußte er nicht, was er da tun sollte. Nach einer kurzen Weile aber streckte er seine Arme aus und schrie überlaut: ,Herr, Du Gerechtester, so an Dein Ohr aus dieser großen Ferne noch dringt mein Geschrei, so siehe her über diese Zinnen gnädig der Kinder und meines Weibes wegen auf den gezeichneten Flüchtling der Heiligkeit Deiner Augen, die da gezeichnet hat meine Stirn mit der Nacht der Sünde, damit ich nicht erkannt würde mit freier Stirne an der Untat, die da gezeichnet steht auf der Stirne, in den Händen und auf der Brust des großen Sünders, dessen Sünde zu groß ist, als daß sie ihm je vergeben werden könnte."

[HGt.01_020,28] Und siehe, da kam eine Wolke über die hohen Berge herab, siebenundsiebzig Manneshöhen hoch über den Flüchtigen, und eine starke Stimme sprach aus derselben, und das war die Stimme Ahbels, die da sagte: ,Cahin, kennst du diese Stimme?"

[HGt.01_020,29] Und Cahin entgegnete: ,O Bruder Ahbel, kommst du daher, um dich billig zu rächen an mir, deinem Mörder, so tue mir nach der Gerechtigkeit; aber schone deiner gesegneten Schwester und ihrer Kinder!"

[HGt.01_020,30] Da sprach die Stimme abermals und sagte: ,Cahin, wer da Böses tut, ist ein Sünder; wer da Böses vergilt mit Bösem, der ist ein Knecht der Sünde; wer Gutes tut fürs Gute, der hat die Schuld abgetragen, und es wird nichts übrigbleiben zu seinem Teile; wer das Gute erstattet mehrfach, der ist wert seiner Brüder; aber vor Gott zählt nur eines, und das ist: Gutes tun für Böses, und segnen, die da fluchen den Wohltätern, und das Leben geben für den Tod!

[HGt.01_020,31] Und siehe, als dieser Letzte komme ich zu dir; daher fürchte dich nicht vor mir, da ich gesandt bin von oben nun zu dir, um dir für's erste zu zeigen, daß der Herr wahrhaft und getreu ist in allen Seinen Verheißungen, und um fürs zweite dir aber anzudeuten, daß du in diesem Lande zu verbleiben hast mit den Deinigen und dich und sie zu ernähren hast mit den Früchten, die du antreffen wirst in diesem Lande, und um dann dir auch anzuzeigen, daß dir dein Bruder vergeben hat deine Tat durch die große Liebe des Vaters in ihm.

[HGt.01_020,32] Mein Blut aber sollst du sühnen mit deinen Reuetränen, bis der Fleck gewaschen werde damit von deiner Stirne; und deine Kinder und dein Weib sollst du führen in aller Furcht vor dem Herrn. Und so du es tun wirst frei aus dir aus Furcht vor dem Herrn, so wirst du bleiben und leben, wie du bist, ein Geächteter; aber in der Liebe wirst du rühren das hartgemachte Herz der Gerechtigkeit."

 

21. Kapitel

[HGt.01_021,01] Und siehe, da wurde Cahin beruhigt in seiner großen Furcht. Die Wolke verschwand, und er weinte Tränen der Reue und ging und suchte Nahrung für die Seinen und dachte nach, wie weit er sich entfernt hatte vom Paradiese, und wie er nun so gänzlich verloren hatte die Liebe des Herrn und nun hinausgestoßen war in die harte Gerechtigkeit, stehend an der Schwelle des Gerichtes aus Gott. Und da er so dachte, da vermehrten sich seine Reuetränen, und es wurde ihm immer einleuchtender, wie so gar sehr groß seine Schuld vor Gott doch sein müsse, und er dachte auch, ob es denn doch wohl noch irgend möglich wäre, je nur zu dem allergeringsten Teile der Liebe zu gelangen.

[HGt.01_021,02] Und so dachte er hin und her und auf und ab. Und siehe, da gelangte er mit den Seinen so in diesen Gedanken an einen reichlich fruchtbeladenen Brombeerstrauch; und da es alle gewaltig hungerte nach einer Speise, so wollten sie alsogleich herfallen über denselben und nach Hunger, Lust und Übermaß davon genießen.

[HGt.01_021,03] Aber siehe, da faßte der Cahin einen rechten Gedanken und sagte zu den Seinen: ,O mein Weib und meine Kinder, zieht schnell zurück eure Hände, die ihr schon vorschnell ausgestreckt habt nach dieser reichen Kost; denn noch wissen wir nicht, ob sie das Leben oder den Tod enthält! Und laßt uns daher vorher niederfallen auf die Erde und bekennen vor Gott unsere große Schuld, und laßt uns Ihn bitten im Staube unserer Ohnmacht, daß Er gnädig möchte segnen zuvor diese Frucht; und so Er das doch vielleicht tun wird aus Seiner übergroßen Erbarmung heraus, dann müssen wir Unwürdige Ihm erst danken zuvor, und dann erst können wir mit Furcht und Zittern uns mäßig sättigen daran."

[HGt.01_021,04] Und siehe, da traten alle einige Schritte zurück vom Strauche und taten nach dem Willen und nach der rechten Einsicht Cahins, der da laut allen vorbetete und weinend sagte: ,O Du allergerechtester, großer, heiliger Gott, siehe gnädig auf uns Würmer im Staube der Ohnmacht vor Dir, Du Allmächtiger, die es nicht wagen, ihre Augen in ihrer allergrößten Schuld emporzurichten zu Deiner unaussprechlichen Heiligkeit! O gedenke unserer Schwachheit, und lasse nicht zugrunde gehen uns arme, reuige, große Sünder!

[HGt.01_021,05] Sieh, dieser Strauch vor uns scheint eine gute Frucht zu tragen als eine Speise für uns Sünder; aber wir getrauen uns nicht davon zu essen, da wir blind geworden sind durch unsere große Bosheit und daher nicht mehr sehen können, ob der Tod oder das Leben darinnen ist.

[HGt.01_021,06] Daher wolle uns gnädig anzeigen, wessen Geistes diese Frucht ist, damit wir Dich erst dann recht bitten können, daß Du, o Übergerechter, das Gift der Schlange ihr nehmen mögest und nur einen kleinen Tautropfen Deines Segens dann mögest darauf fallen lassen, damit wir nicht verderben. O Herr, Du Gerechter, Du Heiliger, erhöre, erhöre, erhöre unsere schwache Bitte!"

[HGt.01_021,07] Und siehe, da kam geflogen eine glührote Wolke von den Bergen ins Tal über den Strauch; und aus derselben schlug ein heftiger Blitz mit starkem Gekrache in den Strauch. Und siehe, eine große Schlange floh zischend aus demselben hervor und nahm mit offenem Rachen die Richtung gegen Cahin; er aber erschrak über die Maßen vor derselben. Aber siehe, die Blitze ließen ihr keine Ruhe und trieben sie in aller Schnelle in den heißen Sand der weiten Wüste; und als sie vollends verschwand aus dem Gesichte Cahins, da wandte er sein Gesicht wieder zum Strauche und dankte Gott in der Stille für diese so gnädige Errettung aus der größten aller Gefahren.

[HGt.01_021,08] Und siehe, da sah er auch, wie aus dieser Feuerwolke anfingen große Tropfen zu fallen über den Strauch, so daß ringsumher weit und breit die Erde befeuchtet wurde.

[HGt.01_021,09] Und Cahin sah mit den Seinigen die große Freigebigkeit des Herrn und fiel abermals nieder mit all den Seinigen und dankte Gott in aller Inbrunst seines Herzens für so große Wohltaten und sagte, in Tränen zerfließend: ,O Herr, Deine Gerechtigkeit ist groß und unbegreiflich, - aber wie groß muß erst Deine Liebe sein, da Du noch vermagst, des größten Sünders zu gedenken mit so großen Wohltaten aus Dir, o Du ewige Liebe! Wie groß muß doch die Bosheit sein, die Dich je verkennen mochte!"

[HGt.01_021,10] Und siehe, da ließ sich aus dieser noch segentriefenden Wolke eine Stimme hören und sprach vernehmliche Worte, die da lauteten: ,Höre du, Cahin! Ich habe Meine Gerechtigkeit verwandelt in Liebe; jedoch wird die Liebe sein nur bei denen, die sie da werden suchen künftig nicht nur in der Not und Bedrängnis, sondern in ihrer Fröhlichkeit und in ihrer Freiheit.

[HGt.01_021,11] Siehe, Ich will dir einen Termin setzen auf zweitausend Jahre, und es soll in dieser Zeit keinen treffen je Meine Gerechtigkeit; und aus dieser Meiner Gerechtigkeit will Ich ein großes Gefäß bereiten und es setzen über die Sterne - und will aus Meiner Liebe ein zweites Gefäß bereiten und es setzen unter die Erde. Und so könnet ihr tun, wie ihr wollet: Werdet ihr Böses tun, so werden eure Taten füllen das Gefäß der Gerechtigkeit, und wenn es wird voll geworden sein, so wird es bersten an allen Orten und wird lassen herniederstürzen die ganze Schwere über alle Täter des Übels und wird sie töten allesamt; das Gefäß der Liebe aber, so es leer bleiben wird unter der Erde, wird aufnehmen die Toten zur langen, reinigenden Qual. Und da werden, die da sich werden reinigen lassen, versetzt werden in die Gestirne zu langen Kämpfen; die aber da sich verhärten werden aus ihrer inneren Bosheit heraus, die werden dereinst geworfen werden unter den Boden dieses Gefäßes, da sein wird ewiges Heulen und ewiges Gekläffe der Zähne im Zorne Gottes.

[HGt.01_021,12] Und nun tretet hinzu zum vom Segen befeuchteten Strauche, und esset davon zur Stillung eures Hungers, und bedenket dabei allezeit, von wem diese Gabe ist!

[HGt.01_021,13] Und breitet euch aus im Lande der Tiefe; aber auf die Berge wage keiner von euch je zu setzen seinen Fuß, denn ihre Zinnen sind heilig und sind bestimmt zur Wohnung für Meine Kinder! Wer von euch je dieses Gebot übertreten wird, der wird den allezeit da wohnenden Wächtertieren - als Bären, Wölfen, Hyänen, Löwen, Tigern und auch großen, lebenden Schlangen, die zuunterst hausen werden - zur Beute werden, desgleichen auch alle zahmen Tiere, die euch später werden untertan werden.

[HGt.01_021,14] Nur so jemand von euch würde ganz fromm werden und bestehen die Feuerprobe Meiner Liebe, dem solle gestattet werden, einzudringen in den Bauch der Berge und da zu sammeln Erz und Eisen und daraus zu bereiten Werkzeuge nach dem, wie euch lehren werden eure Bedürfnisse.

[HGt.01_021,15] Und nun esset, befruchtet und mehret euch männlich und weiblich, und wehret ab dem Samen der Schlange durch eure gerechte Furcht vor Mir, der Ich bin Gott, der Ewige, Gerechte und Heilige, amen!"

 

22. Kapitel

[HGt.01_022,01] Und nun siehe, da aßen sie und taten, wie ihnen geboten war, eine Zeitlang. Cahin erkannte nun wieder sein Weib und zeugte mit ihr einen Sohn und gab ihm den Namen ,Hanoch`, das heißt ,die Ehre Cahins`. Und Cahin berief alle seine Kinder zusammen und sagte: ,Kinder, seht hier einen neuen Bruder, den mir gegeben hat der Herr zu einem Herrn über euch, wozu ich ihn machen werde, damit eine Ordnung sei unter euch und ein Ende werde eures Gezänkes und eures Haders. Und er wird euch geben Gebote und wird loben die Treuen und züchtigen die Übertreter, damit auch wir ein Volk werden, groß und voll Ruhmes gleich den Kindern Gottes, die der Gesetze nicht bedürfen, da sie die Liebe haben, die sie frei macht und uns aber gelegt hat meiner Sünde wegen unter ihre Füße, die uns zertreten werden, so wir Gesetz- und Ordnungslose nicht haben einen, der uns vertrete und rechtfertige vor ihrer großen Macht.

[HGt.01_022,02] Seht, ihr Gott ist auch der unsere; aber sie haben an Ihm einen guten Vater - und wir aber einen Richter! Der Vater kennt ihre Liebe, und Sein Auge und Ohr ist bei ihnen. Aber nicht so ist es bei uns. Wir sind uns selbst überlassen und können handeln, wie wir wollen; jedoch wenn wir bestehen wollen, so sind uns Gesetze und Ordnung notwendig. Denn sonst kann da nun erschlagen einer den andern im Zanke und Hader nach seiner Willkür, und so wird sich das Gefäß der Gerechtigkeit füllen vor der Zeit, und wir werden dann allesamt zugrunde gehen durch die auf uns niederstürzenden großen Lasten unserer Greueltaten. Daher laßt uns alle kräftig zusammengreifen und zusammentragen Steine, große und kleine, und errichten eine hohe und feste Wohnung für ihn und, so viele unser sind, für jeglichen eine kleine in einem weiten Kreise um die seinige herum, damit er alle überschaue und beobachte ihr Tun und Treiben. Er aber soll frei sein von jeder Arbeit als ein Fürst in eurer Mitte und soll essen von euren Händen.

[HGt.01_022,03] Für jetzt aber bin ich im Namen der Gerechtigkeit Gottes als Vater euer aller Gesetzgeber, und wehe dem, der ungehorsam wird meinen Geboten! Mein Fluch wird ihn hart treffen; dann aber wird keines Erbarmens sein über den Verfluchten in meinem Herzen, da keine Liebe mehr, sondern nur Gerechtigkeit innewohnt.

[HGt.01_022,04] Sehet, wo die Liebe wohnt, da ist auch Erbarmen, und es gilt Liebe für Recht; wo aber nur Gerechtigkeit wohnt, da kann nur gelten Recht für Recht und Gericht für Gericht, Lohn für Lohn, Treue für Treue, Gehorsam fürs Gesetz, Gericht für den Ungehorsam, Strafe für Vergehen, Fluch für Verräterei und Tod für Tod.

[HGt.01_022,05] Und das sei eine Heiligung dieses meines Ausspruches, daß ich jetzt euch allen schwöre beim Himmel und seiner unerbittlichen Gerechtigkeit und bei der Erde, der harten Wohnstätte des Fluches Gottes, daß jeden Übertreter treffen wird scharf und genau, was ich hier jetzt euch allen kundgetan habe durch meinen Mund als Vater und als Fürst.

[HGt.01_022,06] Dann aber kommt euer Bruder als euer wahrer Herr und Gesetzgeber nach seiner gerechten Einsicht und freien Willkür, - daher er auch sein wird frei vom Gesetze, da jede seiner freien Handlungen euch gesetzlich werden und bleiben muß, bis er es für gut erachten wird, es wieder aufzuheben.

[HGt.01_022,07] Jetzt ist euch bekannt mein Wille, und demnach handelt und tut, wollt ihr bestehen in der Strenge der Gerechtigkeit durch Gesetze für die Ordnung zur Vermeidung des Gerichtes, welches sonst alle treffen würde, wenn nicht gesetzt wäre in der Gerechtigkeit Gericht für Gericht."

[HGt.01_022,08] Und siehe, da gingen alle von dannen und legten ihre Hände ans Werk, zu erbauen also eine Stadt, und arbeiteten daran sechzig Jahre. Da ihnen die Gebäude oft zusammenfielen, so brauchten sie viel Zeit für die Erbauung der Wohnung des neuen Fürsten und konnten dieselbe erst vollenden, als Ich dem Hanoch im Traume gezeigt hatte, wie sie bauen sollten, da es Mich gedauert hatte der armen Kinder, die bei diesem Baue vielen und großen Mißhandlungen ausgesetzt waren von dem zwar bis dahin sehr geordnet streng gesetzlich rechtlichen Cahin, der nun die Seinen führte als ein Tyrann unter großem Schrecken und unter großer Furcht und Angst vor den Strafen ohne Gnade und Erbarmung, da in ihm keine Liebe war, gerecht im Gehorsam gegen alle Gesetze, - bedachte aber dabei nicht, daß ein Gehorsam, der eine bloße Folge großer Furcht ist, eigentlich doch nicht im allergeringsten ein Gehorsam ist, sondern pure Eigenliebe. Denn wer sich selbst liebt, der hält das Gesetz aus reiner Furcht nur vor der allezeit sicher folgenden Strafe bei der Übertretung desselben, da er sich seiner selbst überaus erbarmt, so er empfindet der Strafe Schmerz in seiner unbehilflichen Schwäche; findet er aber auch nur die geringste Gelegenheit, unbemerkt zu sein in seinem Herzen, so wird er fluchen dem Gesetze und dessen Geber und wird dasselbe bald treten mit den Füßen.

[HGt.01_022,09] Und hat dann ein solcher sich irgend eine größere Kraft sammeln können, so wird er da doppelt grausam über all die Gesetze, mögen sie nun gut oder böse sein, herfallen und wird sie zerstören und vernichten samt dem liebelosen Gesetzgeber. (NB. Das sollen auch wohl bedenken alle Führer und Gesetzgeber dieser Zeit; denn auch ihrer harrt ein gleiches Los, so sie meinen, Furcht sei das einzige Mittel, zu erhalten die Ordnung und ihre Vorteile durch den darob stummen Gehorsam der Sklaven; sonst werden es alle bald hart empfinden, welche Früchte Gesetze, welche nicht ihren Ursprung in der reinsten, uneigennützigsten Liebe haben, dereinst früher oder später, oder entweder hier oder aber doch allezeit sicher jenseits bringen werden.)

[HGt.01_022,10] Denn siehe, der Cahin handelte deswegen so gewissermaßen rechtlich grausam, weil er nicht allezeit volle Gnade und Bereitwilligkeit fand bei Mir, sooft er nach einer bösen Tat Reuetränen vergoß. Dies konnte Ich jedoch nicht tun, da seine Reue nur auf den Verlust der Gnade, nie aber auf Meine Liebe gerichtet war.

[HGt.01_022,11] Und siehe, wer so trauert, der trauert nicht in der wahren Tiefe um den Verlust des Lebens, sondern nur vielmehr um den des Wohllebens; und so ist seine Reue falsch, da ihm nichts gelegen ist an der vollkommenen Wiedervereinigung mit Mir. Und so Ich aber dann auch wollte ihm geben, was er nicht verlangt und will, so würde er dann nur den Tod durch solchen Austausch des Willens erhalten, da der freie Wille das eigentlichste Leben des Menschen ist.

[HGt.01_022,12] Und siehe, das war auch der Fall beim Cahin, da er verbannt hatte die Liebe und dafür ergriff die Gerechtigkeit, ohne zu bedenken, daß es ohne Liebe keine Gerechtigkeit gibt, und daß die Gerechtigkeit eigentlich die höchste Liebe selbst ist, ohne welche alles zugrunde gehen würde und notwendig müßte.

 

23. Kapitel

[HGt.01_023,01] Und siehe, als nun vollends erbaut war die Stadt, da nahm Cahin den Hanoch und führte ihn in die hohe Wohnung, die da erbaut wurde für ihn, und übergab ihm daselbst in der Gegenwart aller seiner Kinder und auch schon Kindeskinder die ganze Vollmacht über sie und forderte ihn auf, ihnen allen zu geben Gesetze nach seiner rechten Erkenntnis, frei nach seiner Willkür, indem er sagte:

[HGt.01_023,02] ,Siehe, Hanoch, hier in dieser nur für dich allein erbauten Wohnung übergebe ich dir alle meine väterlichen Rechte mit aller Macht und Gewalt zur freien Führung meiner, deiner und ihrer aller Kinder durch Gesetze nach deiner Willkür, welche heilig zu halten sind von ihnen; denn es liegt wenig am Gesetze selbst, ob es so oder so ist, sondern es liegt alles an der genauen Befolgung desselben, und demnach wird es heißen: ,Dem gemäß handeln, recht handeln, - wider dasselbe aber, vollends unrecht!`, und es muß dann allezeit gestraft werden nach dem Maße der Übertretung.

[HGt.01_023,03] Und so werden wir dann frei durch die Haltung und nicht durch das Gesetz, an dessen Beschaffenheit nichts gelegen ist, sondern nur an der Beachtung desselben.

[HGt.01_023,04] Jedoch du als der Gesetzgeber bist frei von jeder Haltung, weil deine Freiheit heilig sein muß des Gesetzes wegen; denn so auch du gebunden wärest ans Gesetz, so würde es dich hemmen, in der notwendig freien Sphäre zu wirken, da du dann selbst gefangen wärest im selben. Daher mußt du außer demselben stehen, frei als einer, der keine Gesetze kennt; aber jede deiner Handlungen muß ihnen als den dir ganz Übergebenen zum strengen Gesetze sein, und so du willst, so müssen sie handeln, wie du willst, - und so sollen alle ihre Regungen und Bewegungen nichts sein als nur die deines Willens."

[HGt.01_023,05] Und da öffnete der neue Fürst seinen Mund und sprach in einem sehr gebieterischen Tone: ,So höret, ihr meine Untertanen allesamt, männlich und weiblich! Keiner betrachte je etwas als sein Eigentum, sondern als das allein meinige, damit das Zanken und Hadern unter euch ein Ende nehme! Daher werdet ihr alle in der Zukunft nur mir dienen und arbeiten für meine Kammern; dafür sollet ihr zu essen bekommen je nach eurem Fleiße, und es sollen die Getreuesten näher zu mir kommen dürfen als die weniger Getreuen und da haben eine bessere Kost die Aufseher und Vollstrecker der Rechte und Vollzieher der gerechten Strafen. Wehe dem Ungehorsamen! Diesen werde ich hinaustreiben lassen zu den Bergen, und die Tiere daselbst sollen ihn erwürgen und zerreißen. Die aber übertreten werden meine Gesetze aus Trägheit, Unaufmerksamkeit und aus Leichtsinn, die sollen gezüchtigt werden mit Ruten bis zum Blute; die aber, welche sich getrauen würden, mir als dem Fürsten in irgend etwas zu widersprechen, die sollen gezüchtigt werden mit Schlangen bis in das Mark ihrer Gebeine, und es soll ihnen ausgerissen werden ihre Zunge und vorgeworfen werden den Schlangen zur Speise. Und wer mich je mit scheelen Augen anschauen wird, dem sollen die Augen ausgestochen werden, damit er fürder nicht mehr wird schauen können seinen Fürsten. Der Träge aber soll ein Lastträger werden und soll behandelt werden wie ein Lasttier mit Stecken und Knütteln, damit geläufiger werden seine Füße und schneller seine Hände.

[HGt.01_023,06] Sonst gebe ich euch kein Gesetz als die strengste Folgsamkeit in allen meinen freien Wünschen und Befehlen, die ich an euch werde ergehen lassen zu jeder Zeit des Tages sowohl als auch der Nacht, amen."

[HGt.01_023,07] Und siehe, da erschrak selbst der Cahin und alle übrigen über alle Maßen und gingen tief bestürzt aus der Wohnung Hanochs und verwünschten in ihren Herzen ihren grausamen Vater Cahin, der ihnen für ihre so großen Anstrengungen bereitet hatte ein so erbärmliches Los.

[HGt.01_023,08] Und als es nun Abend wurde, da hungerte es sie alle, und sie getrauten sich nicht zu essen und gingen traurig hin zum Hanoch und sprachen: ,Herr, wir haben gearbeitet den ganzen Tag; nun, so gib uns auch zu essen, wie du versprochen hast!"

[HGt.01_023,09] Hanoch aber erhob sich und sprach: ,Wo sind die Früchte eurer Arbeit? Bringet sie her, und zeiget sie mir, und leget sie in meine Kammern, und dann will ich geben lassen jedem nach Recht!"

[HGt.01_023,10] Und sie gingen und brachten, wie ihnen geboten war, die einen viel und die einen wenig, und legten dieselben zu seinen Füßen.

[HGt.01_023,11] Cahin aber und sein Weib brachten nichts in der Meinung, sie seien frei. Und siehe, da teilte Hanoch die Früchte und sprach: ,Wer da gearbeitet hat, der soll auch essen; wer aber nicht gearbeitet hat, der soll auch nicht essen."

[HGt.01_023,12] Und so mußten Cahin und sein Weib für diesmal fasten. Und siehe, da verließ Cahin mit seinem Weibe weinend die Wohnung Hanochs und fand auch kein mitleidiges Herz unter allen seinen Kindern und Enkeln. Da ging er hinaus auf die Felder und aß da von den übriggebliebenen Früchten; und da für ihn keine Wohnung errichtet war, so übernachtete er mit seinem Weibe unter freiem Himmel.

[HGt.01_023,13] Und als des andern Tages wieder daherkamen seine Kinder, um zu arbeiten, fanden sie ihn schon Früchte sammelnd. ,Seht", sprachen sie, ,er arbeitet das erste Mal in diesem Lande; es geschieht ihm ja recht, da er es so hat haben wollen: statt Liebe das Recht!"

[HGt.01_023,14] Und siehe, als sie nun wieder gearbeitet hatten unausgesetzt bis um die Mitte des Tages, einige sammelnd Früchte, einige bauend noch mehrere Häuser und Wohnungen und Vorratskammern und einige dienend ihrem Fürsten zu seiner Bequemlichkeit und seinem Weibe und seinen Kindern, da kamen wieder alle hin zu ihm in die hohe Wohnung und brachten ihm Früchte und sonstige Zeichen ihres ermüdenden Fleißes und begehrten zu essen nach Recht, desgleichen auch der Cahin mit seinem Weibe.

[HGt.01_023,15] Und siehe, da erhob sich Hanoch grimmig ernst und sprach: ,Wie oft wollt ihr denn essen des Tages?! Meinet ihr, ich lasse für euch die Früchte sammeln, daß ihr dann sorglos gefüttert werden könntet?! Wovon soll denn ich und meine Dienerschaft leben, deren Sache nicht ist, zu arbeiten gleich euch, sondern zu tragen ihren Herrn auf ihren Händen?! Daher entfernet euch von mir, und wage es von euch allen ja keiner mehr, je zu betreten die Schwelle dieser meiner hohen Wohnung! Ich werde von nun an täglich durch meine Diener lassen abnehmen von euch die Früchte für mein Haus; ihr aber könnet sparsam essen nur von den Früchten, die da frei von selbst von den Sträuchern und Bäumen gefallen sind, - so die Sammler, so auch die da bauen. Und das sei euch ein neues Gebot, das ihr heilig zu halten habt; wehe dem Übertreter!"

[HGt.01_023,16] Und siehe, da nahm der Cahin das Wort und fragte den Hanoch ganz traurig und tief bewegt: ,O Hanoch, du großer Fürst, mein gewesener Sohn, sage nach deinem Herzen recht und gerecht, ist dein Vater und deine Mutter nicht ausgenommen von allem dem, so du geboten hast weise deinen Untertanen nach deiner freien Willkür? Und muß ich denn sein gleich meinen Kindern, so gebiete, daß sie auch ernähren sollen ihren Vater und ihre Mutter, die wir schon alt, mühselig und sehr schwach geworden sind. Oder erlaube mir gnädigst, zu ziehen von dannen bis ans Ende der Welt, damit ich nicht sehe die große Trübsal meiner Kinder fürder, da sie schmachten unter dem schweren Joche der freien Gerechtigkeit."

[HGt.01_023,17] Und siehe, da sprach Hanoch: ,Wie fragst du mich denn?! Tue ich nicht recht, wenn ich tue, wie du mir die Lehre und die Macht gegeben hast?! Hast du doch selbst niemanden als mich selbst nur gesetzlos erklärt und hast keine Ausnahme gemacht mit dir! Wie verlangst du denn nun solches von mir widerrechtlich und willst mich dadurch zwingen, an dir, dem ersten Gesetzgeber, die streng rechtlichen Folgen des Ungehorsams zum abschreckenden Beispiele für die andern ohne Gnade ersichtlich zu machen?! Und wenn ich so handle, sage, tue ich unrecht?! Denn da bei uns keine Liebe ist, sondern nur das blanke Recht, wie kannst du da ansprechen gegen die Gesetze meiner freien Willkür um irgendeine Ausnahme als einer Gnade, welche sich nie vertragen kann mit den Rechten der Gesetze deines Fürsten?! Daß du mein Vater bist, was geht das mich an?! Bin ich doch geworden durch dich, ohne daß ich es auch nur unter irgendeiner Bedingung habe werden wollen! Und so hast du mich ja gezeugt ohne meinen Willen und machtest mich zum Fürsten ohne denselben! So sage mir denn, da ich nun wurde und bin, was ich bin, und wie ich bin, so ganz ohne meinen Willen, da ich keinen hatte, und auch nicht unter nur irgendeiner Bedingung, rein nur zufällig durch deine Wollust und Fürst durch deinen Ehrgeiz, welche Verbindlichkeit ich somit, rechtlich betrachtet, zu dir habe!

[HGt.01_023,18] So fliehe denn aus meinen Augen, wohin du willst, damit dich nicht ereilen die strengen Folgen der Gerechtigkeit! Dies sei die einzige Gnade, die ich dir frei aus mir, da ich tun kann, was ich will, gewähre; und nun gehe und fliehe!"

 

24. Kapitel

[HGt.01_024,01] Und nun siehe, da fing Cahin an zu weinen und zog mit seinem Weibe und vier Kindern, zwei Männlein und zwei Weiblein, von dannen und kam nach vierzig Tagen an die Ufer der Meere und erschrak da beim Anblicke der großen Gewässer, da er glaubte in allem Ernste, das Ende der Welt erreicht zu haben. Und er dachte: Wenn mich nun Hanoch verfolgte, wohin werde ich da fliehen?

[HGt.01_024,02] Vor mir ist das Ende der Welt und links und rechts sind hohe Berge, die ich nicht betreten darf, und das gnädige Auge und das Ohr des Herrn ist verschlossen für mich. Auch sehe ich hier lauter fremde, ungesegnete Früchte; wer wird sich dieselben zu essen getrauen? Und unser Vorrat, den wir mitgenommen haben, ist nun auch verzehrt! - Was soll ich nun tun?

[HGt.01_024,03] Ich will denn doch noch einmal versuchen, ein großes Geschrei an den Herrn zu richten; entweder wird Er mich erhören, oder Er wird uns zugrunde gehen lassen, und so wird es uns doch wenigstens am Ende ergehen nach Seinem Willen, den wir gewiß die ganze, lange Zeit hindurch in unserer großen Blindheit nicht erkannt haben.

[HGt.01_024,04] Und siehe, da fing Cahin nach einem Zeitlaufe von siebenundsiebzig Jahren wieder an, zu Mir zu beten, drei Tage lang Tag und Nacht hindurch ohne aufzuhören, und schrie in einem fort: ,Herr, Du Gerechter, Du Liebevollster, sieh gnädig herab auf Deinen größten Schuldner, und tue mir nach Deinem heiligen Willen!" Und diese Worte wiederholte er zu tausend und tausend Malen.

[HGt.01_024,05] Und es dauerte Mich seiner, da er so gar gewaltig und unendlich elend schrie. Siehe, da sandte Ich den Ahbel zu ihm in einer Feuerflamme, welcher zu ihm die Worte aus Mir richtete und sagte: ,Cahin, erhebe dich vom Boden, und sieh mir ins Angesicht, und sage mir dann, ob du mich noch erkennst!"

[HGt.01_024,06] Da richtete sich auf der Cahin und betrachtete furchtsam die Flamme und erkannte sie nicht, weder an der Stimme noch an der Gestalt, und fragte sie dann, bebend vor zu großer Angst: ,Wer bist du sonderbares Wesen denn in dieser Flamme?"

[HGt.01_024,07] Und der Ahbel antwortete ihm: ,Ich, dein Bruder Ahbel, bin es in der Flamme der göttlichen Liebe vor dir! Was willst du denn, daß dir geschehen solle?" - ,O Bruder", sprach Cahin, ,so du es bist, - siehe, ich habe keinen Willen mehr! Mein Sohn Hanoch hat mir alles genommen, auch meinen Willen; nun habe ich keinen Willen mehr, und siehe, wie wir jetzt da sind, sind wir alle gänzlich willenlos! Daher kann ich nichts anderes sagen als: Mir und uns allen geschehe nach dem heiligen Willen des Herrn!"

[HGt.01_024,08] Da sprach Ahbel: ,Nun so höre denn! Das ist der Wille des Herrn, meines Vaters und deines Gottes, daß ihr essen sollet von all den Früchten, die ihr hier finden möget, ohne Furcht und Scheu; denn die Schlange hat dich vertrieben hierher und ist daheimgeblieben bei deinen Kindern in der Stadt Hanoch mit all ihrem Gifte und wird mit euch nichts mehr zu tun haben. Denn so der Mensch seinen Willen hingegeben hat, da gibt es für die böse Brut nichts mehr zu tun; wer aber seinen Willen untertan gemacht hat der Schlange, der ist ein Gefangener von ihr, und das Ende seines Wirkens ist herbeigekommen.

[HGt.01_024,09] Wer aber geflohen ist aus ihren nun stark gewordenen Schlingen und so gerettet hat den letzten Tropfen seines Willens und denselben niedergelegt hat auf die Erde im Angesichte Jehovas, dem wird Er geben einen neuen Willen aus Sich, damit er dann ferner handeln möchte als ein Werkzeug des Herrn. Und so ist auch für dich der Wille des Herrn, fernerhin zu handeln nach Seinem Willen; und so dich und die Deinen auch dereinst möchten finden die Nachkommen Hanochs, so werden sie dich und die Deinen nicht erkennen, da euch die Liebe des Herrn ganz schwarz brennen wird bleibend.

[HGt.01_024,10] Und der Name ,Cahin` wird dir genommen werden, und ein anderer Name wird dir gegeben werden, und dieser heißt ,Atheope`, das heißt ,der Willenlose nach dem Willen Gottes`. Und sogestaltet mußt du mit den Deinen flechten aus Rohr und Schilf einen sehr großen Korb, sieben Mannslängen lang, drei Mannslängen breit und eine Mannslänge hoch, sehr fest, und ihn dann verpichen mit Harz und allerlei Pech. Und so du dieses verrichtet haben wirst mit allem Fleiße, dann mußt du ihn stellen ans große Wasser hin und sollst sammeln Früchte auf vierzig Tage lang; und so du das getan haben wirst, dann leget die Früchte in den Korb und steiget endlich allesamt in denselben!

[HGt.01_024,11] Und dann wird der Herr kommen lassen eine große Flut vom großen Gewässer her, welche den Korb heben wird mit euch, und wird euch tragen hin in ein fernes Land in der Mitte dieser großen Gewässer, da ihr vollkommen sicher sein werdet vor allen Nachstellungen Hanochs.

[HGt.01_024,12] Und da werden sein nahe, weit und breit, kleine Länder in diesem großen Gewässer, und so euer zu viele werden in einem Lande, dann suchet die nächsten, und so fort und fort, und belebet so nach dem Willen des Herrn nach und nach alle Kleinlande in den großen Gewässern.

[HGt.01_024,13] Und so ihr nicht vergessen werdet des Herrn, so wird Er einst euch zu bewohnen geben ein großes, festes Land, da ihr bleiben werdet bis ans Ende der Welt, wenn es erst zuvor gereinigt wird vom Fluche durch die bald darniederstürzenden Fluten, die da ersticken und töten werden die Nachkommen Hanochs und auch sehr viele Kinder Gottes, die sich werden fangen lassen von den schönen Töchtern Hanochs.

[HGt.01_024,14] Jedoch sollen euch Willenlose nicht erreichen die Ströme dieser Fluten, da euch der Wille des Herrn gesetzt hat auf die Gewässer Seiner großen Erbarmungen. - Und so ihr irgend etwas benötigen werdet, so wißt ihr ja ohnehin, wo der große Geber ist, der euch nicht verlassen wird, so ihr Ihn nicht verlassen werdet in euren Herzen.

[HGt.01_024,15] Und nun tritt näher, du Cahin!" Und siehe, da trat Cahin hin zum Flammenbruder Ahbel, und Ahbel umarmte ihn, und so wurde er schwarz wie eine Kohle, und seine Haare wurden gekraust wie ein Pelz. Und so geschah auch allen noch fünf übrigen.

[HGt.01_024,16] Und da sprach Ahbel: ,Nun, Bruder Atheope, bist du frei von jeder Schuld, die daheimgeblieben ist beim Hanoch, und so tue du denn nun nach dem Willen des Herrn! Amen."

 

25. Kapitel

[HGt.01_025,01] Und siehe, da verschwand Ahbel, und Atheope aß von den Früchten, fröhlich zum ersten Male in seinem Leben vollkommen, und tat genau, wie ihm befohlen ward.

[HGt.01_025,02] Und so belebte dann sein letzter Stamm bis auf die heutige Zeit alle Kleinlande in den Gewässern und nach der großen Schlangenbrutvertilgung durch die Fluten von den Himmeln auch die großen Festlande, die ihr heutzutage ,Afrika`, ,Amerika` und ,Australien` nennt. Und sein Stamm ist nicht getötet worden durch die Fluten und ist noch derselbe bis zur Stunde dieser letzten Zeit zum Zeugnis der Greueltaten der damaligen und der jetzigen Zeit Meiner und Hanochs Kinder.

[HGt.01_025,03] Und siehe, so lebt noch dieser Atheope natürlich und geistig bis zur Stunde verborgen auf einem Kleinlande in der Mitte der großen Gewässer, das nie ein Sterblicher finden wird, als steter Beobachter eures Tuns und Treibens.

[HGt.01_025,04] Und siehe, er aß und trank Früchte aller Art und zeugte noch siebenhundert Kinder noch tausend Jahre lang. Dann aber wurde er erneut von Mir und aß und trank nicht mehr, da er gesättigt wurde mit Meiner Liebe für die Ewigkeit, die da ist die beste Speise. Denn wer damit gesättigt wird, der wird den Tod nicht sehen, schmecken und empfinden ewiglich, und es wird ihn dann nimmer hungern nach einer Speise, noch dürsten nach einem Tranke. Und sein Sterben wird sein ein lebendiger Austritt vom Leben zum Leben ins Leben des Lebens der Lebendigen durch den Lebendigen, der Ich Selbst bin.

[HGt.01_025,05] Und so gesättigt lebt Atheope noch bis zur Stunde körperlich als der erste Menschensohn im weiten Angesichte der Erde und kann schauen aller Menschen Tun und Treiben und ist demnach ein alter Zeuge aller Meiner Taten bis auf euch.

[HGt.01_025,06] Er kannte Noah, Abraham, Moses, all die Propheten und Melchisedek, den Hohenpriester.

[HGt.01_025,07] Und er war Zeuge Meiner Geburt und Meiner Neuschöpfung durch das größte aller Meiner Werke, nämlich durch das Werk der Erlösung. Und so wird er auch aufbewahrt bleiben bis zur vollen Darniederkunft Meiner heiligen Stadt, was soeben zu geschehen anfängt, allda er auch vollends aufgenommen wird als ein treuer Torwächter; denn außer Mir kennt niemand die Schlange so durch und durch wie er, dem sie am meisten zu schaffen gemacht hat.

[HGt.01_025,08] Und nun siehe, das ist die Geschichte Cahins, euch nun gegeben zum reiflichen Nachdenken über euch selbst, damit ihr euch dadurch desto eher und desto leichter selbst finden möget und erkennen euer Böses an der Wurzelfaser und zerstören dasselbe in den tiefsten Fundamenten, um sodann in Meiner Liebe wiederzufinden das so lange schon verlorene Paradies und endlich zu werden wahre, getreue Bürger Meiner neuen, großen, heiligen Stadt, wie Ich euer aller allergetreuester, heiligster und allerbester Vater bin von allen Ewigkeiten der Ewigkeiten. Amen.

 

26. Kapitel

[HGt.01_026,01] Und nun wende dich auf eine kurze Zeit gen Hanoch zurück, und Ich will euch da noch im Vorübergehen zeigen, wie es da ausgesehen hat nur erst nach einem Zeitlaufe von dreißig Jahren!

[HGt.01_026,02] Und siehe, Hanoch hatte sich nun das allerschönste Weib ausgesucht und noch dazu zwei Kebsweiber und trieb mit ihnen Unzucht über die Maßen. Dadurch verfinsterte sich sein Verstand so sehr, daß er ganz und gar vergaß auf seine ganze Regierung; und die wenigen Gedanken, die zu denken er kaum noch fähig war, waren nur beschäftigt mit Wohlleben, Glanz, weichen Kleidern und Hurerei.

[HGt.01_026,03] Wenn ihm seine Untertanen nur recht viele und gute Gerichte von Früchten aller Art brachten und recht viel Geflimmer vor seine Wohnung und recht weiche Kleider, geflochten aus dem feinsten Grase, das da wuchs am Fuße der Berge, so war er damit auch schon völlig zufrieden und ließ dabei die Gesetze Gesetze und die Regierung Regierung sein.

[HGt.01_026,04] Aber siehe, da merkten seine Untertanen, daß er lau geworden war, und machten sich zugute seine Blindheit. Da merkten es auch seine Diener, wie die Sachen standen, und waren sehr pfiffig und schlau, wie die Schlange selbst, und suchten daher ihren Herrn auf alle mögliche Weise beständig einzuschläfern und erlaubten auch lügnerischerweise - gleichsam im nachsichtigen Aufgebote vom Fürsten - den Untertanen alle nur möglichen Belustigungen, wenn sie ihnen nur recht fleißig ihre stets vermehrten Gaben lieferten.

[HGt.01_026,05] Und siehe, da diese Diener nun sahen, daß sie ungestraft tun könnten, was sie wollten, da fingen sie an zu regieren und gaben den Untertanen Gesetze: fürs erste, dem Fürsten zu erweisen eine göttliche Verehrung durch allerlei Opferungen, und fürs zweite, zu geben die schönste Tochter irgendeines Untertanen dem Fürsten; und welcher Untertan dieser glückliche Geber sein werde, dem würden erlassen alle Abgaben, und er werde ein freier Besitzer seines Hauses werden und werde Eintritt haben in das Haus des Fürsten und werde sich da unterhalten können mit dessen Dienern und werde alle Jahre einmal anschauen können seinen Fürsten und ihm danken für eine so große, auszeichnende Gnade.

[HGt.01_026,06] Und siehe, da hatte die Schlange einen wahren Geniestreich, wie ihr sagt, ausgeführt! Denn nun fingen die Eltern an, ihre Töchter immer zu Hause zu behalten, und verwendeten alle Aufmerksamkeit darauf, daß diese nur recht zart und schön wurden, um sich dadurch einst vielleicht auch einen Freiheitsstand zu bereiten. Und eine solche Schöne sah dann keinen Gemeinen mehr an, da sie sich bestimmt fühlte für den Fürsten.

[HGt.01_026,07] Was geschah nun aber durch diese gegenseitigen Betrügereien? Nichts anderes als das Allerärgste, was ihr euch nur je durch eure tiefsten Gedanken vorzustellen vermöget, nämlich: Die Diener brachten endlich die ganze Regierung an sich unter dem schlauen Vorwande, daß sie nämlich dem Fürsten Hanoch sehr gut gezüngelt begreiflich machten, daß er nun nicht mehr Fürst, sondern ein Gott des Volkes sei, und daß es entwürdigend wäre für seine unendliche Hoheit und unaussprechliche Erhabenheit, wie solche seine nun göttliche sei, den Würmern der Erde Gesetze zu geben, und daß sie aus der unermeßlichen Hochachtung für seine über alles erhabene Heiligkeit dieses entwürdigende Geschäft auf sich nehmen wollten; und so solle er nichts tun, als nur bloß mit einem Winke entweder sein Wohl- oder sein Mißgefallen äußern und die Schätze, die sie sammeln würden in großen Mengen für ihn, allerhuldreichst und allergnädigst annehmen.

[HGt.01_026,08] Übrigens möchte er sich dem Volke nur einmal zeigen im Jahre, wo dann alles niederfallen werde vor ihm und ihn anbeten werde im Staube; und so er dann aber jemandem von den bestaubten Würmern eine besondere Gnade bezeigen wolle, so möchte das von ihm durch einen starken Tritt auf den Kopf eines Wurmes geschehen mit seinem heiligen Fuße.

[HGt.01_026,09] Und so jemandem diese hohe Gnade zuteil werden möchte etwa der Opferung einer schönen und reizenden Dirne halber, so solle dieser aufgehoben werden alsobald von der Erde und schauen die göttliche Erhabenheit des Herrn aller Macht und Kraft und solle dann werden ein freier Bürger der heiligen Stadt des erhabenen Gottes Hanoch.

[HGt.01_026,10] Und siehe, diese feinen Reden seiner Diener schmeichelten seiner eigenliebigen Eitelkeit so sehr, daß er in alles alsogleich vollends einwilligte. O des ungeheuren Narren!

[HGt.01_026,11] Und siehe, jetzt hatten die Diener erreicht, wonach sie schon lange gestrebt hatten, nämlich die Gesetzgebung, Bestrafung und somit die sämtliche Regierung, und so entstanden jetzt statt einem zehn Fürsten, die da zwischen Menschen, ihren Brüdern, und den sonstigen Tieren auch nicht den allergeringsten Unterschied machten und sie nur in vernünftige und unvernünftige Bestien teilten. Und nur, wenn irgendein solches vernünftiges Tier zu ihrem Vorteile irgendeinen schlau-bösen Streich in eine günstige Ausführung gebracht hatte, dann wurde ihm das Recht erteilt, sich auch Mensch nennen zu dürfen.

[HGt.01_026,12] Und als nun diese zehn Fürsten sahen, wie ihren Gesetzen blindlings gehorchten - natürlich aus zu großer Furcht vor den unendlichen Mißhandlungen - die Tiermenschen, so wählte nach und nach jeder von ihnen ebenfalls zehn Diener aus den freien Bürgern der Stadt und erhob sie in einen gewissen Adelsstand samt ihren Weibern und Kindern. Dafür aber mußten freilich ihre Töchter, so sie ihnen schön und reizend genug waren, ihnen zu Huren gegeben werden, mit denen sie Kinder zu hundert und tausend zeugten, welche alle dann den Tiermenschen zur Ernährung übergeben wurden; und so sie erwachsen waren, so wurden die männlichen ebenfalls zu Tiermenschen, die weiblichen, so sie durch die List der Schlange meistens sehr schön und reizend wurden, aber wurden gemacht ebenfalls wieder zu Huren und oft schon beschlafen in ihrem zwölften Jahre und wurden dadurch unfruchtbar gemacht. Und so sie dann nach kurzer Zeit alle ihre Reize verloren hatten, so wurden sie hinausgestoßen zu den Tieren und mußten arbeiten für dieselben und wurden genannt ,Huhorä`, das heißt nach eurer Art ,Menscher, die das Vieh warten`.

[HGt.01_026,13] Und siehe, so ging dann diese Lebensweise mehr denn dreißig Jahre fort. Dann aber, da die Menschen auf diese unzüchtige Weise sich vermehrt hatten bis auf mehrere Hunderttausende und sich ausgebreitet hatten weit und breit im Lande und somit nicht mehr übersehen werden konnten, so wurden mit der argwohnlosen Einwilligung Hanochs, ihres nun gänzlich kraft- und tatlosen Gottes, noch zehn Städte erbaut und wurden benannt nach den Namen der zehn Fürsten, die da heißen:

[HGt.01_026,14] Kad (der Dieb), Kahrak (der Hurenmeister), Nohad (der Betrüger), Huid (der Böse), Hlad (der Kalte), Uvrak (Same der Schlange), Farak (der Grausame), Molakim (der Lügner), Uvrahim (der feine Schmeichler) und Thahirak (der große Frevler).

[HGt.01_026,15] Und nun siehe, jede dieser Städte wurde erbaut genau nach dem Muster der Stadt Hanoch; und so ward auch in jeder Mitte errichtet eine hohe Burg gleich der hohen Wohnung Hanochs und ward umgeben mit einem Wall und Graben. Und denke, da die Menschen damals noch keine Werkzeuge, als: Krampen, Spaten, Hauen und Picken, hatten, so mußten sie daher ihre Hände gebrauchen und mit ihren Fingern die Erde gleich den Schormäusen aufwühlen!

 

27. Kapitel

[HGt.01_027,01] Ich will nicht gedenken der Mißhandlungen, die bei einem solchen Bau stattfanden, sondern Ich will euch zur Hauptsache leiten. - Als nun die Städte vollends erbaut waren, da traten die zehn Fürsten zum Hanoch und sprachen: ,Hanoch, du großer, erhabener Gott aller Macht und Kraft (NB. obschon er schon schwächer war denn eine Mücke und gar keine Macht mehr besaß) und allergrößter Herr aller Gerechtigkeit (NB. welche nichts als Dieberei, Hurerei, Betrügerei, alles Böse, Gefühlskälte, Schlangenbrut, Grausamkeit, Lüge, Schmeichelei und Frevel aller Art zugrunde hatte)! Siehe, dein Volk ist groß geworden unter der allerweisesten Führung deiner grenzenlosen, unbegreiflichen und unerforschlichen Gerechtigkeit (NB. Das war wahrhaft eine grenzenlose, für ihn ganz unbegreifliche und noch mehr aber noch gänzlich unerforschliche Gerechtigkeit) und hat sich ausgebreitet im ganzen, weiten Lande deiner göttlichen Herrlichkeit und kann daher nicht mehr übersehen werden von dieser deiner hohen Wohnung, und wenn wir sie aus den Augen ließen, so würden sie dann tun, was sie wollten; ja, sie könnten sich sogar so weit verirren, daß sie statt dich, dem doch nun alleinig alle Anbetung gebührt, wieder den alten Gott Cahins anzurufen und anzubeten anfingen, und es könnte diesem alten Gotte doch wieder einfallen, irgend jemanden von ihnen zu erhören und ihn mit einer unbesiegbaren Macht auszurüsten, wonach er dann ein großes Volk um sich sammeln, über uns herfallen und uns endlich sämtlich vernichten möchte. (NB. Solche Besorgnisse geziemen sich sehr wohl für einen so mächtigen Gott!)

[HGt.01_027,02] Und wir hätten endlich auch der gerechten Diener nicht genug, die da überall hingingen und die Früchte abnähmen und sie brächten hierher; und am Ende würden diese Diener uns überlisten auf dem Wege und würden verzehren am Ende selbst, was für dich nur, o großer Gott, die Erde gehorsamst hervorgebracht hat!" (NB. Also auch Furcht, zu verhungern, fing den großen Gott an zu quälen?!)

[HGt.01_027,03] Und siehe, da wurde Hanoch sehr verlegen und wußte nicht, was da zu tun sein werde, da er von allem dem zuvor nichts erfahren hatte, wie sehr sich sein Volk vermehrt hatte. Endlich aber erhob er sich und sagte mit einer kreischenden Stimme voll Furcht: ,Wie wär's denn, wenn wir sie, die Zuvielen, nach und nach umbrächten und töteten und setzten sie auf die erste Zahl der Schwäche und Mutlosigkeit?! Was meint ihr, meine Getreuesten?" (NB. Ein schöner Vorsatz für die göttliche Gerechtigkeit!)

[HGt.01_027,04] Und siehe, da sprachen die zehn: ,O allergerechtester Gott, bedenke, was möglich und was unmöglich ist! (NB. Der allerweiseste, mächtigste und gerechteste Gott mußte sich also auch von seinen Dienern über das Mögliche und Unmögliche belehren lassen!) Denn siehe, fürs erste würden sie in großen Massen über dich und uns herfallen und uns allesamt vernichten, so wir nur einen erschlügen, und fürs zweite gedenke des Gefäßes über den Sternen, davon uns der Cahin oft erzählt hat, und so wir Greuel zu üben werden anfangen, was da geschehen wird!" (NB. Also hatte der große, mächtige Gott doch noch Furcht vor dem alten Gotte?!)

[HGt.01_027,05] Und siehe, da sprach der Hanoch zu ihnen: ,So höret denn und vernehmet meinen Willen, der da lautet gewaltig: Jeder von euch, meinen zehn getreuesten Dienern, beziehe eine der zehn Städte und herrsche und regiere in meinem Namen und gebe Gesetze nach der rechten Einsicht und Erkenntnis und halte auf die genaueste Befolgung derselben genau und strenge! So jemand von euch je nachlassen wird im gerechten Eifer, über den werde ich setzen den, der der Getreueste und Eifrigste von euch war. An der Einbringung der Früchte werde ich euch erkennen! Der erste, der da bringen wird die Gaben als rechte Gebühr für meine heilige Majestät, der wird auch das Lob der Gerechtigkeit als erster ernten, und ich werde das wenigere von ihm annehmen, als wäre es vieles; die späteren aber werden müssen bringen vieles, und ich werde es annehmen, als wäre es nur weniges, da ich daraus ihre Trägheit bemessen und ihren Handlungen ein gerechtes Lob oder einen gerechten Tadel werde zukommen lassen; und der letzte aber wird übergeben werden dem ersten, damit er sich bessere im Eifer und in der Strenge aller gerechten Sachen. Denn die strenge Gerechtigkeit ist das einzige Fundament eines Reiches, welches wir haben und besitzen ganz zu eigen.

[HGt.01_027,06] Das ist mein gerechter und gestrenger Wille, der ich bin euer Gott und Herr, da ihr keinen andern haben könnet und auch nicht haben sollet mit allen den freien und dienstbaren Untertanen. Es hat wohl einmal irgendeinen alten Gott gegeben, der auch sehr mächtig war, solange er gerecht war; aber er soll dann die Gerechtigkeit haben fallen lassen und tat den Übeltätern Gutes wie den Gerechten aus einer gewissen Liebe, ähnlich unserer Regung zu den schönen Weibern, und hat sich dadurch gänzlich zugrunde gerichtet und ist nun nicht mehr.

[HGt.01_027,07] Daher bin ich nun an seiner Stelle jetzt, wie ihr mich sehet; daher wird auch das Anrufen dieses alten Gottes sehr wenig nützen, da er nirgends und nichts mehr ist. Daher habt ihr euch in allen Angelegenheiten an mich zu wenden, dem nun alle Macht und Gewalt innewohnt! Amen."

[HGt.01_027,08] (NB. Solche und noch viel ärgere Schilderungen muß Ich heutzutage über Mich von vielen Hunderttausenden hören, die ihren baren Unverstand durch ihre allerfinsterste Vernunft - ein Vermögen aller Tiere durch ihre scharfen Sinne - auf Meinen Thron setzen und so sich selbst anbeten und sich derzeit nicht mehr ,Götter` - da ihnen dieser Name zu gemein und läppisch niedrig klingt -, sondern ,Philosophen` oder ,Weltgelehrte` und noch ,Gelehrte` oder ,Doktoren` aller Art nennen. Diese, allerfinsterster Art, wollen Mich sogar zwingen, zu ihnen erst in die Schule zu gehen, so Ich wollte ein Gott dieser so gar sehr aufgehellten Zeit den Übergelehrten sein; Ich sage aber, daß ein Regenwurm vernünftiger ist denn sie, obschon er nur einen Sinn hat. Ich sage, diese werden bald die allergrößten Augen machen und doch nicht mehr sehen denn eine Wühlmaus in der Erde und mit gespitzten und sehr langen Ohren nicht mehr hören denn ein Fisch im Wasser, da er keine Stimme, so auch kein Gehör hat.)

[HGt.01_027,09] Und siehe, das war den zehn Fürsten gerade ein gutes, unversiegbares Wasser auf ihre Mühle; denn da war der Hanoch ihren innersten Wünschen zuvorgekommen und gab ihnen ein strenges Gebot, was ihnen gerade recht war. Denn jetzt erst waren sie wie gemacht, berechtigt, jeden nur erdenklichen Unfug zu treiben und zu betrügen das Volk und ihren dummen Gott.

[HGt.01_027,10] (Und nun siehe: Als somit der Gott Hanoch seine Rede vollendet hatte, entließ er diese seine zehn Diener. Diese aber gingen, dem Anscheine nach tief ergriffen von einer so gewaltigen Rede; in ihren Herzen aber waren sie über die Maßen fröhlich über die große Torheit Hanochs, der aus allerlei Furcht und Besorgnissen ihnen ihren eigenen Willen zum strengen Gesetze gemacht hatte und am Ende selbst überzeugt zu werden anfing, daß er ein Gott sei. Allein über den letzten Punkt irrten sie sich gewaltig; denn der Hanoch wußte bei sich gar gut, daß er kein Gott war, da ihm seine Schwäche und gänzliche Erschöpftheit nur zu deutlich zeigten, welche Bewandtnis es mit seiner Gottheit hatte!

[HGt.01_027,11] Aber er wollte nur die andern in der groben Blindheit erhalten und befestigen und Gott sein des Gewinnes wegen und dachte: ,Den Blinden ist gut predigen; denn die unterscheiden nicht schwarz und weiß und halten den Tag für Nacht, und so umgekehrt!" Allein hierinnen irrte auch er. Und so war zwischen ihnen ein wahres Narrenverhältnis, da immer einer den andern für den Dümmeren und Größeren hielt.

[HGt.01_027,12] Und als sie nun wieder in ihrem Gemache zusammenkamen, da fing der Kad an, eine Rede an alle zu richten, und sagte: ,Nun, ihr meine Brüder, die wir noch den Cahin zu unserm Vater haben und haben gesehen den Erzvater Adam und die Erzmutter Eva, die nicht kennt und nicht gesehen hat der Hanoch, noch je sehen wird den Adam. Seht, Cahin, unser Vater, war ein Übeltäter, wie keiner je von uns es war und je sein wird, und da er sich an den Gott Adams gewendet hatte, so gab ihm Dieser, was er wollte.

[HGt.01_027,13] Nun, was brauchen wir denn mehr?! Wir wissen und sind Augen- und Ohrenzeugen Seiner großen Taten; somit wissen wir, wo der große Machthaber wohnt! Tun wir, was der Cahin tat in der Not, auch im Überflusse, - und seid versichert, es wird sich bald weisen und zeigen, wer der eigentliche Herr im Lande der Tiefe ist! Errichte daher ein jeder von uns diesem Gotte einen Opferaltar und opfere Ihm da die Früchte des Landes, und die Macht darob wird nicht unterm Wege bleiben; und dann wird Hanoch, der Narr, lange gut warten können auf die Majestätsgebühr seiner eingebildeten Heiligkeit von uns, die wir Adam gesehen haben und die Eva!"

[HGt.01_027,14] Und siehe, als der Kad beendet hatte seine Rede, da erhob sich Kahrak und sprach: ,Brüder, wenn es so ist, da haben wir ja eine gewonnene Sache! Seht, was mich anbelangt, so stimme ich vollkommen dem Kad bei; müßten wir denn nicht Narren sein, größer denn ganz Hanoch, so wir Mächtigeren ihn füttern sollten für nichts als zur Bestärkung seiner Narrheit und ihn mästen auch noch dazu, damit er noch geiler würde, zu beschlafen unsere schönsten Weiber, und so sie ihm nicht mehr schmeckten, wir uns, wie ihr alle wißt, erst noch eine außerordentliche Gnade daraus machen sollen, wenn er einem eine überläßt?! Da glaube ich, wir behalten die schönsten für uns! Die weniger schönen geben wir unseren Dienern; die übrigen sollen ein Eigentum sein unserer Untertanen, und der Hanoch kann dafür ein Blutlecker seiner eigenen Töchter werden und die Schande schmecken aus seiner eigenen Faust und mager werden wie das Bein eines Bockes und essen mit den Kälbern und trinken mit den Vögeln! Und wie er tat mit unserem Vater, warum sollen wir ihm nun nicht ein Gleiches tun?! Hat er sich auch Dinge vorbehalten, was zu tun vergaß der Vater Cahin und mußte fliehen, da er doch sein Vater war wie der unsrige! Und seht, er ist uns nur ein dummer Bruder; was soll uns denn nun hindern, ihm zu entgelten die Flucht Cahins?! - Seht, das ist meine Meinung, vorteilhaft für jeden von uns, da ich von meiner Seite tun werde dem alten Gotte, wie es Kad für recht und wirksam sehr weise fand!"

[HGt.01_027,15] Aus allen ertönte nur ein einstimmiges Einverständnis auf die Rede Kahraks, worauf sich Nohad erhob und zu reden anfing, sagend: ,Ihr kennt mein Amt und Fach, dem ich nach dem Willen Hanochs vorgestanden habe und mit aller Treue, allem Fleiße und Eifer! Doch frage ich euch alle, was ich davon die lange Zeit hindurch gewonnen habe, so wird mir gewiß jeder von euch die Antwort geben: Nichts weiter und nichts mehr als nichts! Das heißt: Ich half dem größten Betrüger betrügen und war somit selbst ein betrogener Betrüger; ich mußte seines Heucheltruges wegen vor der Menge schlecht leben, mir öffentlich - bloß einer dummen Scheinheiligkeitsmeinung halber - als allerstrengster Rechtlichkeitspfleger jeden heiteren Genuß versagen, um dafür geheim statt eines Lobes und einer unsichtbaren Entschädigung und Vergütung für öffentliche Unbilden von seiner unbegreiflichen Narrheit noch die allerderbsten Verweise und Drohungen aller Art zu empfangen. Ihr alle habt es leichter gehabt und konntet tun nach eurem Vergnügen vieles, was zu tun mir unmöglich war, da ich gerade an der Spitze seiner rechtlichen Narrheit stand und mußte tun und in genaue Ausführung bringen jeden seiner tollsten und verabscheuungswürdigsten Wünsche, damit sie dann durch meine gezwungene Heuchelei, worauf ich mich wohl verstand - oder eigentlich wohl verstehen mußte -, irgendeinen rechtlichen Anstrich bekamen, wofür ich dann als rechtmäßiger Betrüger mich der Vollgültigkeit meines Betruges wegen wieder habe müssen betrügen lassen, und das dreifach: zuerst vom Hanoch des Rechtes wegen, fürs zweite von mir selbst des Volkes wegen, und fürs dritte vom Volke und euch allen des Hanoch wegen. Ich glaube, euch einen hinreichenden Grund meiner vollsten Unzufriedenheit an den Tag gelegt zu haben und dadurch auch meine Truggestalt vor euch zu den Füßen. Und nun urteilet selbst, ob ich etwa unrecht habe, wenn ich aus Dankbarkeit für solche Anerkennungen den dreifachen Betrug von mir nehme und ihn so mit aller Gewalt auf Hanochs Haupt hinschleudere, da ich ihn enthüllen werde vor dem Volke. Und er möge dann hernach sehen, wohin seine Gottheit den Lauf richten wird, und soll ihr nachrennen wie ein Hinkender einem Hirsche. Und somit will ich auch tun, was der Kad für gut fand, und will den Rat Kahraks in die genaueste Ausführung bringen, und meine Abgaben sollen unschädlich sein seinen Augen, und das Getrabe meiner Kamele wird nicht belästigen sein Ohr. Und so nehme ich Besitz von der Stadt meines Namens."

[HGt.01_027,16] Und siehe, da sagten die übrigen: ,Nohad hat vollkommen gut geredet, und so tue er auch rechtlich und gut."

[HGt.01_027,17] Darauf erhob sich Huid und bog den Ton seiner Brust wie einen Blitz in die arge Versammlung und sprach heftiger denn alle übrigen, sagend: ,Höret mich wohl an, Brüder und Söhne Cahins, des Geächteten, und versteht jedes meiner Worte von großer Bedeutung!

[HGt.01_027,18] Wer vermöchte alle die Blutstropfen zu zählen, welche durch meine starken Hände nach den Urteilssprüchen Nohads, des Betrogenen, aus den Rücken und Lenden des armen und schwachen Volkes, die so gut wie Hanoch und wir Nachkommen Cahins sind, geflossen sind nicht etwa der Übertretung irgendeines Gebotes oder irgendeiner Faulheit auch nur der allergeringsten scheinbar strafbaren Ursache wegen, sondern bloß, wie ihr alle wißt, rein nur ihm zum Vergnügen und Zeitvertreib, nicht zu gedenken jener Mißhandlungen beim Bau all der Städte, - so zwar, daß es mir gänzlich unbegreiflich ist, wie diese Armen noch das Leben erhalten haben diese schon so lange Marterzeit hindurch. Er wußte uns bei jeder Gegenvorstellung die Gebrechlichkeit des bewußten Gefäßes über den Sternen vorzuhalten und vergaß gänzlich dessen unter der Erde!

[HGt.01_027,19] Aber ich frage euch alle nach Recht und Billigkeit, ob es dem Volke nicht besser ginge unter den Trümmern des Gefäßes als unter unseren beständigen Hieben von zähen Ruten, harten Knütteln und festen Prügeln! Und sagt, was hat er denn fürs Gefäß der Liebe unter der Erde getan? Ich glaube, außer den zahllosen Blutstropfen unserer Brüder wird sich wenig darin befinden! Und hätten wir listigerweise die Regierung nicht an uns gebracht, - hätte er als Gott alles Greuels nicht auch gewiß angefangen, einen um den andern töten zu lassen?

[HGt.01_027,20] Wir selbst mußten grausam sein, dieweil wir noch seine Diener waren, um ihm jeden Verdacht zu ersparen. Allein die Städte sind nun erbaut, das Volk ist verteilt, die Macht ist unser wie die neue Anerkennung des alten Gottes und das gelobte Opfer; was brauchen wir noch mehr? Gehorchte uns das Volk, so wir es mißhandelten, so wird es uns gewiß nicht untreu, so wir seine geschlagenen Wunden heilen wollen und werden durch weisere und mildere Gesetze als durch diese der schwarzen Grausamkeit. Seht, ich bin böse genannt; aber ich möchte hier eine große Frage setzen: wer eigentlich böser ist, ob ich, ob Hanoch, oder die Schlange Cahins! Ich glaube, der Hanoch ist ein Meister aller Bosheit, und die Schlange muß all ihre Brut in sein Herz gelegt haben, - sonst wäre es nicht möglich, zu gedenken solcher Grausamkeiten von einem Bruder an seinen Brüdern durch seine und der Brüder Brüder!

[HGt.01_027,21] Daher glaube ich, wir machten ihn uns selbst untertänig und dienstpflichtig und ließen ihn nach und nach entgelten vom Volke seine Grausamkeit mehrfältig statt der Majestätsgebühr; und so kann er dann den rechtlichen Tribut auf seinen eigenen Rücken nehmen und tragen, wohin er will."

[HGt.01_027,22] ,Recht und weise ist deine Rede, Bruder Huid", sprachen die Versammelten, ,und dem Hanoch geschehe das nach deiner Rede, welche uns alle traf in die Mitte des Auges, das da oft geschaut hatte seine großen Frevel!"

[HGt.01_027,23] Und siehe, da erhob sich der Hlad und sprach in bündiger Kürze: ,Brüder, ihr wißt, wie ich gefühllos gegen alles sein mußte, um gewisserart das strenge Recht zu personifizieren oder die willkürliche Grausamkeit Hanochs als unerbittliches Recht darzustellen, und mußte daher zu allen diesen seinen bösen Spielen gleiche billigende Miene machen. War ich auch nicht der Schläger selbst, so war ich doch der Aufseher dabei und mußte zählen die Streiche Huids und aller seiner Helfershelfer und sie dankbar überbringen allezeit dem Hanoch. Seht, damals mußte ich gefühllos scheinen, da ich es nicht im geringsten war; nun will ich mich umkehren, wie ihr seht! Gegen Hanoch will ich sein, was ich so oft zu sein scheinen mußte dem Volke, unsern Brüdern; und den Brüdern aber will ich sein warm, ein kalter Entgelter ihrer von Hanoch erlittenen Unbilden an Hanoch selbst. Meine Treue gegen ihn sei kalte Vergeltung, und mein Fleiß soll mich machen zum ersten unter euch, und die Stimme seines Lobes soll ins Heulen und Brüllen verwandelt werden und soll werden zu einem Ohrenschmause den so oft Mißhandelten; und mit den Blutstropfen seines Rückens sollen sich die bleichen Gestalten ihre Wangen röten!

[HGt.01_027,24] Da ich sonst mit euch allen völlig einverstanden bin, so glaube ich, daß mein Urteil kein unrechtes ist, so ich handle nach meinem Gefühle, das lange genug wie starr zusehen mußte all den Greueln und Freveln Hanochs. Denn wer Gefühl und Empfänglichkeit hat für Schmerz und Qual, der hat es gewiß auch fürs Wohltun; das habe ich gesehen zahllos oft. Daher laßt uns in der Zukunft regieren durch Wohltun. Dem, der da täte Übles, dem geschehe nach Maßgabe seiner Tat mit Nachsicht, da er auch ein Bruder ist; dem Gehorsamen und Wohltäter aber geschehe Gutes zehnfach. Und dann erst werde dem alten Gotte ein würdig Opfer dargebracht, das Ihm gewiß wohl gefallen wird, so wir Ihm das wiederbringen, was Cahin und Hanoch für uns alle so frevelnd leichtsinnig verloren haben."

[HGt.01_027,25] Und siehe, da erhoben sich alle und verneigten sich gegen Hlad und sprachen: ,O Bruder! Von uns allen ist dein Urteil das richtigste; du bist am nächsten den Kindern Adams. Daher sollst du uns ein Muster sein, nach dem wir alle unsere Verfügungen ordnen und richten werden und auch fest wollen.

[HGt.01_027,26] Das warme Blut der armen Brüder hat geschmolzen das Eis um dein Herz, und nun bricht eine Fülle der Wärme aus demselben hervor; darum handle in dieser Wärme, und erwärme uns alle mit deinem Überflusse!"

[HGt.01_027,27] Und siehe, es erhob sich auch der Uvrak und sprach: ,Brüder, seht und hört! Alle eure Urteile sind richtig, recht und gerecht; aber das des Hlad ist nach meiner scharfen Erkenntnis das einleuchtend richtigste. Und somit bin ich bis auf eines ganz seiner Meinung, und dieses eine ist von großer Wichtigkeit, die da ist: Große, vorsichtige Schlauheit in allem, was wir nur immer unternehmen. Denn seht: Rechttun, wohltun, richtig und rechtlich urteilen, gerechte Vergeltung, eine sichere Ordnung, - das sind Dinge, die von großem, öffentlichen Nutzen sind fürs Volk sowohl, als auch für uns alle; und alle diese Dinge langen aus zwischen uns und dem Volke. Aber nun wissen auch alle freien Bürger der Stadt Hanoch, daß wir Fürsten und Hanoch für diese Dummköpfe ein wahrer Gott ist, was sich nun keiner von ihnen, um tausend Prügel nicht, wird nehmen lassen; und mehr als alle diese Freien ist all unser Volk in diesem Wahne gefestet.

[HGt.01_027,28] So wir nun aber alsogleich unsere Hände an Hanoch legen, so werden wir dadurch sie alle gerade auf uns hetzen; und so der Hanoch hinzutreten würde in ihre Mitte und ihnen erläutern würde, daß wir ihm die Hände gebunden haben, damit er nicht hätte abwehren können unsere Mißhandlungen, die wir an ihnen verübt haben, - so dieses geschieht, fällt das Volk über uns her, und wir gehen zugrunde unter der Last der Massen.

[HGt.01_027,29] Daher ist List und große, vorsichtige Schlauheit unumgänglich nötig, wenn wir unsere Pläne durchsetzen wollen, damit die Sache uns kann nütze werden. Da ich nun sein geheimster Ratgeber war in allen Sachen, so weiß ich auch am besten, wie die Sachen stehen. Daher ist meine untrügliche Meinung diese: Dem Hanoch wenigstens drei Jahre lang den verlangten Tribut scheineshalber entrichten, unterdessen das Volk gut halten, damit es uns anhänglich werde, und dann öfter die Tüchtigeren an Verstande belehren über das nichtige Wesen Hanochs und über alle seine Betrügereien und allergröbsten Anmaßungen, ihnen zeigen Spuren des alten Gottes und ihnen dazu noch begreiflich machen, wie von uns alles, so hart es auch sein mochte, nur darauf angelegt war, sie endlich aus dem harten und schweren Joche Hanochs als Brüder zu retten, und daß dieses jetzt hat geschehen müssen, denn sonst wären sie alle sämtlich umgebracht worden.

[HGt.01_027,30] Ich gebe euch meine vollste Versicherung: Wenn wir das Volk so unterrichten und behandeln es nach Hlads Meinung, so sind wir im unberechenbaren Vorteile, und ich glaube, selbst der alte Gott wird uns da die Herrschaft nicht streitig machen, so wir Ihm auch noch dazu ein Opfer geben wollen. Dann erst bin ich auch sicher, daß der Hanoch vom Volke erfahren wird, dessen schon sehr weise erwähnt haben meine einsichtsvollen und übererfahrenen Vorredner Huid und Hlad.

[HGt.01_027,31] Beherziget wohl meine Rede, ihr meine Brüder und hohen Söhne Cahins!" - Und siehe, alle verneigten sich und sprachen: ,Amen, so soll es geschehen, damit eines jeden Rede gültig werde gegen Hanoch, den verruchten Ächter unseres Vaters und schändlichen Frevler des alten, mächtigen Gottes."

[HGt.01_027,32] Da ließen sich die anderen wieder auf ihre Sitze nieder; aber der Farak blieb stehen und blickte erst ernst um sich herum, als wollte er sehen, ob nicht hinter jedem Redner noch etwas verborgen geblieben wäre, womit sich keiner ans Tageslicht wagte; und was er suchte mit den Augen, fand auch bald und leicht sein Verstand. Nun fing er an gewaltig zu reden, und seine Rede schonte niemanden gleich einem Schwerte auf dem Schlachtfelde, sagend:

[HGt.01_027,33] ,Brüder - so ihr noch wert seid dieses Ehrennamens -, ich habe vernommen eure Reden, die ihr vor mir laut gemacht habt eure Gedanken und hieltet aber verborgen eure Begierden hinterlistig gegeneinander und habt einander angelogen mit euren Plänen und seid dadurch geworden zu gegenseitigen Meuterern, da ein jeder von euch im Sinne hat, sich heimlich davonzumachen und dem Hanoch anzuzeigen, daß er aus übergroßer Treue zu ihm vor dem wichtigen Antritte der Regierung seiner Weise eine Versammlung der Fürsten, wie sie soeben vor uns ist, zuwege gebracht habe und habe sie alle zu stimmen gesucht, daß sie ein schändlich Urteil von sich gaben über Hanoch, damit dem Hanoch dann klar würde, welchen Händen er die zehn Regierungen anvertraut habe, - wodurch dann der Hanoch ihn ausrüsten würde mit aller Macht und ihn dann setzen möchte zum Alleinfürsten über uns alle; die übrigen könnten dann leichtgläubiger Folge Hanochs das Los Cahins unter sich teilen.

[HGt.01_027,34] O ihr Schurken, ihr Auswürfe aller Bosheit! Fragt euch alle selbst, ob nur je ein ehrlicher Zug euch zu etwas gemacht hat! Denn alles, was ich bin und ihr seid, ist euch zu werden gelungen durch List, Schlauheit, Betrug, Schmeichelei und Heuchelei. Hat das arme Volk noch nicht gelitten genug? Ist es nicht schon ohnehin so elend geworden, daß es beinahe keinem Menschen mehr gleicht? Hat es nicht schon ohnedies beinahe den letzten Tropfen Blutes unter euren Hieben vergossen? Und was haben wir ihm je dafür Gutes getan, daß es uns so lange willig ernährt hat für nichts als für Mißhandlungen aller erdenklichen Art?! Haben sie, die ihr Tiermenschen nanntet, nicht die nämlichen Rechte auf alles, was die Erde trägt? Und es war ihnen untersagt, zu essen von all den Früchten, die da reif geworden sind, sondern bloß von den faulen! Und ihr seid damit nicht zufrieden, sondern wollt es noch tausendmal unglücklicher und elender machen, als es schon ohnehin ist?!

[HGt.01_027,35] Dadurch bewogen sage ich euch allen ohne Scheu: So ihr regieren wollt das arme Volk, dessen ihr nicht wert seid, daß es eure Brüder sind, so laßt alle Bosheit und Hinterlist, und leitet sie im Angesichte Gottes, des wahren und alten, und seid auch dem Hanoch wahre Brüder und nicht Betrüger eurer Kröpfe und Gurgeln wegen, und machet euch dessen würdig durch wahre Treue, wozu ihr geworden seid durch Betrug und List, sonst wird der alte Gott eure Opfer nicht ansehen und wird zu Hilfe kommen den Schwachen wider euch und euch machen zu Sklaven der Bestien, denen ihr den Namen gabet, der auf eurem Grunde gewachsen ist! Bedenket wohl die Rede des Grausamen, amen."

[HGt.01_027,36] Siehe, als der Farak seine Rede beendet hatte, da blieben die andern wie angemauert sitzen und wußten auch nicht ein Wort zu ihrer Entschuldigung über ihre Lippen zu bringen, und es dachten die meisten bei sich: ,Der ist uns heimlich bei dem alten Gotte zuvorgekommen; denn wie konnte er uns sonst so haarklein durch und durch schauen?! Und da es nun einmal so ist, wer wird an seiner Seite bestehen?! Wäre er zu vernichten, dann wäre es ein leichtes; aber nun - wer wird seiner Macht sich zu widersetzen vermögen? Ehe wir noch eine Hand heben, wird die seine uns schon vernichtend treffen; daher wollen wir ruhig abwarten, was die Sachen für Wendungen nehmen werden, und da wird es sich dann wohl zeigen, was da ferner zu machen sein wird."

[HGt.01_027,37] Und siehe, da nun niemand mehr zu reden wagte, da trat noch einmal der Farak hervor und fragte sie: ,Nun, wie ist euch denn? Hat denn keiner mehr den Mut, als Redner aufzustehen und mir zu entgegnen? Wo ist nun eure List, euer Betrug, eure Schlauheit, eure Schmeichelei, eure Heuchelei, wo eure Lügen, wo eure Macht, wo euer Fürstentum und wo euer betrogener Gott Hanoch?

[HGt.01_027,38] Ja, ich sage euch, eure stumme Gedankensprache ist nicht entgangen meinem Ohre, und wie sich die Sachen auch wenden mögen, so werdet ihr auch ganz richtig machen, was da zu machen sein wird nach Recht und Billigkeit; und wer von euch nicht danach handeln wird genau, der wird geächtet werden gleich dem Cahin, von dem ihr saget, daß er euer Vater ist, da er doch nach Recht handelte, - nur zu blind und streng, wodurch er sich gefangennahm, und fliehen mußte vor seinem eigenen Werke. Wohin, - das weiß niemand als der alte Gott; und so Er es jemand wollte kundmachen, so würde der es wissen. Allein das ist nicht Sein Wille. Seht, er war gerecht aus Furcht vor dem Gerichte des Alten, und er fehlte dadurch in aller Handlung, da er nichts aus Liebe tat, die ihm doch geboten war vom alten Gotte vor allem.

[HGt.01_027,39] Ihr habt sogar alle Gerechtigkeit aus dem Felde geschlagen und an ihre Stelle List, Betrug, Schlauheit, Lüge und andere zahllose Schändlichkeiten mehr noch dazugesellt, die keine Namen haben ihrer Ruchlosigkeit halber, und glaubet, der alte Gott wird gleich bereitwilligst euch unterstützen in allen euren Niederträchtigkeiten, deren Zahl kein Ende hat, so ihr Ihm nur irgendein blindes Feuer als Opfer vormachen werdet. Oh, ihr irrt euch gewaltig; dieser Alte hat scharfe Augen und kennt genau euer ganzes Wesen, wie es beschaffen ist vom Ersten bis zum Letzten. Daher ist Sein Ohr ferne von euch und wird euch nie mehr erhören in eurer grenzenlosen Verruchtheit, so ihr auch die ganze Erde Ihm als Opfer anzünden würdet, so ihr nicht zuvor eure Herzen reiniget mit dem Feuer einer unbegrenzten Liebe zu euren durch euch schwachen Brüdern und unglücklichen Schwestern und euch enthaltet von aller Hurerei, die Männern von zweihundert Jahren ganz unbegreiflich schlecht ansteht zu einem Fürstenamte.

[HGt.01_027,40] Nun beantwortet meine Fragen, so ihr könnt, oder sagt, was ihr nun noch entschlossen seid zu tun, mir so gerade ins Angesicht, wie ich es euch ohne Scheu gesagt habe, so ihr euch getraut; denn ich strebe nach keiner Herrschaft noch nach irgendeinem Fürstentume wie ihr, sondern nur nach der genauen Erfüllung der mir auferlegten Pflichten meines Amtes und nach dem Wohlgefallen des Alten, - daher ich auch nie ein Unrecht beging, noch geschändet habe ein Weib, noch eine Jungfrau, und noch weniger Fräulein von zwölf Jahren und darunter, wie ihr, weswegen ihr mich auch den Grausamen genannt habt, da ich nicht wollte sein gleich euch ein fauler Schurke!

[HGt.01_027,41] Dies sollen meine letzten Worte sein, damit ihr wißt, wen ihr vor euch seht, nämlich mich, den Grausamen, den ihr aber nie näher kennen sollet als nur so weit, als es die höchste Not erheischt, wie die gegenwärtige ist, damit nicht alles ewig - ja, ich sage ewig - zugrunde gehen möchte im wieder erweckten Zorne des alten, ewigen, heiligen Gottes! Daher frage mich keiner je näher, woher und wodurch! Amen."

 

28. Kapitel

[HGt.01_028,01] Und siehe, da von allen, die da schon geredet hatten, keiner wagte, eine Gegenrede zu halten an den Farak, so erhob sich endlich der Molakim und richtete seinen Mund gerade gegen Farak, ihn scharf ins Auge fassend und sagend: ,Bruder, deine Rede war scharf und traf einen jeden in seine Mitte; allein siehe, was unsere Reden betrifft, so ist deren Sinn gut und recht bis auf die Verwerfung Hanochs; nur sind sie entwürdigt worden durch innere, falsche Begierden, die in uns erst sind wach geworden beim Anblicke der uns anvertrauten Fürstenämter.

[HGt.01_028,02] So wir aber vertilgen in uns alle diese frechen Begierden und wollten auch werden wahre, treue Brüder, wie des Volkes, so auch des Hanoch nach Maßgabe des Rechtes und der Billigkeit, werden wir auch dann noch Schurken sein?"

[HGt.01_028,03] Und der Farak antwortete: ,Die Begierde ist das Leben des Willens; so ihr also aber wollt vertilgen jegliche Begierde in euch, woraus wollt ihr dann handeln als Fürsten?! - Daher soll keiner erdrücken die Begierden in sich als den Funken der Liebe in Gott; aber nur keine falsche Richtung sollen dieselben nehmen.

[HGt.01_028,04] Die rechte Richtung derselben ist, Gott in seiner Liebe zu gewinnen trachten, und danach alle Handlungen richten nach der Erkenntnis des allerhöchsten Willens in uns, der in aller Demut erhalten wird die Eigenliebe in uns durch das Gefühl ihrer Nichtigkeit und unbegreiflichen Schwäche in ihr.

[HGt.01_028,05] Die falsche Richtung derselben aber ist die Selbstsucht oder die gänzliche Blind- und Taubheit des Willens in uns, und alle Handlungen aus demselben richten sich nach den eigenen Bedürfnissen und lassen die der ebenbürtigen Brüder unbeachtet.

[HGt.01_028,06] Siehe, die falschen Begierden blähen sich dann durch ihre stets wachsende Mehrheit in uns auf und erdrücken die Demut und erzeugen die Hoffart durch ihre Last, in welcher Lage sich dann der Mensch erleichtern möchte seine große Bürde; allein da er als Blinder nichts sieht und als Tauber nichts hört, was ihm helfen könnte, so hascht er in seiner falschen Begierde nach allen erdenklichen Mitteln, die seine Blind- oder Eigenliebe nur zu ersinnen vermag, und häuft dadurch nur neue Lasten auf Lasten, die in ihrer größten Überlast erdrücken das Leben aus Gott in uns und machen uns zu Tieren der Erdmaterie und zur Speise des Todes, der da zu Hause ist überall in der Materie, sowohl im Feuer als auch im Wasser, in der Luft und in der Erde, welche ist eine Mutter des Fleisches oder des Todes; denn wo ein Fleisch ist, da ist auch ein Tod. Somit werden wir auch alle sterben im Fleische.

[HGt.01_028,07] Wer demnach ist in der Eigenliebe, der ist in der Liebe seines Fleisches; wer aber sein Fleisch liebt, der hat die Begierde nach dem Tode, und der Tod wird in seine Begierde übergehen und ihn gefangennehmen in allen Fasern des Lebens und somit ihn verzehren und töten. Und so wird er werden zum Unrate des Todes und wird düngen die Äcker, da gesät ist die Frucht des ewigen Verderbens. - Jetzt wisset ihr alles; handelt und lebet, oder tut und sterbet, amen."

[HGt.01_028,08] Und siehe, da nahm wieder der Molakim das Wort und sprach: ,Brüder, ihr kennt mein Amt und Fach; ich war nicht vom Hanoch, noch vom Volke dazu gemacht, sondern von euch allen mit Ausnahme des Farak, daß ich anlöge den Hanoch und so auch das Volk; nur euch allein mußte ich zeigen den Mittelpunkt meiner Wissenschaft. Nun aber werfe ich links und rechts die Blendungen zu den Füßen Faraks und sage offen und getreu: Wenn ein Gott vom Himmel kommen wird, so wird seine Rede nicht weiser sein als die des Farak!

[HGt.01_028,09] Ich bekenne frei, wäre er nicht unser Bruder, so würde ich vor ihm niederfallen und ihn anbeten; aber er ist ein Mensch wie wir, - woher kommt ihm diese große Weisheit?!

[HGt.01_028,10] Seht, ich bin blind und taub wie ihr; aber ein inneres Rauschen sagt es mir: Siehe, Gott spricht durch den Mund Faraks unsichtbar! Diese Stimme sollen wir hören, sehr wohl beachten und danach handeln, so wir leben wollen; sonst werden die Tränen unserer Brüder sich ansammeln zu einer großen Flut und uns ersticken sämtlich in unserer großen Hurerei, Betrügerei und Frevellist."

[HGt.01_028,11] (Und siehe, da wurde auch ermutigt der Uvrahim, trat vor und sagte: ,Amen, - Dank sei dem alten Gotte, daß Er gnädigst geöffnet hat den Mund Faraks, unseres Bruders, ohne den wir sämtlich wären zugrunde gegangen, da wir alle schon tief gefangen waren in unseren todbringenden Begierden und wollte einer sein dem andern ein Verräter, damit der Tod über uns alle gekommen wäre, so oder so, als gerechtes Gericht aus der Höhe der Heiligkeit oder aus der Tiefe des Zornes des alten Gottes.

[HGt.01_028,12] Ich war ein feiner Schmeichler und wirkte dadurch mehr Böses als ihr und der Hanoch mit aller Gewalt; denn wäre ich nicht gewesen, er hätte lange schon seine Göttlichkeit, welche eigentlich ich auf das Eingeben Uvraks mit der Hilfe Nohads und Thahiraks ihm aufgeschmeichelt habe, fahren lassen, nachdem er mir öfter schon heimlich bemerkt hatte, daß ihm diese Gottheit innerlich sehr viel Angst bereite und ihn nicht ruhen lasse bei Tag und bei Nacht, so er allein ist, und daß er dann öfter schon verwünscht habe diesen unglücklichen Gedanken Uvraks, den er nun des Volkes wegen nicht mehr loswerden könne, - und doch brenne er ihn mehr denn alles Feuer in seiner Brust.

[HGt.01_028,13] Und nun seht, hier lege ich alle meine Schmeichelei nieder mit der Überzeugung, daß die Weisheit Faraks auch leicht heilen wird nach und nach diese große Wunde unseres Bruders, so wie sie hoffentlich uns allen die Augen geöffnet hat, damit wir ersehen möchten den Abgrund, an dessen lockerem Rande wir uns alle neun behaglich befanden, nicht ahnend die große Gefahr, zu verlieren das Leben und somit auch alles, was nur durch dasselbe irgendeinen Wert hat.

[HGt.01_028,14] Und du, teurer Bruder Farak, sei mir und uns allen ein treuer Wegweiser zum Lichte aus den Höhen des wahren Gottes, der uns fremd geworden ist gleich unserem Erzvater Adam, und leite uns alle nach dem dir wohlbekannten Willen des allein wahren Gottes, und so auch alles Volk als ebenfalls unsere armen, unschuldigen Brüder, an deren Vergehungen wir allein schuld sind durch unsere grenzenlose Bosheit; und was du, o Bruder, für gut finden wirst als den nun nur dir allein bekannten Willen von oben, das wollen wir mit vereinten Kräften mit der Gnade von oben gerne und allezeit bereitwilligst in die genaueste Ausführung bringen.

[HGt.01_028,15] Daher lege ich auch hier mein Fürstentum nieder zu den Füßen des Freundes Gottes, des wahren, und werde mich nur glücklich preisen, mich einen getreuen Knecht nennen zu dürfen vor dem einzigen in diesem Lande, der da Gnade gefunden hat aus so vielen Tausenden vor Gott, dem alleinig wahren und einzigen, der nicht mehr hat einen, der da wäre seinesgleichen.

[HGt.01_028,16] Daher vernehmet alle meinen wohlabgewogenen Willen: Die Stadt Farak sei uns allen eine heilige Stadt. Da wollen wir uns allezeit einen weisen Rat holen, um danach weise handeln zu können. Er selbst aber sei unser Fürst und Leiter nach der Weisheit Gottes in ihm und sei der alleinige Mittelpunkt zwischen uns, dem Hanoch und all dem Volke, damit wir würdig werden möchten, nicht etwa Fürsten zu werden, woran nichts gelegen ist, so wir gesehen haben Gottes Weisheit, sondern nur als willige, treue Knechte angesehen zu werden, die da Freude haben werden und sollen an dem Wohle der Völker und an der Weisheit Gottes in unserm Bruder Farak und an der vollen Wiedergenesung Hanochs und somit auch alles freien und dienstbaren Volkes.

[HGt.01_028,17] Amen, sage ich in aller Namen; und du, o Bruder Farak, sieh mich an in deiner Weisheit, und sei uns allen ein Bruder, ein Fürst, ein Leiter, ein Ratgeber und ein weiser Freund! Amen."

[HGt.01_028,18] Und siehe, die Rede Uvrahims belebte neu den Thahirak, wie auch die übrigen, die gesprochen hatten vor dem Farak gleisnerische Worte voll Eigennutz; und so begann auch er noch zu reden als einer, der ein Träger und wahrer Sparkasten alles Übels ist, und auch als einer, der sich göttliche Rechte und Dinge anmaßte - als Gottes für alle Ewigkeiten unantastbare Heiligkeit, Seine Gerechtigkeit, Seine Liebe, Seine Allmacht, ja am Ende sogar die ganze Schöpfung, als könnte er sie mit einem Finger zerstören, da er, wie er oft sagte, hinter die Schliche des alten Gottes gekommen sei und er sich auch sogar getraute, es mit Meiner Kraft aufzunehmen und offene Fehde zu erklären Meiner Allmacht -; und da Ich aus Liebe nicht wollte das große Schwert Meines Grimmes ziehen gegen einen elenden Wurm des Staubes - als der Unendliche gegen ein Nichts, das kaum erschaut werden kann wegen seiner unaussprechlichen Kleinheit gegen Meine ewige Größe und unendliche Macht -, so sagte er jedermann: Meine Schwäche habe Furcht vor seiner Stärke.

[HGt.01_028,19] Was sagst du, Mein Knecht, zu solcher Aufforderung?

[HGt.01_028,20] Und siehe, diese war doch noch nicht so lächerlich als die, welche Mir von euch zur Stunde gemacht werden tausendfältig ärger, als diese da war.

[HGt.01_028,21] Denn siehe hin an die Wurzel eures Priestertums! Wenn er redet, der Weltheilige auf dem Throne, da muß Ich im Ernste schweigen und Mich auch hüten, mit jemand zu reden; so er's erfahren würde, da wäre Mein Sprechling nicht sicher mit seinem Leibesleben.

[HGt.01_028,22] Ich brauche auch den Dorn in Meinem Auge nicht näher zu bestimmen, da ihr ihn ohnedies leicht finden werdet. Allein nur noch eine kurze Zeit! - Und nun wieder zur Sache!

[HGt.01_028,23] Und siehe, dieser Thahirak fing nun auch, wie ein Blitz sich wendend, an, eine gewaltige Schlußrede an die Versammlung zu richten in aller Kürze, und sprach: ,Brüder, die ihr weise und gewaltig geredet habt vor mir, daß ich erschüttert wurde bis in den innersten Grund aller meiner Bosheit und erschaut habe meine Nichtigkeit und meine grundlose Schwachheit und vernommen habe all mein großes Unrecht in all meinem Tun und Handeln, - ich brauche deiner Weisheit, Bruder Farak, nicht erst herzuerzählen all meine Schändlichkeiten, da selbst den Unweisen hinreichend bekannt ist mein bisheriges Amt und Fach in der allerruchlosesten Frevelei.

[HGt.01_028,24] Seht, ich bin zu schlecht für eure Versammlung, um irgendein Wort zu führen zu einer Entschuldigung, sondern nur so viel sage ich, daß ich ein Grundstein bin alles Übels unter euch und dem Volke und dem Hanoch; daher mache ich auf gar nichts irgendeinen Anspruch, weder auf ein Fürstentum, noch auf eine Knechtschaft, noch weniger auf eine Dienerschaft, sondern mir geschehe von euch wie dem Vater Cahin. Und so wird der Grundstein aller Bosheit ausgehoben werden von dem lockeren Gebäude alles Frevels, daß es dann zusammenfallen werde und ein besseres Gebäude der gerechten Weisheit Faraks aus Gott, dem Wahren und Mächtigen, an seiner verabscheuungswürdigsten Stelle für alle Zeiten dauernd errichtet werden möge.

[HGt.01_028,25] Seht, Brüder, das ist der einzige Lohn, den ich von euch allen am meisten wohl verdient habe, - wodurch ich keine unbillige Forderung an euch zu machen hoffe, da ich nun wohl weiß, daß der alte Gott keine Gnade und Erbarmung mehr haben kann und darf mit mir Seiner Heiligkeit wegen, die ich allein geschändet habe namenlos.

[HGt.01_028,26] Daher habe ich nun ausgeredet zur Genüge und erwarte in aller Zuversicht und Demut ein gerechtes und ganz billiges, wohlverdientes Urteil von der göttlichen, rechten und starken Weisheit Faraks!

[HGt.01_028,27] Und so ihr mich wollt mein Weib und meine Kinder lassen mitnehmen auf die Flucht dem Cahin nach, so möge das jedoch eurer Erbarmung anheimgestellt sein. Und so geschehe mir dann nach dem Willen Faraks, amen."

 

29. Kapitel

[HGt.01_029,01] Und siehe, da erhob sich noch einmal der Farak und sprach: ,Sieh, Bruder Thahirak, Gott und alle freien Geister können das Geschehene in alle Ewigkeiten der Ewigkeiten nicht mehr ungeschehen machen; um so weniger können es wir schwache Menschen! Denke selbst, wenn es nur irgendeinen Funken göttlicher Weisheit bei einem Menschen gibt, ob diese nicht so urteilen und also reden müßte:

[HGt.01_029,02] Dieser Mensch hat gefehlt gewaltig aus seiner böswilligen Erkenntnis, da er nicht hatte Gnade von oben und war blind in seiner Selbstsucht zu seinem größten und aller ihn Berührenden Schaden; nun aber kam durch die Barmliebe Gottes ein heller Blitz, begleitet von starkem Donner, von oben und machte ihn sehen seine ganze Verworfenheit und hören die Unzahl seiner Greuel. Und nun finge dem Menschen an zu bangen, und er würde dann bereuen ernstlich all sein böses Tun aus dem Grunde seines Herzens und würfe somit alle seine Bosheit von sich und gäbe auch seinen Willen gefangen der Gnade Gottes, - sage mir, was würdest da selbst du tun einem solchen? (Antwort: Vergeben, und ihn ansehen, als hätte er nie gefehlt, und große Freude haben, daß ein so weit Verirrter sich wieder gefunden hat, und gefunden hat einen Ausweg aus den Kerkern des finstern Wahnsinns zum Lichte der göttlichen Gnade!) Du hast recht und richtig geantwortet, so du doch nur ein Mensch bist; und wie viel mehr aber wird der allerweiseste Gott als der Urgrund aller Wahrheit und Liebe diese Richtigkeit billigen, da Er am besten weiß, wie und wodurch und warum wir sooft gefehlt haben!

[HGt.01_029,03] Nun denn wisse: Wir lieblosen Menschen richten unsere verirrten Brüder nach der Anzahl der Verbrechen, ob da Reue oder keine Reue da war; Gott aber richtet aus Seiner Liebe und Weisheit keine begangenen und bereuten, sondern nur die begehenden und unbereuten Fehltritte. Obschon das Geschehene nie vergehen wird, sondern aufbewahrt bleibt in der unvergänglichen Erinnerung Gottes als ein dunkler Fleck auf der Linie unseres Lebens; aber gerichtet wird die Linie nicht im Anfange, noch in der Mitte, sondern am Ende, da dieselbe wächst und sich verlängert entweder gerade nach der Liebe und dem Rechte aus ihr, oder ungerade und krumm nach der Bosheit und aller Ungerechtigkeit aus ihr.

[HGt.01_029,04] Und siehe, so hat die Kraft der Weisheit aus Gott nun auch geradegemacht deine Krummheit, und so sollst du dich nicht selbst richten, sondern von nun an in der geraden Richtung deine Lebenslinie verlängern hin zum wahren Gott in aller Treue und Gerechtigkeit und dich öfter umsehen nach der von Gott nun geradegemachten Linie, damit du fürder nicht abweichest von der geraden Richtung, da du dann leicht entdecken wirst irgendeinen Abbug, um alsogleich auszugleichen denselben mit der Gnade von oben, die dir dann erleuchten wird das große Ziel deines Lebens im Reiche der ewigen Liebe und alles Lebens aus ihr.

[HGt.01_029,05] Und nun geh, übernimm in aller Treue, was dir geboten ist vom Hanoch, und sei eingedenk dieser meiner Rede, so auch ihr übrigen alle samt mir, dem Grausamen, und seid Brüder Hanochs, Brüder unter euch und Brüder des zu leitenden Volkes nach dem Willen Gottes des Mächtigen, Kräftigen, Starken, Allerweisesten und Liebevollsten. Amen."

[HGt.01_029,06] Und auf diese Schlußrede erhoben sich alle und verneigten sich gegen Farak und sprachen: ,Farak, du Weiser aus der alten Weisheit Gottes! Wir erkennen nun alle deine große Macht und unbegreifliche Einsicht in allen Dingen; obschon wir nicht einsehen, wie du dazu gekommen bist, so wollen wir aber doch tun, wie du es für gut und recht findest, weil wir sehen, daß deine Weisheit auf Liebe beruht, die niemand den kürzeren ziehen läßt, wenn man noch dazu wandeln will ihre sanften Wege, was wir nun alle tun werden und wollen aus deiner und nach deiner Weisheit.

[HGt.01_029,07] Und du aber sieh, daß du auch den Hanoch zurechtbringst wie uns, amen."

[HGt.01_029,08] Und siehe, da verließen alle ihre Plätze und begaben sich in ihre Städte und taten da nach dem Rate Faraks weise und gut, und es frohlockte alles Volk unter ihrer Leitung.

[HGt.01_029,09] Und als Farak nun auf ähnliche Weise leicht auch bekehrt hatte den Hanoch, da stand der Hanoch auf und ergriff die starke Hand Faraks und sagte: ,O Bruder, du hast wahr gesprochen und wohl getan; denn wo ein Geschöpf lebt, da ist auch noch Liebe und Gnade von oben zu erwarten wie bei mir; nur im Tode hat alles aufgehört. Nun lebet noch alles, - so läßt sich auch noch vieles wieder gutmachen; daher will ich alle Wunden wieder heilen, die meinen Völkern sind geschlagen worden, und das alles an deiner weisen Bruderseite, die da durch so große Einsicht vermocht hat, ein so großes Unglück abzuhalten von mir, dem arg Betrogenen, und so auch vom armen, betrogenen Volke."

[HGt.01_029,10] Und siehe, so ging dann diese nun etwas bessere Regierung mehr denn fünfhundert Jahre so wellenförmig fort, auch selbst noch unter den Söhnen, das heißt Kindern und Kindeskindern Hanochs, als da waren sein jüngster Sohn Irad (der Heftige, als Schüler Faraks), regierend hundert Jahre, dessen jüngster Sohn Mahujel (der Fatalist oder Schicksalsprediger), auch regierend hundert Jahre, dann dessen jüngster Sohn Methusael (der Zielstecker und Erfinder der Natur und ihrer Kräfte), regierend hundertundzehn Jahre, und endlich dessen schon beinahe ganz Meiner vergessender Sohn Lamech (der Erfinder der Todesstrafen, die unter seiner Herrschaft vorzüglich gang und gäbe wurden),regierend zweihundert Jahre.

[HGt.01_029,11] Aber siehe, bei Lamech muß Ich ein wenig länger verweilen, da mit ihm alles Herrschertum aufhört und die Abgötterei und die Mammonie an seine Stelle treten, so auch die verfluchte Naturphilosophie als das größte Meisterstück der grenzenlosesten Schlangenbosheit.

[HGt.01_029,12] Und siehe, Lamech war eigentlich vermöge seiner Mittegeburt nicht berechtigt zu herrschen, da nach der urherkömmlichen, festgesetzten Sitte nur der jüngste Sohn, und nur im Sterbe- oder sonstigen Unfähigkeitsfalle dann der Erstgeborene, und stürbe auch dieser, erst der Mittelbürtige berechtigt war zur Übernahme der Regierung.

[HGt.01_029,13] Nun aber lebte noch ganz wohl Methusaels ältester Sohn Johred (der geheime Weise nach der Art Faraks, des schon lange Verstorbenen), und dessen jüngster Bruder Hail (getreuer Schüler Johreds und rechtmäßiger Herrscher).

[HGt.01_029,14] Und siehe, Lamech aber, ein roher, finsterer, ehrsüchtiger, meineidiger Mensch, der sich ganz wohl für seinen Ehrgeiz herausphilosophiert hatte, daß er gleichermaßen berechtigt sei zu herrschen, ergrimmte in sich über die alte Sitte; und da er auch noch dazu umgeben war von einer gleichgestimmten, bösen Spießgesellenrotte, so hielt er einmal, als gerade durch den Tod Methusaels die Zeit des Regierungsantrittes Hails herbeigekommen war, in dieser herrschsüchtigen Hinsicht eine arge Ratsversammlung, um zu erforschen, was da zu tun sein möchte, um seinen bösen Zweck sicher zu erreichen.

[HGt.01_029,15] Und siehe, einer, der da hieß Tatahar (das ist ein Blutdürstiger, auch ein Bluthund), gab ihm den grausen Rat, sagend: ,Wir sind unser siebenundsiebzig an der Zahl, stark wie die Bäume, verwegen wie die Tiger, mutig wie die Löwen und grausam wie die Hyänen, und du aber bist ein Meister von uns allen; so glauben wir, es sollte dir nicht schwer werden, mit einer tüchtigen Keule in der Hand Johreds Weisheit ein Ende zu machen im Walde dort nächst den Bergen, da wir letzthin die Tiger jagten. Und hat dann irgendeine gefräßige Hyäne seine Knochen zermalmt mit ihren scharfen und starken Zähnen, so kannst du ihr hernach aus Dankbarkeit zum Konfekte auch noch den Buben Hail hinzuwerfen, was für diese hungrigen Waldbestien eine willkommene Mahlzeit sein wird. Dann sagen wir dem Volke, daß sie auf einer Hyänenjagd in zu großem Vertrauen auf ihre geheime Weisheit, alsomit tollkühn, im Gebirge von den Hyänen zerrissen und gefressen worden sind. Und da du dann der alleinige rechtmäßige Nachkomme Cahins, Hanochs, Irads, Mahujels und Sohn Methusaels bist, wer wird dir dann noch die Herrschaft und die Regierung streitig machen?!

[HGt.01_029,16] Nun, Lamech, was meinst du, - ist der Rat nicht, wie kein anderer, sicher zum Ziele führend? - Geh und handle, wir sind dir zur Seite, und der Erfolg ist außer Zweifel!"

[HGt.01_029,17] Und siehe, dieser Rat kam dem Lamech wie gemessen recht, und er suchte noch am nächsten Tage Gelegenheit dazu, - fand sie auch bald mit Hilfe der Schlange. Da er bemerkte, daß Johred mit Hail nach dem Forste frohwandelte, so ging er schnell anderseits mit seiner Spießgesellenrotte nach dem Forste und erwartete daselbst hinter den dichten Bäumen die beiden Brüder; und als diese vollends im Walde sich befanden, stürzte er plötzlich auf Johred, erschlug ihn auf einen Streich und tat mit dem Hail nach dem Rate Tatahars.

[HGt.01_029,18] Und siehe, den beiden aber geschah dieses deswegen, weil sie stolz auf ihre Weisheit geworden waren, da sie als Fürstensöhne vergessen hatten, daß die wahre Weisheit nur in der größten Demut besteht, und daß, sobald diese hintangesetzt wird, auch Weisheit entweiht; und da das bei ihnen der Fall war, so war ihnen auch nicht zu raten, noch zu helfen, ohne ihre Freiheit notwendig verletzen zu müssen, was Ich nicht tun kann auch nur im Allergeringsten, da der geringste Teil der Freiheit unendlich höher steht als alles Natur- und Leibesleben aller lebendigen Wesen der Erde. Daher auch die zugelassene Macht in Kriegen, wenn auch nur eines einzigen Menschen Willens- und Tatenfreiheit wegen.

[HGt.01_029,19] Dieses sei auch dir, Mein ziemlich tüchtiges Rüstzeug, eine Warnung, so du dich übernehmen mögest (weder heimlich, noch weniger offenbar) vor deinen Brüdern, da Ich dir gegeben habe die Gabe der Weisheit. Denn siehe, so du unzüchtig würdest, oder stehlen in der Not, oder schwelgen und lumpen wie immer, so oder so, dann würde diese Gabe seltener Art bei den Menschen schwach werden in dir; würdest du aber darauf stolz werden, dann würde Ich dir sie alsogleich nehmen, dich nackt lassen und verlassen im Walde des Irrtums, und da würden dann die reißenden Bestien herbeikommen, dich verzehren, daß endlich nichts mehr von dir übrigbliebe als ein schlechter Name.

[HGt.01_029,20] Siehe, in der Demut hast du es erhalten, in der Demut mußt du es behalten, und in aller Demut mußt du es auch an alle Brüder wieder abgeben.

 

30. Kapitel

[HGt.01_030,01] Und siehe weiter! - Da nun Lamech solches verübt hatte in dem Walde an seinen Brüdern an Tatahars Rotten Spitze, so kehrte er froh zurück nach Hanoch und ließ sagen und bekanntmachen allem Volke in und um Hanoch und so auch den zehn Städten und deren Umgebungen, was da widerfahren ist den tollkühnen Brüdern Johred und seinem Züchtlinge Hail, worüber sich entsetzte ganz Hanoch samt den zehn Städten und außer denselben alles Volk. Da traten die Vernünftigsten und auch etwas mehr Verständigen aus den Städten und all dem Volke, bei dreitausend an der Zahl ohne ihre Weiber und Kinder, die da zu Hause blieben, zusammen.

[HGt.01_030,02] Und so verfügte sich dann dieses kleine Heer von Männern gegen Hanoch zu Lamech, da einer für alle das Wort führte und sprach: ,Wo ist der Wald, da solches geschehen ist dem jungen Könige und seinem weisen Bruder Johred, und laß uns aufsuchen die Stelle des Greuels, um vielleicht auch noch zu finden einige traurige Überreste oder doch vielleicht noch sonstige Spuren, die uns überzeugen sollen von der Wahrheit solcher Botschaft, damit wir daselbst aufrichtig beweinen können ein so großes Unglück und hernach aufsuchen die Hyäne, die haben wird eine gewiß noch blutige Schnauze, damit wir sie erwürgen und erschlagen mit unseren Keulen und Steinschleudern ihr ganzes Geschlecht als schuldige Sühnung für Johred und Hail."

[HGt.01_030,03] ,Ja", sprach der Lamech, ,ihr habt einen rechten Entschluß gefaßt; ich als nun euer rechtmäßiger König (eigentlich ,Kann ich` oder veraltet ,Könn ig`) werde selbst in eurer Mitte ein Gleiches tun, und mein erster Diener Tatahar soll unser Wegweiser sein samt seinen wohlbewaffneten Gesellen!"

[HGt.01_030,04] Und siehe, es gefiel dem Volke der schnelle, wohlfällige Entschluß Lamechs, und sie sagten: ,Seht, seht und hört! Huhuhorah (das heißt: Es lebt noch ein rechter König!); auch er ist weise und sei unser König!"

[HGt.01_030,05] Und darauf erhoben sich alle und gingen, geleitet von Lamech, nach dem Tiger- und Hyänenwalde und fanden daselbst auch bald die noch mit Blut befleckte Greuelstätte und trauerten und weinten daselbst und klaubten die zerstreuten Kleiderreste zur traurigen Verehrung zusammen.

[HGt.01_030,06] Und als sie nun daselbst verrichtet hatten ihr eitles Trauerwerk und gesammelt hatten die wertlosen Reliquien Johreds und Hails, da verließen sie die Greuelstätte und zogen voll bitteren Ingrimms waldeinwärts in Rotten, je eine zu hundert in kleinen Entfernungen von dreißig ausgestreckten Händen, zu suchen die verruchte Hyäne; und siehe, es wollte sich nicht auch nur ein einziges Tier, viel weniger irgendeine Hyäne zeigen. So sagten sie: ,Die verruchte Bestie hat sich gewiß geflüchtet auf die Berge! - Mut! Hat auch noch nie ein Sterblicher gewagt seit Cahin, den Fuß zu setzen auf einen Berg, so wollen wir nun zum ersten Male die Bahn brechen; denn wir haben gute Ursache dazu, und kein Gott ist imstande, zu mißbilligen diesen Schritt, da wir gerechte Sache haben gegen diese verruchten, gefräßigen Bestien. Daher noch einmal: Mut, - und sollen wir alle zugrunde gehen!"

[HGt.01_030,07] Und siehe, Lamech aber antwortete darauf: ,Eure Stimme ist mein Wille und euch zum Gebote. Daher gehet und tut, wie es euch gemahnt; ich aber will hier an Tatahars Spitze euer harren und ein aufmerksames Auge haben auf irgendeine eurem starken Hiebe entflohene Bestie aller Bestien!"

[HGt.01_030,08] Da waren damit zufrieden die dreitausend und gingen ungewohnten, zögernden Schrittes und getrauten kaum sich umzusehen aus Schwindel im Angesichte ihrer erstiegenen Höhen und zurückgelegten Tiefen. Und siehe, drei Tage lang suchten sie die Hyäne, und es wollte sich ihnen aber auch nicht eine zeigen; da wurden sie es überdrüssig und hieben mit ihren Keulen an eine ihnen das weitere Fortschreiten verhindernde, mehr denn zwölf Klafter hohe und ganz wandsteile Steinwand und fluchten den Wäldern und den Bergen, die da seien eine Wohnung alles Ungetüms, und forderten Rechenschaft von den Bäumen, Felsen und Steinwänden und spützten auf die Erde die Schande ihrer Blutleckerei und verfluchten sie bis in den Grund und fluchten der Sonne, daß sie geleuchtet habe zu solcher Greueltat, und so auch allen Sternen und dem Monde, die da haben zusehen können einer solchen unerhörten Verruchtheit. Und einer von ihnen aber war der Größte und Stärkste und hieß Meduhed (das heißt ,der Stärkste`). Dieser wandte sich um und richtete eine kurze, aber sehr passende Rede an die grimmentbrannte Menge und sagte:

[HGt.01_030,09] ,Was soll da werden mit diesem Unsinn? Seht, eure Keulen zerschlaget und zersplittert ihr an dieser toten, harten, unbesiegbaren Wand und machet schlüpfrig den Rückweg mit eurem Geifer! So wir nun heimkehren werden, und es treten uns da Hyänen, Tiger, Löwen, Bären und große Schlangen in den Weg, denkt, wie ihr euch verteidigen werdet! Hat der alte Gott uns schon hier ein unbesiegbares Ziel unserer blinden, fruchtlosen Rache gestellt, wie leicht kann Er noch ein viel fürchterlicheres stellen auf dem Rückwege! Daher bedenket, daß mit dem Alten nicht gut streiten ist, da Er sogar Bäume und Steine lebendig machen könnte, so Er der Tiere zu wenig hätte, daß sie uns erschlügen und töteten allesamt unserer Torheit und unseres Ungehorsams wegen, da wir betreten haben die Berge gegen das strengste Gebot Cahins, Hanochs und Faraks, des Weisesten und Gerechtesten. Und wer weiß es, ob nicht etwa über dieser Wand höhere Wesen wohnen, wovon noch immer eine schwache Kunde ist im Volke; denn umsonst sind diese Berge nicht da! Und würde vielleicht nur ein solches Wesen unser ansichtig, was ist dann unsere Mückenzahl gegen einen solchen Riesen Gottes?! Daher laßt uns bescheiden umkehren am Tage noch, damit wir nicht zugrunde gehen unter dem Fluche der Nacht, die uns schon von jeher war ein großer Feind - wie der Tag eine Plage, jedoch nicht gerade auch verbunden mit so großen Gefahren gleich der Nacht. Daher tun wir alle nach diesem wohlerwogenen Rate. Amen."

[HGt.01_030,10] Und siehe, als nun diese Rede sie zur Besinnung gebracht hatte und sie sich darauf ermahnt hatten und den Rückweg antreten wollten, da wurde Meduhed ansichtig eines großen Mannes, stehend auf einem Vorsprunge der Steinwand; und der Mann war Seth, ein Sohn Adams und Stellvertreter Ahbels, der später mit Adam und Eva ins gelobte Land zu ziehen von Mir durch den Bruderengel Ahbel die Weisung bekam und dort die Berge zu bewohnen im fernen Angesichte des einstigen Paradieses, wovon Ich später noch etwas ausführlicher sprechen werde.

[HGt.01_030,11] Und siehe, dieser Seth redete sie mit fester Stimme an, da er noch einer war, dem die Sprache aller Geschöpfe nicht fremd geworden ist, und sprach: ,Ihr rauhen und Gott gänzlich vergessen habenden Kinder Cahins, des Brudermörders! Welche gerechte Strafe Gottes, meines und Adams, der noch lebt, Vaters, wie aller seiner Kinder, die auf den Höhen wohnen, hat euch hierher, eurem Untergange in die starken Arme geführt? O ihr Schlangenbrut, wie seht ihr aus?! O ihr Hyänenspeise, saget, was ihr wollt, hier an dieser heiligen Stätte! - Was sucht ihr hier an dem euch so strenge verbotenen Orte? - Weichet von hier und fallet allesamt in den Rachen der euch angedrohten Strafe, nämlich in den todbringenden Rachen, dem ihr nicht entgehen werdet, oder diese Steinwand wird euch begraben auf ewig!"

[HGt.01_030,12] Und siehe, da fiel Meduhed auf die Knie nieder und schrie überlaut um Erbarmung und Gnade. Seth aber, da er nur Worte redete aus Mir, so wurde er auch um so erfüllter von Meiner Liebe und ließ sich bald erweichen von Meduheds Klagestimme und sagte:

[HGt.01_030,13] ,Meduhed, du allein darfst emporschauen zu mir, zu der großen Nähe Gottes, da du abhieltest deine Brüder von großer, mutwilliger Bosheit vor den allsehenden Augen Gottes; daher sollst du wissen allein, wo und wer diese gefräßige Hyäne ist: Siehe, diese tausendfache Hyäne ist in der Tiefe geblieben an der Schlangenzungenspitze der Rotte Tatahars und heißt Lamech!

[HGt.01_030,14] Daß von euch ja keiner es wage, Hand an ihn zu legen! Wehe dem siebenundsiebzigmal, der sich vergreifen würde an ihm, - da ein solcher dann vorgreifen würde der Zeit Gottes, welches aber wäre das Schrecklichste, da dann ein solcher zerstören würde das Band der göttlichen Liebe und lösen dadurch den breiten, unermeßlichen Gürtel der schärfsten Gerichte der Gottheit, welche große Feuersäulen über die ganze Erde stürzen würde und so im Feuer zerstören würde die ganze Welt. Und nun erhebe dich mit deiner Rotte, und zieht im Frieden heim, und seht nicht dahin gegen Hanoch, sondern auf euch und auf Gott, der da ist ein getreuer Retter derer, die auf Ihn schauen allezeit, - in der Lust sowohl, als auch in der Not! Amen."

[HGt.01_030,15] Und siehe, da wurde Seth ganz Licht; sie aber erschraken und flohen aus seinem Angesichte über Stock und Stein und erreichten so noch die Ebene vor Untergang der Sonne, und um die Mitte der Nacht auch ihre Wohnungen, welche zehn Stunden Weges von den Bergen entfernt waren.

 

31. Kapitel

[HGt.01_031,01] Und siehe, bevor sie sich alle trennten, da sie angekommen waren auf ihrem heimatlichen Boden, hielt noch Meduhed eine kurze Rede an sie, nämlich sagend: ,Brüder, höret mich sehr wohl an; denn was ich euch nun sagen werde, ist von großer Wichtigkeit. Ihr habt gesehen den Mann auf dem Vorsprunge der Steinwand im hohen Gebirge und habt vernommen den Donnerklang seiner großen Stimme und habt am Ende auch noch bemerkt, wie ihn ein großes Licht umhüllte, daß uns davor graute in aller Angst und wir, darob von großer Furcht gepeitscht an unseren Füßen, die da gesprungen sind über Stock und Stein, gelangt sind hierher an unsern wohlbekannten heimatlichen Ort.

[HGt.01_031,02] Ihr habt ihn erwähnen hören die uns wohlbekannte, tausendfache Hyäne; ihr habt auch gehört seine Warnung mit siebenundsiebzigmaliger Rachevergeltung und habt auch endlich alle vernommen seine unerhörte Strafrede von den Feuersäulen.

[HGt.01_031,03] Nun urteilet selbst, was bei solchen Umständen zu machen ist! - Lassen wir ihn leben, so wird er mit uns allen bald machen, wie er es ohne Scheu mit seinen Brüdern getan hat; lassen wir aber gerechte Rache auf ihn kommen, so werden wir gerochen von oben mit Feuer siebenundsiebenzigmal. Daher sind wir nun zwischen zwei Totschlägern; tun wir eines oder das andere, so erwartet uns allezeit der sichere Tod. - Mein Rat wäre nun dieser:

[HGt.01_031,04] Das grause Geheimnis - als ein Geheimnis des Todes - begraben wir in unsere Tiefen, nehmen dann unsere Weiber und Kinder und verlassen sodann in aller Stille bei tiefer Nacht dieses Greuelland und treiben uns dort gen Morgen, da wir schon öfter bemerkt haben ein niederes Gebirge, und setzen dann über dasselbe; da wird sich dann wohl zeigen, ob es noch irgendein Land mehr gibt außer diesem des Frevels. Und sollte daselbst auch das Ende der Welt sein, so glaube ich, daß es besser ist, ruhig daselbst zu leben und im Alter einzuschlafen, als hier in steter Unruhe mit eigenem Blute entweder die Erde zu tränken oder verbrannt zu werden zu Asche.

[HGt.01_031,05] Denn so sprach auch der Riese auf dem Vorsprunge: ,Seht nicht dahin gen Hanoch, sondern auf euch und auf Gott, der da ist ein getreuer Retter derer, die auf Ihn schauen allezeit in der Lust sowohl, als auch in der Not!`, - die bei uns nun gewiß den allerhöchsten Gipfel erreicht hat.

[HGt.01_031,06] Daher, Brüder, die euch alle wie mich brennt die Gerechtigkeit, vertraut auf den Gott, den uns scharf bekannt hat der Große am Berge, und tun wir das lieber heute noch als morgen, da es schon vielleicht zu spät sein könnte; daher Mut, auf Gott vertraut, und morgen wollen wir die Sonne schon dort am fernen Gebirge begrüßen! Eilet und holet die Eurigen und das Eurige, als da sind Früchte und Tiere, und in dreitausend Augenblicken treffen wir hier, mit Keulen wohlversehen, wieder ein, amen!"

[HGt.01_031,07] Und siehe, amen sprach auch die Schar, und in zwei Stunden war alles reisefertig, da es war um die zweite Stunde der Mitternacht. Und als nun Meduhed gezählt hatte alle Väter und fand, daß ihre Zahl voll war, da dankte er Gott und floh an der Spitze der großen, ihm folgenden Schar von zehntausend männlich und zwanzigtausend weiblich auf ebensoviel Kamelen und großen Eseln.

[HGt.01_031,08] Und als die Sonne aufging, hatten sie schon lange das ferne, niedere Gebirge erreicht, was freilich ohne Meine besondere Hilfe nicht hätte geschehen können, da das Gebirge dreißig Stunden geraden Weges entfernt lag.

[HGt.01_031,09] Hier weideten sie zwei Stunden lang ihre Tiere und rasteten und aßen von ihren mitgenommenen Früchten und dankten auf Geheiß Meduheds Gott für eine so wunderbare Rettung. Meduhed aber ging, vom Geiste angeregt, von zehn Männern geleitet, ein wenig fürbaß und fiel im Angesichte der zehn Geleitenden nieder zur Erde und entzündete sich zu Gott und erblickte im Lichte seiner Liebe viel Böses in seinem Herzen und fing darob an zu weinen und zu wehklagen vor Reue über seine großen Schulden.

[HGt.01_031,10] Und da Ich sah, daß es ihm ernst war um Mich, so schrieb Ich mit deutlich leserlicher Feuerschrift folgende Worte in sein Herz: ,Meduhed, stehe auf im Angesichte Meiner großen Barmherzigkeit! - Du bist gerettet mit allen denen, die, von deiner Liebsorge bewegt, dir gefolgt sind hierher. Allein hier könnt und dürft ihr nicht lange weilen, noch weniger verbleiben, - sondern wie du siehst dieses enge Tal sich ziehen hin gen Morgen und den kleinen Fluß fließen dahin, dem nach ziehe auch du mit der Schar siebenzig Tage lang vorwärts, und wenn du dann kommen wirst an ein unübersehbares großes Gewässer, da raste eben siebenzig Tage lang. Und dann aber komme wieder wie heute im Herzen zu Mir, dann will Ich dir den Weg zeigen, zu gehen auf den Gewässern in ein fernes, großes Land, da ihr ohne Blutvergießen sicher werdet sein vor allen Nachstellungen der Grausamkeit Lamechs, des Brudermörders. Und so euch hungern wird, so esset von all den Früchten, die ihr antreffen werdet unterwegs in großer Menge, und trinket das gute Wasser des Flusses, der euer Wegweiser sein soll bis zum großen Gewässer, und gedenket wie heute alle eures großen, über alle Wesenheit erhabenen Gottes, und denket, daß Ich ein Volk auf der Erde habe, dem Ich ein heiliger, liebevollster Vater bin!

[HGt.01_031,11] Und denke, als diese Erde rann wie ein Tautropfen aus Meinem großen Vaterherzen und die Sonne dort als Träne der Erbarmung aus Meinen allsehenden Augen, o da waret auch ihr noch Meine Kinder! So suche, du kleine Schar, zu werden durch Liebe, was du einst warst, ehe noch die Erde trug ein unzüchtiges Geschlecht und dort die große Sonne brannte aus Meiner Gnade! - Nun aber macht euch auf den Weg und zieht in Meinem Namen! Amen."

[HGt.01_031,12] Und siehe, da rief Meduhed der großen Schar diese Worte laut zu und war ergriffen durch und durch, und so auch die Schar durch ihn, und erhob sich behende und tat genau nach Meinem geoffenbarten Willen.

[HGt.01_031,13] Und nun siehe, als nun Meduhed nach siebenzigtägiger Reise gekommen war an das ihm vorbestimmte Ufer des großen Gewässers der Erde, das ihr heutzutage den ,Stillen Ozean` nennt, und das an den Ufern gelblich, teils aber auch - an den tieferen Stellen - weite Strecken hin ganz blau leuchtet durch die Mischung der Farben des Grundes, des reichlichen Kupfersalzes und der sich darin brechenden Strahlen der Sonne, da lagerte er sich mit seinen Scharen längs den Ufern in einer sehr reich mit guten Früchten überladenen Gegend, welche gerade diejenige war, da Ich ihn hatte haben wollen.

[HGt.01_031,14] Und da nun Meduhed - und auch alle ihm Gefolgten - sah, daß Ich ein guter Wegweiser bin, so fiel er dankbar vor den Scharen auf sein Angesicht nieder zur Erde und dankte Mir aus dem Grunde seines Herzens, und die Scharen folgten mehr oder weniger, jedoch alle seinem guten Beispiele, woran Ich ein Wohlgefallen hatte.

[HGt.01_031,15] Und siehe, als nun Meduhed vollendet hatte seinen Dank, voll gerührt in seinem Herzen durch Meine große Gnade, da richtete er sich auf, überblickte die noch liegenden, dankerfüllten Scharen, und so fing er an zu weinen vor Freude über Meine so große Erbarmung, die da gerettet hatte so vielen das Leben und wiedergegeben hatte den so lange schon in der großen, harten Knechtschaft Lebenden die goldene Freiheit und eine so reiche und unter Meinem hohen Schutze so sichere Ruhestätte.

[HGt.01_031,16] Und als bald darauf sich auch gestärkt und überfröhlich erhoben hatten die Scharen, da stieg Meduhed auf eine kleine Anhöhe, etwa sieben Klafter oder, bestimmter noch, sieben Mannshöhen hoch über die weite Ebene, und richtete daselbst eine breite und lange Rede an sie, und diese war ihm gegeben von oben in sein Herz, und er sprach nicht ein Wort mehr, noch ein Wort weniger und war somit ein gerechter Prediger in Meinem Namen an die licht- und liebebedürftigen Scharen. Die Worte seiner breiten und langen Rede aber lauteten, wie da folgt:

[HGt.01_031,17] ,Brüder, seht auf zu mir, und höret mit offenen Ohren und Herzen die Worte, die ich auf das innere Geheiß Gottes nun an euch alle werde ergehen lassen; denn sie sind von größter Wichtigkeit!

[HGt.01_031,18] Höret: Gott, der Allerhöchste, hat uns wunderbar befreit aus den mörderischen Händen Lamechs und hat uns wohlbehalten treu geführt hierher bis ans Ende der Welt, da ihr alle seht das Ende der Erde und den Anfang der großen Gewässer. Seht das Land so schön und herrlich, als wäre es aus den hohen Himmeln zur Erde herabgekommen, und es wäre gewiß jedem von uns eine große Lust, darinnen beständige Wohnung nehmen zu können oder zu dürfen. Allein nicht so lautet der Wille von oben aus der Höhe Gottes, sondern siebenzig Tage nur dürfen wir hier verweilen; denn in dieser Zeit wird ein grausames Heer Lamechs, an der Spitze Tatahar, uns wohl auskundschaften. Und wehe jedem, der in seine grausamen Hände geriete, den würde er zerfleischen wie der Tiger ein Lamm!

[HGt.01_031,19] Daher hat mir der Herr in Seiner großen Gnade gezeigt hier einen Ort, da wir hingehen sollen und bereitet finden werden Werkzeuge gleich denen, die da schon gegeben sind Seinen großen Kindern, die da wohnen auf den großen Höhen der Erde, damit wir auch dadurch sollen erkennen, daß Er auch unser Vater sein will und werden wird, so wir uns willig unterziehen wollen Seiner übergroßen Liebe, die bisher so köstlich gesorgt hat für uns, wie noch nie auch das beste Vaterherz für seine Kinder, so es auch hätte an allem den allergrößten Überfluß.

[HGt.01_031,20] Dann aber sollen wir die Werkzeuge nehmen und dieselben gebrauchen zum Umfällen der schlanken Bäume, dieselben befreien von der Rinde und all den Ästen, dann sie behauen auf vier Seiten, oben wie eine ruhige Wasserfläche, und es sollen wohl zubereitet werden zehntausend Stämme von schönster und bester Art, die da haben ein kleines Laub. Ein jeder so wohl zubereitete Stamm soll haben zehn Mannslängen und soll sein breit einen Tritt eines Mannes; dann sollen erst je dreißig Stämme mittels der Nägel, die da auch in großer Menge unter den Werkzeugen werden angetroffen werden, fest aneinander geheftet werden. Und wenn so dieser Boden wird fertig sein, dann sollen an den Seiten drei Stämme der Länge nach übereinander befestigt werden und nach der Breite aber je zwei aufeinander; und dann aber soll das Innere mit Harz und Pech von den Bäumen wohl verpicht werden, welches unterdessen die Weiber und Kinder sammeln sollen in großer Menge.

[HGt.01_031,21] Und diese neuen Gebäude sollen wir längs den Ufern errichten, und am letzten Tage sollen wir noch überall einen großen, grün belaubten Ast in jeder Ecke dieser Gebäude befestigen, zum Zeichen des errungenen Sieges durch die große Gnade von oben. Was da ferner zu tun sein wird, das erwarten wir am letzten Tage nach der großen Verheißung, die mir geworden ist, da unsere Augen noch hingeblickt haben in großer Furcht und Angst gegen Hanoch; und so tun wir alle vereint als Brüder, da wir keinen Fürsten haben, dem wir den himmelschreienden Tribut entrichten sollen, - außer unserm großen Gott, der da ein Herr aller Macht und Kraft, unendlich von Ewigkeit, und auch ein Herr ist, gar gewaltig und gerecht über alle Herren, wo sie auch unrechtmäßig sein möchten auf der ganzen Erde, jetzt und in allen künftigen Zeiten der Zeiten als Greueltäter und Mörder ihrer Brüder. Unserm Gott, der uns will ein Vater sein, sind wir Liebe und unbedingten Gehorsam schuldig; wer sich da widersetzen würde, der wird nicht gezüchtigt werden von seinen Brüdern, weder mit Ruten noch mit Knütteln, sondern Gott Selbst wird ihn strafen durch die Entziehung Seiner Gnade.

[HGt.01_031,22] Nun wißt ihr vorderhand alles, was die Gegenwart benötigt; daher sammelt euch, erquicket euch mit Speise und Trank, danket dem Herrn, und dann gehet eilig ans gebotene große Werk, amen."

 

32. Kapitel

[HGt.01_032,01] Und siehe, als nun Meduhed beendet hatte diese seine Rede, da fielen alle vor Gott nieder auf ihre Angesichter und dankten und priesen Gott aus der Tiefe ihres Herzens, der Zeit nach eine Stunde lang; dann erhoben sie sich fröhlich und gingen, vom Geiste der Gnade geleitet, etwas landeinwärts und fanden daselbst in einer weiten Grotte eine große Menge Werkzeuge aller Art, als: Hacken, Äxte, Beile, Hobel, aller Art Messer, Sägen, Hämmer, Bohrer, Winkelmesser, Stemmesser und eine Million Doppelnägel - oder bei euch Klampfen. Und siehe, da wurden sie fröhlich über die Maßen, daß sie hüpften und jauchzten vor Freude über Meine für sie gar so unbegreifliche große Gnade. (NB. Seht, was Ich euch hier gebe, ist mehr denn diese Werkzeuge; aber es hat sich noch keiner so ganz recht eingefunden, der Mir in der größten Freudigkeit seines Herzens gebührend gedankt hätte. Merket es euch, ihr stumpfsinnigen Verehrer Meines Namens und Feinschmecker Meines Wortes, und öffnet die Tore der Liebe weit, die da ist die neue, heilige Stadt in euren Herzen, damit Ich dahin senden kann Meine Engel, daß sie reinigen werden zuvor all die Plätze, Gassen und Schlupfwinkel, sowie all die Wohnungen darinnen, damit Ich dann Meinen Einzug werde halten können und ihr Mir dann entgegeneilet und in großer Freude rufet: ,Hosianna in der Höhe, und Friede allen Völkern, die eines guten Willens sind; gelobet sei der Herr, der da kommt geritten auf einer Eselin; Halleluja dem Sohne Davids; Halleluja dem Fürsten des Friedens; Halleluja Dem, der da kommt im Namen des Herrn Gott Zebaoth; Er allein ist würdig, allen Preis, allen Ruhm und alle Ehre zu nehmen von uns; Er ist der heilige, alleinige Vater unserer Herzen, amen!`)

[HGt.01_032,02] Und nun weiter! - Und siehe, da nahmen sie all die Werkzeuge samt den Nägeln und trugen sie an die Ufer, stärkten sich da durch Ruhe, Speise und Trank und gingen schon des folgenden Tages an die Arbeit mit dankerfülltem Herzen und lobten Mich selbst unter den Fehlhieben, - daher auch ihre Arbeit so schnell und richtig vonstatten ging, daß sie mehr als ein Wunder denn als eine eigentliche Arbeit anzusehen war; und sogestalt standen zweihundertfünfzig Kasten in vierzehn Tagen vollkommen fertig an den Ufern, mit Stricken befestigt, damit sie sicher waren vor dem Davon- geschwemmt-Werden durch die stets langsam anwachsenden Fluten des großen Meeres.

[HGt.01_032,03] Und siehe, so blieben ihnen nach getreu getaner Arbeit noch etliche fünfzig Tage zur vollkommenen Ruhe, während welcher Zeit Ich ihnen durch den recht fromm und liebevoll gewordenen Meduhed auch nach und nach eine bessere Kenntnis von Mir gab, wie auch einen Sabbat, an dem sie sich, in Meiner Liebe ruhend, von jeglicher Arbeit gütlich tun sollten und sollten sich in dieser Ruhe den ganzen Tag ganz Mir überlassen, und wenn sie das fort und fort täten, so würden endlich alle so weise werden, wie es Farak war und nun der Meduhed ist; ja, so sie auch nicht nur in der hohen Ehrfurcht und in der reinen Erkenntnis Meines Namens fromm zu werden sich bemühen würden, sondern noch viel mehr in aller Demut ihrer Herzen Mich würden recht zu lieben anfangen und wachsen in dieser Liebe, dann würde Ich auch ihnen ein guter Vater werden, und der Tod würde ihnen wieder genommen werden, da sie dann aufgenommen würden als Kinder in den weiten Schoß der göttlichen Liebe bis zu einer gewissen großen Zeit aller Zeiten der Erde, da sie dann allesamt zum großen Vater kommen und schauen würden ewig Sein Antlitz und sich sättigen an den unermeßlich reichen Ausflüssen der Liebe in Mir.

[HGt.01_032,04] Und siehe, so und so hörten sie das alles durch den Mund Meduheds und frohlockten darob über die Maßen und drängten sich haufenweise hin zu Meduhed und waren sehr begierig, zu erfahren täglich etwas von Mir, worüber Ich Freude hatte im Himmel und alle Engel der Urschöpfung.

[HGt.01_032,05] So lehrte Ich sie durch Meduhed auch, die Worte in Zeichen aufzubewahren, und die Zeichen aber waren entsprechende Bilder, hinter deren naturmäßiger Hülle sich ein geistiger Sinn verborgen hielt; und so lernten sie in dieser kurzen Zeit auch schreiben und lesen.

[HGt.01_032,06] Und siehe, so habe Ich Mir in kurzer Zeit ein Volk aufgerichtet, das bis zur heutigen Stunde noch abstämmlich vorhanden ist, - wo aber, davon ein wenig später! Nun, als sie nun so wohl bereitet waren, da ließ Ich ein hohes Lied voll Weisheit und Liebe im Hintergrunde durch den Meduhed an sie erschallen, welches da schon aufgezeichnet wurde und noch heutigentages vorhanden ist - wo aber, auch davon etwas später! - und also lautete:

[HGt.01_032,06.01] Höret wohl, ihr alle späten Kinder Meiner Gnade, / Höret, wie Ich euch zum großen Mahle alle lade, / Kommet alle treuen Herzens her in Meine Mitte, / Lobet fröhlich alle Meinen Namen nach der Sitte, / Welche Meduhed gar fromm und treulich euch gelehret, / Da als erster er nach Mir im Herzen hat begehret.

[HGt.01_032,06.02] Sehet alle auf sein Beispiel reinen, guten Sinnes, / Sehet seine Augen, Mund und Ohren und des Kinnes / Sanften weißen Bart als frommer, weiser Reden Zeichen, / Seht, in allem diesem müßt ihr all ihm vollends gleichen, / Wollt ihr später Meine lieben, treuen Kinder werden, / Ganz befreit von allen Übeln böser Schlangenherden.

[HGt.01_032,06.03] Seht, Ich werde bald die Erde rein von Greueln waschen, / Sünder werden da umsonst nach Meiner Liebe haschen! / So ihr aber fromm und treu im Herzen werdet bleiben, / Werd' Ich schonend euch vorüber Meine Fluten treiben, / Euch verbergen wohl auf dieser Erde hohen Landen, / So Ich Meinen Zorn da lösen werd' von schweren Banden.

[HGt.01_032,06.04] Seht, da werden heulen auf der Erde all' Geschlechter! / Hört, da wird verstummen all der Großen Hohngelächter! / Und der Wässer hohe Fluten, rauschend über Berge, / Werden tragen wen'ge Kinder, Meiner Liebe Zwerge, / Die da sind geworden klein wie Kinder einer Mücke, / Weil die Liebe hinkend ward und ging auf einer Krücke.

[HGt.01_032,06.05] Seht empor zu Meiner Himmel lichterfüllten Räumen, / Seht zu Meinen Sternen, Meiner Gnade Strahlensäumen, / Seht die Sonne still erleuchten dieser Erde Fluren, / Seht den Mond die Erd' geleiten ohne alles Murren; / Seht, wie all die Welten still gehorchen Meinem Willen; / Nun, so tut auch ihr all eure Werke stets im stillen.

[HGt.01_032,06.06] Wollt ihr wissen, was wohl diese Sterne sind für Wesen? / Hört! Ich sag': Die Lieb' wird euch genau die Frage lösen! / Wenn die Liebe rein im Herzen sein wird ohne Makel, / Werd' Ich geben euch zur Leuchte Meiner Gnade Fackel; / Dann wird jeder lesen leicht in heller Flammen Zügen / Eine große Schrift des Namens Gottes ohne Trügen!

[HGt.01_032,06.07] O du kleines Herz, in eine enge Brust geschlossen, / Kenntest du den Quell, aus dem du bist so groß entsprossen, / Oh, du würdest nimmer fragen nach den toten Massen, / Ja, du würdest sie ganz unbekümmert schweben lassen, / Da der Schöpfer aller dieser kleinen, nicht'gen Dinge / Gegen einem Herzen - liebend Selbst am selben hinge.

[HGt.01_032,06.08] Was ihr schwache Menschenkinder oft für Großes wähnet, / O wie klein doch wird von Meiner Liebe das benennet! / O wie gar nichts sind die Dinge in den weiten Räumen, / Wie auch Menschen, deren Herzen nicht aus Liebe keimen! / Haltet darum nichts für groß als Meiner Liebe Treue / Und, was ihr am nächsten kommt: des Sünders wahre Reue!

[HGt.01_032,06.09] Ich allein bin groß durch Meiner Liebe mächtig Walten, / Und ein freier Geist, der fest am Bande sich erhalten; / Aber Meiner Sonnen euch ganz unbekannte Bahnen, / Die euch so wie alles nur an eure Schwäche mahnen, / Was sind sie in Meiner Gottheit endlos großer Fülle? / Nichts als einer Milbe abgefall'ne, leichte Hülle!

[HGt.01_032,06.10] Wenn zu aller Welten Mitte ihr da mögt erklimmen / Und da hören aller Sphären raschen Fluges Stimmen, / Da ermessen aller Sonnen hellsten Lichtes Stärke / Und begreifen alle Meiner Allmacht größte Werke, / Würdet ihr dann wohl euch Meiner großen Liebe nahen? / Nein, sag Ich; in alle Zweifel würd't ihr euch verjahen!

[HGt.01_032,06.11] Könntet ihr auch lenken dort des Himmels großen Wagen / Und als große Geister schnell nach allen Sternen jagen, / Könnt't aus eurem Munde ihr auch helle Sonnen hauchen, / Ja, sie gleich der Meinen in des Meeres Fluten tauchen, / So wär' alle eure Kraft, mit Meiner wohl verglichen, / Nichts als Sand und Staub an alten Lehm- und Steinebrüchen.

[HGt.01_032,06.12] Sehet hin gerade nach des Himmels blauem Bande, / Sehet über Wogen auch zum Meeres fernen Rande; / Glaubt es Mir, Ich sag' es euch: Es gibt dort keine Grenzen, / Wo bei Tag die Sonne, nachts der Sterne Unzahl glänzen, / Und des großen Meeres Fülle ist nicht zu vergleichen / Einem Tropfen nur in jener Sterne kleinsten Reichen.

[HGt.01_032,06.13] Seht daher auf Mich, den Großen, kleine Menschenscharen, / Und des Wissens Gierde pflegt allein für Mich zu sparen! / Meine Liebe suchet kreuz und quer in allen Enden! / Wo ihr immer hin auch mögt die Augen forschend senden, / Meines Namens Zeichen werdet überall ihr finden; / Aber laßt euch ja von nichts als Meiner Lieb' nur binden!

[HGt.01_032,06.14] Frohe Botschaft wird von Mir euch selbst das Gras verkünden, / So ihr euch enthalten werd't von all den Hanochssünden; / Aber so ihr lieben werd't euch treu als wahre Brüder / Und zu aller Wohl gebrauchen werdet eure Glieder, / Dann wird kommen eine große Gnad' zu euch von oben / Und wird euch dann zeigen, wie ihr sollt den Vater loben!

[HGt.01_032,06.15] Und nun fallet hin zur Erde, eurer Sünden Mutter, / Schüttelt ab den Staub, der Schlange nichtig Todesfutter, / Dankt in eurem Herzen Mir, dem Retter, froh von neuem, / Laßt die Mir geweihte Zeit euch niemals je gereuen, / Lasset allzeit Meiner Liebe Macht im Herzen schalten, / So wird einst der Gnade Licht euch alle neu gestalten!

[HGt.01_032,07] Und nun siehe, als der Meduhed dieses vollwichtige Lied des Lebens aus Meiner Gnade, die da ist ein kleiner Funke Meiner unendlichen Liebe und aller Erbarmung daraus, vollends aufgezeichnet hatte und, als es vollends aufgezeichnet war, dasselbe auch dem Volke vorgelesen hatte, da war eine zügellose Freude unter ihnen entstanden, die nur durch ein Wunder vom Himmel hat gemildert werden können, und dieses Wunder war ein plötzlicher Regen, und dieser Regen war ein Regen der Liebe aus Mir, da ihre Freudegerecht war; denn sie freuten sich über die gemachte Bekanntschaft Meines Namens, noch mehr aber über die Meiner Liebe, und am allermeisten aber freuten sie sich dessen, daß der so übergroße, heilige Gott so herablassend als Vater zu den Kindern des Elends in allerunbegreiflichster Liebe durch den Meduhed so belehrend geredet hatte.

[HGt.01_032,08] Und siehe, so trieb sie der Regen auseinander in ihre Zelte, die da gemacht waren aus Zweigen, Gras und weißem Lehem (oder Lehm), und sie priesen daselbst Meinen Namen in kleinen Kreisen wonniglich bis in die Mitte der Nacht und hätten nicht aufgehört in ihrem Lobe, wenn Ich sie nicht mit einem wohlverdienten, ruhigen, süßen Schlafe heimgesucht hätte. (NB. Ich habe euch schon Größeres gegeben, gereimt und ungereimt, als euer wahrer Vater; aber seit dem Obersten der Römer und dem kanaanitischen Weibe im Evangelium, mit geringer Ausnahme der Apostel und einiger Blutzeugen, habe Ich noch nie eine so große Freude gefunden, namentlich aber bei euch schon gar nicht. Ich verlange es zwar auch nicht, sondern sage es euch nur, daß ihr Mich stets mehr und mehr sollet zu lieben anfangen; das ist Mein Wille an euch. Darum sollt ihr euch kein schweres Herz machen; denn was da noch nicht ist, wird dereinst wohl noch werden, so ihr Mich näher werdet kennen lernen und dadurch eure Herzen erweitern werdet, damit Ich dahin mit Meiner Gnadenfülle werde einziehen können, was ihr euch alle über alles wünschen, aber nicht fürchten sollet, wie es einige unter euch gibt, was nicht sein soll in der Liebe. Amen.)

 

33. Kapitel

[HGt.01_033,01] Und siehe, als die noch übrigen fünfzig Tage verflossen waren, da berief Meduhed, von Mir angeregt, sie alle zusammen und sprach eine gewaltige Rede an sie, welche also lautete: ,Ihr Männer, Freunde und Brüder mit allen euren Weibern, Kindern, Knechten und Mägden, die nun ebenfalls nach dem Willen von oben unsere lieben Brüder und Schwestern sind, kommet alle her zu mir, und stellet euch nach der bekannten Ordnung um den kleinen Hügel, damit ihr wohl vernehmen möget den mir neu geoffenbarten Willen des allerhöchsten Gottes!

[HGt.01_033,02] Denn so will es der Herr, daß ihr all die Werkzeuge sammeln sollt und sollt davon legen in einen jeden Kasten aufs Stroh, das euch bisher zum Lager gedient hat, von jeglichem eine gleiche Anzahl; und habt ihr das getan und die gut belaubten Zweige in den Ecken mit den noch übrigen Nägeln befestigt, dann erst bringet dahin die gesammelten Früchte auf die sparsame Dauer von dreißig Tagen, und leget dieselben behutsam in die Ecken unter die Zweige aufs Laub von Feigen! Die Kamele und Esel lasset hier zurück, den Lamechiten zum Zeichen, daß wir hier waren, und auch zum Zeichen, daß wir ihnen das Tierische zurückließen und nur das Menschliche und somit auch Göttliche gerettet haben; um die Werkzeuge aber leget einen Fuß hoch kleine Zweige, und bedecket sie mit euren Decken und Strohmänteln, und die Tierfelle aber werfet über die Werkzeuge. Und ist dieses alles genau nach dieser göttlichen Anordnung durch mich geschehen, dann kommt her noch einmal zu mir zum Hügel, damit ich euch allen nach dem Willen von oben noch weitere Verhaltungsregeln gebe; dann werden wir Gott gemeinschaftlich danken und Ihn hochpreisen für Seine unermeßliche und unbegrenzte Güte und Barmherzigkeit.

[HGt.01_033,03] Nun geht und tut eilends, was euch geraten wurde durch mich von oben, amen."

[HGt.01_033,04] Und siehe, da verneigten sich alle gegen Meduhed, dankten Gott für diese Lehre in ihrem Herzen und gingen sehr willig und schnell ans gebotene Werk; und in sieben Tagen nach eurer Rechnung war alles in der größten Ordnung.

[HGt.01_033,05] Und da sie nun alles auf die gebotene Art vollendet hatten, da kamen sie wieder nach dem frommen Verlangen Meduheds allesamt hin zum Hügel und dankten Mir daselbst in seinem Angesichte für die so schnell und so glücklich vollbrachte Arbeit.

[HGt.01_033,06] Und als nun Meduhed gesehen hatte ihre vollbrachte Arbeit und sah, daß sie alle nun wieder wie vorher um den Hügel versammelt waren voll frohen und frommen Herzens, da fing nun Meduhed wieder an, eine Rede an sie zu richten, sagend:

[HGt.01_033,07] ,Männer, Freunde und Brüder, Weiber und Schwestern, höret! So will es der Herr, unser großer, allmächtiger Gott, daß ihr zu je hundertundzwanzig in einem Kasten Platz nehmen sollet, und zwar vierzig männlich und achtzig weiblich, und es sollen die Kinder sitzen und liegen über den Häuten auf den Werkzeugen. Die Weiber aber sollen sitzen auf den Zweigen und Decken und Mänteln; ihr Männer aber sollet stehen um die Weiber und eure Gesichter wenden nach dem Zuge der Kästen und nach dem des Windes und sollet des Tages nur einmal essen, und zwar um die Mitte des Tages. Eure Not aber sollet ihr wie die Weiber und Kinder am hintern Teile des Kastens ins Wasser verrichten; doch soll dabei einer den andern halten, damit niemand ins Wasser falle. Die Männer sollen aber die Zeit hindurch nicht schlafen, noch sitzen, noch weniger sich niederlegen; denn der Herr wird eure Glieder stark und eure Augen wach erhalten die Zeit hindurch, die wir über den Fluten der großen Gewässer nach Seinem heiligen Willen zubringen werden. Die Weiber und Kinder sollen nicht selbst nach den Früchten greifen, sondern sollen sich die Kost von den Männern und Vätern demütig erbitten, damit wir ein Volk werden nach dem Willen und der ewigen, allmächtigen Ordnung Gottes, würdig Seines Wohlgefallens und endlich Seiner unendlichen Liebe und Gnade, da wir auch nicht ein Haar auf unserm Haupte berühren wollen und werden ohne Seinen heiligen Willen!

[HGt.01_033,08] Und so wir uns im Namen des Herrn alle werden in den Kasten befinden, dann soll sich der Älteste in einem jeden Kasten auf ein vom Himmel durch einen starken Blitz gegebenes Zeichen bereithalten, mit einem scharfen Messer den Strick alsogleich abzuschneiden; alsdann wird ein Wind kommen und die Kasten hinaustreiben auf die hohen Fluten, und zwar schon im Angesichte Tatahars mit seinen mörderischen Rotten, welche in dem Augenblicke, während wir schon bei tausend Mannslängen vom Ufer werden entfernt sein, ans Ufer gelangen werden.

[HGt.01_033,09] Dann werdet ihr sie sehen Steine ins Wasser schleudern; uns aber wird keiner je mehr erreichen. Denn die rechte Hand Gottes wird uns schnell führen aus ihrem Hyänenangesichte und wird uns leiten hin in ein großes, fernes Land, welches dreißig Tage und dreißig Nächte von allen festen Landen entfernt ist und sich fast in der Mitte des großen Gewässers befindet und ,Ihypon` heißt (das ist: ,ein sicherer Garten`), und dieses Land wird uns bleiben, solange die Welt stehen wird, nach dem Willen von oben; daran aber werden wir es erkennen, daß wir schon in weiter Ferne daselbst einen hohen, brennenden Berg in vollen Flammen der Liebe Gottes werden erblicken. Da wird sein nur ein einziger Zugang, und selbst der noch wird sich zwischen zwei solchen brennenden, hohen Bergen großlandeinwärts ziehen; an den Wasserseiten aber wird es sein umflossen beständig von den höchsten Sturmfluten. Und dazu wird es noch umgeben sein von den höchsten Bergen, in denen weder Tiger, Hyänen, Löwen, Bären noch Wölfe und Schlangen wohnen, sondern sie werden vielmehr gleichen einer bis in den Himmel emporreichenden Mauer, welche wohl von niemandem leichtlich wird erstiegen werden können.

[HGt.01_033,10] Im Innern des Landes aber werden große, unübersehbare Ebenen voll von den herrlichsten und süßesten Früchten sein und so auch von schönen, brauchbaren, zahmen Tieren, welche uns ihre Milch zur gesunden Kost geben werden; und die Erde wird schmecken wie Honig und Milch und wird sein ohne Sand und Gestein und zu essen sein wie ein gutes Brot. Und hört, so spricht der Herr: Auf der ganzen Erde gibt es nirgends ein Land mehr, das diesem gliche an Vortrefflichkeit; da ist es weder je zu warm noch zu kalt, sondern es herrscht dort ein ewiger Frühling!

[HGt.01_033,11] So werden dort die Menschen, die nach dem Willen Gottes leben werden, nie älter, und ihr Sterben wird ein sanfter Schlaf sein; dann aber werden unsichtbare Wesen kommen, einen solchen Menschen heimlich wieder lebend machen und ihn emportragen zu Gott. Da wird nicht zurückbleiben auch nur ein Stäubchen, das sich an die Füße eines solchen Wiederbelebten geklebt hatte!

[HGt.01_033,12] Wer aber überhören je wird den Willen Gottes in seinem Herzen, der wird auch sterben, aber ewig am Leibe nimmer auferstehen. Und da werden kommen Würmer der Erde über sein Fleisch und werden es aufzehren samt Haaren, Haut und Knochen; seine Seele und Geist aber werden dann wieder zur Unterlage der Berge Jahrtausende als gefestete Körper dienen müssen im finsteren Bewußtsein ihres Elends und ihrer totalen Nichtigkeit, bis sie endlich wieder nach dem gnädigen Willen von oben irgendein Tier aufnehmen wird, von wo sie dann von Stufe zu Stufe sich durch die ganze Tierwelt werden elend, stumm und sprachlos durcharbeiten müssen, um endlich wieder einmal zur Würde des Menschen gelangen zu können. Dies merket euch wohl; denn da werdet ihr dann viele tausend Male sterben müssen, ehe ihr wieder zum Leben aus der Liebe und Gnade Gottes gelangen werdet! Bedenket, was der Herr euch hier sagen läßt!

[HGt.01_033,13] Eure Weiber aber sollet ihr in der Zukunft nie eher als erst in eurem vierzigsten Jahre beschlafen, und dann aber ja nicht öfter, als es unter dem Segen Gottes nötig ist, zu zeugen einen Menschen. Und mehr als höchstens zwei bis drei Weiber soll keiner haben; denn alles, was darüber wäre, würde euch zur großen Sünde von Gott angerechnet werden und euer Leben auf der Erde zur kurzen, mühseligen Dauer machen, eure Liebe zu Gott schwächen und euch somit endlich alle Weisheit rauben, welche nur eine freiwillige Zugabe Gottes ist an jene, die Seine Gebote halten genau.

[HGt.01_033,14] Und endlich: So wie hier, so sollt ihr auch dort nichts als euer Eigentum betrachten, sondern als ein Eigentum Gottes; und wer da behaupten würde und sagen: ,Dieser Grashalm gehört mir!`, der wird mit der Blindheit von Gott augenblicklich bestraft werden, damit er sich in Zukunft nie mehr wird können eine Frucht von der Erde aufklauben, sondern wird müssen zeit seines Lebens von der Liebe Gottes und seiner Brüder zu leben lernen.

[HGt.01_033,15] Die Sünder sollen nichts essen denn das Gras der Erde und der mageren Bäume bitteres Laub wie das Tier, zu dem sie sich durch die Sünde herabgewürdigt haben; und bis sie nicht für ihre Sünde werden genuggetan haben, sollen sie nichts anderes zu essen sich wagen, wenn sie das Leben erhalten wollen. Namentlich aber geht das Unzüchtler an, und vorzüglich aber jene jungen Weiber, die sich aus Wollust öfter würden beschlafen lassen; denn einer solchen Leib wird der Herr mit einer Pest erfüllen, und da soll sie hinausgestoßen werden an die äußersten Grenzen des großen Landes, da nichts als Gras und Blätter wachsen. Schließlich sagt der Herr, unser großer, allmächtiger Gott, daß ihr euch untereinander lieben sollet, und keiner soll je ein Richter des andern werden, sondern da soll der Schwächere zum Starken gehen, damit dieser ihm unter die Arme greife und ihm helfe, zu wandeln über das Land; und der Weiseste aber soll allen dienen und ein Ratgeber sein seinen Brüdern.

[HGt.01_033,16] Nun denn, so ihr vernommen habt den Willen Gottes klar und deutlich, so danket Gott mit mir in euren Herzen und saget: Herr, Du allmächtiger, großer Gott, wir danken Dir mit Inbrunst unseres noch schwachen Herzens; mache es stark, Du großer, guter, starker, ewiger Gott, damit wir Dir dereinst, Deiner unendlichen Heiligkeit würdiger wie jetzt in unserer unendlichen Schwachheit, danken, Dich loben und preisen können, und daß wir dadurch, wie Du uns so gnädig versprochen hast, dereinst auch würdig wären, Deinen Kindern nur in einem kleinsten Teile gleichen zu können. Nun aber, o großer Gott, geschehe Dein Wille, und laß uns besteigen die Kasten, und führe uns alle nach Deinem alleinigen Wohlgefallen! Amen."

[HGt.01_033,17] Und siehe, als sie nun dieses kurze Gebetlein verrichtet hatten, verließen sie mit Meduhed die Stelle und bestiegen fröhlichen Herzens die Kasten.

[HGt.01_033,18] Und siehe, alles, wie es Meduhed geweissagt hatte, ist genau und pünktlich eingetroffen. Mit einem großen Sturme jagten, von der Schlange angeführt, Lamechs Hyänen- und Tigerrotten ergrimmt den armen Meduhediten nach; aber ebensoschnell trieb Ich die Kasten mit Meinem Völklein von den Ufern, und so auch dann ruhig und doch schnell hin zu den Ufern des Großlandes, umflossen von den großen Gewässern.

[HGt.01_033,19] Und die Lamechiten aber ließ Ich verfolgen von den stets wachsenden Fluten des Meeres bis zu den Bergen, allwo sie zu Tausenden von den Hyänen, Tigern, Löwen, Bären und Wölfen und Schlangen zerrissen und verzehrt wurden; denn der Zug der Verfolger bestand aus siebentausend männlichen und aus siebentausend weiblichen Köpfen. Und davon kamen nicht mehr denn sieben Jünglinge und sieben Fräulein nach Hanoch zurück und sagten daselbst aus, was da geschehen war, und brachten die von den Meduhediten hinterlassenen Tiere unversehrt zurück, an der Zahl fünfunddreißigtausend Kamele und ebenso viele Esel, und übergaben dieselben dem Lamech und erzählten ihm alles, was sie gesehen hatten, - wie nämlich ein heller Blitz aus dem wolkenlosen Himmel zwischen sie und die Flüchtlinge gekommen ist und dieselben in großer Schnelle am Ende der Welt, da ein großes, unermeßliches Gewässer ist, weit auf dasselbe wohl hinaustrug. Dann aber hätten die Wasser zu wachsen angefangen und hätten sie getrieben hoch in die Gebirge dort, und es wären unübersehbare Scharen von den bekannten reißenden Tieren über sie gekommen und hätten sie bis auf sie allesamt zerrissen und gefressen; sie selbst wären nur dadurch gerettet worden, daß sie sich unter die große Menge der Kamele und Esel geflüchtet hätten. Und es möchte Lamech wohl bedenken, was da geschehen sei, und es komme ihnen vor, als wohne über den Sternen ein großer König, mit dem die Menschen nie einen Kampf wagen sollten, und sollten lieber Ihn anbeten und hoch verehren Seiner unbegreiflichen Macht wegen, da Ihm sogar das Meer, die Winde, Blitze und alle reißenden Tiere gehorsam wären, - was sie mit eigenen Augen gesehen hätten und gehört hätten eine große Stimme, welche den Tieren geboten hätte wie ein Donner und so auch geredet hätte mit den großen Elementen wie ein großer Sturm aus den Höhen der Sterne.

[HGt.01_033,20] Und siehe, als Lamech solches vernommen hatte, ergrimmte er in seinem Innern und beschloß, sich an Mir zu rächen. Das aber war eine Folge davon, daß die Schlange sein Herz ganz in Beschlag genommen hatte. Daher sprach er zu den Jungen, die da zurückgekommen waren: ,Höret, ihr sieben Schuldlosen! Ich will Genugtuung haben von dem Sternenkönige und einen tausendfachen Schadenersatz; gehet hinaus, da ihr wißt, wo Er zu sprechen ist, und gebietet Ihm in meinem Namen, was ich verlange! Und sollte Er sich weigern, so saget Ihm, Er sei von mir aus verflucht, und sollte Er noch so groß und mächtig sein, so werde Er durch mich, wie mein Volk durch Seine Tiere, auf der Erde unter meinem Hohngelächter von Seinem Volke zerrissen und zerfleischt werden. Denn er ist mit aller Seiner windigen und wässerigen Macht nur ein schwaches Lamm gegen mich, den König der Löwen. In die Wälder aber werfet allenthalben Brände, und zündet an alle Berge, damit Seine Bestien allenthalben gebraten werden, damit Er Sich hernach zur wohlbereiteten Tafel setzen und da verzehren kann der verbrannten Bestien Fleisch und Knochen; und will Er sie da nicht verbrennen lassen, so soll Er nur Fluten darüberleiten, damit Seine Macht ersaufe!

[HGt.01_033,21] Oh, ich kenne diesen luftigen Übersternenkönig sehr wohl! Alles, was Er tut, tut Er aus Furcht vor mir; denn Er kennt meine Größe, Macht und Stärke, die Ihm genug zu schaffen machen und Ihn endlich ganz verderben wird, so Er nicht willfahrt meiner gerechten Forderung und jedem meiner Wünsche.

[HGt.01_033,22] Nun gehet und vollziehet, was ich euch geboten; nehmet Männer mit euch, wohlversehen mit Feuerbränden, um anzuzünden die Berge im Falle der etwaigen Weigerung!"

[HGt.01_033,23] Da entfernten sich die Jünglinge und berieten sich untereinander, was da zu tun sein möchte. ,Denn", sprachen sie untereinander, ,wenn er denn gar so mächtig ist, warum geht er denn nicht selbst? Denn toll sein ist leichter denn kämpfen und drohen in der blinden Wut leichter denn die Ausführung. Denn das, was er geredet hat, das hätte ein jeder von uns auch reden können, aber zu was nütze? Wie weit seine und unsere Hände reichen, weiß und sieht jeder Mensch; aber wer hat je nur einen Finger des Übersternenkönigs gesehen, damit er ermessen könnte Seine ganze Macht und Kraft? Lamech ist eine Mücke nur gegen Tatahar und seinen Anhang; und wo ist dieser und sein ganzer Anhang? Nun sind wir sieben noch seine ganze Zentralkraft und haben gesehen die unbegreifliche Macht des großen, unsichtbaren Königs über den Sternen, haben gehört Seine Rede, daß vor ihrer Stärke der ganze Erdkreis erbebt hat wie jemand, den der Frost bis zu und in die Knochen und ihr Mark eisig durchdrungen hat.

[HGt.01_033,24] Daher tun wir, was wir wollen, und gehen hinaus, und statt der Drohung wollen wir Ihm ein Lob bringen und preisen Seine große Macht und Stärke; vielleicht nimmt Er uns auf, wie Er den Meduhed aufgenommen hat, und sodann soll daheim Lamech seine Kraft messen und in die Steine beißen vor Wut!

[HGt.01_033,25] Wir aber wollen lieber einem so mächtigen, großen Könige dienen, der uns gewiß auch wie die Scharen Meduheds über den Fluten erhalten kann."

[HGt.01_033,26] Und siehe, wie sie weise beschlossen, führten sie auch ihren Mir gefälligen Entschluß aus, nahmen ihre Weiber und Kamele und Esel, wohlbepackt mit Früchten, und eilten hinaus, da sie sahen die Gewässer, und ruhten an dem Ufer des großen Weltmeeres.

[HGt.01_033,27] Einer aber, der das Wort geführt hatte, sprach nun wieder: ,Da sind wir jetzt! Wo wollen wir hin? Wir wissen nichts; daher lasset uns den großen König bitten, daß Er uns aufnehme in Seine Dienste und uns zeige einen Ort unserer wahren Bestimmung, da wir schon wahrscheinlich nur durch Seine geheime Eingebung uns den Klauen Lamechs entwunden und uns frei hierher begeben haben.

[HGt.01_033,28] Daher rufe ich in aller Sinne und Geiste, da wir noch keine Namen haben, Dich, o großer, unsichtbarer König aller Macht und Stärke, ehrfurchtsvoll an: Nimm fürs erste unser aller Dank für die Rettung aus den Zähnen der Hyänen und aus den Klauen Lamechs. Und ebenso bitte ich Dich, daß Du nun auch uns führen möchtest nach Deinem Willen an irgendeinen sichern Ort, da wir Dir dann ungestört dienen möchten; denn wir wissen, daß Du ein gar mächtiger Herr bist, und kennen die volle Nichtigkeit Lamechs, dessen Stütze wir sein sollten und nicht wollten, da wir die große Macht Deiner Herrlichkeit gesehen und durch und durch empfunden haben, wie wir auch gehört haben das wilde, nichtige, leere Geplärr des nun gänzlich ohnmächtigen Lamech.

[HGt.01_033,29] Daher erhöre unsere gemeinsame Bitte, und gib uns Deinen Willen kund - oder vernichte uns; denn es ist besser, von Dir vernichtet zu werden als Lamech zu dienen!"

[HGt.01_033,30] Und siehe, als nun diese sieben mit ihren sieben Weibern so vollendet hatten ihr kurzes, aber sehr aufrichtiges Gebet, da fing ein kleiner Sturm an zu wehen von den Bergen her, und im Sturme kam im schnellen Laufe gesprengt eine sehr große Hyäne, grimmvollen und wutentbrannten Angesichtes, vor die kleine Gesellschaft und blieb vor ihnen stehen und musterte sie hin und her, auf und ab und durch und durch, gleichsam als wollte sie sich den besten Bissen aussuchen aus der von Todesangst bedrängten Gesellschaft. Und siehe, als nun alle ins Wasser die Flucht ergreifen wollten, da ermannte sich der Sprecher und sagte mit einer überlauten Stimme: ,Höret mich an! Bleiben wir stehen, wo wir stehen, umgeben allenthalben von der unbesiegbaren Macht des großen Königs, und glaubet, wenn Er uns auch vernichtet, so wird Er uns auch in der Vernichtung wohl erhalten; und fürchtet nicht so sehr diese kleine Hyäne, da wir einer viel größeren aus ihren mörderischen Klauen so glücklich entronnen sind, und das um so mehr, da wir in der Ebene sind, wo keine Hyäne mehr die Macht hat, Menschen anzufallen und sie zu zerfleischen. Denn da uns der große, machtvolle König über den Sternen gerettet hat dort an den Bergen aus den Zähnen von so vielen Tausenden der reißendsten Bestien, da wir noch wider Ihn waren, nun aber wollen wir ja für Ihn sein, - wie sollte Er uns jetzt vernichten wollen?

[HGt.01_033,31] ,Glaubet mir, Er wird uns alle sicher wohl erhalten! Sehet alle auf mich; ich will im Vertrauen hingehen zur Hyäne und ihr meinen Kopf in den Rachen stecken! Und so sie mir etwas zuleide tun wird, dann fliehet ins Wasser, oder wohin ihr wollt; werdet ihr mich aber wohlbehalten meinen Kopf wieder aus ihrem Rachen nehmen sehen, dann fallet nieder zur Erde und danket dem großen Könige, - denn dann ist Er uns schon sehr nahegekommen!"

[HGt.01_033,32] Und siehe, was er sagte, das tat er auch alsogleich, - ging voll Vertrauens hin zur grimm- und wutschäumenden Hyäne, welche ihren Rachen weit aufsperrte, so daß sein ganzer Kopf hinreichend Platz hatte in demselben.

[HGt.01_033,33] Und siehe, so wie er seinen Kopf hineingesteckt hatte, ebenso wohlbehalten - ohne die Krümmung auch nur eines Härchens - nahm er ihn wieder heraus! Da erstaunte die ganze Gesellschaft und fiel alsogleich zur Erde nieder und dankte Mir, freilich noch sehr unbekannter Weise, aus der ganzen erkannten Tiefe ihres Herzens.

[HGt.01_033,34] Als sie sich nun beinahe ganz erschöpft hatten in ihren Dankes- und Lobesergießungen, da fing zum allergrößten Erstaunen die Hyäne an, eine wohlverständige Rede an sie zu richten, und sprach:

[HGt.01_033,35] ,Ihr späten Nachkommen Cahins und Hanochs, stehet auf und sehet mich an! Sehet an meine Grimm- und Wutgestalt! Ich bin nur ein reißendes Tier, bestimmt, treu zu bewachen die Berge und die auf ihnen wohnenden großen Kinder Gottes, den ihr in eurer Blindheit einen großen König nennt; aber saget mir, ob ich als Tier je den Willen Gottes übertreten habe! Mein Leben ist Staub und Erde; meine Zeit sind wenige Jahre, Tage und Herzschläge nur; ich habe nichts zu erwarten; was meine Blutgier mir gibt, ist alles, was von meinem Dasein ich zu gewinnen habe vom Schöpfer; und wer von euch mich je gesehen hat, über meine vorgeschriebenen Grenzen ohne den Willen Gottes schreiten, der nehme einen Stein und erschlage mich!

[HGt.01_033,36] Doch ihr zaudert, - nicht, als hättet ihr den Mut nicht dazu, sondern weil euch mein Gehorsam gegen den Willen Gottes zur Verwunderung hinreißt! Und sehet, wie euch Menschen, die ein ewiges Leben erwartet, ein reißendes Tier über eure gänzliche Gottvergessenheit und somit auch über eure Bestimmung belehren muß dem Willen Gottes gemäß! Sehet, kein reißendes Tier ist so wild, daß es auch nur in der Hungersnot seinesgleichen anfallen möchte, es zu zerreißen und sich damit den Hunger zu stillen! Allein ihr ewig leben sollenden Menschen ziehet aus in Horden, um eure Brüder nicht etwa aus Not, sondern nur aus reiner höllischer Herrschsucht zu töten, mit ihrem Blute die Erde zu beflecken und ihr Fleisch in dieselbe zu verscharren!

[HGt.01_033,37] O schämet euch, ihr Menschen, ihr sein sollenden Herren der Welt! Wo ist eure Herrlichkeit? Ihr seid euer vierzehn, und ich bin allein, und ihr habt euch vor meinem Anblick zu Tode geängstet, - vor einem unglücklichen Tiere, das ursprünglich nur zu eurem Dienste nach dem Willen des großen Gottes bestimmt war!

[HGt.01_033,38] Gehet mit in die Wälder und überzeuget euch, ob nur ein Tier das andere dominiert; und wird es zänkisch und neidisch, so wird es alsobald aus der Gesellschaft gestoßen, da es nicht war nach dem in unserm Innern waltenden Willen Gottes. Und ihr werdet da nie sehen, daß ein Tier das andere nötete, für es auf den Raub zu gehen, um dasselbe als einen baren Müßiggänger zu füttern, - außer es ist eines schwach geworden; dann schleppt ihm ein anderes Tier irgendeinen Raub vor den Rachen in die Wohnhöhle. Und es legt keines an seinen Nacken und seine Eingeweide den scharfen und starken Zahn eher, als bis es kalt geworden ist und faul und morsch; das lehrt uns der göttliche Wille in unserm Innern, und seid versichert: es hebt auch nicht ein Tier ohne den Willen Gottes seinen Kopf in die Höhe!

[HGt.01_033,39] Wir kennen gegen uns keine Eigentumsgrenzen als die unserer Natur und unseres Leibeswesens; ihr Gottes gänzlich vergessenen Menschen, ihr teilet die Erde ab, und da sagt dann ein König, ein Fürst oder ein Günstling derselben: ,Das gebe ich dir gegen einen kleinen Tribut und das dem Günstling und seinen besseren Knechten ihrer gutgesinnten, tüchtigen Fäuste wegen! Alles übrige Volk könnet ihr als Lasttiere gebrauchen, denen ihr nur so viel zu geben braucht, daß sie mit genauer Not ein elendes bißchen Leben erhalten, um für die Müßiggänger die lästige, viele Arbeit verrichten zu können; und würden sie sich weigern, so steht ihnen fürs erste eine große Mißhandlung und fürs zweite der Tod bevor!` Wollte sich dann ein solcher Sklave gar einbilden, daß er auch ein Bruder des Königs oder eines Fürsten oder eines sonstigen vom Könige gemachten Großen gleichen Rechtes sei oder sein wollte, - würde der nicht alsogleich ermordet werden?! - O saget, wo auf der ganzen Erde gibt es noch etwas Grausameres, als ihr Menschen es seid?! Ist nicht eine Schlange, ich oder ein Löwe, ein Tiger, ein reißender Wolf und ein grimmiger Bär ein lauterer, heiliger Engel gegen euch Menschen? Oh, wäre uns Liebe gegeben wie euch, wie würden wir Gott lieben! Aber ohne Liebe selbst lieben wir Ihn durch unseren genauen Gehorsam unendlichmal mehr als ihr, die ihr nicht nur Seiner Liebe, aus welcher heraus Er euch erschaffen hat, vergessen habt, sondern sogar Seiner Selbst, der euch erschaffen hat!

[HGt.01_033,40] Fraget die Steine, fraget das Gras, fraget die Luft, fraget das Wasser, ja fraget alles, was euch unterkommt, nur keinen Menschen, - und alles wird euch den großen Gott verkünden und die unendlichen Wunder Seiner Liebe erzählen; nur ihr freien, ewig glückseligst leben sollenden Menschen konntet eures Schöpfers, eures unendlichen Wohltäters gänzlich vergessen! - Kein Wunder, daß ihr keinen Namen habt; mit welchen Namen könntet ihr auch benannt werden? Teufel kennen Gott und fliehen Ihn; Satane kennen Gott auch, hassen Ihn, daß Er Gott ist und ein Herr ihres Daseins; wer seid aber ihr, die ihr aus Teufeln, Satanen durch Seine unendliche Liebe zu freien Menschen geworden seid und habt Seiner ganz und gar vergessen und sehet euch in eurer mückenhaften Schwäche selbst für Götter an, weil ihr mit Steinen und Knütteln aufeinander schlagen und hohle Steinhaufen errichten könnt, die ihr dann Städte nennt? Seht, ihr seid nichts, wie ihr seid; ein Grashalm ist mehr, und eine Hyänenklaue ist ein Heiligtum gegen eine ganze zahllose Brut von solchen Menschen, wie ihr sie in Hanoch verlassen habt, und wie ihr bis jetzt es selbst waret!

[HGt.01_033,41] Kurz, so will es der große Gott: Bevor euch eine andere Bestimmung zuteil wird, sollet ihr zu uns Hyänen siebzig Tage lang in die Schule gehen, um bei uns fürs erste Menschlichkeit und Nächstenliebe und dann dadurch auch wieder Gott kennen zu lernen; und so ihr wieder erkannt habt eure Gleichheit an uns reißenden, wilden Bestien und Gott durch unsern stummen und blinden Gehorsam, - dann erst wird der Herr aller Geschöpfe euch durch uns eine friedsame Stätte anzeigen lassen.

[HGt.01_033,42] Nun folget mir willig nach dem Willen Gottes ohne Furcht - außer in der alleinigen Furcht Gottes! Dem Willigen wird nichts zuleide geschehen; der Unwillige und Ungehorsame aber ist auch nicht wert, von den Zähnen der Hyänen zerrissen zu werden, sondern der erwarte hier Lamechs, der Satane, des Satansfürsten Los!"

[HGt.01_033,43] Und siehe, so folgten alle vierzehn Personen einer grimmigen Hyäne in eine finstere Gebirgshöhle und lernten dort durch Meine Zulassung von der Natur der Bestien gleiche Rechte der Menschheit, Nächstenliebe, Gehorsam und so auch wieder Mich erkennen und auf Mich ganz vertrauen, wodurch ihnen dann auch der große Unterschied zwischen der wahren Menschheit und den Tieren sichtbar wurde, und lernten aber auch zugleich erkennen, wie tief sie früher unter denselben gestanden sind, - und das alles durch Meine besondere Gnade, die sie Meinen Willen in den wilden Tieren sehen und in seiner ganzen Fülle empfinden ließ.

[HGt.01_033,44] (Notabene. Mehr als damals wäre euch jetzt eine solche Schule nötig! Denn damals waren die Menschen als Kinder der Welt schlecht der Finsternis wegen; jetzt aber sind sie böse im Lichte, und der Fürst der Finsternis bekennt, daß er ein Pfuscher geworden ist in der Bosheit gegen die Feinheit der Weltkinder, und es geht ihm ja schon wie manchen schwachen Eltern, die von ihren Kindern übertroffen werden an Einsichten aller Art.)

 

34. Kapitel

[HGt.01_034,01] Nun lassen wir diese kleine Gesellschaft in der Schule der Geschöpfe und lassen sie essen wilde Beeren, Gras und Wurzeln bis zur bestimmten Zeit; wir aber wenden uns hin nach Ihypon (heutzutage ,Japon`, auch ,Japan`) und erwarten alldort die herankommenden Meduhediten und wollen uns noch eine kurze Zeit bei ihnen aufhalten.

[HGt.01_034,02] Nach dreißig Tagen und Nächten sind also unter Meinen günstigen Winden auf kleinen Umwegen der Ruhe des Meeres wegen die Meduhediten auf der besagten Großlandsinsel glücklich und wohlbehalten unter lautem Jubel, Frohlocken und Lobpreisungen Meines Namens angelangt, und zwar an der breiten Mündung eines ruhig fließenden Flusses aus dem Innern des Landes, auf dessen ruhigem und ziemlich breitem Rücken sie in ihren Kasten bis ins Innere des Landes durch einen ziemlich starken, dienstbaren Wind gehoben wurden.

[HGt.01_034,03] Als sie nun vollends in der Mitte waren, da fiel Meduhed auf sein Angesicht nieder, ganz ergriffen von der wunderbaren Schönheit des Landes, und dankte Mir in der stillen Tiefe seines Herzens bei einer Stunde lang, und aller Augen und Ohren waren auf ihn gerichtet.

[HGt.01_034,04] Und als er nun beendet hatte sein Mir wohlgefälliges Gebet und in demselben auch erschaut hatte Meinen ferneren heilbringenden Willen für das gerettete Volk, da stand er wieder auf und wartete, bis die Kasten sich alle vollends aneinander angeschlossen hatten.

[HGt.01_034,05] Als nun dieses alles nach Meinem Willen längs des seichten Ufers geschehen war, da stieg er alle Kasten nach Meinem inneren Geheiße ab und ermahnte die Scharen in aller Liebe, ja nicht eher das Land zu betreten, als alle dem Herrn bei drei Stunden lang in ihrem Herzen für diese unendliche Gnade werden gedankt haben. Und so der Herr erst dann das geschenkte schöne Land in und vor ihrem Angesichte segnen werde unter einem sichtbaren Zeichen, so wolle er zuerst ans Land steigen. Dann sollen sie ihre Kinder zuerst ans Land setzen und endlich erst selbst mit den Weibern das Land betreten; und da sollen sie dann wieder auf ihre Angesichter zur Erde vor Gott niederfallen und anbeten Seine Heiligkeit und lobpreisen Seine unbegrenzte Güte und unendliche Liebe.

[HGt.01_034,06] Und siehe, als sie nun dieses verrichtet hatten in größter Freudigkeit ihres Herzens, da richteten sie auf den Ruf Meduheds ihre Augen in die Höhe, sahen eine lichte Wolke umhüllen das ganze Land und sahen große Tropfen fallen in der Fülle von der Wolke bei einer Stunde lang. Dann sahen sie diese Segenswolke sich wieder teilen und einen kleinen Regenbogen unter derselben brennend leuchten und vernahmen auch von Morgen her einen gar sanften Wind wehen, der ihnen durch den Mund Meduheds laut verkündete, daß Ich nun für sie das Land gesegnet habe, - worauf sie dann in schon besagter Ordnung ans Land stiegen und daselbst eben wieder in größter Freudigkeit ihres Herzens taten, wie es ihnen der frommweise Meduhed liebevoll angeraten hatte. Und als nun dieses geschehen war, da berief sie Meduhed wieder alle zu sich und hielt eine bündige Rede an sie, welche also lautete:

[HGt.01_034,07] ,Männer, Brüder, Schwestern und auch ihr schon wortverständigen Kinder! Merket es euch alle wohl, was ich euch nun durch die große Gnade Gottes kundgeben werde! Das sei der Grund alles unseres Denkens und Handelns, daß wir nie den heiligen Willen Gottes aus den Augen unseres Herzens lassen und allezeit mit Dank und Lobpreisung denselben erfüllen bis auf einen Punkt. Denn was immer von Ihm kommt, ist groß, heilig und daher auch von größter Wichtigkeit; und scheine es unseren kleinen Weltaugen auch noch so klein, so ist es aber doch von unendlichem Werte, da es von Gott ist, der nun unser aller Herr ist, und wir, so wir sehr willig gehorsam sind Seinem Willen, auch noch Seinen großen Kindern, die ihr habt kennen gelernt unter der Felsenwand ob Hanoch, wie uns allen versprochen ist, gleich werden können.

[HGt.01_034,08] Seht, so will der Herr, unser großer Gott und seinwollender allerheiligster Vater, daß wir uns fürs erste lieben sollen, und zwar jeder seinen Nächsten als Bruder und Schwester siebenmal mehr als sich selbst. Jeder sei strenge gegen sich selbst und milde und sanft und voll Liebe gegen seine Brüder und Schwestern. Nie denke einer, größer und mehr wert als der Schwächste von euren Brüdern zu sein; denn bei Gott gilt nichts als ein reines, demütiges Herz. Wem der Herr je, wie mir, Seine Gnade schenken wird, der denke sich als den Allergeringsten und sei bereit, gleich mir, allen zu dienen und nach dem Willen Gottes allen mit einem guten Beispiele voranzugehen. Nur allein Kinder sind gegen ihre Eltern vermöge ihrer ursprünglichen Schwäche und notwendigen Erziehung den unbedingtesten Gehorsam schuldig; und wenn sie zur Erkenntnis des Willens Gottes in sich werden gelangt sein, dann trete an die Stelle des Gehorsams, den ihr dann Gott allein nur schuldig seid, die kindliche Liebe und Achtung gegen die Eltern in hohem Maße. Doch sollet ihr nach dem Willen Gottes dem Weisesten von euch allezeit euer Ohr leihen und eure Augen auf ihn richten, um willig zu erfahren die Ratschlüsse Gottes fürs Allgemeine sowohl, als auch für jeden einzeln; doch hütet euch davor, je einem solchen Weisen irgend mehr Achtung, Liebe und Verehrung zu geben als einem andern noch nicht weisen, aber doch sehr willigen, lieben Bruder.

[HGt.01_034,09] Und da sei und bestehe die Achtung des Weisen aus Gottes Gnade von euch in nichts anderem als bloß in der Liebe Gottes, Liebe des Nächsten und dem willigsten Gehorsam gegen die Anordnungen Gottes durch das demütige Herz eines weisen Bruders.

[HGt.01_034,10] Nie komme je eine Unwahrheit über eure Lippen; denn die Lüge ist ein Fundament alles Bösen. Fern sei von euch alle Schadenfreude über die Buße eines Sünders, sondern eure Liebe helfe einem gefallenen Bruder wieder auf die Beine.

[HGt.01_034,11] Das Land gehört allen ohne allen Unterschied gleich; was der Boden reichlich tragen wird, das nehme der Bedürftige zu seiner Sättigung, und der Starke sammle gern für die Schwachen.

[HGt.01_034,12] Die Tiere macht euch freundlich, damit sie euch ihre warme Milch nicht versagen werden.

[HGt.01_034,13] Ein jeder sei untertan seinem Bruder und bereit, ihm zu dienen; aber nie befehle einer dem andern, sondern ihr sollet euch allenthalben mit der Liebe begegnen, damit ihr einst Kinder werden möget eines Vaters in der Liebe.

[HGt.01_034,14] Da der Herr allzeit mehr gibt, als es dem Menschen nötig wäre, zu erhalten sein Leben, so sollet ihr aber deswegen doch nicht unmäßig sein in jeglichem Genusse, sondern nach dem Willen Gottes eurer Gesundheit wegen mäßig in allem, was ihr tut und genießet; denn so spricht der Herr: ,Gesegnet sei ein gerechtes Maß und ein gerechtes Ziel; das Unmaß doch sei verflucht und verdammt die ziellosen Wege, und auf ihnen wandle nur die Hurerei und Unzucht und finde da die Nacht des Verderbens und des ewigen Todes!` Darum sammelt den Überfluß des Segens, und errichtet überall Vorratshäuser, jedoch nicht nach der Art Hanochs aus Steinen, sondern aus Holz. Da stecket vier fein behauene Stämme in die Erde, so daß sie zwei Mannshöhen gut in einem Vierecke über den Boden emporragen. Auf dieselben leget eben auch vier Querbäume nach euch schon bekannter baulicher Art. Machet dann ein Halbdach darüber, und decket es mit Rohr und Gras. Zwischen den vier Holzpfeilern, aus der Erde ragend, machet eben auch aus Rohr geflochtene Wände, lasset aber in einer jeden Wand eine Öffnung, viermal so groß als ein Mannskopf, und von der Morgengegend her auch eine Türe, jedoch ohne ein Gitter, damit jeder nach Bedürfnis freien Eintritt habe. Innerlich aber schlaget bis zur Hälfte eines solchen Vorratshauses mehrere kleine Pfähle in die Erde, etwa eine halbe Mannslänge über den Boden hervorstehend. Darüber befestiget dünnere Bälkchen; leget dann darüber ebenfalls Rohrflechten, um so auf dieselben dann die Segensüberfülle für eure Brüder und auch für euch zu legen. In die andere Hälfte aber sammelt und leget dürrgewordenes, langes Gras kniehoch über die Erde als eine Ruhestätte, damit ihr auf derselben die Nacht hindurch schlafet und eure müde gewordenen Glieder ausrastet und erlabet die Eingeweide.

[HGt.01_034,15] Eure Werkzeuge und sonstigen Geräte aber leget unter die Vorratsflechten. Jedoch soll sich nie jemand ein solches Haus zueignen, sondern da arbeite einer für alle und alle für einen und somit alle für alle, daß da nie jemand Not leide unter euch und allen euren Nachkommen.

[HGt.01_034,16] Nahe an den Bergen, die nicht rauchen oder gar brennen, wie ihr sie von hier in weiter Ferne sehet, machet mannstiefe Gruben; allda werdet ihr die euch schon bekanntgemachte Broterde finden, welche ihr jedoch sehr mäßig genießen sollt, und das nicht täglich, sondern nur dann und wann nach dem Willen Gottes zu eurer Gesundheit, so eure Not zu weich geworden ist.

[HGt.01_034,17] Ferner werdet ihr an den Bergen, die ihr nun auch besteigen dürft, wenn sie nicht brennen, schöne, sehr harte, glatte Steine finden; diese sammelt und bringet sie vor eure Wohnungen. Fürs erste sollet ihr darauf Körner eines Grases zermalmen, und aus dem Mehle sollet ihr mittels des Wassers einen Teig machen in einem Gefäße, das ihr in großer Menge an den Ufern des Flusses antreffen werdet, und sollet euch dann dazu auch eine schon bekannte Backstätte bereiten und euch darauf ein gesundes Brot daraus backen. Und fürs zweite aber sollet ihr auch solche Steinplatten nehmen, die etwas weicher sind, von denen es auch eine Menge gibt an den Füßen der feuerfreien Berge, und sollet darauf euch alles dieses aufzeichnen nach der euch bekannten Art, damit noch selbst unsere späten Nachkommen erfahren sollen den euch jetzt geoffenbarten Willen Gottes.

[HGt.01_034,18] Denn hört! So spricht der Herr: ,Solange ihr und eure Nachkommen bleiben werdet in dieser gebotenen Ordnung, so lange auch wird nie ein fremdes Volk sich nähern können diesem Lande und euch stören in eurem Frieden, und Ich Selbst werde euch tausenderlei schöne und nützliche Dinge erkennen und bereiten lehren; doch aber wenn ihr je aus Meiner Ordnung treten solltet und auch verbleiben in Meiner Vergessenheit und nicht wieder zurücktreten würdet alsobald zu Meiner Ordnung, dann werde Ich ein anderes Volk erwecken, es führen hierher, und das wird euch unterjochen und zu Sklaven machen. Da wird dann sein ein Kaiser, der euer Heiligtum zerstören wird und wird euch schlagen und viele töten lassen und wird euch gleich Eseln vor den Pflug spannen lassen und euch züchtigen wie ein Kamel. Der wird sich alles zueignen und wird euch hungern lassen und euch verbieten, euern Durst zu löschen mit dem Safte der Früchte, sondern wird euch zum Wasser treiben wie ein zahmes Tier. Und ihr werdet für ihn müssen, wie zu Hanoch, Städte bauen und ihn gut füttern und seine Diener, damit er kräftig werde, euch zu schlagen und zu töten.

[HGt.01_034,19] Dann werdet ihr für eure Arbeit keine Früchte und kein Brot mehr bekommen, sondern tote Zeichen nach dem Grade der Arbeit, für welche Zeichen man euch etwas weniges zu essen geben wird; ja, so ihr dann noch nicht werdet zur Ordnung zurückkehren, so werdet ihr sogar an den Kaiser von den Zeichen den fünften Teil als eine Arbeitssteuer von dem hart Erworbenen ohne Entgelt zurückgeben müssen, welches wird sein ein Zeichen, daß ihr sogar werdet bitten müssen, um nur arbeiten zu dürfen, und da werdet ihr für eine solche Erlaubnis dann die erwähnte Steuer entrichten müssen.

[HGt.01_034,20] Und Ich sage, da wird im ganzen Lande auch nicht ein Fleckchen sein, das sich nicht der Kaiser möchte zugeeignet haben. Und verteilen wird er dann das Land als ein Lehen an seine Günstlinge und Höflinge; euch aber wird er zum schmählichen Leibeigentum der Günstlinge und Höflinge machen, und diese werden Herren sein dann über euern Tod und euer Leben und euch zu essen geben gekochtes Gras und schlechte Wurzeln, denn sie werden sich die besten Früchte aneignen. Und wer sich dann an einer solchen Frucht vergreifen wird, der wird alsogleich mit dem Tode bestraft werden.

[HGt.01_034,21] Dann wird der Kaiser eure schönsten Weiber und Töchter nehmen für seine und seiner Günstlinge und Höflinge Geilheiten, und ihr aber werdet eure Knaben in den Fluß werfen und dafür seine Kinder ernähren müssen, damit sie euch dann mißhandeln werden. Ich aber werde dann Meine Ohren, um nicht zu hören euer Jammergeschrei, bis ans Ende der Zeiten verstopfen, und es wird euch dann tausendmal ärger gehen, als es euch gegangen ist in Hanoch.

[HGt.01_034,22] Auch dieses alles merket euch wohl, und schreibet es in die anbefohlenen weichen Steine!`

[HGt.01_034,23] So seht denn, meine lieben Brüder, was der Wille Gottes ist; darum tut, wie euch geraten, und ihr könnet so leicht, ja und noch um tausendmal leichter ein selbständiges Volk bleiben ohne auch nur irgendeinen Verlust eurer Rechte. Daher werdet voll Liebe und Gnade, und ferne sei von euch der böse Eigennutz, dann werdet ihr bleiben, wie ihr seid, ein Volk Gottes. - Und nun schließlich ist es der Wille Gottes, daß ihr nämlich diese Kasten über den Fluß einen nach dem andern mittelst Stangen über den Kasten miteinander verbinden sollet und da errichten eine Brücke über den Fluß, damit wir auch das Land jenseits des Flusses betreten und davon dann willkürlich Gebrauch machen möchten.

[HGt.01_034,24] Nun fallet nieder auf eure Angesichter, und danket dem Herrn für diese hohe Gnade der Belehrung und Kundgebung Seines Willens zu unserm allergrößten Wohle und saget mit mir:

[HGt.01_034,25] ,O Du großer, überguter, überheiliger, allmächtiger Gott, wir danken Dir im Staube unserer Nichtigkeit! Laß zu Deinen heiligen Ohren dringen unseres Dankes schwache Stimme aus der Tiefe unserer Bosheit, und siehe gnädig an unser demütiges und schüchternes Herz! O Herr, wir sehen nicht, wie groß die Leere unseres Gemütes ist; daher erfülle uns gnädig mit der Wärme Deiner Liebe, und ziehe nie Deine Gnade von uns armen Kindern der Sünde! Lasse uns, so wir uns je vergessen könnten, gegen Deinen heiligsten Willen zu handeln, ja nicht von Menschen züchtigen, sondern züchtige Du uns nach Deiner Gerechtigkeit und großen Milde, und schaffe uns um in unseren Herzen nach Deiner großen Barmherzigkeit, damit wir dereinst würdig werden möchten, Deinen Kindern nur im geringsten zu gleichen! Und so bleibe Du unser aller großer, heiliger Gott und unser Herr, und werde dereinst auch unser lieber, heiligster, heiligster Vater! - O Herr, erhöre unser Flehen und vernimm gnädigst unsere schwache Bitte! Amen.`

[HGt.01_034,26] Nun denn gehet und vollziehet alles nach Zeit und Rat, und überzeuget euch von allem, damit ihr sehen möget, wie wahrhaftig und getreu der Herr ist! Und habt ihr alles vollzogen und des Herrn nie vergessen vor und nach jeder Arbeit, und vor und nach jedem Mahle, vor und nach dem Schlafe, vor und nach dem Aufgange, vor und nach dem Niedergange - und ganz besonders aber, so ihr euch beschlafet, sollet ihr vor und nach der Handlung über alles den Herrn um Seinen Segen bitten -, dann werdet ihr zeugen Kinder des Lebens und des Lichtes, im Gegenteile aber nur Kinder des Todes und der Finsternis.

[HGt.01_034,27] Ich aber werde mein ganzes Leben hindurch hier in der Gegend des Flusses verbleiben, da wir gelandet sind; und dort über dem Flusse in jener weiten Grotte auf dem schönen Berge wird meine und meiner Kinder Wohnung sein, damit ihr mich allezeit finden möget, sooft jemand ein Anliegen hat. Diese Grotte und den Berg gibt mir der Herr zum Besitztume aus Liebe zu euch, damit ihr mich allezeit finden könnet.

[HGt.01_034,28] Euer aber ist das ganze, große, schöne Land. Ich werde nach dem Willen Gottes noch sehr alt werden und noch ein später Zeuge sein aller eurer guten oder schlechten Handlungen. Und von allen, die hier sind lebend, werde ich der Allerletzte sein und euch folgen vor das Angesicht des Herrn.

[HGt.01_034,29] Ihr, meine zehn Begleiter, die ihr auch schon weise geworden seid, nehmet das Volk und führet und verteilet es weise im Lande und lehret sie, was ihnen not tut; und kommet, sooft der Mond voll geworden ist, zu mir des Rates und der Lehre wegen. Amen."

[HGt.01_034,30] Und siehe, als nun Meduhed beendet hatte seine Rede, da verneigte sich alles Volk vor ihm, fiel noch einmal ohne Geheiß des Meduhed zur Erde nieder und dankte Mir für eine solche heilsame Lehre, richtete sich dann wieder auf und nahm ehrfurchtsvoll die Nahrung zu sich, lagerte sich dann zur Erde und rastete und betete mitunter, drei Tage lang. Dann erhob es sich, nahm die Werkzeuge und stellte zuerst die Brücke her, dann aber ging es unter der Segnung Meduheds auf seine fernere Bestimmung nach allen Richtungen des Landes und pries und lobte Mich allenthalben. Und da wurden, wie leicht einzusehen, dann viele von ihnen weise nach der Art Meduheds und lebten so als ein glückliches Volk bei neunzehnhundert Jahre, beinahe bis in die Zeiten Abrahams, und wurden nicht mitgenommen von der Sündflut Noahs.

[HGt.01_034,31] Später aber fingen sie Meiner auch nach und nach an zu vergessen, da Ich sie zum gebildetsten und reichsten Volke der Erde gemacht hatte, und gefielen sich in allerlei Schnitzwerk und fielen dadurch völlig in die schwarze Abgötterei und Hurerei aller Art.

[HGt.01_034,32] Und nachdem Ich ihnen sechshundert Jahre lang durch die Finger zugesehen hatte und sah keines und abermals keines zur reuigen und sich bessernden Umkehr auch nur irgend die allergeringste Miene machen, so erweckte Ich, wie Ich es ihnen schon durch Meduhed hatte androhen lassen, in der Gegend der heutigen Mongolei ein Volk zur allgemeinen Geißel und ließ es durch einen Engel, der unsichtbar war, hinführen nach Ihypon, machte ihnen eine Inselbrücke vom heutigen Sina aus, wovon noch heute mehrere Inseln in einer etwas gebogenen Reihe zeugen, daß sie trockenen Fußes wie die Israeliten übers Rote Meer und auch fast gleichzeitig dahin gelangten, bei welcher Gelegenheit Ich dann durchs Feuer der Erde um Ihypon eine Menge großer und kleinerer Inseln emporheben und entstehen ließ als allfällige Zufluchtsorte für einige sehr wenige Weise, welche allda in Grotten wohnten und Mir im stillen dienten, bis Ich sie abrief von der Welt.

[HGt.01_034,33] In solchen Grotten finden sich auch noch zum Zeugnisse Meiner Liebe solche bezeichneten Tafeln vor, welche freilich jetzt niemand lesen könnte, und zwar viel weniger noch als die Hieroglyphen Ägyptens, welche niemand außer nur ein vollends Wiedergeborener wird lesen können und nur hie und da einiges erraten irgendeine starke fleischkranke Seelenschläferin durch ihren auf ganz kurze Momente nur aufgewachten Kindgeist.

[HGt.01_034,34] Und so findet sich auch in der Höhle (die früher oder damals Meduhedsgrotte hieß) jetzt noch das euch schon bekannte hohe Lied, wie auch noch einige bekannte Werkzeuge; jedoch ist diese Höhle jetzt unzugänglich, da sie sich auf einem hohen Berge befindet, was Ich später durch Feuer und bis jetzt noch andauernde Erdbeben bewirken ließ.

[HGt.01_034,35] Und so ist dieses Land noch heutzutage in der kaiserlichen, halbmongolischen und halb ur-ihyponischen Verfassung. Der Ungläubige reise hin und überzeuge sich; aber es wird ihm wenig nützen, so er nicht völlig die Wiedergeburt erreicht hat. Und hat jemand diese, der wird nicht nur die ganze Oberfläche der Erde, sondern auch die Tiefe derselben bis in den Grund mit hell verklärten Blicken schauen.

[HGt.01_034,36] (Denn alles, was Ich euch hier gebe, ist wahr und getreu für Meine Kinder; denn Ich gebe es nicht der Welt, sondern Meinen schwachen Kindern. Daher sollen dieselben Meine Liebe und Weisheit und Meine Worte und Meine Gnade nicht mit dem Maßstabe der Welt bemessen. Denn Ich will nicht glänzen vor der Welt, sondern will von euch nur geliebt sein. Denn Ich habe der Sonnen genug, um der Welt etwas vorzuglänzen. So ihr aber Meine Schrift mit eurer Weltgelehrtheit bemängelt, was glaubt ihr, was Ich dereinst tun werde mit eurem Weltunsinn? - Daher lernet es von Mir; wenn ihr erst werdet aus Mir gelehrt sein, dann erst werdet ihr sehen und erkennen, wessen Regeln höher stehen, - Meine oder die der Welt. Denn die Welt hat das Wort im Sinne, Ich aber habe den Sinn im Worte, - daher derjenige gar gewaltig zerstreuet, der nicht mit Mir sammelt!)

[HGt.01_034,37] Bevor Ich euch noch in dieser Meiner Haushaltung weiterführen werde, will Ich euch kurz etwas bezüglich Meines Engels sagen, - namentlich aber denjenigen, welche fast in jeder Zeile einen sogenannten Grammatikalanstand genommen haben der Welt wegen. Da ihr Herz dabei nicht schalkhaft ist, so sollen sie, wo Mein schwacher Geheimschreiber Meines neuen Wortes irgendein N-Strichel zu viel oder zu wenig gemacht hat zufolge einer in ihm schon alten, unaufmerksamen Gewohnheit, es nach ihrer Einsicht ergänzen, so auch das Unorthographische und die I-Tüpfel; aber wer es da wagen würde, auch nur ein Wort zu versetzen oder einen besseren Reim zu suchen oder irgendeinen abgängigen Fuß unnotwendig zu suchen, den werde Ich mit ärgerlichen Augen ansehen. Suchet nicht das Wort im Sinne, sondern den Sinn im Worte, wollt ihr zur Wahrheit gelangen; denn im Geiste ist die Wahrheit, aber nicht in der Wahrheit der Geist, was unmöglich sein könnte, da der Geist frei ist und jeder Regel vorrangig, Wahrheit aus sich schöpfen lassend. Da ihr das schon sogar von euren Genies sagt, warum sehet ihr hernach Meinen Geist mit gar kritischen Augen an, als wenn euch ein Schulknabe irgendein schlechtes Pensum gegeben hätte zur Korrektion?! - Daher, so jemand glaubt, Ich tauge mit dem Kleide nicht in die Welt, der behalte Mich daheim; es wird aber jedem verdienstlicher sein, Meiner Schrift eine aus ihr entnommene Regel hinzuzufügen als eine Weltkritik, - denn viel seliger ist Geben als Nehmen! Dieses verstehet wohl! Amen.

 

35. Kapitel

[HGt.01_035,01] Nun wenden wir uns in die Schule der Hyäne und suchen unsere vierzehn Studierenden heim und wollen auch da noch wirksam vernehmen, wie weit es eigentlich dieses Völklein in dieser außerordentlichen Lehranstalt die kurze schon bekannte Zeit hindurch in der Besserung des Gemütes gebracht hat.

[HGt.01_035,02] Sehet und merket wohl, und es soll da niemand haben ein verstopftes Ohr und ein geschlossenes Auge, um zu vernehmen noch ein kräftiges Wort aus dem Rachen der schon bekannten Hyäne, ebenso eines Tigers, eines Löwen, eines Wolfes und eines Bären. Denn die Menschen sind voll Lüge, und es kann da auch nicht einer etwas Wahres dem andern sagen, da euch schon gar oft die Erfahrung gezeigt hat, wie sehr die Gelehrten in der Irre sind, da alle ihre Irrlehren durch andere verdrängt werden, die oft noch schlechter sind als die verdrängten und gebrochenen. Somit ist es auch für euch nicht überflüssig, feste Worte aus der Sphäre der ungeheuchelten Natur voll Mark und Kraft zu vernehmen und daraus auch ein gutes Notabene euch ins Herz zu schreiben, um daraus zu ersehen, wie wahrhaft, gerecht und getreu euer aller heiliger, ewiger Vater ist.

[HGt.01_035,03] Denn sehet, als nun die Zeit in ihrer Bestimmtheit erfolgreich abgelaufen war, da trat nun wieder die Hyäne voll Grimmes vor die erschreckte Gesellschaft, um durch die Angst ihre Gemüter desto aufmerksamer zu machen, und sprach mit von Mir zulassend gelöster, breiter Zunge aus weit geöffnetem Rachen, wie da folgt:

[HGt.01_035,04] ,Auf vom Tode! So will es der große, allmächtige Gott und Herr aller Seiner zahllosen Geschöpfe! Die kurze Zeit ist schnell verronnen; schnell haben Tage und Nächte über eurem schwachen Dasein gewechselt. Damals, als ihr daher von mir Hyäne durch den mächtigen Willen des allerhöchsten Gottes geleitet wurdet, sahet ihr den Mond in seiner Fülle euch erleuchten die schroffen Pfade der wirren Höhen bis zur Höhle, die ich und meine Kinder bewohnten, und die wir euch willig abgetreten haben, damit ihr euch allda habt erlaben können in der frischen Kühle der Erde. Nun sehet ihr wieder an den Mond und sehet, wie er neuerdings groß und voll geworden ist, da er früher sich verloren hatte bis zur Nichtigkeit seines Lichtes und geworden ist dann ein Kind, dann ein Jüngling und nun wieder geworden ist gleich einem Manne voll Kraft und Majestät.

[HGt.01_035,05] Was euch dieser unablässig in kurzen Zeiträumen vollsinnigst belehrend zeigt, das sollet ihr einmal in eurem Leben getreu nachahmen. Es soll und muß euer Weltlicht abnehmen gleich dem Lichte des Mondes, damit ihr fähig werdet nach eurer gänzlichen Hingabe des früheren Weltlichtes - was euer hochmütiger Verstand ist -, ein neues Licht aus den hohen Himmeln aufzunehmen, welches da ist eine wahre Liebe ohne Eigennutz und daraus die Gnade des großen, heiligen Gottes.

[HGt.01_035,06] Sehet, so wie ich jetzt mit euch rede, so kann auch jedes Ding für euch sprachfähig werden durch die gnädige Zulassung von oben. So ihr aber verstockten, herrschsüchtigen Herzens bleiben werdet, dann fallet nieder vor uns, euch gemahnend an diese Rede, und denket, wie tief unter uns ihr stehet - und wie hoch die Kinder Gottes über uns!

[HGt.01_035,07] Denn saget, welches Tier habt ihr je das andere beherrschen sehen? Welches Tier habt ihr sehen sich etwas zueignen? Welches Tier habt ihr sehen je etwas dem andern wegnehmen? Oder habt ihr uns je untereinander morden sehen oder lügen und betrügen oder treiben Hurerei bloß zur Befriedigung der Wollust?

[HGt.01_035,08] Saget, wann habt ihr von uns eine Handlung begehen sehen, welche nicht wäre unserer Natur gemäß gewesen vollends?

[HGt.01_035,09] Wäre es denn nicht billig, daß die Tiere von euch erlernt hätten den nützlichen Gebrauch ihrer Kräfte?! - Und nun, wie ihr sehet, müssen wir reißenden Bestien euch Sanftmut und des Lebens weisen Ernst erst zeigen und lehren! O schämet euch, ihr Herren der Welt, da eine Mücke, die um meine Ohren säuselt, mehr Weisheit besitzt, als ihr und ganz Hanoch mit den zehn Städten sie besitzen; denn ist auch die Dauer ihres Lebens nur kaum auf einige Tage beschränkt und ihres Wirkens keine sichtbare Spur vorhanden, so hat sie aber selbst in dieser sehr kurzen Lebensdauer unendlichmal mehr getan als ihr seit den Zeiten Cahins mit all eurer Städteerbauung und Brüdermarterung, denn sie erfüllte den in ihr waltenden Willen Gottes und hatte dankbare Freude dieses eitel kurzen Daseins. Allein ihr ewig leben sollenden Menschen konntet vergessen eures Wertes in euch und noch mehr des unendlichen Wertes der überheiligen Liebe des ewigen, heiligen Gottes in eurem Geiste!

[HGt.01_035,10] Wir toten Wesen freuen uns dankbar des stummen, kurzen Lebens, und ihr Lebendigen könnet Freude haben, den Unrat des Todes mit gieriger Zunge zu lecken!

[HGt.01_035,11] O Du großer, heiliger Gott, warum hast denn Du nicht lieber lauter Hyänen, Tiger, Löwen, Wölfe und Bären erschaffen, die da allezeit tun Deinen heiligen Willen?! Und nie hättest Du gedenken sollen zu erschaffen auch nur einen Menschen, der da nicht nur Deines so überheiligen Willens, sondern sogar Deiner Selbst vergessen konnte!

[HGt.01_035,12] O seht her, ihr schönen, glatten Menschen, sehet meine abschreckende, zottige, elende Gestalt; ist sie nicht, als wäre sie in des Gottesfluches Nacht gehüllt und die eure dagegen in den höchsten Segen der ewigen Liebe?!

[HGt.01_035,13] Aber wie ist es denn, daß unter der Hülle des Todes Dank dem Schöpfer, - und unter eurer Haut des Segens Spott, Hohn, Verachtung und endlich sogar gänzliche Vergessenheit Ihm entgegeneilt?!

[HGt.01_035,14] Daher kommt es, daß ihr euch zum Auswurf der Hölle durch euren Ungehorsam gemacht habt, während mein Geschlecht in aller Knechtschaft der göttlichen Macht, um viele Jahrtausende vor euch über die Fluren der Erde wandelnd, in seiner Wildheit hartem Drucke doch nie aus der ihm von Gott angewiesenen Ordnung undankbar trat!

[HGt.01_035,15] O bedenket wohl diese Worte einer reißenden Bestie, und erhebet euch zur Würde, auch nur Geschöpfe genannt zu werden, und sehet, ob es euch einmal gelingen wird, Menschen genannt zu werden, und denket dann, wie hoch noch dann die Kinder Gottes über euch stehen werden, und daß ihr ihnen wenigstens ähnlich, wennschon nicht gleich werden könnet und auch sollet. - Meine Rede ist zu Ende; ihr aber bleibet und vernehmet noch ein anderes Geschlecht! Amen."

[HGt.01_035,16] Und seht, als nun die Hyäne diese eindringliche Rede vollendet hatte, da sprang in grimmer Hast ein mächtig großer Tiger vor die eingeschüchterte Gesellschaft, blickte sie furchtbar ernst an und wandte, seine Rute behende schwingend, sich dann an den Redner und Anführer, sah ihn eine Weile starren Blickes an, sperrte endlich weit auf seinen tödlichen Rachen und begann dann wie folgt zu reden, sagend:

[HGt.01_035,17] ,Sihin! Das sei dein Name, - das heißt, dieser Name sage dir, daß du ein Sohn des Erdenhimmels bist, der da ist ein Himmel der Tiere, die da haben eine Seele aus dem Feuer der Sonne, welche redend geworden ist zu eurer Seele, die da eine Seele ist aus Gott, gegeben euch zur großen Schande vor mir und allen Blutschmeckern der Wälder und Gebüsche, da sie vergessen hatte des großen Gebers, während unsere Seele sich noch nie ein Haar breit über Seine Ordnung gewagt hatte, obschon auch wir mit den nämlichen fünf Sinnen begabt sind wie ihr und haben ein Gedächtnis, eine Begierde und unterscheiden Erde und Wasser, Feuer und Luft, naß und trocken und unterscheiden Tag und Nacht, hoch und nieder, steil und eben, warm und kalt und haben auch eine sehr scharfe Sehe, vor der sich sogar ein verdorbener Geist nicht verbergen mag, sondern wie todfurchtsam vor ihr darniederschaudert, da er vor sich sieht einen unerbittlichen, starken, mutvollen Richter, der gekommen ist, die erste Enthüllung mit ihm vorzunehmen und zu zerreißen seinen Kotpalast und zu trinken sein unreines Blut, damit nicht die geheiligten Berge damit verunreinigt werden sollen.

[HGt.01_035,18] Ihr alle hattet es mit eigenen Augen gesehen, was dem Heere Tatahars nicht ferne von hier widerfahren ist; meinet ihr, daß euch die Esel und Kamele geschützt haben vor unserem gerechten Grimme? - O nein, ihr würdet euch sehr irren, so ihr dieser grundfalschen Meinung wäret! Gott hat uns geboten, eurer zu schonen; und es gab auch nicht eines unter uns, welches nicht alsogleich gehorcht hätte dem Willen des allmächtigen Schöpfers!

[HGt.01_035,19] Und ihr Menschen, die ihr nicht nur die fünf der edelsten Sinne, sondern noch dazu eine unsterbliche Seele und in derselben einen göttlichen Geist habet, ihr konntet Gott vergessen und gänzlich unbeachtet lassen Seinen allerheiligsten Namen und Willen?

[HGt.01_035,20] O du elendes Geschlecht, du verruchtes Menschenwesen, du wahres Moderscheusal der weiten Erde! Sage, was bist du, oder was willst du sein, wenn dir Gott, der Heilige, dein liebevollster Schöpfer, durch den allein du, wie alles, nur bist und bestehst, zunichte geworden ist?! - Er, der dir dazu noch die vollste Freiheit aus zu übergroßer Liebe schenkte, um dich Auswurf der Hölle einst näher und näher an Sein liebendes Vaterherz zu ziehen! Dafür, dafür muß Er, der liebevollste, heilige - O Du großer Gott, unterstütze meine Kraft, die mich beim Anblicke dieser Scheusale verlassen will, damit ich vollziehen kann Deinen heiligen Willen! - Vater, verflucht und vergessen werden!

[HGt.01_035,21] Sehet das Gras! Es lobet Gott, denn es kennt in seiner Stummheit Gott, und ihr wißt in eurer lebendigen Freiheit nichts von Ihm! Ja, seht diese Berge, seht die Steine, seht die Wasser, seht uns, ja alles, was nur euren Blicken, Ohren und anderen Sinnen begegnen kann, lobet, ehret und preiset Gott, - und alle Himmel sind voll Seiner großen Gnade, Seines Ruhmes und Seiner unendlichen Ehre! Und wovon seid denn ihr erfüllt, daß ihr Ihn aus den Augen und Herzen so ganz habet verlieren können?!

[HGt.01_035,22] Kurz - zu Ende sind meine Worte! Es wäre mir nicht möglich, euch länger anzuschauen und mich zu enthalten der gerechten Wut! Daher verlasse ich euch nach dem Willen des Höchsten und sage euch nur noch zum Schlusse, daß ihr - so euch die ewige Liebe aus unseren sanften Klauen gegen eure Hände, die noch vom Bruderblute dampfen, ins Freie geleiten wird und euch setzen wird zu einem Volke der Erde - gedenken sollet, was euch hier ein grausamer Tiger, aus dessen Augen Blutgierde grinsend und helllodernd brennt, doch gegen euch wie ein Lamm, nach dem Willen Gottes gesagt und gezeigt hat!

[HGt.01_035,23] Lernet es von der Natur, so euer Herz stumm geworden ist gegen die so laute Stimme Gottes! Amen."

[HGt.01_035,24] Und als sogestalt vollendet hatte der Tiger seine Rede, stark und wirksam, so kam nun die Reihe an den Löwen, der auch plötzlich, hinter einem Dickichte lauernd, aus demselben riesig hervorsprang und vor den schon etwas mutiger gewordenen Augen Sihins eine feste Stellung nahm, seinen Rachen weit aufsperrte und, wie erwähnt, ebenfalls zu reden begann, nämlich sagend: ,Höret, ihr Tauben, und sehet, ihr Blinden, sein wollende Machthaber der Erde, ihr starken Könige, Fürsten und Herren der Welt in eurer Mückenschwäche! Was meint ihr, was wohl die erste Pflicht wäre für ein freies Geschöpf, das da seine ihm von Gott verliehenen Kräfte willkürlich gebrauchen kann, das da durch nichts gehemmt ist und sein kann, zu denken aus der Liebe des großen, allmächtigen Schöpfers?

[HGt.01_035,25] Seht, ihr starret mich an wie ein zerschellter Steinblock und wißt weniger als ein modernder Baumstamm! Wäre es nicht die erste Pflicht, zu trachten nach Dessen heiligstem Willen, der euch, wie mir, das Leben gab - und zwar euch ein unsterbliches, mir aber ein sterbliches -, und zu erfüllen denselben bereitwilligst und zu erreichen dadurch die verlorene Gnade, die da verzehrt hatte euer dickster Ungehorsam?!

[HGt.01_035,26] Tatet ihr je das, oder tut ihr's vielleicht jetzt? - O nein, ihr habt Gott noch nie erkannt; und was man nicht kennt, gegen das ist man auch aller Pflicht enthoben, - das ist euer schnöder Trost! Ich aber muß es euch sagen und euch fragen, wie es denn eigentlich ist, zu vergessen Dessen, an den euch doch jeder Tag und jede Nacht hätte stark erinnern sollen, und laut verkünden Seine große Majestät die aufgehende Sonne, der Mond und die hellen Sterne.

[HGt.01_035,27] Seht, ich bin ein starker, grausamer Bewohner dieser unwirtbaren Gegend voll toter Steine und stechender, dorniger Gebüsche, muß mir mühsam und notgedrungen von meiner Natur auch grausam eine elende Nahrung suchen und nehmen dankbar, was mir Gottes Gerichte kärglich nur zukommen lassen, und darob oft tagelang den wütendsten Hunger dulden und leiden. Daher sage ich euch: So jemand mir in meiner großen Not auch nur mit einigen Tropfen Wassers zur Stillung meines brennenden Durstes entgegenkäme und labte damit meine dürr gewordene Zunge, - wie ein Schutzengel würde ich ihm dankbar folgen, teilen mit ihm meinen letzten Bissen und sterben aus Liebe zu meinem Wohltäter!

[HGt.01_035,28] Aber ihr Menschen - nicht nur, daß ihr eure für euch arbeitenden Brüder schlaget, martert und tötet - seid sogar Gott undankbar, fluchet Seinem Segen und verdammet Seine Gnade und verkehret Seine große Liebe in den giftigsten Unrat der Schlange!

[HGt.01_035,29] O Lamech, Lamech! Die Wälder wolltest du anzünden, um uns zu vernichten, da wir gehorsam waren dem Willen des großen Gottes! Was sollen denn aber wir dir tun, der du Gottes vergessen hast, und der du ermordetest deine Brüder und wolltest uns vor dem Gerechten blutschuldig machen?!

[HGt.01_035,30] Seht, wir suchen keine Rache, obschon uns wohl bekannt sind seine Pläne; aber nur ihr undankbaren Menschen wollt euch rächen an den Schuldlosen! Daher lernet es von mir, dankbar sein und Gott gehorsam; dann erst tretet hinaus und werdet, wozu euch Gottes höchste Liebe gemacht und berufen hat! Amen."

[HGt.01_035,31] Und siehe, als nun der Löwe vollendet hatte seine Rede, da kam auch der Wolf geschlichen, fing an, dieser nun schon wohl geweckten Gesellschaft eine gute Predigt zu halten, und ermahnte sie ernstlich zur Pflicht des Gehorsams und gegenseitiger Liebe in Gott und aller Seiner Kreatur, indem er sagte:

[HGt.01_035,32] ,Seht her, vor euren Augen und Ohren und schüchternen Herzen stehe ich, ein gefürchteter, reißender Wolf, berufen und geweckt von der großen Barmliebe des allmächtigen, heiligen Gottes - der da ist eine ewige Kraft, voll des allerhöchsten, vollkommensten Lebens aus und in Sich, unsichtbar allen Wesen, die sich ungeheiligt in Seiner Gnade gemacht haben, da Er der Allerheiligste ist -, euch anzuzeigen Seinen heiligen Willen, dessen ihr auf eine so schmähliche Art brudermörderlich vergessen habt in aller Selbstsucht, Eigenliebe, Herrschsucht und daraus auch in aller Verachtung dessen, was euch nur irgend an das Dasein des großen Gottes und Seine unantastbare Heiligkeit hätte erinnern können.

[HGt.01_035,33] Daher erweckte zu eurer großen Demütigung und unaussprechlichen Beschämung die ewige Liebe gerade uns, die allerverachtetsten und gefürchtetsten Bestien, euch zu predigen fürs erste Gehorsam in aller Sanft- und Demut, und fürs zweite euch Blinden zu zeigen durch unser Handeln und Wandeln, wie nun auch durch das Wort von unserer gelösten Zunge, kräftig und eindringlich den Willen Gottes an euch unsterblich sein und werden sollende Menschen.

[HGt.01_035,34] Und dieser heilige Wille, in welchem alle Kraft und Macht, alle Weisheit und Stärke, das ewige Leben und die allerseligste, wonnevollste Freiheit besteht und bestehen wird ewig, lautet also: Ihr alle seid vollkommen gleich vor Gott, somit Brüder und Schwestern; daher soll sich keiner auch nur je träumen irgendeinen Vorzug vor den übrigen. Denn da soll weder Stärke, Schönheit, Jugend, Alter, Tugend, Weisheit oder was immer euch je zu irgendeiner Vorzüglichkeit das Recht einräumen, sondern mit all diesen Vorgaben sollet ihr nur in aller Liebe und Ergebung in den göttlichen Willen einander beispringen und aushelfen den geflissentlich minder Begabten, damit euch eine Gelegenheit würde, zu üben die göttliche Tugend der ewigen, euch eingepflanzten Liebe des so überguten Schöpfers. Denn nur aus reinster, größter Liebe hat sich Gottes allmächtige Heiligkeit bewegen lassen, zu erschaffen aus Sich euch schlechte, undankbare, Ehr', Liebe und Gottes vergessende Menschen und dann noch eine zahllose, unendliche Menge von Wesen aller unübersehbaren Arten euretwegen, die euch in jeder möglich denkbaren Art dienen sollten.

[HGt.01_035,35] Allein ihr dreimal Blinden und Übertauben sehet und vernehmet nichts von allem dem, was euch nur hätte allezeit frommen sollen, sondern eure schändliche, unordentliche, geile Sinnlichkeit und Fleischliebe hat euch verfinstert in allem und so geworfen in die Klauen des gerechten, verdienten Todes!

[HGt.01_035,36] Daher bedenket, was ihr sein solltet und könntet, und was ihr jetzt seid: nichts als elende Larven und Schlangenpuppen der Hölle!

[HGt.01_035,37] Ändert eure Sinne, ordnet eure Begierden, waschet euch mit der Liebe, werdet einander gleich in der Demut, im Gehorsam und in der wohlgeordneten Zucht eurer Kinder; lasset ab von der Hurerei und zeuget im Segen Gottes eure Kinder, und seid denselben wahre Väter und Mütter in der Liebe und Gnade Gottes; lehret sie vorerst gehorchen eurer weisen Liebe und darinnen finden die große Liebe, den heiligen Willen und so auch die unschätzbare Gnade Gottes; dann werdet ihr erst erkennen, daß nicht wir bösen Tiere, sondern Gottes Liebe durch unsere gelösten Zungen solche heiligen Worte an eure Ohren gnädigst gerichtet hat!

[HGt.01_035,38] Und werdet ihr werden, wie euch gelehret nun hat die Liebe des ewigen, heiligen Schöpfers, dann werdet ihr nicht nur Tiere, wie ihr eben erfahret, sondern alle Kreatur für euch sprachfähig finden, und der Tod wird sich verlieren aus eurem Herzen, und mit lebendigen Augen und weitgeöffneten Ohren werdet ihr die Tiefen der göttlichen Wunder in großer Klarheit vernehmen. Bedenket wohl, was euch hier ein Wolf gewiß wunderbar gepredigt hat, und denket daraus in euren gebrochenen Herzen, wie der ewigen Liebe und Heiligkeit Gottes alle Dinge gar leicht möglich sind, - und ihr werdet dann noch viel seltsamere Dinge in euch gewahr werden durch die Gnade Gottes! Amen."

 

36. Kapitel

[HGt.01_036,01] Und seht, als nun der Wolf - wohlgemerkt: ein Wolf, sage Ich - vollendet hatte wunderbar diese Rede voll Weisheit aus Mir, da sprang er freudig ins Freie, und ein großer Bär stand auf einmal, wie ihr zu sagen pflegt, wie aus den Wolken gefallen vor der in sich gegangenen, zerknirschten Gesellschaft und blickte sie wirren, unsteten Blickes an, als wollte er dadurch anzeigen, daß ihr Gemüt noch gleich seinen Augen wirre und unstet ist. Wohlbezeichnend dadurch ihren Gemütszustand, öffnete endlich auch er seinen Rachen und fing nach Meinem Willen an, feste und dadurch sehr befestigende Worte voll Ernstes und Würde an sie zu richten, sagend nämlich:

[HGt.01_036,02] ,Was ist Gott, was seid ihr, und wer bin ich? - Nachdem Gott, der Ewige, Heilige, Allmächtige diese ganze sichtbare, unendliche Welt mit all den Sonnen, Erden, Monden, Meeren, Bergen, Tälern und großen Landebenen aus Sich durch Sein allmächtiges, wesenhaftes Wort gemacht hatte und dann darauf gesetzt hatte Gewächse aller Art, als da sind Gräser, Kräuter, Sträuche und Bäume, und zwar nach Seiner weisen Ordnung eines nach dem andern, so auch dann etwas später in derselben Ordnung nach und nach Tiere aller erdenklichen Art, und gesehen hatte, daß alles dieses vollkommen Seiner Heiligkeit gemäß gut war, da sprach Seine Liebe in Sich Selbst zu Gott in der Mitte Seiner unendlichen, allmachtvollen Heiligkeit:

[HGt.01_036,03] ,Nun ist alles wohl zubereitet; so lasset Uns denn auch den Menschen machen aus dem feinsten Lehm der Erde als ein vollkommenes Ebenbild aus Mir nach Meiner Liebe sowohl als auch Meiner Gnade, damit Wir erkannt und gelobt werden möchten von einem selbständigen Leben außer Uns, und damit auch dereinst alle Kreatur in und durch denselben möchte erlöst werden, um zu gelangen dadurch wieder zum freien Bewußtsein ihres zweckdienlichen Daseins aus Mir!`

[HGt.01_036,04] Und seht, wie beschlossen, so ward es auch alsogleich vollends ausgeführt. Nun stand nach wenigen Augenblicken der freie, ewige Mensch da in aller seiner herrlichen Majestät, ausgerüstet mit allen unendlichen Vollkommenheiten, Vorzügen und noch größeren Fähigkeiten zur Erreichung von noch unendlicheren Vollkommenheiten der Ähnlichwerdung mit seinem urheiligsten Ursprunge, nämlich zur Ähnlichwerdung seines großen Gottes aus und in aller geistigen Heiligungssphäre.

[HGt.01_036,05] Er hatte Macht, zu reden mit aller Schöpfung, und da war keine Sonne so hoch und weit gestellt, die da nicht hätte vernehmen können seine starke, fragende Stimme; auch hätte sich da kein allergrößter Engelsgeist gewagt, dem großen Frager und Redner eine Antwort schuldig zu bleiben.

[HGt.01_036,06] Und Gott, Selbst sichtbar Seinem Lieblinge, redete und sprach mit ihm wie ein Bruder zum andern, sagend nämlich: ,Sieh Mich an, Mein geliebter Adam! (Denn so hieß und heißt noch lebend dieser erste Mensch.) Nicht um dich zu prüfen, sondern um dich ganz vollkommen frei und somit Mir dich gleichmächtig wie eins zu machen, gebe Ich dir ein leichtes, kurzes Gebot nur auf eine sehr kurze Zeit; dieses sollst du halten die Zeit hindurch, da Ich bald wieder zu dir kommen werde. Hast du es gehalten treu, so will Ich bei dir bleiben, und so sollst du dann mit Mir alles wie eins haben.

[HGt.01_036,07] Siehe, alles muß sich fügen deiner Macht; aber sieh dort in geringer Ferne einen Baum mit schönen Früchten beladen; diesen habe Ich noch nicht gesegnet aus einem wohlweisen Grunde! Daher sollst du nicht eher verkosten den süßen Saft des Apfels; denn an dem Tage, da du davon essen wirst vor Meiner segnenden Wiederkunft, wirst du sündigen, dich verderben und schwach, matt, blind, taub und sterblich machen! O Mein geliebter Adam, bedenke wohl die Worte deines liebevollsten Schöpfers, und verdirb Mir ja nicht Mein so weit schon gediehenes, größtes Werk Meiner Liebe und Weisheit!

[HGt.01_036,08] Denn nun hängt es nicht mehr ab von Mir und aller Meiner Allmacht, sondern einzig allein nur von dir vermöge deiner von Mir dir schwer verliehenen Freiheit deines Willens.

[HGt.01_036,09] Du kannst dich nun erhalten oder verderben! - Daher halte dies leichte Gebot und werde dann ein zweiter Gott aus Mir und in Mir!`

[HGt.01_036,10] Und seht, es wechselte der Tag kaum siebenmal mit seiner lichtlosen Begleiterin, als auch schon dieser erste, von Gott so überhoch und ganz frei gestellte Mensch durch den wollustvollen, verderblichen Anblick seines zweiten Ichs schwach, taub, blind und dennoch wissentlich zu seinem eigenen größten Schaden Gottes vergaß und böswillig dem so leichten und der allerhöchsten Liebe vollsten Gebote seines so überguten und heiligen Schöpfers ungehorsam wurde.

[HGt.01_036,11] Darob ergrimmte der Ewige, Heilige und zerstörte die ganze sichtbare Schöpfung vor dem Angesichte des reuigen Frevlers. Auch nicht ein Stein, der da die Größe eines Apfels hätte, blieb verschont, wie auch kein Tier, welches auch schon Jahrtausende vor dem undankbaren Menschen dankbar über die noch mageren Fluren der Erde wandelte. Da fand alles den völligen Untergang in dem unendlichen Meere des göttlichen Zornfeuers.

[HGt.01_036,12] Gott war nichts mehr heilig; schuldig oder unschuldig, - das war dem großen Zorne einerlei. Über und in allen unendlichen Räumen donnerte Seine Stimme furchtbar gewaltig aller Kreatur ewige Vernichtung. Die Welten erbebten, sich lösend in ihren Fundamenten, und die Trümmer flohen heulend und furchtbar wehklagend von einer Unendlichkeit zur andern vor dem ergrimmten Angesichte Gottes.

[HGt.01_036,13] Allein hier geschieht etwas, was in alle Ewigkeit kein Engel begreifen wird: Während Er, der Heilige, mit Seiner Rechten alles vernichtet im Zorne, der Entheiligung durch die Sünde des großen Frevlers wegen, schützet Seine gleich heilige Linke den weinenden Sünder! Und nur eine kleine Träne des Sünders fiel in das so mächtig grausam zornglühende Auge Gottes, und seht, aller Zorn war verschwunden, und schon lächelte eine neue Schöpfung in und aus allen endlosen Räumen den ungehorsamen Menschen an, und die Erde und alle Welten wimmelten wieder fröhlich von zahllosen Geschöpfen zum Dienste des ungehorsamen Menschen.

[HGt.01_036,14] Wie er war vor der Sünde, so blieb er begnadigt nach derselben noch fast über dreißig Jahre in aller unbegreiflichen Macht und Kraft; er fiel wieder, da er stolz vergaß im Taumel der Wollust seines so liebevollen Schöpfers. Der Schöpfer trieb ihn (das heißt: ihn auf Seinen Händen tragend) aus dem Paradiese, während an einem anderen Orte die Wüste erblühen mußte unter dem Fußtritte des großen Sünders.

[HGt.01_036,15] Den Brudermörder Cahin strafte Er mit einem überfruchtbaren Lande, weil er geweint hatte über seine Untat, und befreite ihn noch überdies aus den Klauen seines Sohnes Hanoch und schenkte ihm das Meer und alles Land in demselben; so ebenfalls den Meduhed mit seinem großen Volke; und nun bewährt sich Seine unendliche Liebe wieder neuerdings an euch, und Sein Herz ist nicht einmal verschlossen vor dem größten Frevler Lamech!

[HGt.01_036,16] O seht, seht, ihr unwürdigsten Menschen, welche unendliche Liebe Gott zu euch hatte und trotz aller eurer unaussprechlichen Sünden noch immer hat!

[HGt.01_036,17] Höret aus mir Seine Stimme euch verkünden Seine Gnade! Sehet hin dort gegen Mittag ein großes Land schon wohl bereitet für euch; sehet, wie euch unsichtbar Er schützte an Seinem großen, liebevollsten Herzen vor unserem gerechten Grimme!

[HGt.01_036,18] Und höret, soeben, wie ich meine gebotene Rede an euch werde vollendet haben und ihr weinend niederfallen werdet vor Seiner Liebe, wird Er durch einen Engel sichtbar euch ergreifen und sanft geleiten hin in jenes schöne, schon bezeichnete Land.

[HGt.01_036,19] O Menschen, bedenket, was Gott ist, was ihr seid und sein könnet und sollet durch Seine unendliche Liebe; bedenket aber auch in eurer Gnade von Gott, wer und was wir armen verachteten Tiere sind und umfasset gleich Ihm - der nicht nur euer Schöpfer wie der unsrige, sondern auch ein wahrer Vater sein will und eigentlich schon lange, lange ist und war, ehe noch die Welt und wir gemacht waren - mit Seiner Liebe alle Geschöpfe uneigennützig und bedenket: Auch wir stummen und sprachlosen Wesen freuen uns des Lebens. Daher laßt in eurer Liebe aus Gott einst am großen kommenden Tage auch uns erschauen ein neues Licht des freien Lebens aus Gott, in dem alle Kreatur leben soll und wird ewig!

[HGt.01_036,20] Nun fallet nieder vor Gott, eurem heiligen Vater, und weinet reuige Tränen der wahren Liebe, - dann aber laßt euch lobwillig erheben von der sanften Hand des allmächtigen Schöpfers, nun auch eures liebevollsten Vaters, und geleiten von Seiner segnenden Rechten ins bezeichnete Land, und werdet da ein Volk, wie zu sein euch noch mächtig lehren wird Sein eigener, heiliger Mund durch die Lippen eines großen Bruderengels! Amen."

[HGt.01_036,21] Und seht, als nun der Bär beendet hatte seine Rede, da entschwand er schnell aus ihrem Angesichte, und an seiner Stelle befand sich im Augenblick ein Engel, angetan mit einem weißen Lichtgewande, und dieser Engel war der fromme Ahbel, der eigentlich schon unsichtbar durch die Seele der Tiere sprach (was eigentlich allezeit der Fall ist, daß, sooft irgend Naturgegenstände redend werden durch den Mund eines Sehers und Propheten, da irgendein Engel aus den Dingen in die Seele des Sehers und Propheten und dieser erst dann mit entsprechenden naturmäßigen Worten es entweder selbst schreibt oder leichter jedoch alsogleich in bündiger Rede spricht, was freilich nur der Seher und Prophet begreift, warum das eine schwerer und das andere leichter ist, aus welchem Grunde schon selbst die Apostel mehr geredet als geschrieben haben, wie alle früheren Seher und Propheten).

[HGt.01_036,22] Als somit diese vierzehn Menschen beiderlei Geschlechtes des Engels erst vollends ansichtig wurden, da erst begann dieser aus Mir ein gar sanftes Wort an sie zu richten und sprach, wie da folgt, getreulich wahr, nämlich:

[HGt.01_036,23] ,Kinder Cahins, meines arg gewesenen Bruders, der noch lebt und leben wird fürder durch aller Erdenzeiten Walten bis ans Ende aller Zeiten körperlich, unerreichbar allen Sterblichen bis ans baldige Ende aller Bosheit, allwo den späten Nachkommen nach der großen Zeit der Zeiten der Allmächtige durch einen kleinen Seher große Dinge kundgeben wird und wird erwähnen ausführlich eures argen Urvaters (was soeben geschieht und schon geschehen ist), bedenket wohl, was ich euch hier sagen und kundgeben werde nach dem allerheiligsten Willen Gottes, des allmächtigen, ewigen Schöpfers, wie auch des liebevollsten Vaters aller Engel und Väter und Menschen! Ihr habt vernommen die gar köstlichen Worte aus den Mäulern der reißendsten Tiere, welche Gott gesänftet hat durch mich und sprachfähig gemacht hat für euch, die ihr verdorben waret mehr denn alle diese Tiere durch die große Bosheit der Schlange Hanochs und nun vorzüglich des Lamech, der da geworden ist ein großer Täter des Greuels, vor dem nun alle Schöpfung einen furchtbaren Abscheu hat, und auf dessen Nacken schon weltenlastenschwere Gerichte Gottes rasten und haben ein aufmerksames Auge auf das schon beinahe ganz voll gewordene Gefäß von Untaten über den Sternen.

[HGt.01_036,24] Da ihr also die Jüngsten waret und noch seid, die da genötigterweise sich haben müssen mit dem Schlangenheere Tatahars vereinigen wider ihren etwas besseren Willen, so hat sich die unermeßliche Liebe Gottes eurer erbarmt und ließ euch fürs erste erkennen den unendlichen Frevel Lamechs, des Gottesleugners, in seiner überhoffärtigen Herrschwut. Dann führte sie euch hierher auf eine wundersame Weise in kurzer Zeit eine so lange Strecke, die ein gewöhnlicher Gang eines Menschen kaum in einhundertzwanzig Tagen würde zurückgelegt haben, nachdem sie euch vor allem dem gerettet hatte aus den tödlichen Klauen der Bestien, da der verruchte Tatahar sein gerechtes Gericht fand, und zeigte euch dann durch den Tod euern Tod selbst und sandte mich nun zu euch, der ich schon lange durch und durch lebendig, um euch zu erwecken aus dem Schlafe des Todes und euch zu zeigen das Leben in der Demut und im steten freiwilligen Gehorsam gegen den allerheiligsten Willen Gottes und euch zu führen in ein Land, das die ewige Liebe Gottes für euch wohl bereitet hat. Und so ihr euch ganz werdet in der Liebe zu Ihm in aller Demut erkannt haben, dann erst werdet ihr auch durch die hinzukommende Gnade erkennen des Lebens wahren, heiligen, größten Wert in euch und daraus erst den allerheiligsten und allergrößten in der ewigen Liebe des heiligen, allmächtigen Schöpfers aller Dinge und liebevollsten Vaters aller Engel und Menschen nicht nur dieser Erde, sondern von noch zahllosen anderen Welten, von denen ihr bis jetzt noch nie eine Ahnung gehabt habet; denn das zu wissen ist bloß gegeben den Kindern und den Engeln Gottes.

[HGt.01_036,25] Doch aber werden sich einst Welten vor dieser Erde neigen, da ihr Licht größer wird als das aller Himmel, denn da wird einst leuchten Gottes Heiligkeit allen Völkern, die eines guten Willens sein werden. Und so ihr getreu verbleiben werdet in der Demut und im freiwilligen Gehorsam gegen den allerheiligsten Willen des ewigen, großen Vaters, so wird dieses Licht auch zu euch dringen und euch lebendig machen durch und durch; jedoch, so ihr euch je erheben solltet oder könntet eines über das andere, dann wird dieses allerhellste und allerheiligste Licht, aus der innersten Tiefe Gottes ausgehend, zu euch nur kommen wie das Licht der entferntesten Sonne der Schöpfung in die finsterste Nacht der Erde.

[HGt.01_036,26] Seht, die Nachkommen Lamechs werden ihres Hochmutes wegen bald mit ihren Häuptern das Firmament erreichen, es durchstoßen mit ihrer verruchten, blinden und tauben Starrheit als finstere, böse Frevler an der Stelle gerade, da das große Gefäß, schon beinahe jetzt ganz voll von Greueltaten aller Arten, sehr gebrechlich steht. Dieses große Gefäß wird dann zur Erde stürzen, voll von Sünden und der schrecklichsten Gerichte Gottes; da werden dann in den Hurenschlammfluten des Frevels ersaufen und ersticken alle Täter des Übels und werden mit sich reißen eine übergroße Anzahl der Kinder Gottes, die da sich werden von den Töchtern der Schlange in ihren Herzen gefangennehmen lassen und werden mit ihnen treiben die schändliche Hurerei und zeugen Kinder des Zornes und des Fluches Gottes, die da werden genannt Kinder der Hölle und Säuglinge der Drachen, und werden da nicht mehr denn acht Personen geschont werden.

[HGt.01_036,27] Jedoch bevor alles dieses geschehen wird, wird der Herr dreihundert Jahre hindurch lassen Lehrer und Propheten kommen, die sie warnen werden vor Seinen Gerichten und werden ihnen predigen die Buße zur Vergebung ihrer Sünden und zur völligen Änderung ihres todvollen Höllennachtscheinlebens und werden ihnen zeigen die Spur des wahren Lebens aus Gottes unendlicher Barmliebe und Gnade und werden ihnen wunderbar sogar im Kleinen zeigen die Art der bevorstehenden großen Gerichte Gottes.

[HGt.01_036,28] Dann wird es geschehen, daß die arge Brut die Lehrer und Propheten ergreifen wird und wird sie teils töten, teils umschlingen mit ihren Schlangenarmen und wird sie hinabziehen in den Pfuhl ihrer Hurerei und sie verderben und töten am Geiste und sie selbst noch dazu zu Mördern ihrer eigenen Kinder machen (NB. wie bei euch jetzt in euren Mir überaus wohlgefälligen Ressourcezeiten!).

[HGt.01_036,29] Dann wird Gott den letzten Lehrer - einen Bruder des einzigen gerechten Sohnes, der da heißen wird Noah, das heißt ,der gerechte Sohn`, namens Mahal-, auf dessen eigenwilliges Verlangen noch bereisen lassen die Städte des Greuels und predigen daselbst. Dieser wird Übles erfahren und selbst übel werden, am Ende Gott verlassen und zugrunde gehen im Pfuhle.

[HGt.01_036,30] Dann erst wird das erwähnte Gefäß, der Sünde und des Gerichtes voll, zerbrochen und mit allem Fluche beladen zur Erde geschleudert werden und entzünden dieselbe an allen bösen Punkten aus ihrem Zentrum, und nur um der wenigen Gerechten willen wird dann die Barmliebe Gottes die gewaltigen Schleusen des Himmels öffnen und hohe Fluten selbst über die höchsten Berge wälzen zur Sänftung des Höllenfeuers und Erhaltung und Reinigung der Kinder, wie auch der Erde selbst zur Tragung eines besseren Geschlechtes nach dem Willen Gottes.

[HGt.01_036,31] Jedoch sollet ihr weder von dem Feuer noch von den Fluten heimgesucht werden, so ihr demütig gehorsam beachten werdet den euch nun geoffenbarten Willen Gottes, der also liebevoll lautet:

[HGt.01_036,32] Euer erster Gedanke sei Gott, Sein Wille, Seine Liebe und Gnade; und so der Tag sich in die sternschimmernden Arme der Nacht begeben wird und der schönen Sonne Gottes letzter Strahl sanft verklingen wird über den weiten Fluren der Erde, da sollet ihr euch in diesen prüfenden Lichtgedanken eures unsterblichen Geistes in die gesegnete Ruhe eures Leibes begeben.

[HGt.01_036,33] Ihr sollt euch nicht sorgen um die Nahrung für den Leib; denn wo der Herr irgendein Land der Erde gesegnet hat, da werden seine Bewohner niemals Hunger leiden müssen, solange ihr Bestreben dahin gerichtet sein wird, nur den heiligsten, alles segnenden Willen des ewigen, großen Vaters stets vor Augen und im Herzen zu haben; denn darum sind die Menschen erschaffen worden, daß sie Gott erkennen sollen und Seinen heiligsten Willen, danach leben und in Wort und voller Tat loben und preisen den allerheiligsten Namen des großen, ewigen Gottes!

[HGt.01_036,34] Und so ihr das in aller Demut und freiwilligem Gehorsam aus reiner, uneigennütziger Liebe zu Gott tun werdet, so wird Er auch allezeit bereit sein, euch gnädigst Seinen heiligsten Willen kundzugeben, teils mittelbar durch die redende Natur, teils aber auch unmittelbar durch Sein eigenes, lebendiges Wort, laut redend in euren Herzen.

[HGt.01_036,35] Habt ihr auch nur einen Tag das zu tun unterlassen in einer euch prüfenden Scheingenüge, so wird dessen Herz, der da Gottes hätte vergessen können, beschwert werden zuerst mit wohlmahnender Traurigkeit und wird sieben Tage lang sein stumm wie ein fauler Baum. Und wie der Boden der Erde unter den Tritten des Folgsamen die edelsten Früchte bis zu seinem Munde treiben, tragen und reifen wird, ebenso auch wird die Erde unter dem Fußtritte des Ungehorsamen zur Wüste werden und nichts tragen denn Staub, Steine, Dornen und Disteln und giftige Beeren.

[HGt.01_036,36] Denn die unendliche Liebe und Weisheit Gottes gibt jedem das Seinige. Den frommen, folgsamen Kindern gibt sie Brot, Honig, Milch und süße Früchte leiblich und geistig, der ungehorsamen, hochmütigen Brut der Schlange aber gibt sie Steine, Staub, Dornen und Disteln und giftige Beeren, geistig und leiblich, damit die böse Brut verderbe und womöglich der tote Geist erhalten und nach und nach wieder lebendig werde in der unendlichen Barmliebe des großen, ewigen, über alles allein allerheiligsten Vaters.

[HGt.01_036,37] Seht, ihr alle seid gleich, - gleich ihr Männlichen und gleich ihr Weiblichen! Jedoch sollet ihr Weiblichen wohl bedecken eure Schamteile wie auch euren ganzen Leib, und vorzüglich aber euer Haupt, damit durch euer geiles Wesen nicht der Mann zur Unzucht gereizt werde, gleichwie die Schlange lockt durch die große, geheime Lüsternheit ihrer verführerischen Augen das freie Geschlecht der Vögel in die tötende Gefangenschaft ihres giftvollen Rachens; denn ihr Weiber seid zuallernächst Kinder der Schlange und voll deren Giftes. Daher seid vor allem züchtig wie das Bienenweibchen, das sich nicht getraut mit seinem Wesen ans Licht der Sonne, sondern Tag und Nacht sorglich kriecht über die Zellen seiner harmlosen Kinderchen; so auch sollet ihr sein und gehorsam in allem euren Männern, insoweit es der allerheiligste Wille Gottes erheischt. Jedoch, sollte ein Mann - was nicht zu gedenken sein sollte - euch wider den allerheiligsten Willen Gottes zu etwas zwingen wollen, so soll auch euch gestattet sein, euer Haupt vor dem Manne zu entblößen und selben lieblich zu mahnen an seine Pflichten, hervorgehend aus Gott. Und so ihr alles dieses so genau erfüllen werdet, dann wird der Herr euch mit großen Gnaden überhäufen, und ihr werdet werden zur süßen Augenweide in unendlicher Schönheit des ewigen, heiligen Vaters, ewig und unsterblich.

[HGt.01_036,38] Euch Männern aber sei kein anderes Gesetz gegeben als der allzeit sich euch kundgebende heiligste Wille des allerhöchsten Gottes; wer von euch jedoch diesen unbeachtet in seiner Brust je sollte lassen, vor dem wird sich nach und nach der heilige Mund Gottes, wie der der Natur, schließen. Dann wird ihm, da er sich von Gott nach außen gewendet, auch ein äußerliches Gesetz gegeben werden, welches ihn zum Sklaven der Sünde und Knechte der Hölle machen wird, wenn er nicht alsobald sein Herz brechen wird, es reinigen im demütigen Gehorsam und dann wieder bittend und lange betend dasselbe hintragen wird vor Gott in Furcht und Liebe, damit Er es wieder segnen und heiligen möchte mit Seinem allerheiligsten Willen. - (NB. Das sei auch euch ein gutes Zeichen, wie und warum ihr nach der Wiedergeburt trachten sollet!)

[HGt.01_036,39] Nun aber erhebet euch und ziehet an diese von den Kindern Gottes für euch bereiteten Kleider - die da ihr Männlichen, und die da ihr Weiblichen -, damit ihr euch unterscheidet im Geschlechte, auch in der Tracht der Kleider sittlich, züchtig und manierlich. Ferne jedoch sei von euch alle Pracht und Hoffart; nur bedecken soll euch das Kleid und schützen vor Erkältung in kühlen Nächten leiblich und bringen geistig zu Gott in der Wärme der ewigen Liebe, Sanftmut und Gehorsam.

[HGt.01_036,40] Und hier nehme auch ein jedes von euch eine Binde und verbinde sich damit seine Augen, damit da niemanden schwindle vor den Abgründen, über welche ich euch führen werde; und so wir uns am bestimmten Orte und Stelle befinden, sollet ihr wieder dem Lichte eurer Augen freien Lauf lassen und hocherfreut schauen da eure Vorheimat, köstlich eingerichtet von der übergroßen Liebe des überguten und überheiligen Vaters. Da sollet ihr euch laben mit gesegneter Kost der Erde und essen aus den Händen zweier euch alldort schon erwartenden großen Kinder Gottes, einem Manne und einem Weibe, zur ewigen Lebensstärkung eures Geistes. Nun folget mir nach dem allerheiligsten Willen Gottes! Amen."

[HGt.01_036,41] Und siehe, so führte sie Mein lieber Ahbel sieben Tage und Nächte lang bis zur bestimmten Stelle schnell eine noch über dreißig Tage lange Strecke, und zwar ohne Rast und ohne Nahrung; denn derzeit waren sie Meine Gäste, und es flogen ihnen - wie ihr zu sagen pflegt - die gebratenen Vögel in den Mund, das heißt: Ich speiste sie unterdessen geistig; der Geist aber stärkte die Seele, und die Seele kräftete den Leib; und so haben sie bei dieser Meiner wahren Himmelskost schon gar wohl ausdauern können.

[HGt.01_036,42] Und als sie nun so ganz wohlbehalten am bestimmten Ort und Stelle angelangt waren, da kamen alsobald die beiden sie hier erwartenden Kinder Gottes oder Kinder Meiner Liebe, Ahujel und sein Weib Aza (,Sohn des Himmels` und sein Weib als ,stumme gerechte Begierde`), als Enkel der Kinder Adams vor Seth und nahmen ihnen die Binden von den Augen und bewillkommten sie auf das freundlichste. Da erstaunten diese vierzehn Kleinen mächtig vor den zwei großen Kindern Meiner Liebe, die ein gerechtes Maß eines Menschen hatten, nämlich sechshundertsechsundsechzig Zoll der Mann und sechsundsechzig Zoll weniger das Weib, während die Geretteten kaum euer Maß von sechzig Zoll hatten.

[HGt.01_036,43] Und als sie nun wieder im Vollgebrauche ihrer Augen und Ohren waren, da fing der Engel wieder an zu reden und sprach: ,Kinder, hier ist der Ort eurer Bestimmung, und diese beiden großen Kinder Gottes betrachtet als eure von Gott euch gegebenen Eltern und folget ihnen in allem; denn das ist der Wille Gottes, welchen ich bei meiner ersten Anrede an euch verschweigen mußte!

[HGt.01_036,44] Diese werden euch allzeit bestätigend sagen, was Gott zu euren Herzen reden wird, und werden euch allzeit erwecken, so euern Geist der Schlaf ankommen wird, und werden euch lehren viele nützliche Dinge, die euch sehr frommen werden, sowohl leiblich als geistig. Und ihr sollet euch geschlechtlich ja nicht eher erkennen, als bis diese nun eure Eltern euch nach dem heiligsten Willen Gottes segnen werden; und seid ihr dann auch gesegnet worden, so sei aber doch ferne von euch alle Hurerei, sondern die Keuschheit prange wie ein Immergrün auf eurer Stirne, und nie entheilige Zwietracht, Zorn, Neid, Geiz und Unzucht die geheiligte Zeugung eurer Kinder, sondern Mäßigkeit in allem und die Liebe Gottes über alles sei eure Regel. So ihr das tun werdet, wird euer Leben des Leibes lang und euer Abschied von der Erde in großem Lichte der unendlichen Gnade des ewigen, heiligen Vaters sein, da euer erst der wahre Lohn wartet als ewiges Leben im weiten Schoße des heiligsten, liebevollsten Vaters im hohen Himmel dort über den Sternen und einst, ach einst in Seinem liebevollsten Herzen selbst!

[HGt.01_036,45] Doch davon werden euch eure Eltern nähere Kunde geben, die da wohl unterrichtet sind von Gott und meines Unterrichtes vor euren Augen nicht bedürfen! - Gottes Liebe segne euch, und Seine Gnade erleuchte und heilige euch und führe euch zum Leben! Amen, amen, amen."

[HGt.01_036,46] Und nun sehet, das ist die Gründung Sinas oder Chinas, welches Land verschont blieb von der Flut und noch heutzutage im ganzen vielfach besser ist als andere Länder der Erde bis auf einige närrische Verschlimmerungen, welche erst später durch Bekanntwerdung mit anderen Menschen der bösen Welt dahin verschleppt worden sind. Da soll nie ein Unwiedergeborener Mein Evangelium zu predigen sich wagen! Amen!

 

37. Kapitel

[HGt.01_037,01] Bevor wir nun nach Hanoch zurückwandern werden, muß Ich euch noch notwendigerweise etwas Näheres von den Bewohnern Chinas sagen. Nun merket und seht, was fürs erste die Größe der großen Kinder Meiner Liebe aus Adam betrifft, so ist eure Vorstellung irrig, wenn ihr euch darunter eine körperliche Größe vorstellet, sondern da sind sechshundertundsechsundsechzig Zoll eine Vollzahl Meiner Liebe im Menschen. Zoll aber zeigen an das Maß des Guten aus der Liebe zu Mir; davon sind gerichtet sechshundert zu Mir, dann sechzig zum Nächsten und endlich sechs zu sich. Und das Maß des Weibes ist dem göttlichen Maße gleich im Manne; doch die Nächstenliebe und die Eigenliebe des Weibes ist ein Unterschied von sechsundsechzig und hat darin das Weib dem Manne unbedingt in allem dieses Betreffenden zu gehorchen. Da es aus dem Manne als Eigenliebe gebildet ist, so kann es sich auch nur im Manne lieben, so seine Liebe gerecht sein soll; und da es zunächst dem Manne ist, so ist auch seine Nächstenliebe zunächst im Manne, und daher der Unterschied.

[HGt.01_037,02] Übrigens waren diese beiden, wie auch alle Kinder Adams, wohl um ein bedeutendes auch körperlich größer als die sehr geschwächten Kinder Cahins und viel mächtiger, kräftiger und stärker in allen ihren Muskeln, Adern und Eingeweiden.

[HGt.01_037,03] (NB. Die Ähnlichkeit der Zahl des Menschen mit der Zahl Meines Gegners aber rührt daher, daß bei diesem gerade der umgekehrte Fall ist, um das allerverabscheuungswürdigste Wesen vor Meinen Augen zu sein.)

[HGt.01_037,04] Nun seht, wie der Sihin der erste war, der sein Gemüt Mir zugewandt hatte, so war er auch der folgsamste Sohn dieser Eltern und leitete auch die übrigen gar sorglich im Gehorsam; daher sagte, ihn zuerst segnend in Meinem Namen, Ahujel in Gegenwart der Aza und aller übrigen:

[HGt.01_037,05] ,Sihin, ich segne dich im Namen meines und deines Gottes! Das Land soll heißen wie dein Name. Nimm deine schönste Schwester zum Weibe, und zeuge mit ihr in aller gesegnetsten Zucht Kinder gleich den Kindern Gottes, und heiße sie ,Söhne des Himmels` und ,Töchter der Erde`; und so mein großes Geschlecht von der Erde wird von der Liebe Gottes weggenommen werden, dann seien deine Nachkommen liebevolle, weise Leiter der Nachkommen deiner Brüder!

[HGt.01_037,06] Liebe suche, und die Weisheit wird dir gegeben, und dein Stamm wird nicht sterben bis ans Ende aller Zeiten; denn der Herr wird deinem Stamme viele Linien machen, damit dein Name lebe bis ans Ende aller Zeiten.

[HGt.01_037,07] Dir ist nur ein Weib gegeben; jedoch in der Folge der Zeiten sollen die Männer in aller Zucht auch mehrere Weiber nehmen wegen der Zeugung der Geschlechter; jedoch sei von euch ferne alle Hurerei und eine ungesegnete Zeugung. Und so ihr das alles beachten werdet, wird eures Volkes in tausend Jahren schon wie des Grases auf der Erde und wie der Sterne am Himmel werden.

[HGt.01_037,08] Ich mit meinen wenigen Nachkommen werde euch noch segnen und leiten fünfhundert Jahre lang; dann aber wird die Reihe an dich kommen bis ans Ende der Zeiten. Die Zeit aber sollet ihr messen nach der Reife einer Frucht, die da fünfmal reif wird in einem Erdkreise um die Sonne. Und sooft ihr ein Ding erkannt habt, dann sehet in euch; da werdet ihr ein Zeichen finden, und mit diesem Zeichen sollet ihr allzeit das Ding vorstellend bezeichnen. Eure Handlungen aber sollen ausgedrückt werden durch verschiedene entsprechende Linien und die Vollbringung derselben durch Punkte; damit sollet ihr aufzeichnen, was ihr in der Zukunft von uns noch alles hören, lernen und erfahren werdet, und das Notwendige davon auch euren Kindern zeigen bis ans Ende der Zeiten zum einstigen großen Zeugnis über die böse Schlangenbrut. Amen."

[HGt.01_037,09] Jedoch der Freiheit des Geistes unbeschadet blieb auch dieses Volk nicht immer ganz dasselbe. Nach der Rechnung etwa einhundertundzwanzig Jahre nach der Sündflut wuchsen die Nachkommen Sihins ebenfalls zu einem bedeutenden Volke an und gerieten oft in verschiedene Zwiste und bildeten solchergestalt Parteien, die sich in ihren Gebräuchen und Gottesdiensten unterschieden. Einige behaupteten, nur die Erstgeborenen seien leitungsfähig; andere sagten, die Erstgeburt sei nichts Vorzügliches, da öfter weibliche Erstgeburten zum Vorschein kämen, - daher die Leitungsfähigkeit dem allzeit verständigeren Herzen anheimgestellt werden müsse. Das griffen wieder andere aus dem Volke auf und sagten: ,Wenn es sich nur ums Herz handelt, warum soll denn nicht auch das verständige Herz eines unteren Bruders fähig zur Leitung sein?" Einige aber verwarfen wieder alles und sagten: ,Wie es war im Anfange, so soll es bleiben bis ans Ende der Zeiten!" Einige sagten, man solle überall und allzeit Gott um Rat fragen und nie eigenmächtig urteilen und handeln. Darauf erwiderten wieder andere: ,Wenn dem so ist, so kann das ja ein jeder tun; wozu denn hernach ein oder auch noch mehrere Leiter?" - Andere wieder sagten, Gott offenbare Sich nicht jedem, damit die Menschen sich dadurch nicht entbehrlich werden möchten. Darauf entgegneten wieder andere: ,So soll denn jeder Seher lehren, was er vernommen, und die Leitung Gott anheimstellen; wozu dann einer oder mehrere Leiter?" Wieder andere bemerkten: ,Wer aber bürgt uns dafür, daß ein solcher höher stehen wollende Seher und Lehrer auch wohl allzeit Gottes Wort redet?" Andere wieder sagten darauf: ,Ja, wenn man den Lehrern nicht mehr unbedingt glauben kann und darf, dann sind uns Leiter und Lehrer ja zunichte!" Und dergleichen Witzeleien mehrere, wodurch denn auch geschah, daß da eine Menge Sekten gestiftet wurden und dadurch das Reich in sehr verschiedene Leitungs- und Lehrzweige zerfiel und so zersplittert fortdauerte bis in das Jahr 3700 nach der Erstehung Adams, allwann der sogar euren besseren Geschichtsschreibern schon etwas bekannte Hehu-Tsin's-Linie (Schutzmauer)-Erbauer namens Tschi-Hoang-Ti (weiser Alleinleiter des Volkes) auftrat, dem Volke gar gewaltig zu predigen anfing und ihnen prophezeite, wie ein großes Volk unweit ihres Landes Grenze sie heimlich ausgekundschaftet hätte; und wenn sie nicht samt und sämtlich zusammengreifen würden, um längs des ganzen Reiches eine hohe und dicke Mauer aufzuführen, so würde dieses Volk in Massen voll Kraft hereinstürzen und sie allesamt übel umbringen.

[HGt.01_037,10] Er selbst habe die Macht von Mir, so lange diesem Einbruche Einhalt zu tun, bis die Mauer würde vollendet sein; jedoch nur auf zehn Jahre, daher sie ja allen Fleiß anwenden sollten, baldmöglichst dieses große, heilige Werk nach Meinem ihm geoffenbarten Willen zu vollbringen, ansonst es um sie übel aussehen würde.

[HGt.01_037,11] Nun griff alles zusammen, was nur Hände hatte, und die Mauer stand in achtundeinhalb Jahren vollendet da in einer Länge von mehr denn achthundertundsiebenzigtausend Mannslängen und in der Breite neun Mannslängen und in der Höhe neunzehn Mannslängen und ward versehen von hundert zu hundert Längen mit einem noch um zehn Längen höheren Wachturme, in welchem stets abwechselnd hundert Mann Wache halten mußten, was freilich eben nicht gar zu lange gedauert hat, da dieser falsche Prophet sich dadurch selbst bei dem Volke entdeckt hat, daß er alle ihre Religionsschriften sammeln und, was darinnen nicht für seinen echten Despotengeist taugte, verbrennen und vernichten ließ.

[HGt.01_037,12] Dadurch gelang es ihm, dieses vor ihm viel zerteilte, große Reich wieder, freilich nur durch Gewalt, zu vereinen und bei sechzig Jahre lang als ein wahrer Usurpator zu beherrschen. Sein Sohn gleichen Namens wurde lau und nachgiebig; dafür mußte aber dessen Sohn, dieser beiden Usurpatoren dritter Nachfolger, bei einem allgemeinen Volksaufstande, da er die blutige Verfolgung der Frommen, mit welcher schon sein Großvater den Anfang machte, noch grausamer fortzusetzen begann, den großen Frevel mit seinem Leben bezahlen.

[HGt.01_037,13] Das Reich zerfiel dann wieder in viele Teile, bis dann endlich im Jahre der Welt 3786 Liehu-Pang (ein Straßenräuber) sich ein Heer Gleichgesinnter sammelte, als Feldherr alles unterjochte, sich endlich zum Alleinherrscher (Kaiser) und Himmelssohn aufwarf. Er sammelte, soviel es möglich war, alte, irgend noch verborgene Schriften und Sagen, ordnete die Religion, setzte Priester ein, die da wachen mußten über das Heiligtum, und sonderte das Volk in gewisse Klassen oder Kasten, welche damals bei Strafe des Todes niemand übertreten durfte.

[HGt.01_037,14] Dadurch gründete er das sogenannte himmlische Reich oder die große Dynastie (Han) und erweiterte dieselbe selbst über die Mauer westlich sehr bedeutend. Und so dauerte dieses Reich bis zum vierten Jahrhundert vor der großen Menschwerdung Meines Wortes, allwann es wieder eine ziemlich starke Trennung erlitt und verlor dabei einen großen Teil der Tatarei und Mongolei und geriet dadurch in drei streitende Reiche, Tschenkue genannt, und noch später, im vierten Jahrhundert nach der großen Menschwerdung Meines Wortes, erlosch dieser Stamm, und dieses Reich kam in gleicher himmlischer Gestalt des Volkes und der Priester wegen unter einen mongolisch-tatarischen Herrscher, welcher sich in der Gegend des Baikalsees erhob, in und unter dessen erträglicher Leitung es noch heutzutage sich befindet.

[HGt.01_037,15] Da habt ihr nun die ganze, gar kurze Geschichte Chinas. Wer hart im Glauben ist, der reise hin und überzeuge sich; aber es wird ihm nicht viel besser ergehen, als wenn er nach Japon reisete. Dem Blinden hilft eine Laterne auch am hellen Tage nicht; dem Sehenden aber genügt das Licht der Sonne!

[HGt.01_037,16] Nun, da wir nun unsere vierzehn Studierenden auf diese Art wohl versorgt haben, so kehren wir auf eine kurze Zeit noch nach Hanoch zurück und sehen ein wenig noch dem tollen Tun und Treiben Lamechs zu; und wenn wir uns da bis zu d. Zeiten Noahs werden grimmsatt gemacht haben, dann werden wir noch dem Stammvater Adam einen kurzen Besuch machen und wollen dann alsobald die Schleusen der Himmel öffnen. Amen.

 

38. Kapitel

[HGt.01_038,01] Ihr könnet euch sehr leicht vorstellen, daß durch solche gewaltigen Auswanderungen in einem Jahre Hanoch sowohl als auch die zehn übrigen Städte sehr menschenleer geworden waren, daß dazu Lamech noch seinen getreuen Anhang eingebüßt hatte und daher seine Macht, auf die er sich soviel zugute tat, soviel wie null und nichtig wurde.

[HGt.01_038,02] Wenn ihr nun diesen Umstand euch vor die Augen stellt, so werdet ihr ohne viele Mühe leicht bald einsehen, daß Lamech wenigstens eine Zeit von dreißig Jahren in seiner Regierung notgedrungen mildere Saiten aufziehen mußte, damit das Volk ihm wieder untertänig wurde und für ihn zu arbeiten anfing, damit er wenigstens mit den Seinen hat sorglos fressen können wie ein Schwein und wie ein fauler Ochse.

[HGt.01_038,03] Die Seinen bestanden aber aus zwei Weibern, nämlich der Ada und Zilla (das heißt: ,die wohlberatene Tugend im Frohsinne`, dann ,die stille Ergebung und Duldung`). Da hatte die Ada zwei Söhne, nämlich den Jabal (Vater der Hüttenbewohner um die Füße der Berge) und Jubal (Musiker, als Erfinder der Hirtenpfeife und der Geige, eines Instrumentes, welches nicht unähnlich war dem euren, nur daß es aus einem Holzstück bestand, welches er mittels steinerner Wetz- und Schleifwerkzeuge mühevoll verfertigt hatte).

[HGt.01_038,04] Und die Zilla aber hatte einen Sohn, nämlich den Thubalkain und seine Schwester Naehme. Er wurde durch Meine gnädige Zulassung ein Meister in der Bearbeitung der Metalle, und Naehme aber bändigte die wilden Tiere und verschaffte dadurch ihrem Bruder und seinen Gehilfen den Eingang in die erzvollen Berge und war überaus schön am ganzen Leibe und hatte eine überaus demütige, aber auch eine desto mutigere Seele, und es war ihren Augen eine große Kraft gemein, so daß vor ihrem Anblick feste Steine zu Wachs wurden und die harten Zähne der Bestien weich wurden wie der Flaum einer Taube.

[HGt.01_038,05] Seht, das war Lamechs Familie nebst einigen wenigen Dienern, die ihm geblieben waren, und einigen Zofen und wertlosen Kebsweibern, also in allem zusammen bei dreißig Personen, die allesamt recht fleißig arbeiten mußten, um etwas zu essen zu bekommen und des Leibes Blöße zu decken, wie schon gesagt, bei dreißig Jahre hindurch, allwann dann wieder das Volk, mehr der guten Erfindungen halber als Lamechs wegen, nach Hanoch zu wandeln anfing, um dort nützliche Metallsachen zu kaufen, was da gleichsam tauschweise geschah. Auch reisten von den andern zehn Städten Menschen herbei, um Jubals Musik zu hören, welche ihre Herzen erweichte und wieder für Lamech gestimmt machte; auch lockte die große Schönheit der Naehme alle Herzen, - und da wurde unglücklich genannt der, welcher Naehme nicht zu Gesichte bekam, und er weinte und heulte darum tagelang.

[HGt.01_038,06] Damit ihr aber doch sehet, wie dieses möglich war, so will Ich euch eine kleine Beschreibung ihrer Gestalt hinzufügen. Es ist diese Naehme dieselbe Gestalt, welche sich in das graualte, schwarze Heidentum als die Gemahlin eines Schmiedes und Götzin der Schönheit unter dem besonderen Namen ,Venus` verlor. Seit Sahra und Rachael hat körperlich nie eine so schöne Gestalt die Erde betreten als die der Naehme. Ihre Größe betrug fünf Schuh nach eurem Maße. Ihr Haar war schwärzer denn eine Kohle. Ihre Stirn war weiß wie ein frischgefallener Schnee, gegen die Augen ganz sanft gerötet. Die Augen waren groß und vollkommen himmelblau, der Stern feurig- schwarz, die Augenlider frisch und sanft, so auch die dunklen Brauen. Die Nase war gerade und verlor sich in sanfte, weiche Enden, unter denen die zwei Mündungen durch ihre sanft gerundete Form einen lieblichen Anblick gewährten. Der Mund war gerade von der Größe eines Auges, und seine sanft erhobenen Lippen brachten jede Rose zum Schweigen. Ihre Wangen, in der schönsten, heiter lächelnden, gerechten, Form, waren mit aller Rosen zartestem und sanftestem Rot leise angehaucht, und ihre Farbe glich einer mit Schnee bedeckten Rose, da der Schnee gleichsam den letzten Liebesstrahl dieser Königsblume bis zu seiner glanzweißen Oberfläche schimmern läßt. So auch war ihr Kinn, wie keines mehr in irdischer Form. Ihr Hals war weder zu lang noch zu kurz, sondern ganz gerecht, glatt und rund, ohne auch nur den allergeringsten Makel. Der Anfang der Brust unterschied sich vom Halse nur durch eine sanft-üppige, rasche Erhebung, so die Schultern und so der Nacken, jedes gerecht nach dem besten Verhältnisse. Der Busen sah mehr einer ätherischen, weißweichen Lebenserhöhung ähnlich als irgend etwas Fleischlichem, an deren erhabenst üppig sanfter Rundung zwei heitere, junge Rosen zu knospen schienen. Ihre Arme waren so voll, weich und sanft, daß ihr euch davon auch nicht den allerleisesten Begriff machen könnet; denn solche Arme kommen nur im Himmel vor. Und in diesem schönsten Verhältnisse war auch ihr ganzer Leib überzogen mit dem Glanzweiß des Schnees in ätherischer Sanftheit und Weiche.

[HGt.01_038,07] Diese Naehme wurde nun das Weib ihres Bruders, der mit ihr sieben Söhne zeugte, welche sehr plump und unförmlich aussahen und hatten viele Ähnlichkeit mit euren sogenannten Trotteln. Die Ursache davon aber war, daß Naehme sich nach dem Willen des Vaters zu oft mußte gebrauchen lassen zu rein unzüchtigen Zwecken der Herrschsucht wegen; denn dadurch wurde wieder alles Männervolk dem Lamech untertänig. Aller Augen waren nun auf Naehme und aller Ohren auf die habsüchtigen Befehle Lamechs gerichtet; denn Naehme blieb bis in ihr achtzigstes Jahr ein Gegenstand menschlicher Bewunderung, binnen welcher Zeit das Volk wieder sehr angewachsen war und allen Winken Lamechs folgte. Da nun Lamech sah, wie mächtig er nun wieder geworden war, so wurde er auch immer strenger und härter und führte da für die Widerspenstigen sogar die schon früher erwähnte Todesstrafe grausam ein.

[HGt.01_038,08] Eben zu der Zeit der Naehme geschah durch Mein Geheiß von seiten der Kinder Adams die erste Sendung eines guten Boten von den Bergen in die Tiefe Hanochs, um alldort zu verkünden Meinen Namen, und zwar gerade am Hofe Lamechs selbst. Und siehe, Lamech nahm den Boten gut auf; der Bote aber war ein Enkel Adams, abstammend von den Kindeskindern Adams vor Seth, und hieß Hored (,der Furchtbare`) und war groß, weise und hatte weder Weib noch Kinder. Und als Lamech nun nach Horeds Lehre in sich ging, da erwies er solchem Boten eine große Ehre, ließ zusammenkommen seinen ganzen weiblichen Hof und bat den Boten, sich das schönste Weib zu wählen. Und siehe, da sah Hored wider Meinen Willen an das Weib Thubalkains, und diese mußte auf Leben und Tod gehorchen dem Gebote Lamechs.

[HGt.01_038,09] Denn obschon damals die Naehme schon nahe achtzig Jahre alt war, so war sie aber dennoch so schön, daß sich jetzt vor ihr ein achtzehnjähriges, überüppiges Fräulein in die Nacht verkriechen müßte. Thubalkain war ohnedies schon von jeher an Untreue gewöhnt; so ging ihm dieses Ereignis auch nicht so sehr zu Herzen, und das zwar um so weniger, da ihm Hored die Versicherung gab, daß ihm fürs erste die wilden Tiere nichts mehr würden anhaben können vermöge der Waffen und seiner metallenen Kleidung, und fürs zweite werde er ihm von den Gebirgen mehrere starke Gehilfen verschaffen, die ihn vor allem schützen würden und würden ihm erst zeigen die wahre Art, Metalle zu bearbeiten zu allerlei nützlichen Dingen.

[HGt.01_038,10] Thubalkain war damit auch vollends zufrieden, und somit war die Sache schmählich abgetan. Hored verließ Hanoch und kehrte mit seinem Weibe wieder in die Gebirge zurück.

[HGt.01_038,11] Allein, was die Hilfsmänner von oben betrifft, so blieb das beim Versprechen; denn Hored kam mit seinem Weibe nicht mehr zu den Seinigen, sondern hatte sich eine einsame Stätte ausgesucht, um in seinem Glück von niemand beneidet zu werden.

[HGt.01_038,12] Thubalkain aber war durch solche Betrügerei genötigt, seinen Bruder Jabal, Sohn aus der Ada, zu bereden, mit ihm Sache zu machen, sich an den Bergen Hütten zu erbauen, dieselben als Wache zu bewohnen und auf diese Art erst als bekannter Hüttenbewohner aufzutreten.

[HGt.01_038,13] Sie errichteten auf diese Art eine förmliche Metallfabrikation und machten hunderterlei teils nützliche, teils aber auch zierliche, galante, glänzende Sachen, die gegen Eintausch von Früchten reißend abgenommen wurden. Ja, fast aus allen Städten wie auch vom übrigen großen Lande reisten Menschen zu den sicheren Hütten und kauften da nach Bedarf und Luxus und hingen sehr an dem Thubalkain und brachten ihre Söhne in die Lehre zum Thubalkain, auf welche Art das Hüttenvolk in kurzer Zeit so sehr anwuchs, daß es dem Lamech vor demselben zu bangen anfing.

[HGt.01_038,14] Da dachte er bei sich: ,Was will, was soll ich nun tun? Die Tat, die ich verübt habe an meinen Brüdern, hängt lastenschwer an meiner Brust. Der große Furchtbare von den Bergen, der da mein zweiter Schwieger geworden ist, hat mir schwer meinen Frevel vorgehalten; er gebot mir, dem Volke anzuzeigen solchen Greuel. Allein tue ich das, so bin ich meines Lebens nicht sicher; tue ich es aber nicht, so habe ich Gott und Seine großen Kinder auf den Bergen wider mich, die mich Ungehorsamen vernichten werden.`

[HGt.01_038,15] Und siehe, eine starke Stimme sprach aus seiner Brust: ,Offenbare es deinen Weibern und sage ihnen: Ihr Weiber Lamechs, höret meine Rede, und merket wohl, was ich euch sage: Ich habe einen Mann erschlagen mir zur Beule und einen Jüngling mir zur Wunde; - Cahin soll gerochen werden siebenmal, aber Lamech siebenundsiebenzigmal!"

[HGt.01_038,16] Und siehe, so war es recht dem Lamech; und er tat alsobald, wie ihn die Stimme geheißen hatte. Als aber seine Weiber solches vernommen hatten, entsetzten sie sich so gewaltig, daß sie hinfort stumm blieben und daher auch niemand davon etwas mitteilen konnten. Sie verließen nach einer Zeit ihn heimlich und gingen zu ihren Söhnen in die Hütten. Jedoch bevor sie noch diese erreicht hatten, wurden sie von zwei Gebirgsbewohnern angehalten, bekamen ihre Sprache wieder und wurden mitgenommen auf die geheiligten Höhen der Berge.

[HGt.01_038,17] Als sie kaum auf den Bergen angelangt waren, erkundigten sie sich bald nach Naehme. Jedoch die Führer beschieden sie, daß Hored aus ihrem Gesichtskreise verschwunden sei aus Untreue und Neid und es ihnen nicht zu sehen gegeben sei, wohin er sich, einem Wurme gleich, verkrochen habe; und so sie wollten sich von ihnen segnen lassen, so würden sie (die Führer) sie (die Weiber) zu ihren Weibern annehmen. Denn es war die Ada hundertundzehn und die Zilla erst hundert Jahre und waren beide noch von ausgezeichneter Schönheit und sahen aus, als wären sie in jetziger Zeit erst im vierundzwanzigsten Lebensjahre bei guter Erhaltung.

[HGt.01_038,18] Darauf ließen sie sich segnen und wurden ihre Weiber, reisten dann mit ihren Männern zum Aufenthalte Adams, der da schon neunhundertundzwanzig Jahre alt war, um auch von ihm gesegnet zu werden.

[HGt.01_038,19] Als Adam ihrer ansichtig wurde, sprach er mit bewegter Stimme: ,Höret, ihr Söhne der Kinder meiner Kinder, ich kenne alle meine sämtlichen Nachkommen, die da sind in meinem Segen nach dem Segen Ahbels von der ewigen Liebe; doch diese zwei Weiber kenne ich nicht! Woher sind sie?" Und die beiden antworteten: ,Sie sind geächtete Weiber Lamechs, welche seine Untat geächtet hat."

[HGt.01_038,20] Und Adam sprach: ,Was redet ihr? Ich kenne den Sohn Mathusalas, und dieser ist erst einhundertundsechsundzwanzig Jahre alt und hat noch nie ein Weib erkannt! Was redet ihr daher? Verflucht sei die Lüge und der Mund, der sie gesprochen, und die Zunge, die da die Unwahrheit redet im Angesichte Gottes! Daher, beim Fluche Cahins, des Mörders, redet, - woher sind die Weiber?"

[HGt.01_038,21] ,Zürne nicht, Vater Adam! Auch aus dem Schoße Cahins ist in der verfluchten Tiefe ein Lamech entstanden; dieser hat ermordet zwei Brüder. Diese Weiber waren fromm im Fluche; daher hat uns der Herr erweckt, zu retten das Verlorene. Und so wir taten den Willen von oben, so zürne nicht, Vater, sondern segne, was der Herr gerettet hat!"

[HGt.01_038,22] Und siehe, Adam wurde bewegt und sprach: ,Was der Herr gerettet hat, das ist schon gesegnet, und da wäre mein Segen nur ein Frevel, - sondern ziehet hin im Frieden! Was Gott gefällt, wie sollte es mir mißfallen?! - Daher bewahret die Schätze der ewigen Liebe und Erbarmung! Amen."

 

39. Kapitel

[HGt.01_039,01] Und siehe, darauf verließen sie den Stammvater und gingen und verwahrten diese Schätze nur beinahe zu stark in ihrem Herzen, so zwar, daß für Mich nur ein sehr kleiner Raum übrigblieb, was natürlich durchgehends nicht mehr nach Meiner Ordnung war. Und so verdunkelte sich allmählich ihr Herz, und sie wurden immer sinnlicher und sinnlicher. Und so wurden auch ihre Kinder, und es war da bald wenig Unterschiedes mehr zwischen ihnen und den Hanochiten.

[HGt.01_039,02] Als nun die Kinder Adams bemerkt hatten diese Weiber, daß sie außergewöhnlich schön waren, so fragten sie die beiden, woher diese Weiber wären.

[HGt.01_039,03] Diese aber antworteten: ,Aus der Tiefe Hanochs; da sind noch viele Tausende, die aus dem Blute Cahins entsprungen sind! Gehet hin und verkündiget alldort den Namen des Herrn, und es soll euch ein gleicher Lohn zuteil werden. Hored ging hin und wurde belohnt; wir gingen hin, und der Lohn ist uns ans Herz gebunden!" - Sie fragten nach Hored; die beiden antworteten: ,Brüder, unsere Liebe hat uns blind gemacht in ihrer gesegneten Süßigkeit; daher wissen wir nicht, wohin sich dieser gewendet hat. Doch denken wir, daß er den Weg des Ahujel und der Aza eingeschlagen hat, und ihr wißt, daß man nicht eher dahin gelangt, als bis die Sonne achtzigmal auf- und untergegangen ist; doch es liegt wenig daran, ihn zu beneiden in seinem Glücke, sondern es liegt alles daran, daß ihr tut den Willen Jehovas und gehet und lasset in Hanoch erdröhnen Seinen heiligen Namen, und es wird der Lohn euch nicht entzogen werden."

[HGt.01_039,04] Und es waren derer, die das vernommen hatten, sieben an der Zahl, und sie begaben sich in die Tiefe. - Jedoch zuvor wollen wir noch einen Blick in die Tiefe Hanochs werfen und sie daselbst erwarten, noch ehe wir sie dort vollends auftreten lassen und handeln daselbst als Unberufene in Meinem Namen aus zeitlichen Interessen.

[HGt.01_039,05] Nun seht, Lamech hatte jetzt niemanden mehr, der ihn tröstete. Es wollte ihn nichts ansprechen; die Musik machte beben sein Gewissen, und er vernahm in den sanften Schwingungen immer nur die letzten Seufzer seiner gemordeten Brüder, und der Ton der Pfeife durchschnitt ihm das steinerne Herz. Und so fluchte er dem Jubal, daß er solches elende Zeug zuwege brachte, das ihn beim Klange eines jeden Tones nicht nur siebenundsiebenzigfach töte, sondern ihm allzeit einen tausendfachen Tod verursache. - Aus der Ursache, welche allzeit gar so gewaltig sein Gewissen beunruhigte, mußte Jubal auch verlassen den Hof und durfte sich nicht mehr sehen lassen, wenn ihm übrigens noch etwas an seinem Leben gelegen wäre.

[HGt.01_039,06] Auch seine schönsten Kebsweiber - und mochten sie sich noch so reizend gestalten - waren nicht mehr imstande, ihm auch nur irgendeinen Gefallen abgewinnen zu können, daher zerrissen sie ihre Kleider und weinten und trauerten. Als aber Lamech solches sah, ging er zu ihnen und sagte: ,Meine Ada ist dahin, und meine Zilla ist nicht mehr; was soll ich mit euch? Gehet hinaus auf die Felder und arbeitet, damit euch der Magen nicht leer wird in Hanoch und ihr verderben möget an meinem Hofe; denn ich brauche niemanden mehr denn mich selbst! Wäre ich noch in meiner Macht, so sollten sich Sonne, Mond und alle Sterne vor meinem Grimme beugen; allein ich bin schwach geworden seit Tatahar, und so vermag ich nicht mehr - selbst durch die vielen Hinrichtungen, welche nach meinem gerechten Gesetze erfolgt sind - zurechtzubringen wieder meine verlorene Macht. Daher will ich alles entfernen und allein sein mit meinen wenigen Knechten und Räten und sonstigen Dienern und will meine Regierung beschränken nur auf meine Stadt. Alles andere aber sei gesetzlos und vogelfrei, und wer da immer sich meinem Hofe nähern wird, der soll mit dem Tode bestraft werden!

[HGt.01_039,07] Und nun hebet euch, damit ihr nicht die ersten seid, welche dieses Urteil empfinden sollen; und da wage keine ein Wort zu entgegnen, wenn sie mich meinen Grimm nicht will in ihrem Blute kühlen sehen!"

[HGt.01_039,08] Und siehe, da entfernte er sich jählings, und die Mägde entfernten sich und waren dreißig an der Zahl von ausgezeichnetster Schönheit in einem Alter von zwanzig bis vierzig Jahren. Als sie nun das Freie erreicht hatten, da ließen sie sich zur Erde nieder, beratschlagten unter sich, was da nun zu tun sein möchte, - und sie konnten zu keinem günstigen Entschlusse gelangen. Und siehe, als sie nun so hin und her simulierten, da gewahrten sie auf einmal sieben große, vollkräftige Männer sie umstehen und erschraken sehr ob der unvermuteten Überraschung. Als aber die Männer ihre Verlegenheit merkten, redeten sie dieselben folgendermaßen an und sagten:

[HGt.01_039,09] ,Fürchtet euch nicht, ihr jungen, schönen Kinder, denn es wird euch nichts Arges begegnen! Wir kommen nicht aus Hanoch, um euch zum Tode heimzuführen, sondern wir kommen von oben her, von den Bergen, und wollen euch erretten; und so ihr euch wollt unter der Bekennung des göttlichen Namens Jehova von uns segnen lassen, wollen wir euch, mächtig durch die Liebe Gottes, unseres Vaters Adam übermächtigen Vaters, zu unseren lieben Weibern annehmen. Dann aber müßt ihr uns folgen auf die Höhen, dahin die Naehme dem großen Hored gefolgt ist, und dahin, in die schutzsicheren Arme Aholins und Jolliels, zweier Brüder, sich die Ada und Zilla, welche da waren ehedem Weiber Lamechs, des grausen Brudermörders, wohlbehaglich begeben haben."

[HGt.01_039,10] Da standen die Mägde auf und sprachen: ,Wir sind unser dreißig an der Zahl, und ihr seid nur sieben; so jeder von euch nur ein Weib, wie wir dereinst vernommen haben, nehmen darf, so fragt es sich, was sollen wir, die übrigen dreiundzwanzig, tun an eurer Seite?"

[HGt.01_039,11] Und die sieben sagten: ,Es ist dem nicht also, wie ihr meinet! Obschon im Anfange, wie uns unser noch lebender Stammvater Adam belehrt hat, nur ein Mann und ein Weib geschaffen wurden von Jehovas allmachtvoller Liebe, so ist aber doch uns Kindern von Gott gestattet, vier, auch fünf und noch mehrere Weiber zu nehmen der Zeugung wegen. Daher traget ja kein Bedenken, laßt euch segnen und folget uns!"

[HGt.01_039,12] Und siehe, als die Mägde solches vernommen hatten, da wurden sie über die Maßen freudig und folgten den Männern auf Schritt und Tritt. Und als sie nun vollends die Höhen erstiegen hatten, da wußten die sieben nicht, wie sie diese Schätze der Liebe unter sich teilen sollten. Da fielen sie auf ihre Angesichter nieder und flehten zu Mir um Rat. - Und siehe, da kam Seth herbei und sprach: ,Stehet auf, und wollet nicht Gott versuchen mit meineidigen Herzen, um zu fragen den Heiligen, wie ihr möchtet teilen unter euch einen unlauteren Fang, sondern gehet hin zum Adam, bereuet alldort euren gewaltigen Fehltritt und teilet dann die Weiber an eure Brüder, wenn sie erst der Vater Adam gesegnet hat, damit ihr gerecht vor Gott erscheinen möget; denn ihr wißt, daß Gott heilig ist, und daß Sein Land nicht soll entheiligt werden durch Ungehorsam und durch die Geilheit eures eitlen Herzens!"

[HGt.01_039,13] Und siehe, auf eine solche Zurechtweisung gingen die sieben mit den Fräulein, von Seth geleitet, hin vor die Wohnung Adams und fanden ihn mit der Eva beten und seufzen zu Mir an der Seite Enos (des Predigers Meines Namens), der da war ein Sohn Seths, und an der Seite Henochs (,der Wille Jehovas`), des überfrommen Sohnes Jareds. Es meldete Seth alsobald dem Vater Adam, was da vorgefallen war, und bat ihn, sich zu erbarmen des Blutes Cahins, um dadurch die Ordnung, welche die sieben gestört hatten, wieder herzustellen.

[HGt.01_039,14] Adam aber sprach: ,O du mein lieber Sohn Ahbel-Seth, - ja, du bist ein getreues Bild meines frommen Ahbel; du bist, wie dieser es war, ganz nach meinem Sinne erfüllt von Liebe! Dieser segnete aus Liebe den Mörder, und du suchest Segen für das Blut meines Feindes!

[HGt.01_039,15] O sei tausendfach gesegnet, du geweckter Same Gottes, und segne mit diesem Segen das so tief entweihte Blut, und teile aus das Blut an die Kinder! Und wie es dem Herrn wohlgefällt, so möge jeder eine von den Mägden nehmen, und nicht eine mehr, und aber nicht mehr hier im Lande Jehovas verbleiben, sondern er soll ziehen nach dem Untergange bei dreißig Tage fern und da Wohnung machen in der Tiefe der Täler und soll nicht eher kommen zu den Vätern, die allhier wohnen, als bis die Sonne hundertmal den Kreis ihrer Reise vollendet hat; denn du, mein lieber Ahbel-Seth, weißt ja ohnehin, erfüllt von Jehovas Gnade, wie heilig dieser Ort ist, an welchem Sein heiliger Name so oft genannt wird aus eines jeglichen Munde, da dein Opferaltar steht, da auch geprediget wird von Enos der heilige Wille des allerhöchsten, heiligen Vaters, und da der Henoch den heiligen Willen erfüllt bis zum letzten Punkte. Daher handle in dem allerheiligsten Namen Jehovas und in meinem Namen, der ein heiliger Name ist, da ich als erster ungeborener, von Gottes heiliger Hand erschaffener Mensch ihn von Seinem allerheiligsten Munde erhielt!

[HGt.01_039,16] Die Liebe leite dich, und die Gnade führe dich ewig! Amen!"

[HGt.01_039,17] Und siehe, Enos und Henoch geleiteten den Vater Seth aus der Hütte Adams. Und Eva weinte vor Freuden, da sie Adam so glücklich sah, und sprach: ,Adam, wie freue ich mich doch immer, wenn du so recht glücklich bist! Aber wenn ich auf mich zurücksehe, so werde ich wieder traurig, wenn ich erfahre, wie groß meine Schuld ist, und wieviel Böses aus ihr schon hervorgegangen ist; - wie muß es erst bei den Nachkommen Cahins aussehen! O Gott! Was bin ich für eine große Sünderin!"

[HGt.01_039,18] Adam aber erwiderte, sie tröstend: ,Geliebtes Weib, du mein zweites Ich, deine Trauer ist allzeit gerecht und dem Herrn wohlgefällig. Daher sei ruhig in deinem Herzen und denke, daß wir nichts vermögen ohne Gott; aber mit Gott, wie uns Henoch lehrte, vermögen wir alles. Daher können wir auch ohne Gott niemals völlig Ruhe finden; daher aber auch sollen wir alles dem Herrn zum Opfer bringen. Siehe, Er ist mächtig, weise und voll Liebe und wird auch die rechten Mittel finden, das wieder gerade zu machen, was durch uns krumm geworden ist. Daher sei unbesorgt; die Liebe des Herrn wird alles zu seiner Zeit wieder zurechtbringen! Amen."

[HGt.01_039,19] Und siehe, da dankte die Erzmutter dem Adam, und er aber segnete sie zum letzten Male mit Meinem Namen und lebte hernach noch zehn Jahre, - sie aber noch dreißig.

[HGt.01_039,20] Seth aber tat, wie ihm Adam geraten hatte. Die sieben aber fingen an zu weinen, daß sie sich entfernen sollten. Und es dauerte Seth in seinem Herzen, und er fiel nieder auf sein Angesicht und flehte zu Mir, sagend in seinem Herzen: ,O Jehova! Sieh, die Tränen dieser Kinder brennen mich, und doch ist meine Liebe nur ein Haß, verglichen mit Deiner unendlichen Erbarmung! Zeige mir durch Deinen Mund Henoch an, was ich tun soll; oder lasse mich wie den Ahbel sterben, damit ich nicht sehe die Tränen der zu verweisenden Kinder! O Jehova! Erhöre, wie allzeit, auch diesmal mein Flehen! Amen."

[HGt.01_039,21] Und siehe, Henoch blickte auf zum Himmel, und Ich öffnete ihm den Mund, und er fing an zu reden und sprach: ,Ich habe Mein Ohr an die Erde gelegt und habe wohl vernommen die Liebe Seths. Es sei denn, daß die sieben geben die Mägde ihren dreißig weiberlosen Brüdern, und sie aber leben noch zehn Jahre keusch, so sollen sie bleiben; wo nicht, so sollen sie fliehen aus Meinem Angesichte, wie Adam sie hat beschieden! Amen."

[HGt.01_039,22] Und als die sieben solches vernommen hatten, wurden sie heiter und fröhlich in ihrem Herzen und priesen und lobten Gott für eine so große Gnade und brachten die Mägde mit großer Freude ihren Brüdern, geleitet von Seth, Henoch und Enos.

[HGt.01_039,23] Als aber die Brüder ansichtig wurden dieser Mägde, da erschraken sie und wußten nicht, was daraus werden sollte, und weigerten sich, selbe anzunehmen. Da Ich aber merkte die Bereitwilligkeit der sieben, so sprach Ich durch den Mund Henochs:

[HGt.01_039,24] ,Ich habe erfahren an den sieben ein uneigennütziges Herz, welches sich freute, Freude zu machen euren Brüdern; daher behaltet die Mägde, gesegnet für euer Herz, einer je vier und die zwei ältesten je fünf; aber die gebotene Keuschheit soll gehalten werden! Amen."

[HGt.01_039,25] Und siehe, Seth, Enos und Henoch segneten sie und verließen sie, Meinen Namen lobpreisend, und gingen und erzählten es dem Adam.

 

40. Kapitel

[HGt.01_040,01] Und als Adam solches vernommen hatte von Seth, Enos und dem überfrommen Henoch, da war er hoch erfreut, da er sah, wie weit Meine Liebe über die Liebe aller Menschen erhaben ist, und wunderte sich nicht wenig, da er dadurch gewahr wurde, daß Meine Liebe sich sogar in die Tiefen des Fluches gesenkt hatte zu der glatten Schlangenbrut, und sprach, darüber durch und durch gerührt, folgende kurze Rede, welche Rede hernach noch lange berühmt war und sich erhielt bis zur Sündflut, wurde aber jedoch nicht aufgezeichnet, sondern pflanzte sich nur von Munde zu Munde fort. Diese Rede aber lautete also:

[HGt.01_040,02] ,O meine Kinder! Öffnet weit eure Augen und fasset die weitgedehnten Fluren der Erde, die jetzt, soweit eure Blicke reichen, schon fast überall mit meinen gesegneten Kindern besäet ist! Blicket auch hinab in die Tiefe und übersehet all die dunklen, weitgedehnten Tiefen, und sehet hin gegen Morgen jenen überhohen, stets brennenden Berg! Fasset die ganze Erde, so ihr es vermöget, und sehet mich, den ersten Menschen dieser Erde, - ja, was sage ich, sehet mich als den sein sollenden Ersten, der aller Kreatur im Geiste als Kreatur voranging und war leuchtend mehr denn der Sonnen Mitte und wollte sein größer denn Gott! Und Gott zeigte mir die Macht Seiner Heiligkeit, und ich ward verdammt und wurde geworfen in die unendlichen Tiefen des göttlichen Zornmeeres und wurde da von einem Grimme in den andern durch unendliche Tiefen geschleudert. Ja, es mochten da wohl Ewigkeiten um Ewigkeiten verronnen sein; allein es war dessenungeachtet in der weiten Unermeßlichkeit kein Plätzchen mehr zu finden, da ich in dieser großen Nichtigkeit hätte irgendeinen Ruhepunkt finden können.

[HGt.01_040,03] Und als ich so von einer Unendlichkeit zur andern fiel und immer fort und fort fiel ewig, ewig und immer ewig, da fing ich an zu gewahren die Größe und unendlich und ewig fortdauernde Macht Gottes, und mir wurde klar mein eitles Bestreben.

[HGt.01_040,04] Doch aber dachte ich mir: ,Was nützt dir diese Einsicht nun? Ich bin nun zu entfernt von Gott, und Er kann unmöglich irgend etwas mehr von mir wissen; denn in dieser endlosen Nichtigkeit herrscht nichts als ewige Vergessenheit Gottes. Ewig bin ich gefallen von Grimm zu Grimm, allwo endlose Feuerfluten beständig an meine Stirne schlugen und breite Flammenzungen an meinen Eingeweiden leckten und mich brannten mehr denn weißglühende Erzplatten; nun aber bin ich selbst unter diese Grimmströme ewigkeitentief gesunken. Wo ist nun der erzürnte Gott, und wo bin ich? - Da ist alles taube, unendliche Nacht!`

[HGt.01_040,05] Und seht, als solche Reuegedanken in mir sich durchtauschten, da bemerkte ich denn auf einmal ein mir ähnliches Wesen aus den ewigen Höhen mir nachschweben. Das Wesen erreichte mich in Blitzesschnelle, erfaßte mich mit gewaltiger Hand und blickte mich sanft lächelnd an und sprach: ,Luzifer, du armer, gefallener Geist, kennst du Mich?`

[HGt.01_040,06] Und ich sprach: ,Wie sollte ich dich erkennen in dieser wesenleeren, finsteren Nichtigkeit?! Kannst du mich aber vernichten und machen gleich dem, das nie war, nicht ist und nie mehr sein wird, so tue es, und ich will dir im voraus danken, damit du nach meiner Vernichtung nicht unbedankt von dieser wesenlosen Stelle zurückkehren mögest zu deinen mir unbekannten Höhen!`

[HGt.01_040,07] Und hört, das Wesen sprach: ,Höre! Nicht vernichten will Ich dich, sondern erhalten und zurückführen auf fremden Wegen dahin, von wo du voll sündiger Hoffart ausgegangen bist!`

[HGt.01_040,08] Und ich sagte: ,Tue, was du kannst; aber bedenke die Größe des Zornes Gottes! Denn ich war groß und bin zunichte geworden; daher bedenke - und wärest du irgend noch größer denn ich entstanden -, daß Gott ewig und unendlich und voll flammenden Zorngrimmes ist!`

[HGt.01_040,09] Und das Wesen erwiderte: ,Hast du denn nie auch die Liebe in Gott gemessen? - Siehe, sind auch die Zornfluten groß, so reicht aber doch Seine Liebe noch dahin, wo die tiefen Ströme des Grimmes ewig versiegt sind unter den endlosen Rändern der Unendlichkeit, wo eine zweite Unendlichkeit ihren Anfang nimmt!`

[HGt.01_040,10] Und ich erwiderte darauf: ,Siehe, als ich noch war ein Fürst alles Lichtes, da wurde mir gezeigt ein mattes Flämmchen. Dieses hätte ich sollen anbeten; denn es wäre die ewige Liebe Gottes. Dieses konnte ich nicht glauben in meinem Strahlenglanze und sah mich weit erhaben über das matte Flämmchen. Und siehe, da ergriff mich der Grimm meiner Lichthöhe. Ich entzündete mich noch mehr und wollte vernichten mit meinem Lichte das Flämmchen gänzlich; allein da erfaßte mich der göttliche Zorn, und ich wurde geschleudert hierher in diese ewige, finstere Leere, welche ich erst nach Ewigkeiten erreicht habe.`

[HGt.01_040,11] Und seht, da sah ich auf einmal das Flämmchen über dem Haupte dieses Wesens schweben, und das Wesen aber sprach wieder zu mir: ,Luzifer, erkennst du Mich jetzt?` - Und ich antwortete: ,Ja, Herr, ich erkenne Dich; Du bist Gottes Liebe und reichst weiter als Seine unendliche Zornflut. Sieh mich an in Deiner Gnade, und schaffe mir ein festes Plätzchen, damit ich Ruhe finden möchte in dieser ewigen Leere!`

[HGt.01_040,12] Und seht, da rollte eine Träne aus dem hellen Auge der ewigen Liebe hinab in die finsteren Räume der Ewigkeit und ward zum großen Gewässer. Und die Liebe hauchte über die großen Gewässer in der Tiefe, und die Wasser teilten sich, und da wurden der Tropfen zahllose aus den Gewässern. Und das Flämmchen über dem Haupte der ewigen Liebe dehnte sich aus im Augenblick und entzündete die Tröpfchen zu zahllosen großen Sonnen; die Sonnen aber sprühten in der Wärme der ewigen Liebe Erden, und diese ihre Monde.

[HGt.01_040,13] Und seht, aus der Mitte der Träne Gottes schwamm diese Erde zu mir herauf, und die Liebe segnete und hauchte sie an, und die Erde blühte wie ein Garten und war glatt, schön und eben; aber es war noch kein lebendes Wesen daselbst zu gewahren. Allein die Liebe blickte die Erde an, und es wimmelte auf derselben, wie in den Meeren und anderem Gewässer, auf den Festen, wie in der regen Luft von Leben aller Art.

[HGt.01_040,14] Seht, das sah ich alles und bin mir jetzt dessen vollbewußt durch die besondere Gnade des Herrn. - Als aber nun die Erde so bestellet war nach dem Willen der Liebe Gottes nach und nach der ewigen Ordnung gemäß, da richtete die Liebe ihre Augen in die Höhe Gottes und sprach:

[HGt.01_040,15] ,Lasset, ihr heiligen Mächte des Vaters, Uns den Menschen machen und ihm geben eine lebendige Seele, damit das, was gefallen ist, einen Ruhepunkt finde und sich demütige vor Dir und Mir und aller Macht Unserer Heiligkeit!`

[HGt.01_040,16] Da donnerte es aus den feuererfüllten ewigen Räumen, und der Donner war die Stimme Gottes, und diese Stimme verstand nur die Liebe, und sie formte darauf aus feinem Lehm - seht her - diese Füße, die mich schon über neunhundert Jahre tragen, die Hände und - kurz, so wie ich vor euch stehe, so formte mich die ewige Liebe!

[HGt.01_040,17] Und bald stand ich da. Aber noch war ich tot und war keine Regung noch Bewegung an mir zu gewahren. Da neigte Sich die ewige Liebe über diese tote Form und blies ihr durch die Nüstern mit dem lebendigen Odem eine lebendige Seele in die Eingeweide; und seht, da wurde lebendig, wie jetzt, ich, der erste Mensch der weiten Erde, und sah an die große Schöpfung und hatte keine Freude an ihr und ward müde meines wundervollen Daseins und konnte nicht begreifen, wie, wann und was und warum und woher ich gekommen bin; denn meine lebendig beseelte Form konnte nicht sehen die schaffende ewige Liebe.

[HGt.01_040,18] Und seht, da ließ die ewige Liebe die Form umsinken in den ersten Schlaf und sprach zu mir: ,Siehe deine Ruhestätte! Ziehe ein ins Herz dieser lebendigen Wohnung; denn für dich habe Ich sie wohlbereitet. In ihr wirst du finden eine wohlbesetzte Tafel, auf welcher der Wille Gottes mit großen Feuerzügen gezeichnet sein wird; daran sollst du dich kehren und dir nehmen deinen Willen und dafür aufnehmen den Willen Gottes!

[HGt.01_040,19] Siehe, das ist der fremde Weg, auf dem Ich dich zurückführen will! Schaue nie nach dir, sondern stets nach der Tafel Gottes; dann wirst du leben mit Mir ewig und herrschen von einem Throne über die Unendlichkeit! Aber wehe dir, so du noch einmal fällst; dann wird die Liebe dir sogar zum Fluche werden, und Ich werde dem Menschen einen andern Geist geben, der zunächst von Mir ausgehen wird, - du aber wirst dann von neuem diesen Standpunkt verlassen müssen auf Ewigkeiten der Ewigkeiten, und es wird dir nimmer eine Zeit gegeben denn die des ewigen Feuers im Zorne Gottes und im Fluche der Liebe!

[HGt.01_040,20] Daher bedenke, was das heißt! Der Zorn Gottes kann gemildert werden, wenn die Liebe ins Mittel tritt; wenn aber die Liebe selbst wider dich fluchend wird, wer dann wird dich wohl schützen gegen den ewigen Grimm der Gottheit, und welches wird dann das Mittel zwischen dem Zorne Gottes und dir sein? Ich sage dir: kein anderes - als das Gericht und die Verdammnis! Denn du bist ein Werk Gottes aus Mir. Wo aber ist das Wesen, welches Gottes Herrlichkeit anrühren möchte? Denn entweder soll werden ein Werk nach dem Willen der freien Macht der ewigen Heiligkeit Gottes - denn darum ward dir ein freier Wille gegeben, daß du den Willen der ewigen Macht Gottes in dir erkennen möchtest-, willst du das aber nicht, so ist an dir nichts gelegen, und du sollst dann erkennen die unendliche Macht Gottes, wenn sie dich bannen wird in die ewige, brennende Nichtigkeit.

[HGt.01_040,21] Denn bei Gott ist kein Wesen in irgendeinem Betracht, und es liegt Ihm auch ewig nichts an Milliarden solcher Geister, wie du einer bist; denn Er vermag in jedem Augenblicke zahllose Milliarden noch größerer Geister denn du hervorzurufen, um sie dann wieder zu vernichten auf ewig, wenn sie nicht entsprechen Seiner ewigen Herrlichkeit!

[HGt.01_040,22] Daher bedenke, was Gott ist, und was Er will, und was du bist, und was du mit deinem dir verliehenen freien Willen wollen sollst, damit die große Herrlichkeit Gottes in dir offenbar werden möchte, und so auch in allen, die aus dir geworden sind und in dir und mit dir gefallen sind!

[HGt.01_040,23] Siehe das weite Grab der Erde und auch das aller zahllosen Sternenwelten! Ich nehme dir die große Last der mit dir Gefallenen und lege sie nun in die Erde und in alle Sterne, und da soll kein Stäubchen nutzlos schweben und soll bergen bis zur Zeit ein lebend Wesen, dir gleich, in sich.`

[HGt.01_040,24] Und seht, da nahm die Liebe den Geist und legte ihn in die schlafende Form; und es gefiel dem Geiste wohl in mir, da er sah, daß er wohlgeborgen war und ward befreit von einer so großen Last, die er so lange hatte tragen müssen, und jetzt aber wurde er getragen in der lebendigen Wohnung, welche da bereitet hatte die ewige Liebe.

[HGt.01_040,25] Und als ich auf diese Art eins geworden war mit dem Geiste, seht, da weckte mich die ewige Liebe. Ich erwachte und stand als ein einzelner Mensch im Angesichte der ganzen unermeßlichen Schöpfung und sah niemand denn mich, das Gras der Erde und ihre Gesträuche und Bäume und auch die leuchtende Sonne am weiten, blauen Firmamente. Da fing mich an zu bangen. Ich verließ die Stelle, suchte eine Gesellschaft und fand auch nicht ein Wesen, das mir gliche!

[HGt.01_040,26] Und als ich des Suchens müde ward, da fiel ich wieder zur Erde nieder, und ein süßer Schlaf bemächtigte sich meiner. Und seht, in diesem Schlafe hatte ich folgenden Traum: In der Mitte meines Herzens sah ich ein unendlich reizend Wesen, und dieses Wesen sprach in mir zu mir:

[HGt.01_040,27] ,Siehe mich an, wie ich bin schön und reizend und habe eine Form gleich der deinen und kann sie wohl überschauen! War meine Gestalt auch einst nur ein großes Licht, das da seine Strahlen sendete den endlosen Räumen entlang und verzehrte sich selbst in solcher Übergröße, so konnte ich doch nie meine Form schauen, sondern ich war selbst Licht, in dem sich zahllose Formen enthüllten. Die Formen sind mir genommen worden, in denen ich mich verunendlichfältigt sah und wohl empfand; aber dafür ist mir nun selbst Form gegeben, und diese Form ist schöner denn all mein einstiges Licht, und ich gefalle mir in dieser Form so sehr, daß ich eine große Lust an mir habe und liebe mich selbst und werde von dir geliebt und habe eine große Begierde in mir zu mir und kann dich zu mir ziehen, wann ich will, und du mußt allzeit folgen dem Zuge meiner Begierde!`

[HGt.01_040,28] Und seht, ich hatte wirklich ein großes Wohlgefallen an mir in mir. Und als ich so in diesem Wohlgefallen noch immer fest und fester schlief, da sah ich eine lichte Hand mich durch- und durchgreifen bis in die Mitte des Herzens und festhalten mein zweites Ich. Und dieses sträubte sich anfangs; aber es unterlag bald den mächtigen Fingern der Liebe Jehovas; denn die lichte Hand war die Hand der ewigen Liebe!

[HGt.01_040,29] Bald zerbrach der mächtige Finger Gottes eine Rippe meinem zweiten Ich, griff in sein Innerstes und zog bald einen Wurm aus seinen Eingeweiden und schloß endlich wieder die Stelle, da der mächtige Finger des Herrn sich den Weg machte zur Wegnahme der eigenliebigen Begierde. Und danach aber sah dieses mein zweites Ich nicht mehr so reizend aus wie ehedem, und es war seine Form gleich der meinigen, und ich hatte nicht mehr den Zug dahin, sondern wir beide wurden gezogen von der ewigen Liebe. Da sah ich den Geist verfallen in einen Schlummer, und in diesem Schlummer löste er sich auf und floß über in alle meine Teile, und wir wurden vollends eins.

[HGt.01_040,30] Da mir noch solches träumte, seht, da weckte mich auf einmal eine sanfte Stimme, und diese Stimme war eine Stimme des Herrn und sprach: ,Adam, du Sohn der Erde, erwache, und siehe an deine Gehilfin!` - Und ich sah die Eva vor mir und war froh über die Maßen; denn ich sah mein zweites Ich aus mir getreten, und dieses hatte eine große Freude an mir, und diese Freude war die erste Liebe, die ich, der erste, ungeborene Mensch, empfand, und sah zum ersten Male mein geliebtes Weib - und liebte sie rein im reinsten Schoße der ewigen Liebe Gottes in aller Fülle des ersten Lebens!

[HGt.01_040,31] Und seht ferner, in solcher süßen Empfindung verlebte ich drei Tage und drei Nächte. Da aber empfand ich auf einmal eine gewisse Leere in mir, und ich wußte nicht, was ich daraus hätte machen sollen, oder was daraus werden sollte oder könnte!

[HGt.01_040,32] Wüste ward es um mein Herz und trocken in dem Munde, - und seht, da stand denn auf einmal die ewige Liebe vor mir, gar so mild und liebevoll aussehend, hauchte mich an und stärkte mich und sprach: ,Adam, siehe, dich hungert und dürstet nach Speise und Trank, und deine Liebe, die da soll ,Eva` heißen, nicht minder. - Siehe an die Bäume, die Ich jetzt segnen werde; deren Frucht esset zur Stärkung eures Leibes sowohl, als auch eurer Seele. Aber von jenem Baume dort in der Mitte des Gartens sollet ihr nicht essen, bevor Ich wiederkommen werde, euch und den Baum zu segnen; denn an dem Tage, da du von dem Baume essen wirst, wird auch der Tod in dich treten. Du wirst zwar versucht werden; aber sei standhaft bis zum dritten Male, so wirst du den Wurm des Todes, der am selben Baume nagt, verderben, die Eva reinigen und dir und ihr und allen, die aus dir wurden und werden, ein überfreies, seliges, ewiges Leben in Gott bereiten.

[HGt.01_040,33] Siehe, darum machte Ich die Zeit, damit deine Prüfung nur kurz währen sollte - und das erkämpfte Leben aber ewig!

[HGt.01_040,34] Siehe, du hast mit keiner fremden Macht zu kämpfen, sondern mit dir selbst; denn Ich habe dir alles untertan gemacht, aber nur dich selbst konnte und durfte Ich nicht, damit das Leben dir eigen werde. Daher mißachte nicht dieses leichte Gebot, und erhebe dich über dich selbst, damit du leben mögest ewig!

[HGt.01_040,35] Siehe, der Wurm ist dein Böses vom Grunde aus und trägt den Stachel des Todes in sich; daher beiße nicht in den Stachel des Wurmes, den Ich dir genommen habe vor Eva aus deinem Herzen im Schlafe und bildete daraus die Eva, die dir lieb ist, da sie aus deiner Liebe entstand und ihr Fleisch aus deiner Begierde und blieb in ihr die Wurzel des Todes, welchen du beleben sollst durch deinen Gehorsam!

[HGt.01_040,36] Geliebter Adam, siehe, Ich, die ewige Liebe Gottes, aus der alles Leben strömt, sage dir das bittend: Verdirb Mir nicht ein so großes Werk an Dir! Du weißt ja, welche lange Zeit der Zeiten verronnen ist seit dem, da Ich dich auffing im ewigen Fallen vom Leben zum Tode! Siehe, es mochten wohl eine Milliarde von solchen Erdenjahren verflossen sein, wenn schon damals eine Zeit bestanden hätte, und Ich scheute nicht jegliche Sorge, dich lieben geschaffenen Bruder zu retten; aber da Ich so viel tat, so tue du noch das wenige und gib in dir Mir Meinen geliebten Bruder wieder, damit wir in Gott, unserem heiligen Vater, wieder eine Liebe werden möchten ewig. Amen.`

[HGt.01_040,37] Und seht, da verließ mich die Liebe. Ich aber aß und trank und stärkte mich - zum Ungehorsame! O Kinder, hört, ich wurde der ewigen Liebe ungehorsam!

[HGt.01_040,38] Die Erde vermag euch zu erzählen die Größe meiner Untat; denn da blieb kein Stein auf dem andern, und die Unendlichkeit ward erfüllt von der großen Gewalt des Zornes Gottes!

[HGt.01_040,39] Ich verbarg mich und weinte bittere Tränen der Reue; und die ewige Liebe verschmähte nicht meine Tränen, und die Zähren der Eva waren Ihr angenehm. O Kinder, höret, die Liebe machte alles wieder gut! - Ich fehlte wieder am Sabbate und weinte laut über meine Verworfenheit. Und seht, die Liebe sandte einen Engel und ließ mich geleiten aus dem Garten der Versuchung in ein Land, das der Seth noch gar wohl kennt, in ein Land der Besserung, aber auch in ein Land der Trauer, - und wieder in ein Land der Freude. Denn als ich den Fluch wegnahm von Cahins Haupte, der von meinem Todesstachel verderblich geworden war, da er entstanden ist vom Safte des Apfels, der vom Wurme des Todes begeifert war, so gab mir die Liebe des Herrn meinen lieben Ahbel-Seth, - und nun vor hundert Jahren führte uns alle der neue Engel der ewigen Liebe des Herrn hierher ins Land der Erkenntnis Gottes und Seiner ewigen Wahrheit, da Ahbel das Schwert pflanzte und die roten und weißen Beeren vom Strauche las!

[HGt.01_040,40] Seht nun, Kinder, die unermeßliche Liebe Gottes, was alles sie an mir und an euch allen getan hat, noch tut und ewig tun wird! Daher seid fröhlich, wenn die ewige Liebe auch die Kinder Cahins heimsucht; doch aber soll nie jemand dahin wandeln von uns ohne das ausdrückliche Gebot des Herrn, denn das Erdreich daselbst besteht aus dem Kote der Würmer! Daher, wenn der Herr jemanden zuvor nicht gesegnet hat, der wage es nicht dahin! Denn alles Übel liegt in den Weibern der Tiefe nun; daher verunreiniget euch nicht mit ihnen! Amen."

 

41. Kapitel

[HGt.01_041,01] Und als der Adam diese Rede durch Meine besondere Zulassung beendet hatte, da wurde sein Inneres wieder geschlossen um seines Heiles willen. Seth, Enos und Henoch aber wunderten sich über alle Maßen und konnten nicht begreifen den hohen Sinn dieser Rede und fragten den Adam, was er denn damit hätte sagen wollen.

[HGt.01_041,02] Er aber staunte sie an und wußte kaum, daß er etwas geredet hatte und fragte sie entgegen, was er denn eigentlich gesprochen habe.

[HGt.01_041,03] Seth aber sprach darauf: ,O Vater, siehe, du hast uns enthüllt deine wundervolle Werdung vom Anbeginne aller Wesenheit und zeigtest uns die unbegreifliche Führung der ewigen Liebe. Wir verstanden es nicht und wollten dich um eine nähere Erläuterung bitten; daher vergib uns den Fehltritt unserer Neugierde! Wen sollte auch nicht wundern solcher Dinge, die soeben von deinem Munde an unsere Ohren gedrungen sind?!"

[HGt.01_041,04] Adam aber stand auf, erregte sich und sagte: ,So ihr aber wunderbare Dinge nun vernommen habt, so denket, daß sie vom Herrn und nicht aus mir herrühren, und so wisset ihr ja auch, wem zunächst Dank und Ehre gebührt!

[HGt.01_041,05] Lobet daher den Herrn, da Er die höchste Liebe und Weisheit Selbst in aller Heiligkeit ist, und denket, daß der Mensch dem Menschen nichts geben kann, außer er hat es zuvor empfangen von der Liebe des Herrn, der da der alleinige Geber aller guten Gaben ist! So ich euch irgend etwas Gutes gegeben habe, so habe nicht ich, sondern der Herr hat es euch gegeben. Mangelt euch Licht, so sehet empor zum Lichte der Himmel, und da werdet ihr ja dann doch sehr leicht erkennen, woher das Licht aller Lichter unablässig strömt; denn wo eine Gabe jemand gegeben wird, da ist auch der große, heilige Geber nicht ferne. Daher suchet Ihn, und ihr werdet Ihn auch wohl finden, und das Verständnis der Gnade wird nicht unterm Wege bleiben!

[HGt.01_041,06] Dieses beherziget wohl; denn Adam, euer aller Vater, sagt euch jetzt, wie zuvor, das Übergehende der Werdung aus der sich herablassenden großen Gnade des ewigen, überheiligen, überguten Vaters! Da aber der Heilige, Liebevolle tat das Seinige, so tut ihr auch das eurige, und gehorchet in allen Dingen! Amen."

[HGt.01_041,07] Und seht, da verneigten sie sich gegen Adam und gingen ihren Weg und besprachen sich unterwegs, was da wohl zu tun sein dürfte. Und Henoch, der Jüngste von allen, der da ohnehin seiner besonderen Frömmigkeit wegen ein Lehrer Meines Namens war, nahm das Wort und sagte zu seinen Vätern:

[HGt.01_041,08] ,Väter! Adam, unser aller Erdenvater hat Worte gesprochen voll Weisheit und tiefen Sinnes. Wir verstanden sie nicht; denn er redete, was er nicht wußte, daß er also geredet hat. Wenn dem so ist, da ist ja leicht das Verständnis, wie ergreifend er geredet hat. Denn hätte er geredet als Mensch, wie hätten wir als Menschen ihn nicht verstehen sollen? Da er aber redete - nach menschlicher Weise zwar - Dinge aus dem Namen Gottes mit der Zunge des Geistes, der da war ein Zeuge der Liebe in und aus Gott, so konnte unser fleischlich Wesen freilich nichts verstehen von allem dem, was Gottes und des Geistes der Liebe ist.

[HGt.01_041,09] So es aber nun gesagt wurde aus dem Geiste der Liebe nach dem ewigen Rate der Heiligkeit Jehovas, so mußte es gesagt werden zur Verherrlichung des allerheiligsten Namens. Wir verstehen es ja nicht mit unserer Kurzsichtigkeit; aber es ist Einer, der es versteht, und dieser Eine ist die ewige Liebe des Herrn; aus Ihr ist alles hervorgegangen, was da ist, und so auch unsere Liebe zu Ihr. Und so empfinde ich, daß, so jemand ließe seine Liebe über und über strömen in alle Teile seines Wesens zur ewigen Liebe aus Gott und in Gott, der würde verstehen solche Rede der Weisheit; denn die Liebe ist die Wurzel aller Weisheit und es ist nirgends Weisheit denn nur in der Liebe zur Liebe in Gott.

[HGt.01_041,10] Daher, o Väter, wir haben die Wurzel aus Gott; lassen wir sie schießen in alle Teile unseres Lebens, und meine Empfindung sagt es mir überlaut und klar, daß uns noch gar Vieles und Großes wird geboten werden aus dem Gnadenmeere der ewigen Liebe, das noch größer, tiefer und erhabener sein wird denn das, was uns Adam erzählte. Aus Adam und Eva sind wir geboren; daher haben wir viel Fleisch, aber wenig Verständnis des Herzens. Wenn aber einst Menschen aus der reinen Liebe Gottes werden können geboren werden, denen wird unser Verständnis zum Spielzeuge werden."

[HGt.01_041,11] Und seht, diese kurze Lehrrede gefiel dem Seth und dem Enos wohl, so zwar, daß Enos, sich zum Seth wendend, sagte: ,Vater Seth, solch eine Rede voll geheimen Sinnes hat nun Henoch gesprochen, daß sie mir ging wie ein Feuerstrom durch Mark und Bein, und mein Herz erschauerte vor der geheimen Weisheit der göttlichen Liebe in ihm.

[HGt.01_041,12] Höre, Vater, seine Empfindung ist wahr, da sich sein ganzes Wesen in reinster Liebe und voll Demut ausspricht; daher soll er ferner ein allgemeiner Lehrer sein aller unserer Brüder und Kinder in der geheimen Weisheit der ewigen Liebe. Denn obschon der Herr jedem gab die Liebe und das Verständnis des Herzens als reine Gnade aus Sich Selbst, so ist aber anderseits doch auch empfindlich wahr, daß nicht jeder von uns eine gleiche Last heben kann, und es hat der eine mehr Gewalt in seinen Füßen, der andere in seinen Händen, ein anderer in seiner Brust, ein anderer in seinem Rücken, und wieder ein anderer in seinen Eingeweiden, und der in diesem, und der in jenem. Auch hat zwar ein jeglicher ein menschlich Gesicht, und es sieht doch nicht eines dem andern völlig ähnlich. Und so meine ich denn auch: Henoch hat eine große Macht und Gewalt in seinem Herzen, und es wird ihm darinnen keiner gleichen; denn man kann nicht Liebe haben, wie man will, sondern soviel einem der Herr verliehen hat. Jedem hat er zwar gegeben Liebe, aber nicht alle sind sich gleich darinnen; daher muß auch das Verständnis verschieden sein, damit ein Bruder dem andern notwendig werde, wodurch dann erst alles ausgeglichen wird, was der Herr so überweise uneben hat entstehen lassen.

[HGt.01_041,13] Und du, mein lieber Henoch, der du wohl vernommen hast nun diese meine Rede, sage mir, ist es nicht so, oder kann oder soll oder darf es anders sein? Dein Herz ist stark, und dein Verständnis macht das meine zunichte; daher rede, und lehre die rechten Wege des Herrn, und zeige uns allen Seine unbegreiflichen Fußstapfen, und lehre uns den gerechten, allerheiligsten Namen des Herrn gebührend loben und preisen, wie es sich wohl gezieme für uns Kinder Seiner ewigen Liebe und dadurch Kinder unseres alten Vaters! Amen."

[HGt.01_041,14] Und seht, als der fromme Henoch solche Rede voll Würde und Erhabenheit aus dem Munde Enos' vernommen, fragte er die beiden Väter: ,Wird es sich aber wohl ziemen einem schwachen Kinde, denen zu predigen, von denen es noch gar vieles zu erlernen hat?"

[HGt.01_041,15] Seth und Enos aber entgegneten und sagten: ,Lieber Henoch, weißt du denn nicht, wie uns Adam öfter belehret hat?! Die Väter haben nur mit dem Segen des Herrn in den Leibern ihrer Kinder Wohnungen für unsere jüngeren Brüder gezeuget; da wir aber Zeuger der Leiber sind und nicht auch der Liebe, die da ist ein lebender Geist aus der Liebe Gottes, so sind wir in der Liebe ja nichts als lauter Brüder und Schwestern untereinander und sind somit vielmehr Kinder eines und desselben überheiligen Vaters in den Himmeln der Höhe, die da ist eine ewige Wohnstätte der Heiligkeit Gottes, der da ein wahrer Vater unser aller ist. Daher predige du nur zu in deiner Liebe, und sei versichert: wir werden die Zunge des Bruders und des Kindes mit der Gnade Gottes wohl unterscheiden; denn so jemand die Liebe predigt, der redet als Bruder aus dem Herzen der ewigen Liebe, und sein Wort wird sein gleich einer aufgehenden Sonne, deren Licht erwärmend verscheucht die Nebel aus den dunkeln Furchen der Erde. Wer aber nur predigen würde aus seiner ihm verliehenen Weisheit, dessen Lehre würde sein gleich dem Lichte der Sonne am Mittage, welches Licht nicht mehr erwärmet, sondern nur gewaltig und unerträglich brennt, und man sich vor übergrellen Strahlen gern flüchtet unter die allerdichtesten Schatten aus Furcht vor solchen brennenden Strahlen!

[HGt.01_041,16] Du aber, lieber Henoch, hast nur einen großen Born der Liebe und nicht der nackten Weisheit in dir; daher lasse diese deine göttliche Morgensonne uns, deinen Brüdern in Gott, aufgehen!"

[HGt.01_041,17] Und Henoch antwortete: ,Liebe Väter, wenn es so ist, da meine Empfindung aus Gott es mir auch sagt, daß es so ist, so habt ihr ja völlig recht geredet; aber nur eines habt ihr vergessen, und dieses ist von größter Wichtigkeit und lautet also: Jedweder kann reden und handeln nach seinem Belieben zur Ehre Gottes, wie und wann er will; aber zu predigen in Seinem Namen vermag nur der, dem es gegeben wurde von oben. Mir ist es gegeben nur von euch, aber noch nicht von oben; daher predige ich nur vor euch. Wenn es mir aber auch gegeben wird von oben, dann erst kann und darf ich predigen allen Brüdern die große Kraft des Namens der ewigen Liebe. Was aber die Ziemlichkeit der Preisung des großen Namens betrifft, so wißt ihr lieben Väter ja ohnehin, welcher Preis und welches Lob dem Herrn am angenehmsten ist, und wißt auch, daß da weder Worte, noch Gebärden, noch Gedanken, noch zeremonielle Gebräuche etwas, sondern soviel wie nichts sind und nur allein Liebe und Gehorsam Ihm das wohlgefälligste Opfer sind, welches wir Menschen Ihm darzubringen vermögen! - Er, der unser aller Gott und Vater ist, weiß genau, was Er mit uns will; daher geschehe ja allezeit Sein heiliger Wille! Amen."

[HGt.01_041,18] ,Ja", sprach der Seth, ,du lieber Henoch du, auch diese deine Rede war eine Rede voll Weisheit aus der unendlichen Liebe des Herrn und glich einem schönen Morgen, der in dir aufgeht und sanft erleuchtet unsere Furchen. Siehe, Henoch, alle Wahrheit ist ein Licht, das ausgeht von der sanften Flamme der ewigen Liebe, und dieses schönste, herrlichste Licht ist die wahre Morgensonne des Herzens; ja, es ist das einzige Licht, und außer diesem Lichte gibt es kein Licht, und selbst der Sonne Licht ist nur ein matter Widerschein dieses herrlichen, einzigen Lichtes der ewigen Liebe. Siehe, dieses Licht leuchtet gar so mild in deinem Herzen; es erquickt uns allezeit und erwärmt unsere Herzen mit großen, des heiligen Vaters würdigen Gedanken. Ja, wenn du redest, so kommt es mir vor, als vernähme ich Klänge aus einer Welt, die einst unseren späten Nachkommen gleich einem großen Lichtstrome aus dem ewigen Morgen Gottes aufgehen wird; - siehe, so sehr erquickt uns die Rede deines Herzens. Daher schweige nicht, sondern rede, und lasse dem Herzen freien Lauf, und zeige uns, was ich und Enos wünschen!"

[HGt.01_041,19] Und als Henoch solches vernommen, sah er gen Himmel und sprach leise in seinem Herzen zu Mir wie folgt: ,Heiliger Vater, sieh gnädig herab auf mich, Dein schwaches Kind! Siehe, ich soll geben und habe nichts denn meine Liebe zu Dir! O Vater, siehe, wir alle sind bestaubte Würmer vor Dir, Du allmächtiger, ewiger, heiliger Vater! Es ist nichts Gutes an uns als allein unsere Liebe zu Dir, die zuvor aus Dir in uns kam. Mit dieser Deiner Liebe in uns lasse Dich, o Du guter, heiliger Vater, aus allen unseren Kräften über alle Maßen lieben! Denn was kann ich Schwacher reden, da meine Liebe zu Dir mir allzeit die Zunge hemmt, - daher ich auch, wie Du es weißt, Dich weder loben noch preisen kann, da die Liebe zu Dir mir die Zunge lähmt.

[HGt.01_041,20] O Vater, sieh daher gnädig herab auf mich bestaubten Wurm und löse mir die Zunge, so Dein heiliger Wille es ist, daß ich zu reden vermöchte zur Verherrlichung Deines Namens im Angesichte meiner Väter, Brüder und Kinder! - Du weißt, daß Enos, Kenan, Mahalaleel und mein Vater Jared allzeit gepredigt haben die große Herrlichkeit Deines allerheiligsten Namens; o so lasse auch mich nicht ein unwürdiger Sohn meiner frommen Väter sein!"

[HGt.01_041,21] Und seht, als nun der Henoch solches stille Gebetlein in seinem liebenden Herzen gesprochen hatte, welches ein wahres Gebet war, und welches Mir auch nur einzig angenehm war und ewig angenehm bleiben wird, da es ein rechtes Gebet war, so ließ Ich alsobald einen Engel darniedersteigen zur Erde und stärken alldort seinen Bruder Henoch und ließ ihm vollends lösen die Zunge. Und als dieses geschehen war, sehet, da ermannte sich Henoch aus seiner Liebe und begann folgendermaßen zu reden:

[HGt.01_041,22] ,O liebe Väter und Lieblinge Gottes, seht, die Liebe zu Gott hat mich auf eine kurze Zeit blind, taub und stumm gemacht; der Herr hat in meiner Liebe mich angeschaut, und Seine unermeßliche Liebe hat mich gestärkt und gelöset meine matte Zunge. Seht, das alles hat nun soeben die ewige Liebe getan. Nun erst kann und darf ich reden; daher vernehmet das Lob des heiligen Vaters.

[HGt.01_041,23] Seht, so will es der Herr, der da voll Liebe ist, daß der Mensch Ihn liebe aus allen seinen Kräften; denn es besteht nirgends irgendeine Macht oder Kraft außer allein in Gott. Und so ist alle Kraft im Menschen nur eine Kraft der Liebe aus Gott, und diese Kraft ist gelegt in unser Herz, und dieser Kraft ist keine andere als die Liebe selbst. Da wir nun aber Liebe haben, so sollen wir sie nicht behalten, sondern sie opfern Dem, der sie uns auf eine so wunderbare Art unserem Herzen aus Seiner Gnade überschwenglich eingelegt hat.

[HGt.01_041,24] Sehet, nichts haben wir, was wir dem Herrn geben könnten, das wir nicht zuvor von Ihm erhalten hätten; und welche Freude könnten wir Ihm auch wohl machen, so wir Ihm auch die ganze Erde, ja die ganze Welt zu geben vermöchten?! Er würde uns sagen: ,Kinder, Ich bedarf dessen ewig nicht; denn so Ich Freude an Welten hätte, so könnte Ich Mir ja in jedem Augenblicke zahllose Milliarden erschaffen und hätte auf Ewigkeiten der Ewigkeiten auch den hinreichendsten Raum dazu. Allein Mich freuen nicht eure Opfer, die Mir bereitet werden aus der Materie, die da ist ein Haus des Todes, sondern Mich freuet nur ein reumütiges, Mich liebend voll zerknirschtes Herz. Das ist es, das ganz euer ist als eine freie Gabe von Mir; dessen seid ihr im Vollbesitze. So ihr wollt, könnet ihr es Mir wiedergeben, und Ich werde da einziehen mit Meiner Gnade, und ihr werdet leben ewig dann mit der Gnade in Meiner ewigen Liebe, und alle Dinge sollen klar werden wie ein Tropfen Wasser. So ihr aber selbst einzieht in euer Herz und verriegelt dann die Türe vor Mir, daß Ich nicht hinein kann, wenn Ich will, so werdet ihr alsobald euer Lebensbrot in euch verzehren; und da Ich als der alleinige Geber des Lebensbrotes mit Meiner Lebensgabe nicht mehr hineingelassen werde, so wird also auch der ewige Tod alsobald die notwendige Folge der Eigenliebe und des Selbsttums in euch werden!

[HGt.01_041,25] Denn seht, spricht der Herr ferner, Ich habe keine Freude am Nehmen, sondern Meine größte Seligkeit besteht nur ganz allein im immerwährenden Geben! Wer da empfangen will, der nehme es allezeit willig, so Ich ihm gebe, und lasse erfüllen sein Herz mit Meiner Gnade, damit dereinst Meine Liebe im Vollmaße wird einziehen können; denn wessen Herz nicht ganz erfüllt wird von Meiner Liebe, der wird nie schmecken das Leben in sich, sondern der Tod wird ihn gefangennehmen durch und durch. Denn es ist jetzt die Zeit, daß Ich jedem zuvor gebe Gnade, dann erst die Liebe aus Mir bis zur großen Zeit aller Zeiten; alsdann aber wird die Liebe sein das erste, und wer nicht haben wird die Liebe, dem wird nie zuteil werden das Licht der Gnade, sondern da wird zugrunde richten jeglichen das Licht der Welt!`

[HGt.01_041,26] Und seht, liebe Väter, und vernehmet wohl meine Rede und höret wohl, wie der Herr noch ferner spricht, und es lauten Seine Worte: ,Höret, ihr Kinder Meiner Erbarmung, Meine Gnade ist ein großer Schatz, und es hat die Erde nichts, was diesem gliche. Meine Gnade ist ein rechtes Licht aus der Höhe Meiner Heiligkeit, wie Meine Liebe ist eine rechte Speise des Lebens. Wer da nicht empfangen hat Meine Gnade, der kann nicht glauben, daß Ich es bin, aus dem alles Leben ewig strömt; wer aber nicht hat den Glauben, der ist gleich den Tieren und wird gerichtet, da er geht und steht. Doch aber so jemand wäre, der Mich da erkennen möchte in seiner Liebe, über den würden Ströme der Gnade ausgegossen werden, und da hat dann ein solcher schon im voraus teil an dem, was dereinst in der großen Zeit der Zeiten werden wird den Menschen der Erde, die eines guten Willens sind.

[HGt.01_041,27] Daher glaubet, damit ihr dereinst zur Liebe und dadurch zum Leben gelangen möget, und liebet Mich in eurem Geiste, und es seien alle eure Werke eurer Hände und eures Willens Zeugen des Lebens in euch, und eure Zunge sage euch, daß ihr Kinder Gottes seid. Ich werde die Menschen richten nach dem Glauben; Meine Kinder aber will Ich führen in Meiner Liebe, und das Licht Meiner Weisheit soll ihnen zur ewigen Leuchte des allerseligsten Lebens in Mir, ihrem liebevollsten, heiligsten Vater werden, jetzt und in alle Ewigkeiten der Ewigkeiten! Amen.`

[HGt.01_041,28] O liebe Väter, habt ihr gehört, was der Herr geredet hat?" - Und Seth antwortete: ,Ja, geliebter Henoch, wir haben es gar wohl vernommen; allein es geht uns dabei nicht viel besser als bei der Erzählung Adams; denn wir alle haben zwar Gnade, aber zu wenig Liebe!"

 

42. Kapitel

[HGt.01_042,01] Und als der Seth eine solche kurze, liebarme Bemerkung ausgesprochen hatte, seht, da kamen diesen dreien noch der Kenan, Mahalaleel und Jared entgegen und grüßten sie in aller Liebe und dankten Mir für die Gnade des Wiedersehens, und Seth segnete sie alle in Meinem Namen, damit sie reden konnten und durften im Angesichte Meiner Liebe und im Angesichte Seths, des zweiten Stammvaters der hochgesegneten Linie nach Adam, welche endlich Ich Selbst in der großen Zeit der Zeiten körperlich beschloß.

[HGt.01_042,02] Und als diese drei den Segen empfangen hatten, da öffnete zuerst Kenan den Mund und sprach: ,Liebe Väter und Kinder, höret und vernehmet wohl meine Rede; denn ich will sie euch so getreu, als ich sie empfangen habe durch nächtliches Gesicht, wiedergeben. Und dieses Gesicht stellte zehn Säulen vor, und diese Säulen ragten über ein großes Gewässer, das oft gewaltig an die Säulen schlug. Und da stand auf der ersten Säule Adam und sprach zu den Fluten: ,Höret Kinder, Gott, der Herr Zebaoth, der mächtige, große, heilige Vater aller von mir gezeugten Kinder ist ein einziger Gott! Wie Er mich auch gemacht hat zum einzigen Menschen der Erde, so ist Er von Ewigkeiten her ein einziger Gott, und es gibt außer Ihm keinen Gott mehr; denn es ist die Unendlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit ganz erfüllt von Seiner Ehre, Heiligkeit und Liebe. Daher glaubet, ihr Fluten, daß der Herr ist ein einziger, einiger, großer, ewiger, allmächtiger, heiliger, gerechter, höchst weiser, liebevollster, gnadenreicher, barmherziger, überaus guter und über alles erhabener Gott und darum unser aller Vater. Daher seid ruhig, ihr muntern Wogen, und kläret euch, damit das Licht dieses einzigen Gottes euch durchleuchten möge bis in den Grund eures Lebens! Amen.`

[HGt.01_042,03] Und sehet, da wurden ruhig die Wogen um die Säule Adams, und es fiel ein gar gewaltiges Licht von der Höhe Gottes auf die glatte Spiegelfläche der Wässer; da erglänzte die Fläche gleich einer Sonne, und aus dem Grunde der Gewässer kam ein einstimmiger Lobgesang, entwand sich gleich einer lichten Wolke den Gewässern und stieg, heller und heller strahlend, hinauf zu den ewigen, heiligen Höhen des allmächtigen Vaters, der da ist der einzige, einige Gott.

[HGt.01_042,04] Und höret weiter, ihr lieben Väter und Kinder, was ich gesehen im nächtlichen Schauen, zwar nicht mit den Augen des Leibes, - mit geistigen Augen hab' solches entzückt ich gesehen!

[HGt.01_042,05] Nicht weit von der Säule des Adam stand eine fast gleiche erhaben. Die munteren Wogen getrauten sich kaum zu erheben die blitzenden Häupter empor zur erhabenen Säule und kreisten im sanften Geschaukel voll Ehrfurcht um diese erhabene Säule herum, so, als wollten sie sagen: ,Sieh, sterblicher Mensch, sieh den Namen des Höchsten, der, heilig und liebevoll, ,Jehova` heißet! Nie soll dieser Name von frevelnden Zungen ganz eitel genennet je werden; der Name des heiligen Vaters ist heilig, wohl heilig, höchst heilig! O Menschen, o Kinder`, so riefen die kreisenden Wogen, ,bedenkt, o bedenkt, wem der Name ist eigen! Da denket in eueren Herzen, daß Gott, ja ein Gott es ist, dem dieser Name ist eigen!`

[HGt.01_042,06] Und seht, als vom kreisend sanft schaukelnden Wogengetümmel ich solches hab' staunend vernommen, konnt' ich erst erheben ganz furchtsam zur Höhe der Säule des Geistes hoch staunende Sehe und sah - o ich kann's nicht beschreiben, wie heiß und doch wonnig mir da um das Herz ist geworden! -, ich sah auf der glänzenden Höhe der Säule ganz ernsten Antlitzes dich, teueren Vater, dich, Seth, sah ich stehen! Und du sprachst zu den sanft kreisenden Wogen, was eben zuvor ich geredet, da solches von ihnen ganz treu hab' vernommen und war da im Glauben und Hören, als hätt' ich's vernommen von allen den kreisenden Wogen, was du nur geredet da hast auf der heiligen Höhe zu den die heilige Säule im sanften Geschaukel umflutenden Wogen; und wie ich geredet, so hab' ich's gesehen.

[HGt.01_042,07] Und höret nun ferner, ihr lieblichen Väter, und so auch ihr allzeit uns folgsamen Kinder! - So sah ich denn ferner unweit von der Säule des Seth ganz umflutet von leuchtenden Wogen die dritte der Säulen; die stand, wie vom rötlichen Lichte umflossen, erhab'ner denn alle die andern, und alle die Wogen, die rascher und rascher um andere Säulen sich trieben, die standen hier stille und dampften aus ihren sanft bebenden Furchen dem Herrn und ewigen, heiligen Vater, von Ehrfurcht und Liebe durchdrungen, ein feuriges Loblieb entgegen.

[HGt.01_042,08] Ich wollte nachspähen, wohin die so feurigen Dämpfe den Weg möchten nehmen, - und seht, meine Augen, geblendet beinahe vom Glanze erhab'ner Gesänge, die so da entdampften der Ruhe der reinen Gewässer, erblickten in heiliger Höhe der dritten der Säulen, von blitzenden Wolken umzogen, den dritten von euch lieben Vätern, und dieser war Enos!

[HGt.01_042,09] Ja du, Vater Enos, du standst auf der dritten der Säulen und sprachst in gar feurigen Worten zu den still horchenden Wogen: ,O höret, ihr alle Gewässer der Erde; vernehmet die Worte der Höhe und horchet den Tönen der heiligen Rede! Ihr könnet da fluten und wogen sechs Tage und Nächte in fröhlichen Reihen; doch wenn da der siebente Tag ist gekommen, gesegnet von heiliger Ruhe, der Sabbat des Herrn, ein heiliger Tag, hört, den sollet auch ihr allzeit feiern zum schuldigsten Lobe und Preise des heiligen Vaters! Denn das ist der ewigen Ordnung gemäß, daß da alles, was atmet lebendigen Odem aus Gott und im liebenden, denkenden Herzen empfindet die Liebe des ewigen, heiligen Vaters, das solle der Ruhe und Feier des heiligen Tages gedenken; denn dieses ist allzeit des heiligen Vaters hochheiliger Wille: Sechs Tage kann arbeiten all das Gewässer, kann fluten und wogen in rauschenden Zügen; doch heilige Ruhe soll wehen am heiligen Sabbat gleich feurigen Wolken, zur Feier einladend, hehr über den schweigenden, horchenden Fluten!`

[HGt.01_042,10] Und höret, ihr lieblichen Väter und folgsamen Kinder, was ich euch allhier hab' gemeldet, getreu und genau, also hab' ich's vernommen.

[HGt.01_042,11] Und höret geduldigen Willens noch ferner, geliebteste Väter, und ihr auch, uns liebende Kinder, was ich da noch ferner und weiter mit staunenden Augen des Geistes für Wunder der göttlichen Liebe und leuchtender Gnade hab' treulich gesehen! O Väter und Kinder, wie ihr mich da sehet und höret im bebenden Eifer euch meine Gesichte erzählen, ja wahrlich, so stand ich denn dort im Gesichte als vierter, vom rötlichen Lichte umflossen, auf einer ein wenig nur minder erhabenen Säule, die so wie die ersten drei leuchtend umflutet von munteren, kreisenden Wogen nach allen erdenklichen Richtungen war. Voll des Staunens ob solcher so plötzlich erhabenen Stellung, die ich da den Vätern gleich hab' eingenommen, bemerkte ich traurig, daß weiter und weiter der Säule entlang denn die Wogen stets finst'rer und stürmischer wurden und hoben in brennendem Eifer an zahllosen Stellen unstet ihre schäumenden Häupter gleich rauchenden Bergen hoch über die Säule, auf welcher ich stand, voll von Sorgen und Kummer, empor, so als wären sie Kinder, die ohne Gehorsam im Herzen sich böslich bemühen, die Säule des Vaters und so auch der Mutter zu stürzen und, selbe im Falle verhöhnend mit lästernden Zungen, zu treten mit stampfenden Füßen, an welchen da klebet in Massen des schwarzen Undankes ertötender Staub.

[HGt.01_042,12] Und als solches ich habe betrachtet die Zeitlang mit blutendem Herzen, erhob sich auf einmal, der Säule entströmend, ein heftiger Sturm und tobte Orkanen gleich über die schäumenden Häupter der bergenden Wogen. Und sehet, es währte der heftige Sturm, der Säule entströmend, nicht lange, als sich das Getümmel der tobenden Wogen, genötigt von strafender Macht der Orkane, zur segnenden Ruhe begab, so daß nur hie und da noch ein seltenes, leises Gemurmel der willig sich ebnenden Furchen der Fläche so großen Gewässers zur völligen Ruhe die leuchtenden Schichten dem göttlichen Munde entströmenden Hauches nicht unangenehm unterbrach. Und als völlig die mächtige Liebe des ewigen, heiligen Vaters mit solchen erstaunlichen Mitteln die segnende Ruhe hat treulich bewirket, so fing meinem Munde alsbald ein gar köstlicher Ton zu entquellen. Und hört, dieser Ton klang wie heilige Worte, entströmend dem liebenden Herzen des heiligen, ewigen Vaters aus Höhen der Höhen des ewigen Lichtes der Lichter unendlicher, leuchtender Sphären und goß sich in reichlichen, leuchtenden Strömen gar weithin laut über die endlose, horchende Fläche der großen Gewässer, und wie ich vernommen, sag' treu ich den Sinn solcher göttlichen Stimme gar herrlichen Klanges. Der Sinn aber sprach sich auf folgende Weise gar schön und gar wunderbar aus:

[HGt.01_042,13] ,Hört`, sprach die heilige Stimme, ,ihr stürmen nur wollenden Fluten, Gehorsam und Liebe der Säule des Kenan seid schuldig ihr bebenden Wogen, wollt lange ihr feuchten die toten und festen Geklüfte der trauernden Erde; doch wehe den bergen sich wollenden, schäumenden Wogen, die da sich erheben je über die leuchtende Säule des Kenan vermöchten!

[HGt.01_042,14] Zu klaffenden Bergen, so hoch sie auch immer erheben sich möchten, werd' Ich durch die ewige Kraft Meines Zornes und brennenden Grimmes sie jählings erhärten und festen zur zeitlich sowohl, als auch geistigen, ewigen Qual in dem brennenden Pfuhl Meines ewigen Fluches!

[HGt.01_042,15] Doch den gar ruhig gehorchenden Fluten soll zeitlich und ewig das Wogen im Lichte der ewigen Liebe des heiligen Vaters der Väter gesegneter, munterer, fröhlicher Fluten, zuströmend den Meeren des ewigen Lebens, aus Meiner Erbarmung bald werden!

[HGt.01_042,16] Erhebet euch immer denn über die heilige, leuchtende Säule des Kenan. So will es der ewige, heilige Vater der Väter und Richter der tobenden Wogen der Meere des Lebens in endlosen Reihen und feurigen Strömen aus Gott!` - Seht, geliebteste Väter, und ihr auch, uns liebende Kinder, wie ich es erzählte, so treu und so wahr, ja geradeso hab' ich's gesehen mit innerer Sehe voll Wunder und höherem Walten der ewigen Liebe in Gott und aus Gott!

[HGt.01_042,17] Und so höret denn ferner, was ich all für Wunder der göttlichen Liebe im Geiste erstaunt hab' gesehen so klar und so deutlich, als stünden so seltene Dinge ganz leiblich vor meinen hellschauenden offenen Augen des fleischlichen Leibes!

[HGt.01_042,18] Ich stand noch auf leuchtender Säule und blickte nun fürder ein wenig zur fünften der Säulen; und höret, wie staunte ich da ob des neuen erstehenden Wunders der göttlichen Liebe des ewigen, heiligen Vaters!

[HGt.01_042,19] Die Säule war düster vom Fuß bis zum Scheitel, und die sie in heftigen Stößen umflutenden Wogen, die schienen gleich glühenden Erzen sich zornentbrannt zu vernichten; da brauste und sauste der Tod durch die glühenden Tiefen der zornigen Wässer, und Woge auf Woge erstarrte, vom glühenden Grimme ergriffen.

[HGt.01_042,20] Ich sah in die Nächte der brausenden Tiefen des Todes, erblickte da Dinge - o höret, die Zunge des Menschen könnt' eher erstarren als wiederzugeben die Greuel der wütenden, ganz von dem tötenden Zorne durchglüheten Wogen!

[HGt.01_042,21] Als solches ich sattlich gesehen durch meine geöffneten Augen des Geistes im Herzen der Seele des Fleisches, da hob ich beklommenen Herzens die Augen empor zu dem Scheitel der düsteren Säule und sah dort, o höret, dich, Jared, den Sohn meines Sohnes Mahalaleels erster gesegneten Liebe, um Liebe empor zu dem ewigen, heiligen Vater für die grimmentbrannten und untereinander sich stoßenden, würgenden, mordenden Wogen gar ernstlich flehen!

[HGt.01_042,22] Und als du, mein Jared, so flehtest, da stürzte auf einmal den weithin geöffneten Himmeln entlang eine reichliche Flut voll erbarmender Liebe hernieder auf die von den Gluten des tötenden Grimmes gefesteten, gischenden Wogen. O höret, da brauste und sauste von neuem die starrende Fläche des todvollen Meeres, da fingen von neuem die hart in den Tod schon gefesteten Wogen sich wieder zu lösen in ihrer erbitterten Härte und flossen wie Brüder und Schwestern, einander sanft flutend und wogend und furchend, durchdringend und helfend, zufrieden in die von der ewigen Liebe von neuem durchwärmten Arme und Herzen.

[HGt.01_042,23] Und als ich da solches gesehen, da ward denn auf einmal von mächtigen Händen geschleudert ein flammendes Schwert in die bebenden Hände des flehenden Jared, und dieser ergriff es behende und schwang es nach göttlicher Fügung, soweit es zu schwingen nur Möglichkeit war; und als solches geschehen, da konnt' ich mit deutlich bezeichnenden Worten vernehmen:

[HGt.01_042,24] ,Du irdisches, treuloses Wogengetümmel, zu töten geschaffene Wesen als Kinder der ewigen Liebe sollst nimmer du wagen; denn Ich bin der Herr so des Lebens und so auch des Todes! Wer immer da töten wird zornigen Herzens die Brüder und Schwestern, der soll auch alsbald mit den Strafen des ewigen Todes am Geiste und Seele ganz sicher bestrafet bald werden. Daher solle niemand den andern da stoßen, noch schlagen, noch fluchen, noch morden, noch töten; denn Ich bin der Herr und der mächtige Gott so des Lebens und so auch des zeitlich' und ewigen Todes!`

[HGt.01_042,25] Und höret und sehet, geliebteste Väter und ihr auch, uns liebende Kinder, wie ich nun erzählet hab' treulich und wahr, so auch ist es geschehen von Zeichen zu Zeichen, von Wort bis zum Wort.

[HGt.01_042,26] Und als solches vernommen und helle gesehen ich hatte, da lenkte die Augen alsbald zu der sechsten der Säulen ich über und sah dort, o höret, geliebteste Väter und ihr auch, uns liebende Kinder, - es grauet zu sagen vor eueren forschenden Augen der furchtsamen Zunge des Kenan die schrecklichen Greuel, die ich, euer Kenan, geschehen mußt' sehen, und zwar bei der sechsten der Säulen.

[HGt.01_042,27] Ich sahe die Säule umflossen vom Blute und scheußlichen Schlamme, und statt der sonst munter die früheren Säulen umkreisenden Wogen, hört, krochen hier grauen- und ekelerregend ohn' alle Vergleichung die grauslichsten, schändlichsten Würmer.

[HGt.01_042,28] Und hört, selbst die Säule, die herrliche Säule, die war, wie sonst keine, vom Fuß bis zum Scheitel beschmutzt und besudelt vom Blute der Schande der schändlichen, scheußlichen Würmer! Oft krochen die Würmer hinauf bis zum Scheitel sogar; auch erhoben sich Massen um Massen empor, so daß niemand gewahren da mochte die herrliche Marke des göttlichen Willens.

[HGt.01_042,29] Soweit auch das Auge des Geistes nur immer zu reichen vermochte, so konnte es aber doch nichts als nur Haufen und Haufen erschauen und sehen, wie sich diese Haufen der Würmer zerquetschend im greulichen Eifer nun wieder vereinend zu größeren Würmern wurden und krochen dann über die andern, sich windend und krümmend gerade zur schlammüberdeckten Mahalaleelssäule, umwanden dieselbe bis unter den Scheitel und wollten ihr nehmen dadurch ganz die göttliche Form, durch welche der heilige Wille des ewigen, heiligen Vaters zur Kunde soll werden den friedlichen Wogen der großen Gewässer des Lebens im endlosen Meere der heiligen Liebe im Herzen des ewigen, heiligen Vaters.

[HGt.01_042,30] Doch hört, was da ferner ist treulich geschehen! Auf einmal erdröhnten die glühenden Himmel; die Sonne erlosch, und der Mond auch konnt' nicht mehr sanft spenden den Schein seiner Treue, und so auch die Sterne; die fielen in Mengen und Mengen zahllos aus dem purpurdurchglüheten Himmel.

[HGt.01_042,31] Und höret, als solches geschehen, da fingen zu klagen und heulen unzählige Tote aus allen den Tiefen des stinkenden Schlammes und sprachen: ,O decket uns, all ihr zerbrochenen Sterne, damit wir das Antlitz Mahalaleels ewig nicht sehen; denn der ist im Namen des ewigen, zornigen Gottes gekommen als feurige Geißel, zu schlagen uns elende Würmer, die wir denn da haben umschlungen die hohe, die herrliche Säule!`

[HGt.01_042,32] Und hört, als den finsteren Tiefen des Todes ist solches entstiegen, da barsten die Himmel, aus deren geöffneten Ritzen gewaltige Ströme des göttlichen Feuers sich über Mahalaleels Säule ergossen.

[HGt.01_042,33] Mahalaleel aber, vom Geiste des Herrn durchleuchtet, sprach: ,Höret, ihr stinkenden Wogen in Würmergestalten, die Liebe des Herrn ist ewig und heilig und rein; darum sollet auch ihr nicht Unlauterkeit treiben!

[HGt.01_042,34] Die Zeit ist gekommen, ein heiliges Feuer vom Himmel, zu waschen euch stinkende Würmer im ewigen Feuer des Zornes, so ihr euch nicht ehedem waschet zu friedlichen, liebe- und gnadedurchleuchteten, munteren Wogen.`

[HGt.01_042,35] Und als nun dem feurigen Munde Mahalaleels unter beständigen Blitzen und heftig dieselben begleitendem Donner ist solches in kräftigen Worten entquollen, o höret, da fingen die Haufen und Massen der Würmer an zu sinken, und wie sie zu ebener Fläche sich hatten geglichen, da flossen die schändlichen, ekelnden Formen gleich Erzen am sprühenden Feuer der düsteren, nervigen Schmiede in anfangs noch trübe, doch nach und nach immer in mehr sich durchklärende Wogen und friedliche Fluten hier in-, da durch-, und dort auch hehr auseinander.

[HGt.01_042,36] Und höret, also war die Ordnung, die herrliche Ordnung alsbald wieder neu hergestellt, und nach dieser Herstellung der göttlichen Ordnung ließ gierig ich schießen mein Auge in endlose Fernen so über die weißliche Fläche der großen, gar rein nun gewordenen Wässer und sah, daß da nirgends mehr Haufen und Massen sich drängten, und sah, daß nur hier und da dunklere Wogen den lichteren nahten und dann in der Nähe derselben selbst heller und heller, am Ende gar leuchtend selbst wurden, und sah da noch ferner, da ich von den endlosen Fernen der wogenden Flächen der großen Gewässer mein forschendes Auge anheim hab' gelenket dahin zur Mahalaleels Säule, daß diese gewaschen von aller der blutigen Schande gar lieblich in weißlichem Lichte erglänzte, umfurchet von niedlichen, schäkernden, leuchtenden Wogen.

[HGt.01_042,37] Mahalaleel, höre, dich sah ich dann knieen und danken dem Herrn, dem heiligen Vater der leuchtenden Wogen; und sieh, jedes Wort, das dir, dankend dem Vater der ewigen Liebe, den zitternden Lippen entstammte, floh gleich einer strahlenden Sonne hinauf zu den ewigen Höhen des ewigen, heiligen Vaters!

[HGt.01_042,38] Und hört, ihr geliebtesten Väter, und ihr auch, uns liebende Kinder, wie ich es gesehen und treu hab' gehöret, so treu und so wahr geb' ich hier es euch wieder!

[HGt.01_042,39] Und da ihr jetzt solches in euerem Herzen habt willig vernommen, so höret noch ferner erzählen mich, Kenan, die nächtlichen Wunder der göttlichen Liebe und überhell strahlenden Gnade des ewigen, heiligen Vaters!

[HGt.01_042,40] Nun höret, als solches ich sattsam gesehen im strahlenden Lichte der Gnade, entströmend den ewigen Höhen des heiligen Gottes und Vaters der Liebe und aller der friedsamen, leuchtenden Wogen, da stieß denn auf einmal mein Auge auf eine ganz glührote siebente Säule; und Henoch, der fromme, der ehrliche Henoch, stand schwebend beinahe auf dieser erglüheten Säule.

[HGt.01_042,41] Die Wogen umflossen im tückischen Treiben die hoch in die flammenden Lüfte aufsteigende Säule des Henoch. Ich staunte jedoch nicht gar lange dies sonderbar' Bild mit den Augen des Geistes da an, als ich bald zu gewahren anfing, daß da unter den tückischen Fluten, zum Teile vom Schlamme des Grundes bedecket, sich fremde, geraubte, gestohlene Wässer gar greulich gefesselt befanden.

[HGt.01_042,42] Es waren da Wässer der Liebe und Wässer der Gnade, und waren da Wässer des Lebens und Wässer des Lichtes, und so noch der Wässer erdenkliche andere Sorten; und alle die zahllosen Wässer - hört! - waren gefestet gleich denen durchsichtigen Steinen mit glühenden Banden der schändlichen, nur das Ich liebenden Liebe.

[HGt.01_042,43] Und sehet, ihr Väter und Kinder, wie dieses liebloseste Rauben und Stehlen geschah; hört, wie ich es gesehen, so will ich's euch künden: Es hoben sich Massen, von diebischem Eifer getrieben, gleich niedlichen Wölkchen aus dieser so tückischen, wogenden Fläche der großen Gewässer, von denen die Säule des Henoch umflutet nach allen unübersehbaren, erdenklichen Richtungen war. Diese Wölkchen nun flohen weit über die Grenzen des ihnen gehörigen Säulengebietes hinaus; wenn sodann sie ersahen ganz ruhige Flächen in andern Gebieten der großen Gewässer, da stürzten sie schneller denn Blitze darnieder, ergriffen mit gieriger Hast da die friedsamen Wogen, zerstäubten dieselben in dunstige Nebel und hoben und trieben dann selbe in eiligster Schnelle gleich stürmenden Winden in ihres tückfeuchten Gelichters unheimliche, schlammvolle Tiefen. In selbe versenkten sie diese so tückisch geraubten, gar friedlichen Wässer und drückten und preßten dann selbe mit ihrer gestohlenen Macht ganz zu härtesten Steinen zusammen und deckten dieselben auf schändliche Weise mit Schlamm und mit Kote der Lügen aus schändlichem Eigennutz zu.

[HGt.01_042,44] Doch es währte dies tückische, loseste Treiben nicht lange; denn bald sah ich Henoch erleuchten viel mehr als die Sonne, und brennende Strahlen, dem Haupte des Henoch entströmend, durchwühlten in mächtigen Strömen in einem Momente hell alle die schlammigen, diebischen Tiefen der großen, von Raubgier durchglühten Gewässer.

[HGt.01_042,45] Und hört, als da kaum noch die Fläche der Tücken Gewässer die brennenden Strahlen, dem Haupte des Henoch entströmend, berührten, da fingen die Wogen der tücken Gewässer an zu gischen, zu sausen und brausen. Da dampfte und qualmte die endlose Fläche und gab, von der Hitze der Strahlen genötigt, denn all die vorher gar so tückisch gestohlenen und durch die eigene Liebe und Habsucht im schlammigen Grunde gefesteten fremden Gewässer notwillig zurück. Und die fremden Gewässer, die stiegen gleich feurigen Wolken, in zahllosen Scharen den unteren, dunklen und trüberen Dämpfen der tückischen Fluten sich hurtig entwindend, empor in die reineren, leuchtenden Lüfte. Und seht, als nun sie entstiegen den Tiefen des Todes, da kamen geschäftige Winde, der Säule des Henoch entströmend, und trugen in wirbelnder Freude die neuen entbundenen Kinder gar zärtlich denn wieder, den tobenden Dämpfen der tücken Gewässer entlang, in die liebenden, harrenden Arme der edel gewordenen Wässer durch göttliche Gnade gegeb'ner Gebote zurück. Und als solches geschehen durch Wunder der heiligen Liebe von oben, da streckte auf einmal der Henoch gar machtvoll die Hände und sprach, scharf gebietend mit heftiger, donnernder Stimme:

[HGt.01_042,46] ,Ihr tückischen, diebischen, raubenden Wogen, vernehmet hinab in die Tiefen der schlammigen, finsteren Gründe den heiligen Willen des ewigen, mächtigen Gottes, und höret mit ruhiger Fläche die mächtigen Worte des Heils, das da ruft: Jeder Tropfen ist vielfach gezählet im Herzen der ewigen Liebe, und jeder demnach ist sich selbst und der ewigen Liebe zu eigen; daher werde einer nie grausam dem andern zum Raube. Denn wehe dem Diebe, dem tückischen Räuber und Mörder des Eigentums anderer reinerer Wässer und Wesen; ja wehe da allen den sich nur allein böse liebenden Wogen! Vernehmet: Die Tücke der Räuber und Diebe wird nimmerdar wogen in heiteren, furchenden Kreisen, wohl aber, hört, wird sie, im starrenden Tode zu glühenden Steinen des ewigen Fluches gefestet, in unterste Tiefen der Erde geworfen von tötender Macht des Gebotes sogleich oder einst sicher werden. ,Ihr sollet nicht rauben und stehlen!`, so lautet des ewigen, heiligen Gottes gar mächtiger Wille!

[HGt.01_042,47] ,Dies merket und achtet, ihr tückischen Wogen!` Und höret, geliebteste Väter, und ihr auch, uns liebende Kinder, das waren die letzten der donnernden Worte des Henoch von strahlender Säule als herrlichster, ewiger Marke des göttlichen Willens! Und als sie verklangen, die herrlichen Worte in ferne, dem Auge des Geistes selbst fremde Gefilde der finsteren Flächen der wogenden Greuel, da konnt' ich gar deutlich vernehmen den Tiefen entstiegene Worte. Die Worte, die sprachen gehorsamen Klanges hinauf zu der Säule: ,So mache uns rein, lichter Herold des mächtigen Willens des heiligen, ewigen Gottes, damit wir, wie andere Wässer, gefällig dem leuchtenden, heiligen Auge der ewigen, heiligen Liebe auch werden!`

[HGt.01_042,48] Und höret, da fingen, der leuchtenden Säule entströmend, gar heftige, feurige Winde zu wehen an und mischten in leuchtender Fülle das Feuer der ewigen Liebe den wogenden Fluten der horchenden, endlosen Fläche gar wundersam bei. Und die Wogen und Fluten, die wurden durchläutert von solch einer leuchtenden Milde, o höret, sie schienen so hell wie die Fläche der Sonne und lobten und priesen den Herrn der Gnade, die Säule mit strahlenden Wogen umkreisend. Da tönten die heiligen Echos harmonisch den endlosen Räumen der leuchtenden Fluten entlang. - Hört, so hab' ich's gar treulich gesehen und so es euch treulich auch wiedergegeben.

[HGt.01_042,49] Und da ihr, geliebteste Väter, und ihr auch, uns liebende Kinder, so lange schon habet geduldig die Ohren mir, Kenan, dem geistigen Redner, gar achtsam geliehen, so höret noch ferner, was alles für Wunder der göttlichen Liebe und Gnade ich habe gesehen und treulich vernommen: In einer nicht weiten Entfernung erblickte ich eine ganz glatte, wie schimmerndes Erz fast aussehende Säule; dieselbe umwogte, o höret, ein sandiges Meer!

[HGt.01_042,50] In der Ferne, da dachte und glaubte ich wirkliche Fluten der Wässer zu sehen; doch näher und näher als mir diese staubigen Fluten gekommen, je klarer wie auch desto reiner hab' ich es gesehen, daß hier nimmer Wasser, die Säule umflutend, sich wogte, doch wohl aber trockener Sand, von den Winden gehoben sich wirbelnd, das Wogen der Wässer dem forschenden Auge des spähenden Kenan gar trüglich vorlog!

[HGt.01_042,51] Als ich solches mit ärgerndem Staunen betrachtet da habe und konnte auch nirgends ein Wasser, und wär' es ein Tropfen nur, irgend nach längerem Schauen entdecken, da hob ich die Augen empor zu dem Himmel und flehte zum ewigen, heiligen Vater der Liebe um Gnade, um Hilfe und so auch um weisesten Rat; aber stumm blieb de